REZENSION

QUANDO

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: KENDi Games
  • Autoren: Jannik Walter, Reinhard Staupe
  • Grafik: Oliver & Sandra Freudenreich 
  • Spieler: 2 bis 6
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 4/10

Sag mir quando, sag mir wann ...

Über einen mangelnden Spielenachschub bei KENDi Games, dem neu gegründeten Verlag ehemaliger NSV-Mitarbeiter, kann man sich auch bei den Frühjahrsneuheiten 2024 nicht beklagen. Jetzt legen die Franken mit Quando ein neues Kartenspiel nach, das schon auf der Schachtel verspricht, „einfach für alle“ zu sein. Wird das Versprechen tatsächlich gehalten?

REGELN

Zunächst überraschen die 55 Zahlenkarten. Diese sind nämlich vorder- und rückseitig bedruckt und tragen jede mögliche Zahlenkombination von 0 bis 10 auf beiden Seiten in identischer Verteilung (z.B. 0-1, 2-6, 5-9, 7-8). Wird zu zweit oder dritt gespielt, erhält jeder Spieler zu Beginn acht Handkarten. Ab vier Spielern sind es sieben Handkarten. Die übrigen Karten liegen als Nachziehstapel bereit. 

Wenn man an die Reihe kommt, gelten folgende Regeln: Entweder man spielt eine Zahlenstraße aus, die aus genau drei aufeinanderfolgenden Zahlenkarten besteht, also etwa 3-4-5 oder 7-8-9, oder man entscheidet sich für eine beliebige Anzahl gleicher Zahlenkarten, beispielsweise zwei Karten mit dem Wert 6. Es ist auch erlaubt, nur eine einzige Karte zu spielen. In beiden Fällen wird im Anschluss an den gewählten Spielzug noch eine Karte vom Stapel nachgezogen und auf die Hand genommen. Dabei gibt es eine gewitzte Besonderheit: Gefällt einem der auf dem Kartenstapel obenauf liegende Zahlenwert nicht, kann man die Karte kurzerhand umdrehen, muss sie dann aber exakt so (mit der Rückseite) auf die Hand nehmen, darf sie also nicht erneut auf die Vorderseite wenden. 

Hinzu kommt: Spielt man genau drei gleiche Zahlenkarten aus, so darf man seine Mitspieler ein bisschen ärgern. Diese müssen dann nämlich eine 0er-Karte (sofern vorhanden) umdrehen. Befindet sich keine Null auf der Hand, muss eine Karte vom Nachziehstapel gezogen werden.

Die Runde kann auf zweierlei Weise enden – entweder, wenn ein Spieler ausschließlich Nullen auf der Hand hat, oder aktiv durch Klopfen. Wer sich für letztere Option entscheidet, verzichtet auf seinen Spielzug und überlässt stattdessen seinen Mitspielern noch einen allerletzten Zug. Diese dürfen dann nochmal ganz gewöhnlich eine Aktion durchführen (also entweder eine Straße oder eine beliebige Anzahl gleicher Karten ausspielen) und wie üblich eine Karte vom Stapel nachziehen oder passen. Erst jetzt addieren alle Spieler ihre übriggebliebenen Kartenwerte. Wer am wenigsten hat, ganz egal wie viele, schließt diese Runde mit 0 Strafpunkten ab. Doch Vorsicht: Kann der Klopfer dann nicht die wenigsten Punkte vorweisen, erhält er zusätzlich zu denen seiner Handkarten noch zusätzlich 5 Strafpunkte. 

Ein neuer Durchgang beginnt. Das Spiel endet, sobald jemand 50 oder mehr Punkte gesammelt hat. Dann gewinnt der- oder diejenige mit den wenigsten Punkten. Bei zwei Spielern empfiehlt die Spielregel, das Punktelimit etwas niedriger anzusetzen.

 GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • sehr schnell erklärt
  • daher tatsächlich „einfach für alle“
  • kleine, aber feine Kniffe sorgen für Spielreiz


CONTRA

  • optisch eher unscheinbar 

MEINUNG

Erst vor wenigen Monaten habe ich mich hier an dieser Stelle mit Claro von Zoch beschäftigt. Jetzt liegt also Quando von KENDi Games auf dem Tisch, das bis auf den Gleichklang aber sonst nichts mit dem anderen zu tun hat. Es sind vielmehr die simplen Spielregeln, die beide Kartenspiele eint. Ja, generell scheinen wir Spieler von der Vorliebe für einfache Kartenspiele in jüngster Zeit regelrecht beseelt zu sein, siehe auch das Beinahe-Spiel-des-Jahres L.A.M.A. samt der zahlreichen Nachfolger.

Quando passt daher ausgezeichnet in die Riege der eben genannten Genre-Kollegen, schließlich trifft die Beschreibung „Einfach für alle“ tatsächlich zu. Ich spiele entweder eine Straße mit aufsteigenden Zahlenkarten oder eine beliebige Zahl gleicher Karten aus, ziehe wieder eine Karte vom Nachziehstapel, fertig. Viele Regeln sind es also nicht, die Quando hat. Es sind die kleinen, aber feinen Regeldetails, die dem schlanken Kartenspiel seine Würze verleihen.

Da wäre zum einen der Kniff mit den beidseitig bedruckten Karten – er bringt zweifellos Pep ins Nachziehen, denn häufig genug ist man mit dem offen liegenden Kartenwert nicht zufrieden und ist daher geneigt zu zocken, indem man die Karte umdreht, in der Hoffnung, einen besseren Kartenwert zu bekommen. Da man sie dann aber nicht erneut wenden darf, wünschte man sich oft, man hätte doch besser den erstbesten Kartenwert genommen. Hinzu kommt eine Prise Ärgern: Ich kann meinen Mitspieler eins auswischen, indem ich drei Karten mit gleichen Zahlenwerten ausspiele. Die anderen Teilnehmer müssen dann eine 0er-Karte umdrehen bzw. eine weitere Karte vom Stapel ziehen. Hört sich jetzt zwar nicht allzu spektakulär an, erweist sich aber oft genug als spaßig.

Dann wäre da noch der Kniff mit dem Klopfen. Wir erinnern uns: Wer klopft, muss beim Spielende tatsächlich den niedrigsten Wert vorweisen, sonst kassiert der Klopfer am Spielende fünf Strafpunkte. So leitet sich auch der Spieltitel ab, denn „quando“ bedeutet „wann“ und spielt auf die Frage nach dem idealen Zeitpunkt zum Klopfen an. Jedenfalls wendet sich das Blatt häufig im letzten Moment, da man ganz am Schluss das Kartenglück der Mitspieler nicht mehr exakt einschätzen kann. Denn immerhin dürfen die Mitspieler, im Gegensatz zu einem selbst, dann noch einen allerletzten Spielzug ausführen und entscheiden so nicht selten das Spiel für sich.

Es sind kleine Details wie diese, die Quando zu einem schnellen und spaßigen Kartenspiel machen. Die einzelnen Zutaten mögen nicht sonderlich innovativ klingen (Anmerkung von Ingo: Scout-/ Krass Kariert- und auch Skyjo-Vibes sind hier erkennbar), doch das Gesamtergebnis spielt sich flott. Da geht dann auch die eher unscheinbare, aber doch stimmige Grafik in Ordnung. Dass zugunsten des kleinen Schachtelformats auf einen Punkteblock verzichtet wurde und man den Punktestand eigenständig notieren muss, ist ebenfalls völlig okay. Die 8 Kultpunkte hat sich Quando für Fans simpler, aber doch neckischer Kartenspiele auf jeden Fall verdient! 

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

CHRISTOPH

Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer

Eine Rezension vom 16.05.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: KENDi Games
Weitere Fotos: Spielkultisten