REZENSION
COLOR CRAZE
- Genre: Familie
- Jahr: 2025
- Verlag: KOSMOS
- Autoren: Mads Fløe, Kåre Torndahl Kjær
- Grafik: Fiore GmbH
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 25 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Initiativlevel: 6/10
Ploppen oder stoppen
Color Craze ist ein simples Familienspiel, bei dem ihr bunte Kugeln so auf einer Rollbahn anordnen müsst, dass möglichst viele gleichfarbige beieinander liegen. Wer es schafft, drei oder mehr Kugeln geschickt zu platzieren, bringt sie zum Ploppen und heimst Punkte ein.
REGELN
Die vor euch liegende Rollbahn bietet Platz für jeweils vier Kugeln in fünf Spalten. Zu Beginn befindet sich darin eine weiße Kugel in der Mitte, die als Joker fungiert und die alle Farben (blau, gelb, rot, lila) annehmen kann. Bei jedem Spielzug entscheidet ihr euch für eine von drei ausliegenden Kugelkarten und nehmt euch die dort gezeigten Kugeln aus dem allgemeinen Vorrat. Die entsprechenden Kugeln müsst ihr zwar in der gezeigten Anordnung unverändert übernehmen, ihr dürft die Karte aber beliebig im 90-Grad-Winkel drehen. So entstehen vier Möglichkeiten, die erhaltenen Kugeln in eure Rollbahn plumpsen zu lassen. Für eine müsst ihr euch folglich entscheiden.
Befinden sich nun drei oder mehr gleichfarbige Kugeln zusammenhängend nebeneinander, untereinander oder in L-Form, „ploppen“ sie (d.h. ihr nehmt die Kugeln der entsprechenden Farbe heraus und legt sie zurück in den Kugelvorrat) und ihr erhaltet Siegpunkte. Wie viele Punkte es für euer soeben ausgelöstes „Ploppen“ gibt, entnehmt ihr dem Spielplan, der aus 12 Punktekarten besteht, die in einem 4x3-Raster angeordnet sind. Nach dem Zufallsprinzip können dies mindestens 3 und höchstens 5 Punkte sein. Da es Punktekarten in zwei unterschiedlichen Farben gibt und die anfangs türkise Auslage später durch orangefarbene Karten abgelöst wird, die grundsätzlich wertvoller sind, erhöht sich der Punkteertrag im Spielverlauf. Es ist auch möglich, mehrere farbige Sets nacheinander zu ploppen, d.h. zunächst zum Beispiel drei rote Kugeln zum Ploppen zu bringen und anschließend noch vier gelbe.
Schafft ihr es, in einem Set vier Kugeln gleichzeitig zum Platzen zu bringen, erhaltet ihr zusätzlich ein verdeckt liegendes Bonusplättchen, dessen Unterseite eine bestimmte Kugelfarbe zeigt. Wer fünf oder mehr Kugeln ploppen lässt, erhält sogar zwei Bonusplättchen. Im weiteren Spielverlauf könnt ihr das Bonusplättchen dann in eurem Spielzug einlösen und die entsprechende Kugel zusätzlich auf die Rollbahn bringen. Der Spielplan wird dann mit einer neuen Punktekarte aufgefüllt, wobei zuvor die bereits ausliegenden Karten im Raster nach unten geschoben werden.
Das Spiel endet, sobald die Auslage an Kugelkarten am Ende eines Spielzugs nicht mehr vollständig aufgefüllt werden kann. Wer dann die meisten Punkte vorweisen kann, gewinnt. Es zählen die vorhandenen Bonusplättchen und Kugeln auf der Kugelbahn (geteilt durch 3) sowie die Summe der Punktekarten.
In der Fortgeschrittenen-Variante erhaltet ihr immer dann, wenn ihr eine Kettenreaktion auslöst, also zwei Sets an farbigen Kugeln zum Ploppen bringt, ein Sternplättchen. Am Spielende wird gezählt, wie viele ihr davon besitzt. Dabei steigen die Punkte proportional zur Anzahl der erhaltenen Marker. Zusätzlich gibt es eine beliebige Punktekarte aus der gleichen Reihe, die der Zahl der geploppten Kugeln entspricht.
In der Solovariante gibt es vier Solokarten, die zunächst gemischt und dann offen ausgelegt werden. Um zu gewinnen, muss man einerseits eine bestimmte Punktezahl erreichen und andererseits mehrfach eine Kette aus vier oder mehr Murmeln in der Farbreihenfolge der ausliegenden Solokarten ploppen lassen, andererseits gilt die Partie als verloren. Bestimmte Punktevorgaben sorgen für eine leichte, mittlere und schwierige Herausforderung.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- einfaches Spielprinzip à la Candy Crush
- lässt sich gut aus dem Bauch heraus spielen
- dadurch insbesondere für Familien gut zugänglich
- zusätzliche Solovariante
CONTRA
- Spielablauf ohne großen Spannungsbogen
MEINUNG
Vor einigen Jahren gehörte das Familienspiel Potion Explosion zu unseren Lieblingsspielen. Das lag insbesondere an der außergewöhnlichen Kugelbahn mit insgesamt 80 Glaskugeln, die bei jedem Spielzug wunderschön klackerten. Immer dann, wenn durch die Entnahme einer Kugel die darüber liegende Kugel gegen eine gleichfarbige prallte, durfte man die Kugeln, die soeben zusammengeprallt sind (plus gegebenenfalls weitere derselben Farbe) auf die Hand nehmen und für den eigenen Spielzug einsetzen. Oft entstanden so ansehnliche Kettenreaktionen – und letztlich kam es genau darauf an, diese Kettenreaktionen möglichst oft auszulösen.
Ich hole deshalb so weit aus, weil mich Color Craze ein wenig an Potion Explosion erinnert hat – was natürlich primär an dem Spielmaterial liegt. Der auffälligste Unterschied besteht darin, dass bei Color Craze jede Person eine eigene Kugelbahn vor sich liegen hat anstatt einer zentralen Murmelbox.
Bei jedem Spielzug müsst ihr eine der drei ausliegenden Kugelkarten auswählen und die entsprechenden Kugeln so in die Bahn legen, dass möglichst viele Punkte dabei herausspringen. Durch die ausliegenden Punktekarten muss aber nicht zwangsläufig ein fünffaches Ploppen gewinnbringender sein als ein dreifaches. Bin ich an der Reihe, sollte der Blick daher zunächst auf die Punktekartenauslage gerichtet sein: Für vier geploppte rote Kugeln gibt es 3 Punkte, für drei geploppte gelbe aber sogar 5 Punkte? Schnell scheint klar, wofür man sich entscheidet. Die in ihrer Kosten-Nutzen-Abwägung wechselhafte Auslage mag zunächst unfair erscheinen, doch die zusätzlich winkenden Bonusplättchen, die man für stattliche Kettenreaktionen erhält, sind nicht zu unterschätzen und sorgen für einen stimmigen Fairness-Ausgleich. Die Art und Weise, wie die Punkte verteilt sind, hat zudem positive Auswirkungen auf die Einfachheit des Spielablaufs: Schnelle Entscheidungen aus der Situation heraus werden befördert – nicht groß im Vornheraus planen, sondern einfach mal schauen, was sich so ergibt.
Color Craze – obwohl gänzlich unthematisch – spielt sich dadurch reibungslos und ermöglicht schnelle Spielzüge. Die Interaktion beschränkt sich zwar auf das Wegschnappen starker Punktekarten, doch das geht in Ordnung. Allzu große Spannungsmomente bleiben jedoch aus, was für mich der größte Kritikpunkt ist. Für 30 Minuten Spieldauer trägt der Spielablauf aber allemal. Tipp: Fangt besser gleich mit der Fortgeschrittenenvariante an, die das Ploppen zweier Sets in einem Spielzug mit Sternplättchen belohnt, die am Spielende einen fetten Punktesegen ausschütten können. Übrigens verfügt Color Craze auch über eine Solovariante, die für ein Spiel dieser „Gewichtsklasse“ absolut stimmig funktioniert.
Gerade auch die, gemessen am Preis, wertige Ausstattung mit den Kugeln (einziges Manko: Plastik statt Glas), stabilen Rollbahnen und dem Vorratsring macht Color Craze zu einer buchstäblich runden Sache. Und das liegt nicht nur an den bunten Bällchen. 7 Kultpunkte!
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 6/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
CHRISTOPH
Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer
Eine Rezension vom 26.05.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: KOSMOS
Weitere Fotos: Spielkultisten