REZENSION
NEXT STATION: PARIS
- Genre: Familien-/ Taktikspiel
- Jahr: 2024
- Verlag: HCM Kinzel / Blue Orange
- Autor: Matthew Dunstan
- Grafik: Maxime Morin
- Spieler: 1 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 25 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
- Taktiklevel: 7/10
Mit der Metro in die Banlieues
Nach London und Tokyo zieht es uns diesmal in die Hauptstadt Frankreichs, in der wir ein Metro-Netz aus vier Linien entstehen lassen. Die Karten geben dabei vor, welche Stationen verbunden werden müssen. Mit den neuen Effektkarten werden die Randbezirke aufgewertet, zudem verhelfen Kreuzungen zu mehr Flexibilität.
REGELN
Zunächst einmal gelten grundlegend die Regeln der ersten Edition, die wir euch hier bereits vorgestellt haben, Next Station: London. Hier noch einmal alles Wichtige zusammengefasst, inklusive der Neuerungen:
Jeder erhält einen eigenen (identischen) Spielzettel vom Block sowie einen der beiligenden Buntstifte. Achtung! Die Buntstifte sind keine Spielerfarben, sondern symbolisieren die Metro-Linien, von denen jeder vier erschafft. In jeder Runde erhält also jede Person einen anderen Buntstift.
Mischt die Stationskarten und bildet daraus einen verdeckten Nachziehstapel. Deckt die erste Karte für alle mitspielenden Personen auf. Jeder muss nun die Start-Station seiner Buntstift-Farbe mit einer passenden Station verbinden. Die Stationskarten zeigen, wie auch die auf dem Spielzettel vorgegebenen Stationen, unterschiedliche Symbole (Quadrat, Fünfeck, Dreieck, Kreis). Wird also z.B. eine Karte mit einem Dreieck aufgedeckt, muss die angefahrene Station ein Dreiecks-Symbol zeigen. Dabei gilt:
- Jede Station darf von jeder Linie nur 1x angefahren werden.
- Die U-Bahn-Strecke darf ab dem zweiten Spielzug immer von einem der beiden Endpunkte aus fortgeführt werden.
- Es dürfen nur gerade Strecken eingezeichnet werden, keine abknickenden.
- Die Strecken müssen entlang der gestrichelteten Linien eingezeichnet werden.
- Eine neue Strecke muss die geforderte Station auf direktem Wege erreichen, es dürfen keine anderen Stationen durchquert werden.
- Niemals darf eine Strecke eine andere auf „freier Strecke“ kreuzen. Einzige Ausnahme: Die neuen Kreuzungen. Zudem bilden Stationen mögliche Knotenpunkte, an denen sich mehrere Linien treffen können.
- Kann keine passende Station angeschlossen werden, muss bei dieser Karte gepasst werden.
Zwei Karten im Deck zeigen das Joker-Symbol. Mit ihnen darf jede Station angefahren werden. Alternativ kann mit einer solchen Karte die nächste Sehenswürdigkeit und anschließend direkt noch eine weitere verbundene Station angesteuert werden.
Eine Karte im Deck zeigt eine Weiche. Die nächste aufgedeckte Karte wird mit der Weiche kombiniert. Dann darf das Symbol der aufgedeckten Karte auf normalem Wege angefahren werden (von einem der Endpunkte aus) oder die Linie darf eine Abzweigung erhalten. Fortan kann sie dann von drei Enden fortgeführt werden.
Im Kartendeck befinden sich blaue und pinkfarbene Karten. Wurde die fünfte blaue Karte aufgedeckt, endet die Runde. Jetzt wird kurz gewertet. Jeder zählt, wie viele Stadtteile mit der gerade eingezeichneten Linie durchquert wurden (die Stadtteil-Grenzen sind als gelb markiertes Raster auf dem Spielzettel zu finden). Diese Anzahl wird nun mit der Anzahl der Stationen multipliziert, die in dem Stadtteil mit den meisten angefahrenen Stationen dieser Linie zu finden sind. Hinzu kommen je 2 Punkte für jede Anbindung einer Sehenswürdigkeit.
Dann werden die Stifte weitergegeben. In Runde 2 entwickelt also jeder eine neue Linie mit einer neuen Buntstift-Farbe auf die selbe Weise. Auch jetzt gilt: Bestehende Abschnitte (der gleichen oder einer anderen Linie) dürfen sich (außerhalb von Kreuzungen) niemals kreuzen. In Stationen dürfen sich hingegen mehrere Linien treffen, sofern sie dort enden oder auf noch unbenutzten Streckenabschnitten weiterfahren.
Nach der Wertung von Runde (= Linie) 4 werden nun noch weitere Punkte vergeben. Stationen, an denen sich mehrere Linien treffen, bringen dann Zusatzpunkte (je mehr Linien, umso mehr Punkte). Auch gibt es Punkte für jede Kreuzung, die einmal, noch besser zweimal von einer oder zwei Linien befahren wurde.
Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.
Varianten:
- Gemeinsame Ziele: Deckt zwei zufällige der fünf Zielkarten auf. Am Spielende bekommt ihr Extrapunkte für ein erfülltes Ziel, z.B. wenn eine U-Bahn-Linie mindestens 7 Bezirke durchquert oder wenn mindestens zwei Kreuzungen in beiden Richtungen befahren werden.
- Effektkarten: Legt die vier Randbezirkskarten offen aus und bildet mit ihnen und den Effektkarten Pärchen. Wenn eine Station im entsprechenden Randbezirk angefahren wird, darf optional auch der verbundene Zusatzeffekt ausgeführt werden, z.B. die Aufwertung einer Station zur Doppelstation (wird doppelt gezählt) oder die Aufwertung eines Bezirks zum Doppelbezirk (wird als zwei Bezirke gewertet).
Die Varianten von Next Station: London, Next Station: Tokyo und Next Station: Paris lassen sich auch kombinieren. Die Anleitung listet verschiedene Möglichkeiten auf.
Auch kann das Spiel solo gespielt werden.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- einfaches Flip-and-Write-Spiel mit taktischer Wegeplanung
- Varianten und kleine Neuerungen sorgen für Abwechslung
- alle spielen gleichzeitig
CONTRA
- das Glück entscheidet auch immer noch mit über den Erfolg
- keine großen Neuheiten gegenüber den beiden anderen Editionen
MEINUNG
Im Jahr 2022 habe ich Next Station: London gute 7 Kultpunkte gegeben. Mir gefallen auch heute noch die taktische Wegeplanung, das Konzept des gleichzeitigen Spielens und die verschiedenen Buntstiftfarben, die in den vier Runden reihum genutzt werden. Das eigentliche Spiel ist dann eine abstrakte Optimierungsaufgabe, wobei ich mich manchmal auch einfach aufs Glück verlassen muss, dass eine bestimmte Stationskarte zur richtigen Zeit aufgedeckt wird. Da alle gleichzeitig spielen, entstehen keine Wartezeiten, viel bekommt man vom Spiel der anderen jedoch nicht mit.
Die Zwischen- und Endwertung ist für Neulinge gerade anfangs noch eine kleine Herausforderung. Die Wertungsregeln sind im Grunde einfach, aber im Gewusel der eher nüchternen Spielzettel alle Stationen richtig zu zählen, inklusive der Umsteigemöglichkeiten, kann durchaus auch mal fehleranfällig sein. Die gelben Grenzlinien zwischen den einzelnen Bezirken lassen sich bei ungünstigen Lichtverhältnissen zudem auf den ersten Blick schlecht erkennen. Das ist dann tatsächlich so ein Spiel, bei dem ich die Online-Version auf Board Game Arena bevorzuge, einfach weil einem da das Zählen der Punkte abgenommen wird und man nichts übersehen kann. Ja, online würde ich auch sehr gute 8 Kultpunkte vergeben, so als flottes Zwischendurch- oder Absackerspiel.
Bereits bei der zweiten Edition im Jahr 2023, Next Station Tokyo, zeigte sich: Die Städte des Spiels sind austauschbar. Da es nur dezente Illustrationen gibt, wird man beim schnellen Hinsehen nicht unbedingt sofort bemerken, ob man sich gerade in London oder Paris befindet.
Alle Editionen sind eigenständig spielbar, aber, und das wird Fans erfreuen, auch kombinierbar in ihren speziellen Varianten. Ging es in London noch ums Überqueren der Themse, waren in Tokyo u.a. Doppelgleise, eine fertige Ringlinie und erstmalig auch Effektkarten für passende Stationskarten mit von der Partie. Die Effektkarten hat man, wie in allen Teilen die gemeinsamen Ziele, auch in Paris beibehalten, diesmal wertet man jedoch die Banlieues der Großstadt auf, indem die möglichen Zusatzeffekte nur in den vier kleinen Randbezirken zum Tragen kommen. Als weitere Neuerung sind die Kreuzungen auf den eigenen Spielplänen zu finden. Mit ihnen kann eine Linie quasi im Kreis geführt werden, ohne dass die Gleise einen echten Kreis bilden, aus dem niemand mehr entkommt. Auch können sich mit ihnen nun zwei verschiedene Linien kreuzen, was bisher verboten war. Ändern die Kreuzungen das gesamte Spielgefühl? Eher nicht.
Braucht man also Next Station Paris? Nun, wer bereits eine der anderen Editionen besitzt, muss nicht zwingend eine weitere dazu kaufen. Für sich genommen bleibt das Spielgefühl in allen drei Editionen doch sehr ähnlich, es sind dann schon fast nur Nuancen, die jedes Mal neue taktische Anforderungen hervorbringen. Fans des Spiels können aber tatsächlich immer etwas Neues entdecken, sodass man sich auch bedenkenlos alle drei Teile zulegen kann. Da die Reihe sich offenbar gut verkauft, würde es mich nicht wundern, wenn weitere Städte folgen. Wer da aber jedes Mal eine ganz große Innovation gegenüber dem Vorgänger erwartet, der wird vermutlich eher enttäuscht sein. Heißt aber auch: Der Kern des Spiels bleibt unangetastet, und den finde ich auch in dieser Edition wieder gut, sodass es von mir auch für Next Station: Paris wieder gute 7 Kultpunkte gibt!
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 12.09.2024
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: HCM Kinzel / Blue Orange
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