REZENSION

MY ISLAND

  • Genre: Familienspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: KOSMOS
  • Autor: Reiner Knizia
  • Grafik: Michael Menzel
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 30 Min. pro Partie
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Taktiklevel: 6/10

Ist es dieses Teil?

My Island ist der Nachfolger des Legacy-Legespiels My City. Diesmal legen wir Plättchen aus Sechsecken auf unsere Insel, um diese während einer Kampagne über 24 Partien immer wieder zu verändern.

REGELN

Die Grundregeln sind leicht. Alle haben ihre eigene Insel in Form eines Tableaus sowie ein Set aus Plättchen. Diese sind aus 2, 3 oder 4 Sechsecken zusammengesetzt und zeigen bis zu 4 verschiedene Farben. Jemand deckt eine Karte vom Stapel auf und alle suchen aus ihrem Set das passende Plättchen heraus. Das Plättchen kann nun auf die eigene Insel oder, gegen Abgabe eines Punktes, beiseite gelegt werden. Plättchen müssen, bis auf das erste Plättchen, so angelegt werden, dass mindestens ein Sechseck an ein Sechseck gleicher Farbe angrenzt.

Wer weder legen noch passen will, kann auch das Spiel für sich beenden und wartet dann, bis alle anderen auch das Spiel für sich beendet haben.

In jeder der 24 Einzelpartien gelten andere Regeln. Oft sind dies nur kleine Änderungen. Nach drei Partien ist ein Kapitel abgeschlossen und die Änderungen werden dann größer. Jedes der 8 Kapitel hat einen eigenen Umschlag, sodass es immer wieder neue Entdeckungen gibt.

Meistens gibt es für bestimmte Plättchen an bestimmten Orten oder für bestimmte Gruppen Punkte. So bringt im ersten Spiel jedes Haus (rotes Sechseck) auf einem Strandfeld einen Punkt. Am Ende des ersten Spiels bringt jedes freie Strandfeld einen Punkt Abzug.

Wurden am Ende einer Partie alle Punkte ausgezählt, bekommen der erste und zweite Platz Fortschritte, was praktisch Punkte für die ganze Kampagne sind. Die Personen mit den wenigsten Punkten bekommen meist einen kleinen Vorteil, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass nicht immer die gleichen Personen gewinnen. Oft gibt es noch Sticker oder andere Dinge, die das Spiel irreversibel verändern. Nach den 24 Spielen ist die Kampagne vorbei und der Fortschritt bestimmt, wer dann gewonnen hat.

Wer will, kann abseits der Kampagne jederzeit auch einfach das sogenannte „ewige Spiel“ spielen. Auf unveränderlichen Spielplänen, welche sich auf der Rückseite der Spielertableaus befinden, findet sich die Möglichkeit, ein Spiel welches ungefähr die Regeln des ersten Drittels der Kampagne beinhaltet zu spielen, ohne dass es Veränderungen am Spielplan gibt.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • Legacy-Spiel mit niedriger Einstiegshürde
  • zu zweit zweimal spielbar
  • anspruchsvolle Aufgaben


CONTRA

  • Regelunklarheiten und ungünstige Konstellation frustrierten uns teilweise
  • Plättchen werden leicht verwechselt

MEINUNG

My Island ist der heiß erwartete Nachfolger von My City, einem Spiel mit niedriger Einstiegshürde, das sich bei jeder Partie dauerhaft veränderte. Die immer wieder überraschenden und klugen Änderungen bei My City haben diesem Spiel auch einen Platz auf der Nominierten-Liste für das Spiel des Jahres 2020 eingebracht. Unter diesen Voraussetzungen sind die Erwartungen an My Island natürlich hoch.

Diesmal legen wir unsere Plättchen auf eine Insel, was bei dem Titel My Island jetzt keine Überraschung ist. Die Teile, die wir legen, sind aber nicht mehr aus Quadraten zusammengesetzt, sondern aus Sechsecken. Jedes Teil besteht aus 2 bis 4 Sechsecken, und jedes Sechseck zeigt eine der vier Farben, die auch für eine bestimmte Bebauung steht (Haus, Acker, Weg, Mauer).

Wie im Vorgänger gibt eine aufgedeckte Karte vor, welches Plättchen jede Person legen soll. Gegen einen Punkt kann ein Plättchen übersprungen werden. Genau wie im Vorgänger bringt dieser Mechanismus mehr Spannung und schwierige Entscheidungen ins Spiel, als man es glaubt. Es ist immer wieder eine Risikokalkulation, und manchmal ärgert man sich, weil das benötigte Plättchen erst auf der letzte Karte erscheint. Manchmal kommt aber auch alles in der perfekten Reihenfolge.

Was uns leider bei My Island immer wieder passierte, bei My City nie, war der Griff zum falschen Plättchen. Es gibt halt nur vier Plättchenformen mit verschiedenen Farbkonstellationen, und da vertut man sich schnell. Das war für mich dann so frustrierend, dass ich in mancher Partie bei fast jedem Plättchen einen genauen Kartenabgleich, versehen mit der Frage „Ist es dieses Teil?“ machte … Hier muss wirklich aufmerksam gesucht werden!

Die Aufgaben bei My Island werden nach wenigen Spielen schon recht anspruchsvoll, und der Anspruch nimmt auch noch stetig zu. Mein Eindruck ist hier, dass der Anspruch höher ist als bei My City. Er schraubt sich sogar so hoch, dass ich mich in den letzten Partien schon recht überfordert fühlte. Gut, ich konnte dann doch immer überraschend viel machen, vielleicht kam dieses Gefühl auch einfach durch eine ungünstige Konstellation auf: Meist gibt es für alle, die wenige Punkte haben, einen Vorteil für die folgenden Partien. Die meisten dieser Vorteile verlieren irgendwann ihre Relevanz, aber sie geben eine kleine Stütze. Nun spielten wir zu zweit die Kampagne und mein Partner verlor eine Reihe an Partien, die einen permanenten Vorteil bedeuteten, der ihm die letzten Partien deutlich vereinfachte. Das hat uns beiden dann weniger Spaß gemacht. Ich hatte plötzlich das Gefühl, keine Chance zu haben und mein Partner das Gefühl, nicht aus eigener Kraft gewonnen zu haben. Ich denke, dass dies bei mehr als zwei Spielern nicht so extrem auffällt, da eine bestimmte Reihe von Spielen dafür von immer der selben Person verloren werden müsste, damit dieser Fall eintritt.

Vielleicht sollte die Regeln an dieser Stelle aber doch noch einmal ein wenig überarbeitet werden, nicht nur wegen dieses Extremfalls. Denn auch so fanden wir die Regeln an manchen Stellen nicht sehr eindeutig, manche Veränderungen wurden für uns nicht gut hervorgehoben. So verdoppelt sich beispielsweise eine Belohnung von einem Kapitel zum nächsten, ohne dass dies explizit erwähnt wird. Das ist gerade bei einem Spiel, bei dem sich bei jedem Spiel die Regeln etwas ändern, besonders schade.

Viele kleine Kritikpunkte habe ich jetzt aufgezählt, aber: Entwarnung! Wir hatten schon während des größten Teils der Kampagne viel Spaß und wollten immer direkt das nächste Kapitel spielen, um zu sehen, was dann als nächstes passiert. In diesem Sinne ist My Island ein würdiger Nachfolger, wenngleich das Ende durch das bei uns entstandene Ungleichgewicht im 2-Spieler-Spiel dann etwas schlechter ausfiel, als es nötig geweden wäre. Wenigstens kann ich das Spiel jetzt weitergeben, denn im letzten Umschlag liegen Sticker bei, die es erlauben, bei einer Kampagne, die mit nur zwei Personen gespielt wurde, die geteilten Materialien wieder in den Ursprungszustand zu versetzen. Jetzt können die anderen Spielertableaus für eine zweite Kampagne genutzt werden, allerdings muss man sich dabei irgendwie behelfen, weil anscheinend drei dafür fehlende Sticker übersehen wurden.

Fazit: My Island ist ein anspruchsvolles Familienspiel, ein Legespiel, welches in einer Kampagne aus 24 Einzelspielen gespielt wird. Es macht Spaß, die verschiedenen Kapitel zu erkunden, und der Kernmechanismus macht genauso viel Spaß wie beim Vorgänger My City. Trotzdem würde ich den Vorgänger, dem ich persönlich tatsächlich immer noch 9 oder 10 Punkte in seinem Genre geben würde, im direkten Vergleich aus zuvor genannten Gründen eher empfehlen als My Island - immer noch ein schönes Konzept, aber mit gewissen kleinen Schwächen in der B-Note.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 25.09.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: KOSMOS
Weitere Fotos: Spielkultisten