REZENSION
HAPPY HOLIDAY
- Genre: Familienspiel
- Jahr: 2026
- Verlag: KOSMOS
- Autoren: Matthew Dunstan, Brett J. Gilbert
- Illustrationen: Claus Stephan
- Grafik: Antje Stephan
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 25 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 5/10
Europareise mit leichtem Gepäck
Plant eure europäische Städtereise so, dass die Reiseziele geschickt beieinander liegen, und haltet die notwendigen Koffer bereit, aber verweilt nicht allzu lange in einer Stadt, sonst droht Langeweile.
REGELN
Paris, London, Prag, Amsterdam, Barcelona, Venedig, Berlin: Diese Städte stehen im Mittelpunkt eures touristischen Interesses. Klar, dass es in den touristischen Hochburgen allerhand zu entdecken und zu erleben gibt: ein Blick vom Eiffelturm, der Besuch im Louvre, ein Abstecher ins Moulin Rouge, britische Tea Time oder, was sonst, eine Biertour durch Prag.
In eurem Spielzug wählt ihr eines von insgesamt neun ausliegenden Stadtplättchen aus drei Bereichen (grau, schwarz, weiß) aus. Das kann zum Beispiel die besagte Biertour durch die tschechische Hauptstadt sein, die allerdings nur an Werktagen stattfinden darf, oder eine Grachtenfahrt in Amsterdam, die fest am Wochenende geplant sein muss. In Berlin soll es der Genuss einer obligatorischen Currywurst sein – und zwar unbedingt in der zweiten Woche eures Europatrips.
Euer ausgewähltes Stadtplättchen platziert ihr umgehend auf dem entsprechenden Tag der ersten, zweiten oder dritten Woche eures Urlaubsplaners, wo es bis zum Spielende verbleibt. Wer die Voraussetzung des Plättchens nicht erfüllen kann oder möchte (z. B. weil der Wochentag nicht zum Feld auf dem Tableau passt), dreht es einfach um und zeigt damit einen „Ruhetag“ an. Der gibt später zwar einen Minuspunkt, was aber immer noch besser ist als eine unterbrochene Stadtverbindung, aber dazu kommen wir später.
Auf die freigewordene Lücke der Auslage auf dem Spielplan legt ihr nun zunächst, je nach Bereich, einen schwarzen, grauen oder weißen Koffer. Wird im entsprechenden Farbbereich später dann ein Plättchen entnommen, erhaltet ihr neben dem ausgewählten Plättchen den Koffer mit dazu. Nach Entnahme des zweiten Plättchens aus einem Farbbereich gibt es sogar zwei Koffer – das verspricht gute Voraussetzungen für eine ausgedehnte Europareise. Erst wenn das letzte Plättchen aus einem Farbbereich weg ist, werden neue Plättchen aus dem Beutel nachgezogen und die Auslage wird neu bestückt. Übrigens: Wem die Auswahl nicht zusagt, legt bis zu fünf eigene Koffer in den Vorrat zurück, erhält so viele Stadtplättchen wie Koffer zurückgelegt wurden und entscheidet sich schließlich für eines davon. So ist eigentlich immer für eine hinreichend gute Auswahl gesorgt.
Während die Plättchen anfangs ohne allzu großes Nachdenken an nahezu beliebige Stellen auf dem Tableau gelegt werden können, solltet ihr euch im weiteren Verlauf unbedingt auf die optimale Reiseroute konzentrieren, da am Spielende für jede Verbindung zwischen zwei Städten jeweils zwei farblich passende Koffer erforderlich sind. Hier verrät der Blick auf den Spielplan, dass die Strecke zwischen Paris und Amsterdam beispielsweise durch eine Straße (weiße Koffer) verbunden ist, während für die Route von Prag nach Venedig die Schiene (schwarze Koffer) vorausgesetzt wird. Flugkoffer (weiß) dürft ihr immer verwenden, wenn euch die passenden Koffer nicht zur Verfügung stehen, doch die geben am Spielende leider keine Punkte.
Die genannten Verbindungen gilt es während der Partie stets gut im Auge zu behalten. Das gilt ebenso für die ausliegenden Aufgabenkarten, die bestimmte Bedingungen eures Europatrips nennen. Hierfür gibt es zum Beispiel Sonderpunkte für jede verschiedene Aktivität, die in einer Woche stattfindet, oder wenn ihr es schafft, alle Städte zu besuchen.
Nach 18 Runden sind alle Felder des Tableaus belegt (denn 3 Startplättchen liegen von Anfang an aus), somit ist eure dreiwöchige Europareisereise vollständig und es wird abgerechnet:
- Wie fällt in euren Städten die Länge des Aufenthalts aus? Ein Städteaufenthalt von zwei Tagen wird mit 3 Punkten belohnt. Verweilt ihr drei Tage in einer Stadt, gibt es 6 Punkte, ab vier Tagen sogar 10. Ein längerer Aufenthalt empfiehlt sich nicht, schließlich wollt ihr was erleben und Langeweile und Routine vermeiden.
- Stadtplättchen mit Sternsymbol zählen so viele Punkte, wie Sterne darauf abgebildet sind.
- Ruhetage ziehen jeweils einen Punkt ab.
- Passende Verbindungen auf Schiene oder Straße geben jeweils zwei Punkte, Flugverbindung hingegen keinen. Zwei Punkte werden euch jedoch bei fehlenden Verbindungen abgezogen.
- Zu guter Letzt heimst ihr noch Punkte für erfüllte Aufgabenkarten ein und addiert alle diese Punkte.
Wer vorn liegt, gewinnt.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Das Thema fühlt sich einfach gut an
- Spielerisch auf den Punkt gebracht
- Aufgabenkarten machen es variabler
CONTRA
- Auslage stockt gelegentlich zu zweit
In manchen Partien hoher Glücksfaktor
Solomodus wirkt eher notdürftig ergänzt
MEINUNG
Nicht jedes Brettspiel braucht ein starkes Thema, um am Tisch zu begeistern, doch im Falle von Happy Holiday sorgt die unbeschwerte Aufmachung sofort für Neugier. Wer vertieft sich nicht gern für eine halbe Stunde in einen erlebnisreichen Europatrip zwischen Tower Bridge, Maskenball in Venedig und Prager Lendenbraten mit Knödeln? Zwar könnten die hübschen Illustrationen auf den Stadtplättchen im Grunde genommen genauso Aktivitäten im Haushalt zeigen (Mittwoch und Donnerstag: staubsaugen, Freitag: Speisekammer aufräumen, Samstag bis Dienstag: die neue Einbauküche aufbauen). Doch das schöne Gefühl, wenn auf dem eigenen Urlaubsplaner nach und nach eine perfekt durchgeplante Europareise entsteht, weckt wohlige Sehnsucht nach dem nächsten Sommerurlaub. Insofern wurde das Thema hier absolut gelungen umgesetzt und in eine Spielmechanik eingebettet, die deutlich leichter daherkommt als andere Genrevertreter wie Abroad.
Während die Plättchenauswahl am Anfang noch recht unbedarft vonstatten geht, weil man wenig falsch machen kann, ist spätestens nach dem sechsten angelegten Plättchen größtes Augenmerk gefordert. Wer eine Stadt voreilig auf sein Tableau platziert und später bemerkt, dass sie nur bedingt zur bisherigen und anschließenden Route passt, riskiert einen dicken Punkteverlust am Spielende. Vor allem die geschickte Auswahl der Koffer ist das A und O bei der Endwertung und sollte bei der Auswahl der Stadtplättchen unbedingt mitberücksichtigt werden.
Zur Erinnerung: Nur wenn sich gleiche Stadtplättchen beieinander befinden, ein Aufenthalt ausreichend lange (aber nicht zu lange) dauert, die nächste Station bestmöglich daran anschließt und die Ziele der Aufgabenkarten mit wachem Auge verfolgt werden, beweist das ein glückliches Händchen bei der Reiseplanung. Doch dieses allein bringt euch wiederum nichts, wenn nicht ebenso großer Wert auf die Reihenfolge der besuchten Städte gelegt wird. Vier Tage in Prag mögen euch zehn Punkte einbringen, und vielleicht noch mehr, wenn ihr Plättchen mit Stern ausliegen habt, doch folgt danach ein Abstecher nach London, was am anderen Ende der Reisekarte liegt, müsst ihr hierfür notgedrungen zwei weiße Flugkoffer abgeben, die keinen Punktegewinn bringen. Oder noch schlimmer: ihr könnt die notwendigen Koffer gar nicht aufweisen und erhaltet Minuspunkte für eine fehlende Verbindung.
So stellt euch Happy Holiday vor das Dilemma, aus den oftmals bescheidenen Möglichkeiten, die die Plättchenauslage hergibt, das halbwegs beste Plättchen auszuwählen. Bei alledem spielt Glück eine nicht zu vernachlässigende Rolle, was angesichts der kurzen Spieldauer und der Leichtigkeit des Spiels jedoch aus meiner Sicht vertretbar ist. Während die Möglichkeit, bis zu fünf Koffer abzugeben, so viele neue Plättchen zu ziehen und eines davon zu behalten, anfangs gerne mal vernachlässigt wird, solltet ihr diese Möglichkeit in späteren Partien unbedingt in Betracht ziehen.
Leider erweisen sich spielerische Defizite im Spiel zu zweit. Profitiert man in größerer Besetzung noch von einer abwechslungsreichen Auslage, die sich oft genug verändert, da die Plättchen häufig neu aufgefüllt werden, gerät die Reiseplanung zu zweit nicht selten ins Stocken, wenn ein bestimmter Farbbereich nur selten neu bestückt wird. Auch im Solomodus tritt dieser Makel recht deutlich zutage. Darin deckt ihr nach jedem Spielzug ein Soloplättchen auf und entfernt ein Stadtplättchen aus dem grauen, schwarzen oder weißen Bereich. Nachdem der Urlaubsplaner vollständig belegt ist und die Punkte ausgewertet wurden, ist die einsame Reise auch schon wieder vorbei und die einzige Aufgabe besteht darin, das erzielte Ergebnis beim nächsten Mal zu überbieten. Sonderlich motivierend empfand ich das jedenfalls nicht.
Trotzdem: Als leicht zugängliches Optimierungsspiel kam Happy Holiday in jeder Runde mit mehreren Personen gut an, wobei der Reiz zu dritt oder viert für mich am höchsten ist. Schade, dass man die Möglichkeit verpasst hat, Happy Holiday in ein reisetaugliches Schachtelformat zu bringen und man sich stattdessen für eine derart große Schachtel entschieden hat. Immerhin hat die Box den schönen Nebeneffekt, dass darin (selbst ausprobiert!) fünf weitere kleine Kartenspiele Platz finden – sozusagen spielerisches Handgepäck im Reisekoffer. Dank der Leichtigkeit in Thema und Spielfluss zücke ich 7 Kultpunkte.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
CHRISTOPH
Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer
Eine Rezension vom 09.07.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: KOSMOS
Weitere Fotos: Spielkultisten