REZENSION
FLÜGELSCHLAG: MITTEL- UND SÜDAMERIKA-ERWEITERUNG
(WINGSPAN: AMERICAS EXPANSION)
- Genre: Taktikspiel
- Jahr: 2026
- Verlag: Stonemaier Games / deutsche Version: Feuerland Spiele
- Autorin: Elizabeth Hargrave
- Grafik: Martha Clare, Ana Maria Martinez Jaramillo, Natalia Rojas
- Personen: 1 bis 5
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 40 bis 70 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Taktiklevel: 7/10
Kleine Vögel, große Wirkung
In dieser Erweiterung zum bekannten Engine- Building-Spiel Flügelschlag erkunden wir die Vögel Mexikos, Zentralamerikas, Südamerikas und der Karibik. Diese Region der Welt besticht durch ihre Biodiversität und ist die Heimat von über 3000 Vogelarten, darunter auch die mit der geringsten (Bienenkolibri) und größten (Schneeweißer Albatros) Flügelspannweite weltweit.
REGELN
In der Erweiterung, die dem Spiel 111 reguläre neue Vogelkarten hinzufügt, stehen die Kolibris im Vordergrund, die ein Zehntel der Vogelspezies in Lateinamerika ausmachen und durch ihre schnellen Bewegungen und schimmernden Federn faszinieren.
Mischt die neuen Vogelkarten, Bonuskarten, die Nektarressourcenmarker und die neuen Zielplättchen zu den regulären Komponenten. Baut das Spiel normal auf (das Grundspiel muss natürlich bereits vorhanden sein!). Legt danach auf die linke Seite jedes Spielertableaus ein Spielertableau-Overlay. Achtet dabei auf die korrekte Seite – je nachdem, ob ihr mit dem Tableau der Ozeanien-Erweiterung spielt oder mit dem Tableau des Grundspiels.
Jede Person erhält zudem ein Kolibri-Tableau mit den fünf Markern für die unterschiedlichen Kolibrigruppen und legt die Marker auf die Felder, die mit den Buchstarten S-T-A-R-T markiert sind.
Legt den Kolibri-Gartenplan gut erreichbar in die Tischmitte, mischt die Kolibrikarten zu einem verdeckten Nachziehstapel und legt fünf Karten davon offen auf den Plan. Zusätzlich erhält jede Person einen zufälligen Kolibri vom Stapel und legt ihn auf den Kolibriplatz im eigenen Graslandhabitat.
Jede Kolibrikarte hat in der oberen linken Ecke eines von fünf Symbolen, das eine Gruppe innerhalb der Kolibris darstellt. In der unteren linken Ecke jeder Karte befindet sich eines von fünf Belohnungssymbolen.
Der grundlegende Spielablauf bleibt unverändert. Immer wenn ihr jedoch eine der Aktionen "Futter nehmen", "Eier legen" oder "Karten ziehen" ausführt, löst ihr am Ende eures Zugs – im Rahmen der braunen Fähigkeiten des entsprechenden Lebensraums – eine Kolibri-Aktion aus.
- Kolibri nehmen: Liegt im gerade genutzten Lebensraum keine Kolibrikarte, nehmt ihr euch einen beliebigen Kolibri vom Kolibrigarten‑Tableau und legt ihn auf den linken Platz eures Spielertableaus. Anschließend führt ihr die Aktion aus, die unten links auf der Kolibrikarte angegeben ist.
- Kolibri zurücklegen: Liegt dort bereits eine Kolibrikarte, legt ihr sie stattdessen auf das Kolibrigarten‑Tableau zurück. Dafür dürft ihr auf der Leiste eures Kolibri-Boards einen Schritt auf der Leiste der entsprechenden Kolibri‑Gruppe voranschreiten (Symbol oben links auf der Karte). Überdeckt ihr beim Zurücklegen einen Kolibri im Garten, dürft ihr alternativ auch auf dessen Leiste weiterziehen.
- Zusätzliche Kolibri-Aktionen: Immer wenn ihr auf einer der fünf Leisten ein aufgedrucktes Kolibrisymbol erreicht, erhaltet ihr eine weitere Kolibriaktion – also erneut einen Kolibri nehmen oder zurücklegen. Dabei ist egal, aus welchem Lebensraum ihr nehmt oder wohin ihr legt. Wichtig: Einen Kolibri, den ihr im selben Zug in den Garten zurückgelegt habt, dürft ihr nicht sofort wieder aufnehmen (umgekehrt aber schon).
- Ende einer Leiste: Erreicht ihr auf einer Leiste das letzte Feld, bleibt der Marker dort stehen. Stattdessen bewegt ihr einen beliebigen anderen Marker einen Schritt weiter.
- Spielende: Am Spielende erhaltet ihr für alle fünf Marker auf eurem Kolibriboard Siegpunkte entsprechend ihres Fortschritts auf den Leisten.
Hinweis: Für diese Rezension stand die englischsprachige Version der Erweiterung (Wingspan Americas, Stonemaier Games) zur Verfügung. Die deutsche Version wird im Laufe des Jahres 2026 bei Feuerland erscheinen.
GALERIE
Die Fotos zeigen die englischsprachige Version
CHECKPOINT
PRO
- Hochwertiges Material
- Wunderschön illustriert
- Schnell erklärt
- Gut geschriebene Anleitung
CONTRA
- verlängert die Spielzeit
MEINUNG
Nach Europa, Ozeanien und Asien ist Americas (so der Original-Titel) die vierte große Erweiterung für Flügelschlag. Während Europa vor allem zusätzliche Karten (inklusive der türkisen „Am Rundenende“-Fähigkeiten) brachte, ergänzte Ozeanien neue, deutlich bessere Spielertableaus, und Asien führte den 2‑Spieler‑ sowie den Schwarm‑Modus ein. Americas erweitert das Spiel nun um eine neue Kartenart: die Kolibris. Und was soll ich sagen? Das gefällt mir. Die Karten sind nicht nur wie gewohnt wunderschön gestaltet, sondern verändern auch den Spielablauf spürbar.
Auf den ersten Blick wirken die Neuerungen klein – im Grunde erhält jeder Lebensraum eine Art dauerhafte braune Fähigkeit. Doch genau diese kleinen Eingriffe machen das Spiel komplexer und etwas anspruchsvoller. Das zeigt sich auch in der verlängerten Spieldauer, die vor allem durch die intensivere Planung einzelner Züge entsteht. Die Reihenfolge der Aktionen – ob ich erst Futter nehme und dann Eier lege oder umgekehrt – gewinnt an Bedeutung, denn durch eine Kolibriaktion am Zugende lässt sich unter Umständen eine komplette Aktion einsparen.
Uns ist außerdem aufgefallen, dass man insgesamt mehr Vögel ausspielt als zuvor. Obwohl wir stets mit allen Erweiterungen spielen (ja, wir sind All‑in‑Spieler), hatte bisher noch niemand sein Tableau vollständig gefüllt. Mit Americas ist uns das nun schon zweimal gelungen.
Die verlängerte Downtime zwischen den eigenen Zügen lässt sich nur bedingt zur Planung nutzen, da Mitspieler sowohl die Vogeltränke als auch das Futter im Vogelhäuschen verändern können. Obwohl ich nicht die geduldigste Spielerin bin, hat mich das nicht gestört. Wir haben auch bewusst darauf verzichtet, zu Beginn jeder Partie einen Aktionsmarker pro Spieler zu entfernen, um die Spielzeit zu verkürzen.
Ich habe Americas zu zweit, zu dritt und zu viert gespielt – und in allen Konstellationen hat es mir sehr gut gefallen. In der Viererpartie war ein Spieler dabei, der zwar Flügelschlag kannte, aber nicht alle Erweiterungen. Auch er fand problemlos in die Partie hinein. Mit Gelegenheitsspielern würde ich allerdings nicht alle Erweiterungen gleichzeitig nutzen; das könnte schnell überfordern.
Den Solomodus von Americas habe ich nicht ausprobiert, aber da alle bisherigen Erweiterungen solo hervorragend funktionierten, gehe ich davon aus, dass das hier nicht anders ist.
Braucht man Americas also? Unbedingt notwendig ist die Erweiterung sicher nicht – Flügelschlag war auch vorher schon ein sehr gutes Spiel. Aber Americas hat mich überzeugt, und ich habe nicht vor, die neuen Karten wieder auszusortieren. Die Kolibri-Mechanik macht das Spiel abwechslungsreicher und etwas anspruchsvoller, ohne es in Richtung Expertenspiel zu verschieben. Das Spiel wird bunter und vielfältiger, ohne überladen zu wirken, und die Kolibris sind einfach schön anzusehen.
Wenn mich jedoch jemand, der nur das Grundspiel besitzt, nach einer ersten Erweiterung fragen würde, wäre Americas nicht meine erste Empfehlung. Die neuen Spielertableaus aus Ozeanien oder der 2‑Spieler‑Modus aus Asien verbessern das Grundspiel meiner Meinung nach stärker. Was die Spielmechanik betrifft, bringt Americas (deutsche Version: Flügelschlag: Mittel- und Südamerika) aber definitiv mehr Neues ins Spiel als die Europa‑Erweiterung.
KULTFAKTOR: 8/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 8/10
EURE REZENSENTIN
BRITTA
Vielspielerin, Südtirol-Urlauberin, Hundeliebhaberin
Eine Rezension vom 09.06.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Stonemaier Games / Feuerland Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten