REZENSION
FLIP 7: WITH A VENGEANCE
Deutscher Titel: Flip 7 – Voll fies
- Genre: Kartenspiel
- Jahr: 2026
- Verlag: The Op Games / deutsche Version: KOSMOS (geplant)
- Autoren: Eric Olsen, Alyssa Swatek
- Personen: 3 oder mehr
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 20 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 3/10
Fieser ist feiner!
Flip 7, das selbsternannte beste Kartenspiel aller Zeiten, bekommt mit With A Vengeance, in der angekündigten deutschen Version Voll Fies, einen zweiten Teil – eine eigenständige neue Version des Push-your-Luck-Spiels mit neuen Elementen, durch die sich jetzt noch besser die Mitspielenden ärgern lassen!
REGELN
Mischt die Karten und legt sie als verdeckten Stapel bereit. Auf den Karten befinden sich Zahlen von 1 bis 13 (jeweils so oft im Stapel, wie es dem Wert der Karte entspricht), dazu eine 0, verschiedene Aktionskarten und die neue roten Minuspunkte-Karten.
Der Kartengeber der Runde teilt jeder Person eine erste Karte aus, die jeweils offen ausgelegt wird. Dann geht es reihum weiter. Bist du am Zug, bietet dir der Kartengeber eine weitere Karte an. Du kannst sie ablehnen und aus der Runde aussteigen oder sie annehmen. Nimmst du die Karte an, legst du sie offen in deine Auslage. Jede Karte ist so viele Punkte wert, wie es ihr Wert vorgibt. Problem: Erhältst du eine Karte mit einer Zahl, die bereits vor dir liegt, scheidest du ohne Punkte aus der laufenden Runde aus. Gelingt dir hingegen ein Flip 7 (= sieben unterschiedliche Zahlen in deiner Auslage), erhältst du einen Bonus von 15 Punkten und beendest die Runde für alle. Andernfalls endet die Runde, wenn alle freiwillig ausgestiegen bzw. unfreiwillig ausgeschieden sind. Jeder, der nicht ausgeschieden ist, zählt nun die Kartenwerte der eigenen Auslage zusammen. Diese Punkte werden notiert. Dann startet die nächste Runde.
Besondere Karten verändern das Spiel:
- Wer eine rote Minuspunkte- bzw. Geteilt-durch-2-Karte zieht, verschenkt sie an eine andere Person. Die Punkte dieser Person werden bei der Abrechnung der Runde entsprechend beeinflusst.
- Die 0 zwingt zum Flip 7, denn mit einer Null in der Auslage ist die Auslage automatisch 0 Punkte wert, solange kein Flip 7 erzielt wird.
- Die Unlucky 7 lässt dich alle bis dahin gesammelten eigenen Karten der Runde abwerfen.
- Die Lucky 13 ermöglicht das Auslegen einer weiteren 13.
Wird eine der folgenden Aktionskarten aufgedeckt, folgst du den Anweisungen der Karte:
- Just One More: Verschenke diese Karte. Die gewählte Person muss eine weitere Karte ziehen und darf sie nicht ablehnen.
- Swap: Tausche 2 Karten von noch im Spiel befindlichen Personen.
- Steal: Nimm dir eine Karte aus einer gegnerischen Auslage und füge sie deiner Auslage hinzu.
- Discard: Zwinge eine Person, eine von dir gewählte Karte aus ihrer Auslage zu entfernen.
- Flip Four! Lasse eine Person (ggf. auch dich selbst) vier weitere Karten ziehen, ohne zwischendurch stoppen zu dürfen.
Sobald eine Person nach einer Rundenwertung mindestens 200 Punkte gesammelt hat, ist das Spiel beendet. Wer nun die meisten Punkte besitzt, gewinnt.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Neuer Drive fürs beliebte Zockerspiel
- Mehr Interaktion
- Mehr Schadenfreude (für alle, die Ärgerelemente mögen)
CONTRA
- Kann nicht mit Teil 1 kombiniert werden
MEINUNG
Als ich im Jahr 2025 Flip 7 auf dem Tisch hatte, dachte ich mir nach der ersten Partie: "Wie, das ist alles? – das ist doch nur ein erweitertes Black Jack, das bezeichnet sich selbst als bestes Kartenspiel aller Zeiten?" Okay, der Untertitel war natürlich nie ganz ernst gemeint, aber wenn ich jetzt auf die letzten 12 Monate zurückblicke, muss ich eingestehen, dass ich Flip 7 anfangs unterschätzt habe. Das Spiel wurde bei uns zum Dauerbrenner im Spaß-Sektor. Der eigene Einfluss beschränkt sich aufs Zocken: Noch eine Karte nehmen oder lieber aussteigen? Mehr ist es nicht, und doch ist das spannend und witzig, insbesondere in Runden mit Wenig- und Gelegenheitsspielern, aber auch als lockerer Absacker unter Vielspielern.
Nun gab es bei Flip 7 kleine Details, die eine Runde vielleicht recht früh entschieden haben. Führte jemand mit 150 Punkten, zog dann auch noch wertvolle Plus-Karten, Second Chance oder gar x2, war es für die Mitspielenden quasi aussichtslos, den Führenden noch vom Sieg abzuhalten. Eine Flip Three-Karte konnte im besten Fall ein Ausscheiden aus der Runde forcieren, Freeze die Punktejagd kurzfristig stoppen, aber dennoch waren das eher kleine Stellschrauben, aktiv ins gegnerische Spiel einzugreifen.
Mit With A Vengeance (in Deutschland bei KOSMOS für Herbst 2026 als Voll fies angekündigt), wird dem genannten Phänomen nun entgegengesteuert. Bonus-Pluspunkte? Gibt es nicht mehr. Verdoppler? Nö. Second Chance? Nur was für Weicheier!
Teil 2 setzt auf deutlich mehr Interaktion, denn sowohl die Aktionskarten als auch die neuen Minuspunkte werden aktiv gegen andere Personen gespielt. So kann ich jetzt Karten stehlen, anderen Personen ungeliebte Karten zuschustern, sie gar sofort aus der Runde kicken oder sicher geglaubte Punkte schmälern. Witzige neue Ärgerelemente, die für viel Schadenfreude sorgen – vorausgesetzt, alle anderen Personen am Tisch sehen das Spiel eben auch als Spaßspiel an, ansonsten könnten nämlich bei einer willkürlichen Wahl des Zielobjektes auch mal Freundschaften zerstört werden ...
Schön finde ich dabei auch die neuen besonderen Zahlenkarten - quasi ein Joker (Lucky 13) ein Druckmittel (Zero) und das Ärgernis, gesammelte Karten zu verlieren (Unlucky 7), wobei letzteres durchaus auch ein Vorteil sein kann.
Besonders viel Spaß entsteht in größeren Runden, da zündete die neue Flip 7-Version sofort. Das Spiel ist eigenständig und besitzt (in der vorliegenden englischen Originalausgabe) andere Kartenrückseiten als Teil 1. Wer also auf die Idee kommt, beide Teile kombinieren zu wollen, wird daran (ohne kreative eigene Lösungen) gehindert. Aber: Das macht auch durchaus Sinn. Nachdem ich Teil 2 jetzt mehrfach gespielt habe, kam bei mir gar nicht der Wunsch auf, Aktionen zu vermischen. Teil 2 ist für sich gut so, wie er ist. So hat man nun also die Wahl: Wer es etwas ruhiger und positiver mag, greift zu Teil 1, wer es konfrontativer, frecher mag, der ist bei Teil 2 bestens aufgehoben. Mir gefallen beiden Versionen, wobei ich Teil 2 noch spaßiger finde. Klare Empfehlung meinerseits für alle, die glücksbasierte Zockerspiele mögen!
KULTFAKTOR: 9/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 19.03.2026
Bildnachweis:
Coverfoto: The Op Games
Weitere Fotos: Spielkultisten