REZENSION

BIER PIONIERE

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Spielefaible
  • Autor: Thomas Spitzer
  • Grafik: Harald Lieske
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 75 bis 100 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 8/10

Wo man Bier braut, lässt es sich gut leben

In diesem Worker Placement-Eurogame befinden wir uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts, wo wir in die Rolle von Braumeistern schlüpfen, die versuchen, ihre kleinen Haus-Brauereien zu Großbrauereien weiterzuentwickeln.

REGELN

Vorbereitung
Legt den Spielplan und das Tableau für die Bonusaktionen / das Rundenende auf den Tisch. Im Spiel mit weniger als vier Personen zieht ihr eine der Aufbaukarten, die eurer Spieleranzahl entspricht, und deckt die dort angegebenen Aktionsfelder mit Abdeckmarkern ab. Diese Aktionsfelder stehen dann in dieser Partie nicht zur Verfügung.

Legt die Brauerei-Ausbauten zusammen mit den Bierplättchen, dem Geld, den braunen Fässern, dem verbesserten Fasslager und den später im Spiel benötigten Arbeitern (2 kleine, 1x Stufe 2, 2x Stufe 3, 1x Stufe 4) als Vorrat neben den Spielplan.

Mischt die Aktionskarten ohne die Startkarten und die Startaktionskarten und legt davon oberhalb des Spielplans sechs Karten offen aus. Legt eine Zielkarte auf das freie Feld rechts neben den beiden aufgedruckten Zielen.

Nehmt euch jeweils ein eigenes Spielertableau und deckt mit der großen und der kleinen Abdeckplatte die Plätze zum Brauen der oberen drei Biersorten (Pils, Export, Lager) und der linken beiden unteren Biersorten (Stark, Weizen) ab. In die dreieckigen Aussparungen in diesen Platten und auf die drei rechten Aktionen auf der Verwaltungsleiste unten in der Mitte des Spielertableaus werden die schwarzen Abdecksteine gelegt. Mit den vier Kellerplättchen deckt ihr die hellen Felder in eurem Bierkeller ab. Zudem legt ihr euren Flaschenmarker auf das erste Feld auf der Braustufenleiste am oberen Rand des Spielplans, platziert das Bierfass und einen unmarkierten großen Arbeiter neben der Spielerreihenfolgeleiste, einen zweiten unmarkierten Arbeiter auf das Arbeiterfeld neben der Verwaltungsleiste auf dem eigenen Spielertableau, einen Quader in Spielerfarbe auf dem ersten Feld der Fortschrittsleiste und die beiden Scheiben in der eigenen Farbe auf dem Feld „0“ der Siegpunktleiste und der Einkommensleiste (auf dem Tableau für das Rundenende). Die Arbeiter mit den Nummern 1 und 2, den eigenen LKW, sowie einen kompletten Satz Brauscheiben stellt ihr neben euer Spielertableau.

Jeder zieht eine Startkarte, die eine Position in der Spielerreihenfolge bestimmt, nimmt sich Geld und platziert braune Fässer in Keller und Fasslager, wie auf der Karte angegeben. Dann legt ihr die Karte jeweils als erste Karte in die persönliche Auslage neben das Spielertableau. Zuletzt werden aus dem Set der 12 Startaktionskarten drei an jeden von euch ausgeteilt.

Los geht’s!


Spielablauf

Das Spiel wird über mehrere Runden gespielt, die jeweils aus Aktionsphase und Rundenendephase bestehen. In jeder Runde hat jeder fünf reguläre Aktionen über die fünf eigenen Arbeiter (4 + LKW). Wählst du in deinem Spielzug über die Zugreihenfolgeleiste den zusätzlichen Arbeiter oder den LKW, hast du eine weitere Aktion. Darüber hinaus sind über das Bonus-Tableau unter bestimmten Bedingungen weitere Aktionen möglich.


Aktionen in der Aktionsphase:

Die mit Zahlen markierten Arbeiter können für folgende neun Aktionen auf dem Spielplan eingesetzt werden:

  • Bier brauen: Je nach Position des eigenen Flaschenmarkers auf der Braustufenleiste und abhängig davon, ob du bereits Abdeckplatten und Abdeckmarker von deinem Spielertableau entfernt hast, können durch das Einsetzen eines Arbeiters hier 1 bis 4 Biersorten gleichzeitig angesetzt werden. Dazu nimmst du die entsprechende(n) Brauscheibe(n) aus deinem Vorrat und legst sie auf den zugehörigen Platz in deiner Brauerei. Dabei markierst du mit der schwarzen Ecke diejenige Zahl, die auf der Biersorte größer gedruckt ist als der Rest PLUS aktuellem Wert auf der Fortschrittsleiste auf deinem Spielertableau (Position des Quaders).


  • Drehungen ausführen: Drehungen symbolisieren die Zeit, die der Bierbrauprozess für jedes Bier in Anspruch nimmt. Beim Ansetzen des Biers wurde die Zeit (Anzahl der Drehungen) eingestellt, die ein Bier bis zur Fertigstellung benötigt. Mit dieser Aktion kannst du x Drehungen, verteilt auf beliebig viele Biere, ausführen. Dabei bestimmt sich „x“ nach der Anzahl der korrespondierenden Drehungssymbole auf deinen für den grünen Bereich ausgespielten Karten.


  • Brauereifortschritt und/oder Abdecksteine entfernen: Entweder entfernst du einen der acht schwarzen Abdecksteine von deinem Spielertableau oder du rückst deinen Marker auf der Fortschrittsleiste einen Schritt nach rechts (und nimmst dir gegebenenfalls einen Sofortbonus dafür). Zahlst du eine Münze, kannst du beide Aktionen ausführen.


  • Fässer nehmen und/oder versetzen: Du stellst entweder x Fässer aus dem allgemeinen Vorrat in dein Fasslager oder versetzt x Fässer aus deinem Fasslager in deinen Keller. Dabei ist „x“ wieder die auf den ausgespielten Handkarten angegebene Anzahl an Fässern. Zudem gilt auch hier, dass du durch das Bezahlen einer Münze beide Aktionen ausführen kannst.


  • Handkarte für den weißen Bereich ausspielen: Du spielst eine Handkarte für den weißen Bereich aus und nutzt so entweder einen Soforteffekt oder schiebst sie unter dein Spielertableau und hast ab sofort einen permanenten Vorteil zur Verfügung. Die zweite Option besteht nur, wenn der obere Teil des weißen Bereichs einen Braumeister zeigt, der auch weiß (und nicht grau) hinterlegt ist.


  • Arbeiter aufwerten: Du zahlst eine Münze und legst dein Aufwertungsplättchen auf das entsprechende Feld auf dem Rundenende-Tableau. 


  • Brauerei-Ausbau: Du zahlst drei Münzen und nimmst dir einen der sechs Brauerei-Ausbauten aus dem Vorrat. Nimmst du das erste Plättchen einer Art, erhältst du sofort einen Siegpunkt. Das Ausbauplättchen wird rechts an das Spielertableau auf den obersten möglichen Platz gelegt. Dann führst du die durch das Plättchen erhaltenen Soforteffekte aus. Ist es der zweite, dritte oder vierte Ausbau, erhältst du auch über dein Spielertableau einen Soforteffekt.


  • Münzen nehmen: Du erhältst zwei Münzen.


  • Tauschen: Hier können beliebig viele Arbeiter eingesetzt werden (und auch LKW). Durch Abgabe eines Bierplättchen, eines Fasses (aus dem Keller) oder einer Münze erhältst du wahlweise einen Siegpunkt, zwei Karten (aus der Auslage oder vom Stapel) oder eine Münze. Durch die Abgabe einer Münze kannst du zwei Tauschaktionen durchführen.


Bonusaktionen: Ergibt die Summe der Zahl, die neben dem Arbeitersymbol eines Aktionsfeldes abgedruckt ist, und der Zahl auf dem eingesetzten Arbeiter mindesten sechs, darfst du einen deiner beiden kleinen Arbeiter auf das Bonusaktionstableau setzen und eine der dort angezeigten Bonusaktionen ausführen. Hast du auf deinen ausgespielten Handkarten zwei Glühbirnen-Symbole, kannst du den kleinen Arbeiter auf das untere Bonustableau stellen. Dort sind die Bonusaktionen stärker.

LKW-Aktionen: Einmal pro Runde wird der LKW auf eines der möglichen, mit einem LKW-Symbol gekennzeichneten Felder eingesetzt, um die zugehörige Aktion auszuführen; Auftrag erfüllen, Geld nehmen, Fass nehmen/versetzen oder Karte nehmen; Tauschaktion durchführen.

Verwaltungsaktion: Einmal pro Runde wird der unmarkierte Arbeiter auf ein Aktionsfeld auf dieser Leiste eingesetzt. Drei der vier Aktionsfelder müssen hier durch das Entfernen der schwarzen Abdeckmarker erst freigeschaltet werden.

Zugreihenfolge-Aktion: Einmal pro Runde führst du eine Aktion mit deinem unmarkierten Arbeiter auf der Zugreihenfolgeleiste aus. Dabei wählst du einen der verfügbaren Plätze und nimmst dir den jeweiligen Bonus. Wählst du das Feld mit dem grauen (neutralen) LKW oder Arbeiter, setzt du diesen in der laufenden Runde ein. Damit hast du eine weitere Aktion. Je weiter links auf der Leiste du deinen Arbeiter einsetzt, desto weiter vorne steht er in der nächsten Runde in der Zugreihenfolge. Allerdings sind die Boni dann schwächer als auf Plätzen am Ende der Reihenfolgeleiste.

Rundenende-Phase: Am Rundenende werden die auf dem Rundenende-Tableau aufgeführten Aktionen der Reihe nach durchgeführt: 

  1. Jeder führt eine Drehung für jedes der eigenen Biere aus (zwei Drehungen, wenn du den Labor-Ausbau besitzt).
  2. Alle Arbeiter werden zurückgenommen und die neue Zugreihenfolge wird durch die Fässer in Spielerfarbe markiert.
  3. Alle Personen, die ihren Aufwertungsmarker in der Aktionsphase platziert haben, führen eine Arbeiteraufwertung durch. Dafür legen sie einen ihrer beiden markierten Arbeiter auf ein Feld mit einer entsprechenden Zahl neben ihren Keller. Sie entfernen das in der Zeile liegende Kellerplättchen und nehmen sich die aufgedruckte Belohnung sowie einen um eine Stufe höheren Arbeiter (aus dem Vorrat).
  4. Das Handkartenlimit wird überprüft (3 Karten bzw. 6 bei entsprechendem Fortschritt auf der Fortschrittsleiste auf dem Spielertableau) und die am weitesten links liegende Karte in der Aktionskartenauslage wird abgeworfen.
  5. Jeder nimmt sich Einkommen entsprechend dem eigenen Fortschritt auf der Einkommensleiste.


Spielende

Das Spielende wird ausgelöst, sobald jemand während einer laufenden Runde mindestens 20 Siegpunkte erreicht hat. Die Runde wird zu Ende gespielt, einschließlich der Rundenende-Phase. Danach könnt ihr für jedes Glühbirnensymbol in eurer Kartenauslage ein Bier aus dem eigenen Keller in einen Siegpunkt umtauschen. Die Glühbirnen verbrauchen sich dabei nicht. Zudem können diejenigen, die es geschafft haben, mit ihrem Flaschenmarker das letzte Feld der Brauleiste zu erreichen, pro Glühbirne in ihrer Kartenauslage eine Münze in einen Siegpunkt tauschen.

Wer jetzt die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt das Spiel.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • schöne Einbettung des Themas
  • Gewinnen durch unterschiedliche Strategien möglich
  • leicht zu erklären und zu erlernen
  • schönes, hochwertiges Material


CONTRA

  • etwas umständliche Anleitung

MEINUNG

Um es gleich vorwegzunehmen: Auf der Essener Messe SPIEL '23 habe ich eine kleine Perle übersehen. Ich erinnere mich noch daran, dass ein Freund am Stand vorbeischauen wollte, das Thema Bier mich jedoch nicht angesprochen hat und ich mich nicht weiter darum gekümmert habe. Schade, denn mir ist einige Monate lang echter Spielspaß entgangen.

Wie der Autor selbst in der Anleitung schreibt, kommt man im Ruhrgebiet am Thema Bier praktisch nicht vorbei. Überall gibt es kleine und große Brauereien, daher ist es kein Wunder, dass sich jemand dem Thema auch im Brettspiel gewidmet hat. Dass sich die Getränkeherstellung auch am Spieltisch gut umsetzen lässt, wurde bereits mit Spielen wie Viticulture und Distilled gezeigt, und die Bier Pioniere müssen sich keinesfalls dahinter verstecken.

Zunächst einmal ist das Spiel optisch ansprechend gestaltet und mit hochwertigem Material ausgestattet, wie zum Beispiel den Brauscheiben aus Holz. Außerdem haben die Karten ein Standardformat, sodass man keine speziellen Hüllen in einer seltenen Größe bestellen muss, um die Karten vor Abnutzung zu schützen (was ich normalerweise bei Spielen mache, bei denen die Karten häufig über den Tisch geschoben werden). Der Spielplan und die Spielertableaus sind übersichtlich und die Ikonographie ist verständlich. Lediglich das Symbol für den Brauprozess war einigen Mitspielern nicht eindeutig genug, aber ich denke, dass man sich merken kann, wofür dieses Symbol steht.

Die Karten sind sehr übersichtlich und ansprechend gestaltet. Dass sie drei verschiedene Bereiche haben, für die man sie mit unterschiedlichen Aktionen ausspielen kann, ist aus dem Spiel La Granja entlehnt. Das ist offensichtlich, und der Autor hat es auch in der Anleitung erwähnt. Finde ich das schlimm? Nein! Warum auch? Es funktioniert sehr gut und es gibt mittlerweile viele Spiele, die multifunktionale Karten haben. Man kann nicht an jeder Stelle das Rad neu erfinden. 

Diese Art von Karten führt im Spiel natürlich zwangsläufig dazu, dass man Entscheidungen treffen muss. Spiele ich sie für ihre weiße Aktion, um damit einen Arbeiter in dieser Runde noch aufwerten zu können, obwohl das zugehörige Aktionsfeld bereits besetzt ist? Oder behalte ich die Karte lieber für später, weil ich denke, dass ich den lukrativen Auftrag irgendwann erfüllen kann? Es ist gar nicht so einfach, eine gute Entscheidung zu treffen. 

Auf den Karten gefällt mir im weißen Bereich besonders, dass dort viele Braumeister abgebildet sind. Als erstes habe ich geschaut, ob ich die Brauerei meiner Heimatstadt finden konnte und welche Brauereien insgesamt im Spiel vertreten sind. Auch Entwicklungen und Erfindungen, die für die Brauereikunst im Allgemeinen wichtig waren, sind auf den Karten abgebildet. Zu all diesen Dingen kann man im Anhang ergänzende Informationen finden, und als jemand, der mit Wartezeiten schlecht umgehen kann, ist das genau die richtige Lektüre, wenn man etwas Zeit hat.

Beim ersten Lesen fand ich die Spielregeln etwas umständlich, da alles zunächst einmal im Überblick und dann im Detail erklärt wird. Aber nach der ersten Partie war das kein Problem mehr und man hat alles gefunden, wonach man gesucht hat. Hier haben wir übrigens einen erstklassigen Service erlebt, als während einer Partie eine Frage zum Unterschied zwischen "Karten nehmen" und "Karten ziehen" aufkam. Nachdem ich die Frage im Regelforum bei BGG gestellt hatte, haben wir innerhalb von Minuten eine persönliche Antwort vom Autor erhalten. Das war großartig!


Und was finde ich jetzt an der Spielmechanik so gut, dass ich Bier Pioniere gerne wieder spiele? Der Mechanismus ist ja hauptsächlich Worker Placement. Dabei stehen aber nicht allen Arbeitern dieselben Felder zur Verfügung. Ich kann nur zwei meiner fünf Arbeiter für die neun Aktionen auf dem Spielplan einsetzen, die mich dann auch – unter den richtigen Umständen – eine Bonusaktion ausführen lassen. Da diese teilweise so stark sind wie die Hauptaktion, darf man nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, die Voraussetzungen für diese Aktionen zu erfüllen. Dafür muss die Summe aus der Zahl neben dem Aktionsfeld und der Arbeiterstärke mindestens sechs ergeben. Und damit sind wir bei der Krux der Sache. In der ersten Runde beispielsweise kann jeder diese Vorgabe nur maximal einmal erreichen, da jeder nur einen Arbeiter der Stufe 2 besitzt und es auch nur eine begrenzte Anzahl an Feldern gibt, die die Stärke 4 haben. Was wählt man also als Aktion? Was will man auf keinen Fall den Mitspielern überlassen? Möchte ich auf jeden Fall am Ende der ersten Runde einen Arbeiter aufwerten und wenn ja, welchen? Je nach Spielerzahl steht dafür eventuell aber nur ein Feld zur Verfügung. Auf dem kann ich in der ersten Runde aber auf keinen Fall eine Bonusaktion durchführen … Hier müssen also eine Menge Entscheidungen getroffen werden. 

Die wichtigen Entscheidungen drehen sich darum, in welcher Reihenfolge ich meine Aktionen ausführe, um sie möglichst effizient nutzen zu können. Ein Plan B ist dabei unerlässlich, falls Mitspieler einem die Pläne durchkreuzen. Die Aktion im Verwaltungsbereich bleibt mir immer erhalten, während alle anderen Aktionen - oder zumindest die Boni - von anderen Personen weggeschnappt werden können. Dennoch gibt es immer eine Option - die bevorzugten Aktionen könnten allerdings erst eine Runde später als ursprünglich geplant durchgeführt werden. Möglicherweise muss ich dafür sogar meinen Zug auf der Reihenfolgeleiste aufwenden, um mir die Startspielerposition für die nächste Runde zu sichern und erhalte dafür lediglich eine einzige Karte als Belohnung.


Das Aufwerten der Arbeiter kann eine zentrale Strategie sein, denn nur so kann ich meinen Keller erweitern und an mehr Stellen Bonusaktionen auslösen. Schon in der ersten Runde stehe ich vor ich vor einer Wahl: Werte ich einen Arbeiter von Stufe 2 auf 3 auf, um in der nächsten Runde durch eine schwächere Hauptaktion die Bonusaktion auszulösen? Oder werte ich lieber von Stufe 1 auf 2 auf, um durch das dadurch entfernte Kellerplättchen auf der Brauleiste und der Einkommensleiste voranzukommen? Auch hier sind Entscheidungen gefragt.

Die Interaktionen zwischen den Spielern beschränken sich hauptsächlich auf das Wetteifern um Aktionsfelder und eventuell um die Karten in der Auslage sowie das erste Ausbauplättchen einer Art. Persönlich habe ich die Karten nie als so wichtig erachtet, dass ich mich darauf konzentriert habe, auf der Brauleiste voranzukommen, um nach dem Arche Nova-Prinzip Zugriff auf offene Karten weiter hinten in der Reihe zu haben. Gerade zu Beginn einer Partie habe ich oft vom verdeckten Stapel gezogen, um zu sehen, was noch kommen könnte.

Insgesamt gibt es also keine direkte Interaktion zwischen den Spielern, was für mich kein Problem darstellt. Das Wettrennen reicht mir völlig aus; ich muss in einem Spiel nicht ständig mit anderen Parteien in Konflikt stehen. Der einzige Nachteil dieser Art von Spielen ist, dass es äußerst schwierig ist, eine gut funktionierende Engine eines Mitspielers zu durchkreuzen. Ist jemand zum Beispiel auf der Fortschrittsleiste nahezu am Ende angelangt und hat zudem mehrere Biersorten freigeschaltet, befindet er sich zweifellos in einer starken Position.

Was ich an einem Spiel besonders schätze, ist die Möglichkeit verschiedener, gleichwertiger Strategien, die zum Sieg führen können. Natürlich hängt dies oft davon ab, was die Mitspieler tun und ob sie einen gewähren lassen. Aber abgesehen davon ist es in Bier Pioniere durchaus möglich, das gesamte Spiel über nur Alt zu brauen und in der eigenen Brauerei vielleicht die Abdeckplättchen, aber nicht die Abdeckmarker (oder umgekehrt) zu entfernen und trotzdem zu gewinnen. Sollte man unbedingt andere Biersorten benötigen, kann man diese durch weiße Kartenabschnitte und Boni beim Aufwerten von Arbeitern und beim Ausbau der Brauerei erhalten. Wenn dann auch noch genügend Aufträge für Altbier in der Auslage verfügbar sind, ist ein Sieg auf diese Weise durchaus erreichbar.

Auch eine Strategie à la "Kleinvieh macht auch Mist" kann Erfolg versprechen. Auf der Reihenfolgeleiste immer den einen Siegpunkt abzugreifen, den ersten Ausbau einer Sorte zu haben und zumindest gelegentlich drei Münzen in zwei Siegpunkte zu tauschen, kann eine beachtliche Anzahl von Punkten einbringen. Zudem bieten die Zielkarten in jedem Spiel andere Möglichkeiten, an Siegpunkte zu gelangen, und man kann seine Strategie entsprechend ausrichten. Da man die beiden aufgedruckten Ziele durch alternative Ziele ersetzen kann, bietet das Spiel eine große Variabilität beim Aufbau und den daraus resultierenden möglichen Strategien.

Insgesamt regt das Spiel zum Planen und Überlegen an, aber selbst Partien in Vollbesetzung und mit Spielern, die es vorher noch nicht gespielt hatten, dauerten nicht übermäßig lange.

Abschließend finde ich, dass das Thema sehr gut in die Spielmechanik integriert wurde. Die Möglichkeiten zum Ausbau der Brauerei, das Ansetzen und Drehen zur Darstellung der benötigten Zeit, das Erfüllen der Aufträge mithilfe des LKW und die Verrentung der Arbeiter beim Aufwerten vermitteln sehr gut das Thema des Bierbrauens. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Spiel noch oft bei unseren Spieleabenden auf den Tisch kommen wird.

KULTFAKTOR: 9/10

Spielidee: 9/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 9/10

EURE REZENSENTIN

BRITTA

Vielspielerin, Südtirol-Urlauberin, Hundeliebhaberin

Eine Rezension vom 07.04.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Spielefaible
Weitere Fotos: Spielkultisten