REZENSION

ASTROBIENEN

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Feuerland Spiele / Stonemaier Games
  • Autorin: Connie Vogelmann
  • Grafik: Kwanchai Moriya
  • Spieler: 1 bis 5
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: ca. 60 bis 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 8/10

Schuften bis zum Tiefschlaf

Die Menschheit hat es wieder einmal vermasselt, offensichtlich, denn sie ist ausgestorben. Immerhin konnten nun die Bienen die Macht übernehmen, und nun erobern sie auch das Weltall. Auf fremden Planeten sammeln sie Rohstoffe, um ihren eigenen Bienenstock stetig mächtiger zu machen. Da wird gearbeitet und gearbeitet - bis es zum Tiefschlaf kommt. 

REGELN

Bereitet den Spielplan auf der Seite vor, die eurer Personenanzahl entspricht. Mischt die Wabenplättchen verdeckt und nach Rückseite getrennt, bildet eine erste offene Auslage. Legt die Erkundungsplättchen in zufälliger Anordnung auf ihre Felder, mischt die Saatkarten und bildet einen verdeckten Stapel. Legt außerdem Tanzstreifen und -marker bereit.

Nehmt euch jeweils ein eigenes Bienenstock-Tableau (alle Bienenstöcke zeigen Waben-Felder in asymmetrischer Anordnung und mit unterschiedlichen Boni), außerdem wählt ihr eure eigene Fraktion, 20 Fraktionen stehen zur Auswahl. Legt das Fraktionsplättchen und erste Rohstoffe (auf markierte Lagerplätze) auf euer Tableau. Als Rohstoffe gibt es die Standard-Ressourcen Fasern (grün), Wasser (blau) und Pollen (gelb), außerdem gibt es die wertvolleren Rohstoffe Wachs und Honig. Jede Fraktion bietet eine individuelle Funktion / Siegpunkte-Möglichkeit, die während des Spiels aufgewertet werden kann.

Nehmt euch eure Start-Arbeiterinnen und stellt sie auf die Stärke ein, die euer Fraktionsplättchen vorgibt. Diese Bienen können eine veränderbare Stärke von minimal 1 bis maximal 4 haben.

Los geht‘s. Bist du am Zug, kannst du eine deiner aktiven Arbeiterinnen von deiner Andockstation auf ein Einsetzfeld des Spielplans legen. Die Stärke der Arbeiterin beeinflusst die Aktion, zudem gibt es verbundene Einsetzfelder, bei denen dann die Werte der Arbeiterinnen addiert werden, egal, von welcher Person eine verbundene Biene eingesetzt wurde. Sollte ein Einsetzfeld belegt sein, darf es trotzdem genutzt werden, indem eine dort befindliche Biene vom Plan geschubst wird. Ihr Besitzer kann sie nun sofort wieder mit einem um 1 erhöhten Stärkewert aktivieren. Alternativ kann so eine weggeschubste Biene auch in den Landebereich gesetzt werden, damit sie später zur Produktion beiträgt.

Folgende Aktionen sind auf dem Spielplan zu finden:

  • Ausbauen: Nimm eine Wabe vom Plan, zahle ihre Kosten und lege sie auf ein freies Wabenfeld deines Tableaus. Erhalte den Bonus, den du dort verdeckst. Plättchen müssen angrenzend verbaut werden. Die grünen Agrarwaben liefern Lagerplätze für Rohstoffe, außerdem liefern sie während eines Rückholzuges Erträge. Die blauen Anwerbungswaben liefern dauerhafte Vorteile im Spiel. Die roten Entwicklungswaben liefern starke einmalige Vorteile. 


  • Erkunden: Versetze die Bienenkönigin um maximal so viele Felder waagrecht / senkrecht, wie es dem Stärkewert der Aktion entspricht. Liegt auf dem Zielfeld ein Erkundungsplättchen, sammle es ein und erhalte den Bonus. Lege nun ein zufälliges Planetenplättchen auf dieses Feld. Ist darauf ein Rohstoff zu sehen, sammle diesen Rohstoff ein. Belege ein gestricheltes Quadrat ebenso mit einem Grund-Rohstoff, und sammle auch diesen aus dem Vorrat ein. Landest du auf einem bereits entdeckten Planeten, erhältst du diese Rohstoffe ebenso. 


  • Wachsen: Hier erhältst du (gegen Bezahlung) eine neue Arbeiterin der Stärke 1, falls sich eine deiner Bienen gerade nicht auf deiner Andockstation oder auf dem Spielplan befindet. Auch kannst du hier Ausbau-Plättchen („Rahmen“) für deinen Bienenstock erwerben, die dir jeweils vier neue Wabenfelder liefern.


  • Forschen: Ziehe Saatkarten entsprechend der eingesetzten Bienenstärke. Suche dir davon eine Karte aus und nimm sie auf die Hand. Du darfst beliebig viele Saatkarten auf der Hand besitzen und beliebig viele in deinen Spielzügen ausspielen, um dafür eine beliebige Basis-Ressource zu erhalten oder den individuellen Effekt der Karte zu nutzen.


  • Umwandeln: Bei dieser Aktion sind diverse Tauschvorgänge möglich (Karten, Ressourcen, auch der Eintausch von Rohstoff-Kombinationen in Wachs und Honig), pro Stärkewert ein Tausch.


  • Rühmen: Gegen Abgabe von Honig erwirbst du eine Ruhmeswabe, die du wie üblich verbaust. Ruhmeswaben sind einzigartige Möglichkeiten, am Spielende individuelle Siegpunkte für bestimmte Vorgaben zu generieren.


 

Wichtig: Wann immer du im Spiel Rohstoffe nicht mehr auf freien Lagerflächen deiner Waben unterbringen kannst, musst du überschüssige Ressourcen zurück in den Vorrat legen. Für jede zurückgelegte Ressource erhältst du dann einen Schritt auf der Gunstleiste der Königin. 


Wichtig: Bienen der Stärke 4 liefern bei jeder Aktion einen Bonus: Siegpunkte / zusätzliche Effekte / die Möglichkeit, eine Saatkarte für eine individuelle Punktemöglichkeit am Spielende "einzusäen" / beim Umwandeln einen Tanz auszuführen, indem eine eigene Tauschformel festgelegt wird, die dann auch andere Personen nutzen können und dir so jeweils eine Gunst der Königin bescheren /  die Aufwertung deiner Fraktion. Die Aktion „Rühmen“ kann zudem ausschließlich mit Stärke 4-Bienen ausgeführt werden.

Statt eine neue Biene einzusetzen, kannst du auch eine Rückhol-Aktion machen. Dann erhältst du alle eigenen Bienen vom Spielplan zurück. Zusammen mit den Bienen in deinem Landebereich kannst du pro Biene die Produktion einer Agrarwabe auslösen (jede Wabe produziert dabei nur einmal pro Spielzug). Im Anschluss werden diese Bienen wieder aktiviert, verbunden mit der Erhöhung ihres Stärkewertes um jeweils 1.

Erhältst du eine Stärke 4-Biene zurück (beim Rückruf oder durch Schubsen), fällt diese sofort in den Tiefschlaf. Du musst sie neben den Spielplan legen und kannst sie nur mit einer entsprechenden Aktion wieder aktivieren (dann wieder mit Stärke 1). Fällt eine Biene in den Tiefschlaf, legst du eines deiner Tiefschlafplättchen auf ein freies Bonusfeld im Tiefschlafabteil. Den Bonus (z.B. Honig, Punkte, Karte, Gunst etc.) erhältst du sofort.

Spielende / Wertung: Das Spiel endet, wenn alle Bonusfelder im Tiefschlafabteil belegt sind oder jemand sein siebtes Tiefschlafplättchen einsetzt. Nun erhält jede Person noch einen abschließenden Spielzug. Bei der Schlusswertung gibt es dann Punkte für erfüllte Voraussetzungen deiner ausgesäten Saatkarten, von Ruhmeswaben, die aufgedruckten Punkte aller weiteren gekauften Waben, deinen Fortschritt auf der Gunstleiste, für Mehrheiten in den einzelnen Sektoren des Tiefschlafabteils sowie fürs vollständige Bebauen deines eigenen Bienenstocks bzw. der zugekauften Rahmen.

Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.

Das Spiel kann mit Automa-Karten auch solo gespielt werden.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • innovatives Worker-Placement
  • hohe Variabilität
  • viele Punkte-Möglichkeiten
  • schöne Interaktion
  • tolles Spielmaterial


CONTRA

  • Thema rückt in den Hintergrund
  • macht spielerisch insgesamt nicht so viel neu

MEINUNG

In Brettspielen wurde ja bereits alles Mögliche ins All geschickt, und auch die Legende, dass die Menschheit bald ausstirbt, wird einem gerne wiederholt erzählt. Damit verwundert das recht wilde Setting der Astrobienen gar nicht mehr wirklich, warum sollten nur Katzen den Weltraum erobern wollen (MLEM)? Dass wir hier Bienen ins All schicken, rückt im eigentlichen Spiel dann aber gefühlt in den Hintergrund. Ebenso hätten die fleißigen Arbeiterinnen ihre Rohstoffe auch auf der Erde sammeln können - aber die gibt es ja offenbar gar nicht mehr, haben wir gelernt. Bedeutet für uns: Wir entdecken Planeten, statt über eine Blumenwiese zu fliegen. Mag ja auch gefühlt cooler sein.

Dennoch: Das Setting wirkt an manchen Stellen etwas generisch, ausgestattet ist es aber wirklich prächtig. Die kleinen Bienen-Figuren mit ihrer einstellbaren Stärke sind nicht nur praktisch, sondern bieten, in Kombination mit der guten Gestaltung des Spielplans und der eindrucksvollen Königin (was für ein Brummer!), definitiv einen optischen Reiz. Etwas schade ist es, dass es bei den Saatkarten dann nur noch für eine Einheitsillustration gereicht hat. Aber, ohne Frage: Übers Material, auch über den guten Schachteleinsatz, sollte sich hier niemand beschweren.

Nun muss ich zugeben, dass mich das Bienen-Thema vorab gar nicht übermäßig ansprechen wollte. Umso positiv überraschter war ich, nachdem ich Astrobienen zum ersten Mal gespielt hatte. Als Eurogame-Fan wurde mir da direkt erprobte Kost geboten. Ich sammle Ressourcen, tausche sie in andere, kaufe damit Plättchen für Punkte und Vorteile, und ich erfülle spezielle Aufträge bzw. Vorgaben - alles irgendwie, irgendwo schon mal gesehen. Astrobienen erzeugt dabei dann aber trotzdem ein frisches Spielgefühl.

Als sehr interaktiv, und auch innovativ, entpuppt sich der Worker-Placement-Mechanismus. Ich setze meine Arbeiterinnen (hier wortwörtlich) auf Einsetzfelder; die variable Stärke sorgt dabei auch für eine variable Stärke der gewählten Aktion, und da kann ich auch mit einer eigenen Biene der Konkurrenz einen Vorteil verschaffen, wenn Stärkewerte addiert werden. Umgekehrt kann natürlich auch ich Orte wählen, an denen mir andere Personen zu mehr Stärke verhelfen. Vor allem aber ist es der schöne Verdrängungsmechanismus, der hier für Interaktion sorgt. So stehen mir also immer alle Aktionen zur Auswahl, blockiert wird hier nichts; eine verdrängte Arbeiterin wird, bei sofortiger Reaktivierung, von ihrem Besitzer dann aber eben um einen Zähler stärker gemacht.

Klar, 4er-Bienen sind letztlich am lukrativsten, bieten doch nur sie Zugang zu den wertvollen Ruhmesplättchen, und sie lösen halt auch an allen anderen Orten tolle Boni aus. Wer jedoch denkt, ein Spielplan voller 4er-Bienen wäre das Optimum, der übersieht die Konsequenz, dass diese Bienen dann nicht mehr automatisch zurückkehren, sondern, wieder mit Stärke 1, zurückgekauft werden müssen. So eine 4er-Biene liefert aber zumindest einen (Tiefschlaf-)Bonus, und der Tiefschlag triggert dann auch auf lange Sicht das Spielende.

Die Agrarwaben sorgen für einen individuellen Engine-Builder-Effekt im Spiel. Je mehr Waben ich besitze, umso mehr kann ich mit ihnen in Rückhol-Aktionen produzieren, wobei auch das nur bedingt stimmt, denn jede zurückgeholte Biene kann nur den Ertrag einer grünen Wabe einholen. So ist hier auch Timing gefragt. Manchmal scheint es da dann auch besser, eine verdrängte Biene in den Landebereich zu setzen, wenn so eine Rückhol-Aktion unmittelbar bevorsteht. Timing und eine effiziente Planung der Spielzug-Abfolgen sind bei den Astrobienen unerlässlich.

Dabei besitzt das Spiel schon auch kleine Glücksfaktoren. Nicht alle Saat-Karten bieten mir dieselben Punkte-Möglichkeiten bzw. gerade nützlichen Vorteile. Das gilt auch für die zufällig ins Spiel kommenden Waben, für die Erkundungsplättchen, für die Planeten ... und doch ist das Spiel planerisch und gut zu beeinflussen. Da sind viele Variablen im Spiel vorhanden, viele asymmetrische Elemente, aber wir sind dem Spiel niemals komplett ausgeliefert. Da ist es schon hilfreich, auf bestimmte eigene Pläne hinzuspielen, auch wenn das nicht immer rein strategisch möglich ist. An mehreren Stellen werden wir dann einfach vor eine Optimierungsaufgabe gestellt.

Astrobienen kombiniert klassische Spielelemente wie beispielsweise Ressourcenmanagement mit eigenen Kniffen (hier z.B. die Bereitstellung passender Lagerflächen), und in der Gesamtkomposition spielt sich das alles, auf gehobenem Kennerspiel-Niveau, fluffig. Die Spielzüge sind meistens kurz, es gibt auch in Vollbesetzung keine allzu langen Wartezeiten. Da ständig reihum und nicht Runden-basiert gespielt wird, entsteht ein schöner Spielfluss, der zum Ende hin auch spannend werden kann, wenn es darum geht, noch irgendwie schnell bestimmte Voraussetzungen für Punkteoptionen umsetzen zu wollen, bevor jemand das Spiel beendet.

Und auch, wenn Astrobienen hier und da wirkt wie ein guter Bekannter, haben die Bienen schnell mein Spielerherz erobert, da das Spiel in seiner Gesamtheit dann doch einen neuen Drive ins bekannte Genre bringt. Für mich sind das dann sehr gute 8 Kultpunkte - sowohl die Mechanik, als auch die Varianz und das Material überzeugen mich hier, ja, momentan sogar mit einer Tendenz zur 9.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/s4tqwS0ztRU

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 05.10.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Feuerland Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten