REZENSION

3 CHAPTERS

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Amigo Spiele
  • Autor: Joe Hout
  • Grafik: Jan Bintakies
  • Spieler: 2 bis 6
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 30 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6/10

Prinzessinnen, Riesen und popelnde Trolle

Aus drei Kapiteln besteht das Märchenbuch, das ihr in diesem Kartenspiel erschafft. Sucht euch eure Märchenfiguren gut aus, um mit ihren Effekten Kristalle, Herzen und Sterne zu sammeln.

REGELN

Mischt die 50 Karten (mit Märchenfiguren im Wert von 1 bis 50) und teilt an jede Person 8 Handkarten aus. 

In Chapter I wählt ihr eine Handkarte aus und legt sie verdeckt vor euch ab. Gebt die restlichen Karten an die nächste Person weiter. Dies wiederholt ihr, bis jeder sieben Karten besitzt. Im Spiel zu dritt wählt ihr insgesamt zunächst nur vier Karten aus, erhaltet dann acht neue, und wählt nochmals, wie oben beschrieben, vier Karten aus, sodass jeder acht Handkarten besitzt. Im Spiel zu zweit kommen dabei zwei imaginäre Mitspieler (Geister) ins Spiel, die ebenso Karten erhalten und weitergeben.

In Chapter II spielt der Startspieler eine Handkarte aus, die anderen folgen reihum. In Stichspiel-Manier gewinnt die Person einen Stern, die die höchste Karte ausgespielt hat. Nun zeigen die Karten aber zusätzliche Symbole (Monster, Bösewicht, Kind, Wunderland, Zauber, Tier, Zwerg und Krone) und auch individuelle Effekte. Verteilt entsprechend Kristalle, Herzen oder Sterne, wenn die Bedingung einer Karte erfüllt wird (ggf. durch die weiteren Karten im Stich). Die Person, die die höchste Karte gespielt hat, eröffnet dann die neue Runde. Im Spiel zu zweit werden für die beiden Geister-Spieler dabei immer zufällige Karten aufgedeckt, deren Symbole für die Effekte der ausgespielten Karten genutzt werden können.

Behaltet eure ausgespielten Karten jeweils vor euch liegen! Achtet zudem darauf, dass manche Karten nur Effekte für Chapter II, andere für Chapter III besitzen.

Wurden alle Handkarten ausgespielt, folgt Chapter III. Jetzt nehmt ihr noch einmal alle eigenen ausgespielten Handkarten und löst ihre Effekte erneut aus, diesmal allerdings nur noch im Bezug auf eure eigenen Karten! Verteilt erneut Kristalle, Herzen und Sterne.

Am Spielende ist jeder Stern 2 Punkte wert, jedes Herz 1 Punkt und je zwei Kristalle ebenso 1 Punkt. Wer die meisten Punkte besitzt, gewinnt.

 GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • neuer Kniff, Karteneffekte mehrfach zu werten
  • taktisches Timing in Chapter II, planbare Synergien in Chapter III
  • witzige Illustrationen der Märchenfiguren


CONTRA

  • grundlegend bekannte Spielmechaniken
  • erhöhter Glücksfaktor bei bestimmter Personenanzahl

MEINUNG

Auch wenn die Karten auf den ersten Blick vielleicht gar nicht besonders aufregend gestaltet sind, so lohnt es sich doch, einen genaueren Blick auf die dargestellten Märchenfiguren zu werfen. Da zieht der Troll grünen Schleim aus seiner Nase, das Seeungeheuer mampft genüsslich ein ganzes Schiff und der große böse Wolf überzeugt durch ein modisches Oma-Kleid. Auf jeden Fall zaubern einem die Karten ein Schmunzeln ins Gesicht.

Das Spiel an sich bezeichnet seine eigenen Spielphasen als Chapter, also Kapitel. Im Kern sind das aber einfach Phasen, wie wir sie aus anderen Spielen kennen. Zunächst wird die eigene Kartenhand durch Draften zusammengestellt. Dabei sollte man bereits auf die verschiedenen Symbole und Effekt-Synergien achten, die später möglich sind. Anfangs können die vielen Möglichkeiten da noch etwas überfordern, mit jeder Wiederholungspartie prägen sich die Kombinationen besser ein.

Punkte durch gewonnene Stiche zu machen, ist jetzt erst einmal nichts Besonders. Und die Art der Stichrunde in Chapter II ist auch nicht besonders originell - die höchste Karte gewinnt, das war's. Und doch gibt es hier eine neue taktische Komponente, denn alle ausgespielten Karten liefern entsprechende Vorlagen durch Symbole oder bestimmte Figuren, um die Funktionen anderer Karten im Stich zu erfüllen - zumindest im Idealfall. So sollte ich mir also genau überlegen, wann ich welche Karte in einen Stich werfe, um selbst zu punkten bzw. lukrative Effekte anderer Personen zu verhindern. Auch hier gilt: Anfangs ist das noch schwer, alles im Blick zu haben, besonders in Vollbesetzung, aber gerade Kinder prägen sich die Kartenfunktionen dann auch schnell ein, sodass irgendwann nicht mehr bei jeder Karte erst gelesen werden muss.

In Chapter III müssen die Karten dann ein weiteres Mal ran, die Wertung erfolgt dann ähnlich wie bei Fantastische Reiche. Jetzt ist es von Vorteil, wenn die eigenen Karten gut zueinander passen, um weitere Punktemarker einsammeln zu können.

So ist 3 Chapters dann ein Spiel mit drei Spielphasen, von denen zwei die zuvor zusammengestellte Handkarten-Kombinationen auf verschiedene Weise überprüfen. Das ist ein netter neuer Twist, der doppeltes taktisches Handeln erfordert. Nun ist die Taktik besonders ausgeprägt, wenn in Vollbesetzung gespielt wird. Dann nämlich sind grundsätzlich schon mal 48 der 50 Karten im Spiel, sodass das Risiko, vergeblich auf eine punkteträchtige Partnerkarte zu warten, sinkt. Im Spiel zu zweit, zu viert oder fünft sind es entsprechend weniger Karten - und somit ist dann die Möglichkeit größer, dass punkteträchtige Kombinationen gar nicht erst entstehen können, einfach, weil das nötige Kartenpendant noch im Stapel liegt.

Zu dritt oder zu sechst gefällt mir 3 Chapters also am besten, da dann nahezu alle Karten im Umlauf sind. Das Spiel macht in seinen einzelnen Phasen jetzt gar nichts überragend Neues, kombiniert die erprobten Mechaniken jedoch zu einem erfrischend-neuen Ganzen. Die humorvollen Illustrationen erzeugen im Familienbereich zusätzlichen Spielreiz. Da es ein Vorteil ist, die unterschiedlichen Synergien bereits zu kennen, lohnt es sich, das Spiel öfters zu spielen; die Spieldauer eignet sich gut für eine spontane Wiederholungspartie.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 07.10.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Amigo Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten