REZENSION

ZOO TYCOON: NEW SHORES

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: geplant für 2025
  • Verlag: Treeceratops
  • Autoren: Marc Dür, Samuel Luterbacher
  • Grafik: Nina Pommelin, Victor Sales, Johanna Tarkela, Katie Wakelin
  • Spieler: 1 bis 4
  • Alter: ab 13 Jahren
  • Dauer: ca. 120 bis 180 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: schwer
  • Taktiklevel: 8/10

Neue Ufer

In Zoo Tycoon - das Brettspiel habt ihr euch bereits darin geübt, euren Zoo wirtschaftlich zu führen, das Tierwohl zu beachten und eure Popularität zu steigern. Jetzt warten neue Tiere darauf, in eure Gehege einzuziehen. Dazu gibt es neue Biome und - als neue Attraktion - das Vivarium.

KICKSTARTER PREVIEW

Wichtig vorab: New Shores ist eine Erweiterung. Zum Spielen benötigt ihr das Grundspiel!

Die Regeln des Grundspiels bleiben weitestgehend erhalten. Wer Zoo Tycoon als Brettspiel noch nicht kennt, kann hier noch einmal die Rezension inkl. Regelüberblick nachlesen oder sich das dort verlinkte Video anschauen.

Doch was ist neu? Hier ein Überblick:

Die Anzahl der Biome wird um drei neue Landschaftsarten erweitert. Hinzu gesellen sich Tundra & Steppe, Wasser und Trockenwald. Entsprechend gibt es auch neue Spenden- und Ereigniskarten.

Die 24 neuen Tiere inkl. Karten und 3D-Figuren bewohnen die neuen Biome, einige Tiere stellen dabei auch zwei Biome zur Auswahl. Außerdem gibt es 12 neue Zusatztiere in Plättchenform, die, wie im Grundspiel, mit den Haupttieren in die Gehege einziehen dürfen. Die Anleitung empfiehlt, zunächst nur mit den neuen Tieren zu spielen. Später könnt ihr den Tiermarkt („Tiertausch“) auch modular gestalten und einzelne Spezien aus dem Grundspiel mit ins Spiel holen, inklusive der ursprünglichen Biome. Für den Tiertausch-Plan gibt es spezielle Kärtchen mit allen „alten“ Tierarten, mit denen ihr einzelne neue Tiere abdecken könnt.

Die neuen Tiere führen sechs neue Tierkategorien ein, bei den Haupttieren sind das die Beuteltiere und die Reptilien. Statt der bekannten Rückzugsorte aus dem Grundspiel, benötigen die Reptilien spezielle Reptilienhäuser, die jeweils, in 3D-Form, ein komplettes Feld auf eurem Zooplan einnehmen. Nachwuchs wird bei diesen Tieren in Form von geschlechtsneutralen Eiern geboren. Ihr könnt die Eier dann beliebigen Geschlechtern zuordnen, wenn die Tiere in euren Zoo einziehen. Eier liegen zunächst, genau wie es beim Säugetier-Nachwuchs der Fall ist, auf Gehegeplättchen der entsprechenden Tierart, sie können allerdings, im Gegensatz zu den Säugetieren, auch ins Vivarium gelegt werden, sofern es sich um das komplette Gelege des Tieres handelt.

Als neues Biom gibt es Wasser, dazu passend entsprechende Wassertiere. Der Erfahrungslevel auf Wassertier-Karten kann dabei von anderen Wassertieren gesteigert werden, die sich auf dem Zooplan bzw. im Vivarium befinden. Semi-aquatische Tierarten benötigen eine bestimmte Anzahl an Wasser-Plättchen in ihrem Gehege, auch wenn sie eigentlich in einem anderen Biom leben. Achtung: Wasser-Biome verursachen Kosten in eurem Zoo! Auch Wassertiere erlauben teilweise Zusatztiere in ihrem Gehege.

Zusätzlich zum eigenen Zoo-Tableau besitzt jeder nun auch ein Vivarium. Diese kleine Tafel wird einfach neben dem eigenen Zoo ausgelegt. Im Herbst einer Spielrunde werden dann eigene Vivarium-Tiere (als Plättchen, aus dem Beutel gezogen) angeboten, die auf die eigene Tafel gelegt werden können, inklusiver individueller Boni. Maximal zwei Tiere können pro Phase gekauft werden, wobei das erste Tier 1 Geld und das zweite Tier 2 Geld kostet. Das Vivarium ist unterteilt in drei Sektionen (Reihen). In jeder Reihe dürfen immer nur Plättchen mit einer Gemeinsamkeit liegen, maximal drei Plättchen pro Reihe: gleiches Biom, gleiche Kategorie oder gleicher Bonus. Am Spielende gibt es Punkte für vollständig gefüllte Reihen (inkl. belegtem Eier-Feld in der obersten Reihe). Auch wenn es bestimmte Tierarten mehrfach im Spiel gibt, so darf im eigenen Vivarium von jeder Tierart nur eine untergebracht werden (wie im restlichen Zoo auch).

Weiterhin gibt es neue Naturschutzprojekte und neutrale Bildungsstände, die sich optisch nicht mehr auf bestimmte Biome beschränken, aber immer zwei Biomen zugeordnet werden müssen.

Auch lässt sich die Erweiterung mit dafür eigenen Regeln solo spielen.

Hinweis: In dieser Spiel-Erklärung habe ich bewusst nur die wichtigsten Regeln genannt. Es gibt noch einige weitere Detail-Regeln, die ihr dann aber besser im Spiel erkundet. Seht diese Erklärung bitte als allgemeine Übersicht an, was im Spiel alles möglich ist.

Zum Test stand uns ein Vorabexemplar des Spiels (Prototyp) zur Verfügung. Das Spiel kann sich bis zur Veröffentlichung noch verändern.

 GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • viel Neues zu entdecken
  • Wasser-Biome verlangen zusätzliche ökonomische Planung
  • Vivarium mit Puzzle-Element als Nebenschauplatz
  • modulare Anpassung ermöglicht freie Kombination mit dem Grundspiel


CONTRA

  • noch mehr Details zu beachten

MEINUNG

Das Vorteilhafte an Erweiterungen komplexer Spiele ist ja, dass die Zielgruppe bereits klar definiert ist. In meiner Preview zum Grundspiel warnte ich davor, von Zoo Tycoon ein neues Zooloretto zu erwarten. Mit seiner prächtigen Gestaltung und den schönen Tierfiguren spricht das Spiel optisch sicher sofort Familien an, doch die könnten sehr schnell überfordert sein vom komplexen Ablauf. Zoo Tycoon - das Brettspiel ist schon mehr eine Simulation, definitiv ein Expertenspiel, auch mit wirtschaftlichen Aspekten. Man muss sich da gerade anfangs erst einmal in die verschiedenen Detailregeln einarbeiten. Hat man die Konzepte verstanden und mag Spiele dieser Art, die auch mal drei Stunden dauern, dann ist Zoo Tycoon immer noch eine Empfehlung.

Zwei Jahre nach dem Grundspiel folgt nun mit New Shores eine Erweiterung, und die ist sehr umfangreich ausgefallen, was man bereits daran erkennt, dass die Spielschachtel die selbe Größe hat wie das Ursprungsspiel. Betrachtet man das neue Material, fällt auf, dass man im Grunde ein Zoo Tycoon 2 erschaffen hat, für das einzelne Elemente aus dem Grundspiel benötigt werden, um es spielen zu können. Heißt: Komplett neue Tierarten, neue Tierkategorien, neue Biome. Besonders reizvoll: Wasser. Wassertiere benötigen entsprechende Wasser-Gehege, semi-aquatische Tiere benötigen nur einzelne Wasser-Biome in ihrem Gehege, immer auch mit der ökonomischen Überlegung verbunden, dass jedes Wasser-Biom im Zoo Kosten verursacht.

Auf den ersten Blick wirkt da das Vivarium fast schon wie Beiwerk, denn für diese neue Tafel gibt es eigene Tierplättchen, ein komplett anderes Legekonzept (keine Gehege, dafür eine Art Puzzle beim Auslegen, denn die Plättchen jeder Reihe müssen Gemeinsamkeiten aufweisen), direkte Boni im Spiel und Punkte am Spielende, wenn man das Gebäude gut gefüllt hat. Das Spiel wird durch das Vivarium dann noch einmal etwas länger, aber das kleine Tableau spielt sich dabei angenehm fluffig. Schön ist es, dass es auch hier Verzahnungen mit den Tieren auf dem Zootableau gibt.

Thematisch ist das alles sehr gut gelungen, zumal es jetzt auch eine zweite Form von Nachwuchs gibt: Eier. Da man da nicht direkt das Geschlecht bestimmen kann, bleiben die Eier im Spiel geschlechtsneutral, was einem auch wieder neue taktische Optionen eröffnet. Sehr gelungen!

Während die neuen Vivarium-Tiere, wie auch die Zusatztiere, als hübsch illustrierte Plättchen daherkommen, gibt es zu den Haupttieren, neben den großen, ebenso schön illustrierten Karten, wieder Tierfiguren aus Holz als Hingucker. So kommt dann auch wieder optisch zusätzliches Leben ins ansonsten sehr strategisch-planerische Spiel.

Der Zoo wächst, und das wortwörtlich, denn die Tiertausch-Tafel, über die neue Tiere Einzug halten, ist modular anpassbar, sodass man, wenn man New Shores erst einmal richtig kennengelernt hat, auch Grundspiel und Erweiterung noch enger verknüpfen kann, indem man Tiere und Biome mischt, sodass sich dann sehr große Variationsmöglichkeiten ergeben.

Fest steht: Wem das Zoo Tycoon-Brettspiel bisher zu komplex war, wird New Shores wohl kaum bei Kickstarter unterstützen. Genau in dieser Tatsache liegt ein Vorteil. Fehlkäufe wird es mit New Shores nicht mehr geben. Die Regeldetails erhöhen sich mit der Erweiterung noch einmal, klar. Für sich genommen sind die neuen Elemente aber doch recht schnell verinnerlicht, einfach, weil sie auch immer einen thematischen Bezug haben.

Fans des Zoo Tycoon-Brettspiels möchte ich New Shores dann auf jeden Fall ans Herz legen. Es beinhaltet nicht einfach nur „More of the same“, es bringt stattdessen mit allen neuen Elementen auch schöne neue taktische bzw. strategische Kniffe ins Spiel, die es wert sind, entdeckt zu werden, und die im Idealfall dann (als Zoo mit doppelt so vielen Tieren und Biomen zur Auswahl) zu einem modularen Expertenspiel-Leckerbissen im XL-Format werden.

Hinweis: Das Spiel kann ab dem 2. Juli 2024 auf Kickstarter finanziert werden: https://www.kickstarter.com/projects/marcduer/zoo-tycoon-the-board-game-new-shores

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 9/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 30.06.2024

Diese Preview wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Treeceratops
Weitere Fotos: Spielkultisten