REZENSION

ZIGGURAT

  • Genre: Familie
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Autoren: Rob Daviau, Matt Leacock
  • Grafik: Cory Godbey
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 45 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Initiativlevel: 6/10

Auf die Spitze getrieben

Eine Ziggurat ist laut Definition ein stufenförmiger Tempelturm in der babylonischen Baukunst. Und genau in ein solches Bauwerk verschlägt es euch in diesem familientauglichen Legacy-Spiel. Lasst euch von den Feuergeistern nicht erwischen und lüftet das Geheimnis der Ziggurat!

REGELN

Zunächst einmal: Was bedeutet es eigentlich, wenn ihr euch hier „Stufe für Stufe ins gemeinsame Legacy-Abenteuer“ stürzt? Daher kurz vorweg eine Erklärung, was euch erwartet: Ziggurat ist ein kooperatives Legacy-Spiel. Das bedeutet, dass sich das Spiel über die Dauer der insgesamt 6 Kapitel mehr oder weniger stark verändert. Die anfangs simplen Spielregeln bekommen portionsweise zunehmend mehr Tiefe, und auch das Spielmaterial (angefangen von euren individuellen Heldentableaus bis hin zum Spielplan mit seiner beeindruckenden Pyramide, die aus fünf Ebenen besteht) wird ständig angepasst – zum Beispiel durch Aufkleber, die auf bestimmte Felder geklebt werden, oder durch Pappmarker und Karten, die neu hinzukommen. Dadurch „wächst“ das Spiel mit eurer Erfahrung, bringt neue Kniffe und ermöglicht so, die fortlaufende Handlung spannend weiterzuerzählen. Legacy-Spiele haben aber meistens auch den Nachteil, dass man – einmal gespielt – nach Abschluss der Hauptkampagne entweder kaum mehr etwas mit ihnen anfangen kann oder man danach nur noch einen letzten Spielmodus spielen kann.

Diese kurze Erläuterung zum Verständnis erscheint mir wichtig, da sich Ziggurat primär an Familien richtet, die sich mit ihren Kindern zum ersten Mal an ein Legacy-Spiel heranwagen möchten.

Also, jetzt endlich zum Kern der Sache: In Ziggurat erkundet ihr mit eurer zwei- bis vierköpfigen Heldentruppe die sagenumwobene Ziggurat-Ruine, in der mysteriöse Feuergeister ihr Unwesen treiben. Die Dörfer ringsherum sind zunehmend verwaist, da in der Bevölkerung große Unruhe herrscht. Man munkelt, im Inneren der Tempelruine wohne ein Drache, der nur dann friedlich gestimmt werden kann, wenn man ihm regelmäßige Opfergaben darbringt, indem sie von der Spitze der Ziggurat hinein geworfen werden.

Euer Spielzug beginnt mit dem Ausspielen eurer Aktionskarte, von denen ihr immer genau eine auf der Hand habt (es sei denn, gewisse Ausnahmen ändern diese Regel). Der obere Teil der Karte verrät, welche Figur – eure eigene, eine beliebige oder alle – um wie viele Felder bewegt wird. Der untere Teil gibt an, welchen der Feuergeister, die es in vier Farben gibt, ihr anschließend auf dieselbe Weise bewegen müsst. Endet eine Bewegung auf einer Leiter, klettern Helden oder Feuergeister eine Stufe empor. Endet sie auf einer Rutsche, geht’s hingegen nach unten. Während die Helden natürlich nach oben zur Spitze zur Ziggurat drängen, sollte man es tunlichst vermeiden, dass die Feuergeister allzu schnell nach oben gelangen, denn kommt ein Feuergeist auf der Spitze an, habt ihr sofort verloren. Das gilt auch, wenn ein Held in eine Fallgrube tappt. Es empfiehlt sich also, sich möglichst gut abzustimmen und auch mal als Team ein paar Züge im Voraus zu planen, denn wie oben beschrieben spielt ihr kooperativ und müsst gemeinsam die Mission schaffen. 

Bestimmte Karten befördern auch neue Feuergeister in die Ziggurat oder sorgen dafür, dass sie umgehend eine Leiter emporklettern. Und natürlich hat es einen guten Grund, dass die Ziggurat aus fünf Stufen besteht, die einzeln abnehmbar sind. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, denn die Spannung, herauszufinden, was eure Heldentruppe im nächsten Kapitel erwartet, macht einen nicht unerheblichen Reiz aus. Deshalb nur so viel: Kapitel für Kapitel kommen immer neue Regelmodifikationen hinzu, sodass der Schwierigkeitsgrad sukzessive steigt. War das nichtssagend genug? Puh, gerade noch die Kurve gekriegt!

Auf dem Weg zum mutigen Helden, der sich bis ins letzte Kapitel vorkämpft, sammelt ihr außerdem durch bestimmte Leistungen Helden-Sticker, die euch mehr Ansehen verleihen. Führt ihr im Spielverlauf also eine Aktion durch, für die ihr die Belohnung erhaltet, klebt ihr den passenden Aufkleber einfach auf eure Heldentafel. Umgekehrt müsst ihr auch kenntlich machen, wenn jemand von einem Feuergeist versengt wurde. Zwar habt ihr dann als Team verloren, aber wenigstens wird so zweifelsfrei dokumentiert, welcher Mitstreiter Schuld war. Ein klein wenig Wettbewerb muss schließlich auch bei einem kooperativen Spiel erlaubt sein. 

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • Tolles Legacy-Erlebnis für Kinder  
  • Regelwerk zu keiner Zeit überladen 
  • Mehrere „Stützräder“, damit es stets schaffbar bleibt
  • Heldensticker sorgen für Flair, ...


CONTRA

  • ... sind ansonsten aber vollkommen wertlos
  • Handhabung manchmal etwas fitzelig 

MEINUNG

Legacy-Spiele gibt es ja nicht erst seit kurzem, sondern sie haben sich längst eine feste Fangemeinde erobert. Ziggurat versucht nun, Familien mit Kindern an die gemeinsame Spielerfahrung, die dieses Genre bietet, heranzuführen. Das hat in unserem Fall erst einmal sehr gut geklappt. Zusammen mit einem Achtjährigen und einem Zehnjährigen haben wir uns ins Abenteuer gestürzt, um dem Geheimnis der sagenumwobenen Tempelruine auf die Schliche zu kommen. Ausgestattet mit einer personalisierten Heldentafel, die mit dem Konterfei der eigenen Spielfigur versehen ist, nahm die Legende ihren Anfang. Das erste Kapitel weckte noch Erinnerungen an den Kinderspielklassiker Lotti Karotti, wo man tunlichst vermeiden sollte, die Figuren versehentlich in eine Fallgrube zu navigieren. Allzu anspruchsvoll war es nicht, die Helden zielsicher auf die Spitze der Ziggurat zu bringen, auf dem Weg dahin den Feuergeistern auszuweichen oder – noch besser – die Plagebiester zu eliminieren, indem man sie in eine Fallgrube lotst. Nervig wird es nur, wenn die gezogenen Aktionskarten so gar nicht zur Spielsituation passen und man mehrfach umherlaufen muss, bis man an eine Leiter gelangt. Insofern kommt euch das Kartenglück manchmal zugute und manchmal behindert es euch in eurem Fortschritt.

Auch später steigt der Schwierigkeitsgrad aber nie so stark an, dass die Bewältigung eines Kapitels eine allzu große Herausforderung darstellt – vielleicht mit einer Ausnahme: an einem Kapitel sind wir zweimal gescheitert! Da passt es ebenfalls gut ins Bild eines Familienspiels, dass ein gewisser Umschlag beiliegt, den man aber erst öffnen darf, wenn man, wie in unserem Fall, an einem Kapitel zweimal scheitert. Mehr sei auch dazu an dieser Stelle nicht verraten.

Tatsächlich haben die Kinder bis zum Abschluss des sechsten Kapitels durchgehalten, wollten nach einem erfolgreich bestandenen Kapitel unbedingt den nächsten Umschlag öffnen und erfahren, welche Spielmaterialien als Nächstes hinzukommen und welche Regelsticker neu in der Spielanleitung geklebt werden. Das ist in erster Linie ein Beweis für eine gute Autorenleistung und auch dafür, dass Ziggurat die angepeilte Zielgruppe tatsächlich gut unterhält. Zwischen den einzelnen Kapiteln sollte allerdings, wie in einem Legacy-Spiel üblich, nicht allzu viel Zeit liegen, damit man der aufeinander aufbauenden Handlung problemlos folgen kann und um das schöne Gefühl, ein gemeinsames Abenteuer zu bestehen, aufrechtzuerhalten. Die angegebenen 45 Minuten pro Kapitel erweisen sich als gute Zeitangabe. So lange schafft es Ziggurat in jedem Fall, junge Helden bei der Stange zu halten.

Ich für meinen Teil hätte das repetitive Spielprinzip wohl irgendwann zu ermüdend gefunden, aber da es sich explizit um ein Familienspiel handelt, müssen hier eben auch andere Maßstäbe angelegt werden. Im Besonderen hat es den Kindern gefallen, dass man im Spielverlauf durch bestimmte Leistungen Heldensticker sammelt, die teilweise überaus witzig formuliert sind. Am ehesten lassen sich diese Auszeichnungen mit den Achievements in Konsolenspielen vergleichen. Die Sticker sind nüchtern betrachtet zwar spielerisch vollkommen wertlos, aber hey, hier geht’s eben nicht um uns. Und auch hier beweist die Meinung der jungen Legacy-Spieler, dass auch diese Spielidee perfekt zu dieser Art von Familienspiel passt.

Wie geht es eigentlich mit Ziggurat weiter, wenn man ihr Geheimnis ein für allemal gelüftet hat? So viel sei verraten: Das Spielmaterial ist darauf ausgelegt, dass man noch einen zweiten Durchgang bestreiten kann. Doch seien wir mal ehrlich: So schön der erste Durchgang auch war, und so viel Spaß es bereitet hat, das erste vollwertige Legacy-Spiel mit meinen Kindern zu erleben – das Abenteuer fühlt sich nach einem Durchgang „ausgespielt“ an. Letztlich wird das tolle Spielerlebnis mit seinem außergewöhnlichen Spielmaterial von mir mit 7 Kultpunkten belohnt. Und Ziggurat ist wohl das erste Spiel, bei dem ganz ohne BGG-Einträge nach mehreren Partien genau dokumentiert ist, wer mit der eigenen Spielfigur wie oft auf einem bestimmten Pappmarker gelandet ist. Legendär eben!

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

CHRISTOPH

Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer

Eine Rezension vom 28.05.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Schmidt Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten