REZENSION

WUNDERSAME WESEN

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2025 
  • Verlag: Strohmann Games
  • Autor: Yeom.C.W
  • Grafik: Sophia Kang
  • Personen: 1 bis 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 40 bis 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 8/10

Mysteriöse Kreaturen und ein Meer voller Karten

Im dichten Nebel entdeckt die Besatzung eines Schiffes eine geheimnisvolle Insel, auf der ungewöhnliche Lebewesen hausen. Na, da ist die Neugierde doch direkt geweckt. Zusammen mit unserer Schiffscrew erkunden wir diesen rätselhaften Ort, sammeln Ressourcen und locken die Kreaturen an.

REGELN

Legt den Spielplan mit der Seite nach oben aus, die eurer Personenanzahl entspricht. Bestückt ihn mit Pokalen, Errungenschaftskarten, Eiern (zwei Zeitplättchen bestimmen mit ihren Symbolen die genauen Positionen), Lebensraumplättchen sowie sechs ersten aufgedeckten Wesenskarten als offenes Angebot.

Nehmt euch jeweils ein eigenes Tableau, stellt eure Errungenschaftsmarker darauf, markiert mit den vier Ressourcenmarkern jeweils eine Ressource jeder Art auf ihren Leisten (ggf. kommen weitere Ressourcen hinzu, nach Spielreihenfolge), nehmt euch einen Kescher und wählt dann eine von jeweils zwei zufällig zugeteilten Kapitänstafeln aus, die ihr auf euer Tableau legt, ihre Funktion aber zunächst sperrt. Jeder erhält zudem drei Besatzungsmitglieder in Form fantasievoller Figuren, wobei eine mit einem Magneten versehen ist, die eine zum gewählten Kapitän passende Figur auf ihrem Rücken aufnimmt.

Jetzt zieht jeder noch 8 Wesenskarten vom Stapel und sucht sich davon 4 Karten aus, die anderen werden abgelegt.

Gespielt wird reihum.

Bist du an der Reihe, hast du die Wahl aus verschiedenen Optionen:

(1) Besatzungsmitglied platzieren: Stelle ein Besatzungsmitglied auf den Spielplan, wobei jede Figur immer zwei nebeneinander liegende freie Hex-Felder belegt. Felder auf der Ebene (helle Felder) dürfen kostenlos belegt werden, sobald ein Gebirgsfeld (grün) dabei ist, kostet das Platzieren eine beliebige Ressource. Wasserfelder dürfen nicht belegt werden. Befindet sich auf einem so belegten Feld ein Ei, sammele dieses ein und lege es in dein Eierlager, wo du direkt auch einen Bonus erhältst (Punkte / Karte / Ressource).

Nun interagiert die platzierte Figur mit allen angrenzenden Lebensräumen. Für jeden angrenzenden Lebensraum erhältst du eine entsprechende Ressource oder eine Karte aus der Auslage, die einen solchen Lebensraum in ihrer oberen rechten Ecke zeigt und die du dann auf die Hand nimmst.

Gegen Abgabe eines Keschers kannst du zudem den Bonus eines Lebensraumes abgreifen oder ein angrenzendes Ei einsammeln.

(2) Karte(n) ausspielen: Spiele bis zu 2 Wesenskarten von deiner Hand aus, indem du die auf der Karte verlangten Ressourcen bezahlst (rücke die Marker entsprechend auf den Leisten zurück). Jede Karte zeigt einen Lebensraum und eine Spezies. Die Karten haben, je nach Typ, unterschiedliche Funktionen:

  • Karten mit Soforteffekten werden einmalig ausgelöst und bringen z.B. Ressourcen, Eier etc., auch über Bedingungen oder Tauschoptionen.
  • Dauerhafte Karten liefern einen permanenten Vorteil.
  • Energiekarten werden mit Energiemarkern aufgeladen, um ihre Funktion gegen Abgabe eines solchen Markers zu einem beliebigen Zeitpunkt zu nutzen.
  • Regenerationskarten liefern ein Einkommen in jeder Regenerationsphase.
  • Abschlusskarten offerieren zusätzliche individuelle Punktemöglichkeiten am Spielende.


(3) Errungenschaft abschließen: Erfüllst du die Anforderung einer der ausliegenden Auftragskarten, platzierst du einen deiner Errungenschaftsmarker darauf, um am Spielende die entsprechenden Punkte zu erhalten. Zudem gibt es dafür einen Sofortbonus und einen ausliegenden Pokal. Zur Erfüllung der Aufträge sind meistens Symbole auf ausgespielten Karten nötig. Eier können diese Symbole ergänzen, werden dadurch aber ausgebrütet und auf ihre Rückseite gedreht. Spezielle Effekte befruchten sie ggf. neu, sodass du sie dann wiederholt nutzen kannst.

Mit dem Gewinn des ersten Pokals schaltest du auch deine Kapitänsfähigkeit frei. Immer, wenn du künftig deine Kapitänsfigur auf dem Plan platzierst, kannst du auch ihre individuelle Fähigkeit nutzen.

(4) Regenerieren: Hast du alle drei Besatzungsmitglieder bereits auf den Spielplan gestellt und kannst oder möchtest keine der anderen Aktionen mehr ausführen, regenerierst du, indem du deine Figuren zurückholst und nun die Effekte deiner bereits ausgespielten Regenerationskarten nutzt. Besitzt du mehr als fünf Handkarten, musst du sie auf maximal fünf Karten reduzieren.

In jedem Regenerationszug wandert zudem die Sanduhr auf der Zeitleiste weiter. Diese löst dann einen Bonus aus und trifft ggf. auf ein Zeitplättchen, das neue Eier auf den Spielplan bringt.

Du sammelst bereits während des Spiels Punkte. Auf der Punkteleiste warten ebenfalls Boni wie Kescher oder Lebensraumplättchen, mit denen du ungenutzte Wasserfelder des Spielplans in entsprechende Lebensräume umwandelst. Sogar Pokale können auf der Punkteleiste gewonnen werden.

Spielende: Sobald jemand den letzten Pokal vom Spielplan erhält, sind alle anderen Personen noch einmal am Zug. Dann folgt die Schlusswertung:

  • Du erhältst Punkte für evtl. vorhandene Abschlusskarten
  • Du erhältst die rot unterlegten Punkte aller eigenen Wesenskarten
  • Du erhältst die Punkte deiner erzielten Errungenschaften.
  • Du erhältst 3 Punkte für jeden Pokal. 
  • Du erhältst 1 Punkt für je vier übrige Ressourcen und/oder Kescher.


Wer nun die meisten Punkte besitzt, gewinnt.

Das Spiel bietet auch eine Solo-Variante.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • interessanter Mix aus Ressourcen- und Kartenmanagement
  • schöner Worker-Placement-Kniff
  • tolle Gestaltung 
  • hochwertiges Material 
  • viel Interaktion durch taktische Blockade


CONTRA

  • mitunter sehr lang
  • kleiner thematischer Bruch (Eier)

MEINUNG

Wie ein Märchenbuch sieht die Spielschachtel der Wundersamen Wesen aus, und auch in der Box geht es märchenhaft weiter. Das ganze Material ist hochwertig und echt schön gestaltet, auf jeden Fall ein Hingucker, u.a. beispielsweise durch das magnetische Gimmick, das den eigenen Captain auf einer der drei eigenen fantasievollen Spielfiguren reiten lässt, herzig!

Spielerisch gibt's dann auf den ersten Blick gewohnte Kost. Wir sammeln Ressourcen, bezahlen damit Karten, nutzen ihre Funktionen und erfüllen Aufträge. Dieses Grundgerüst ist erprobt, Wundersame Wesen mag da vielleicht spontan an Spiele wie Everdell erinnern.

Aber Wundersame Wesen beinhaltet schöne neue Kniffe: Da wäre vor allem das trickreiche Worker Placement, das dem gewählten Standort für eine platzierte Figur eine doppelte Relevanz beschert, denn angrenzende Lebensräume sind dafür da, um neue Ressourcen oder auch Karten zu erhalten. Da entbrennt ein interaktives Wettrennen um die besten Plätze und oft steht man vor der Entscheidung, die für eine Karte wichtige Ressource einzusacken oder oder lieber die gerade so wunderbar lukrative Karte aus dem Angebot auf die Hand zu nehmen. Die meisten Karten liefern Soforteffekte, daher sind Regenerationskarten, Karten mit dauerhaften Vorteilen oder Spielende-Karten besonders begehrt.

Voran getrieben wird das Spiel über die Errungenschaften, die einem für sich schon hohe Punktezahlen am Spielende einbringen können, zudem über die Pokale, die wie ein Rundenzähler wirken, denn mit dem letzten gewonnenen Pokal endet das Spiel. Und bei so mancher Aufgabe stellt sich dann die Frage, ob es sinnvoller ist, eine weniger wertvolle Option zu belegen und so schnell an einen Pokal zu gelangen oder auf höhere Optionen zu spielen, evtl. verbunden mit dem Risiko, leer auszugehen, denn auch dieses Spielelement ist als Wettrennen angelegt.

Schnell zum Ziel kommen, ist bei Wundersame Wesen relativ. Die Aufträge haben recht hohe Ansprüche an die eigene Karten- (bzw. Symbol-)Sammlung, sodass es auf jeden Fall dauert, bis das Spielende getriggert wird. Zwei Stunden zu zweit sind da keine Seltenheit, besonders dann, wenn man die Kartenfunktionen noch nicht kennt. Das Spiel funktioniert dabei zu zweit übrigens genauso gut wie mit mehr Konkurrenz. Zu viert und mit Neulingen sind die Wartezeiten dann aber doch schon recht hoch, und die lange Spielzeit ist für mich dann tatsächlich auch der nahezu einzige Kritikpunkt am Spiel - nicht, weil mich das Spiel langweilt, sondern weil es dadurch einfach nicht so oft auf den Tisch kommt. Die 3 Stunden mit vier Personen haben wir bei unserer Erstpartie sogar überschritten, wobei man gerechterweise sagen muss, dass das in Folgepartien dann schon flotter ablief.

Das Spiel und seine Story sind stimmig, als einziger thematischer Bruch mag die Option erscheinen, bereits ausgebrütete Eier auch mal wieder umdrehen zu dürfen, aber hey, wir befinden uns in einer Fantasiewelt, und da ist bekanntlich alles möglich. Von daher: alles gut, das Spiel brauchte halt diese Mechanik.

Alles in allem begeistern mich die Wundersamen Wesen sehr, das ist ein Eurogame genau nach meinem Geschmack. Wäre es noch etwas kürzer ausgefallen, wäre es für mich quasi perfekt, auch so vergebe ich aber richtig starke 9 Kultpunkte, von denen ich höchstens dann einen Punkt abziehen würde, wenn in Vollbesetzung mit Neulingen oder Grüblern gespielt wird - Geduld ist bekanntlich nicht meine Stärke. Dennoch beschert mir das Spiel auch dann immer noch eine schöne Zeit, von daher: Wer Spiele wie Everdell mag, wird sich bei Wundersame Wesen sicher sehr gut aufgehoben fühlen.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/xZoa-U8-RuU

KULTFAKTOR: 9/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 10/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 31.08.2025

Bildnachweis:
Coverfoto: Strohmann Games
Weitere Fotos: Spielkultisten