REZENSION

WISPWOOD

  • Genre: Familie / Taktik (Legespiel)
  • Jahr: 2025
  • Verlag: CGE / deutsche Version: HeidelBÄR Games
  • Autor: Reed Ambrose
  • Grafik: Štěpán Drašťák
  • Personen: 1 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 30 bis 45 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 6/10

Lichter für die Katz

Neugierig betrachtet unsere Katze die Irrlichter, die zwischen den Bäumen fliegen. „Merkwürdig“, wundert sie sich, „warum heißt es Irrlichter, wenn diese viel verlässlicher sind als die Bäume?“

REGELN

In Wispwood puzzelt ihr euch einen Wald zusammen, in dem eure Katze viele punkteträchtige Irrlichter finden kann. Diese Irrlichter kommen aber immer mit ein paar Bäumen, die dann in einer bestimmten Form eingepuzzelt werden müssen. Nach jeder der drei Wertungen werden alle Bäume entfernt, aber die Irrlichter bleiben liegen.

Zur Vorbereitung mischt ihr alle Baumplättchen mit der Baumseite nach oben und stapelt sie. Ihr legt den Teich in die Mitte, und auf jeden Ring legt ihr ein Baumplättchen mit der Irrlichtseite nach oben. Ihr lost für jeden der vier Irrlichtertypen und die Bäume je eine Wertungskarte aus.

Nehmt euch jeweils ein Baumplättchen und legt die Katze darauf. Nehmt euch zudem ein Hilfslineal, damit ihr das Gitter von 5 mal 5 und 6 mal 6 einfacher sehen könnt.

Es werden drei Runden gespielt. Eine Runde dauert, bis jemand sein Gitter komplett gefüllt hat. Dies ist in der ersten Runden ein 4 mal 4- Gitter, in der zweiten ein 5 mal 5- und in der letzten Runde ein 6 mal 6-Feld.

Ihr spielt reihum. In deinem Zug wählst du entweder ein offenes Irrlicht oder machst einen Baumzug.

Wählst du ein Irrlicht, nimmst du dir das Plättchen und suchst dir eine der beiden Formen aus, die links und rechts neben dem Irrlicht zu sehen sind. Diese Form musst du jetzt in deinen Wald legen. Ein Plättchen in dieser Form muss das neue Irrlicht sein, der Rest sind neutrale Baumplättchen. Du darfst das Irrlicht an jede Stelle der Form legen. Die Form darf gespiegelt oder gedreht werden. Eins der neuen Plättchen muss mit einer Seite an ein bestehendes Plättchen angrenzen. Das gesamte Raster darf in der ersten Runde 4 mal 4 Plättchen nicht überschreiten.

Die Alternative zu diesem Zug ist es, bis zu drei Baumplättchen zu nehmen und einzeln zu platzieren. Dabei kann deine Katze von der verstecken auf die normale Seite gedreht werden, dazu gleich mehr.

Später kann es passieren, dass am Teich nur noch Irrlichter desselben Typs liegen, z.B. alles Kürbisse. Dann darfst du diese alle abwerfen und den Teich wieder mit Irrlichtern füllen.

Deine Katze kann sich verstecken, d.h. du drehst sie um, um dir einen Vorteil zu verschaffen. Du kannst deine Katze umdrehen und die Irrlichter am Teich austauschen, obwohl diese verschiedene Typen haben. Oder du kannst deine Katze umdrehen und, statt eine benachbarte Form des Irrlichts zu wählen, irgendeine Form wählen.

Nach deinem Zug kommt die nächste Person an die Reihe. Dies geht so lange, bis jemand das 4 mal 4- Raster komplett gefüllt hat. Ihr spielt, bis alle gleich viele Züge in dieser Runde hatten.

Dann geht es zur Wertung: Jeder Irrlicht Typ hat eine individuelle Wertung. Dabei haben alle Wertungen desselben Irrlichttyps meist eine Gemeinsamkeit. Blaue Orbs haben immer Wertungen, die sich auf andere Irrlichter beziehen. Grüne Hexenhüte geben im Tripple 18 Punkte, aber ihre Platzierung muss immer in bestimmten Positionen zur Katze geschehen. Orangene Kürbisse haben meist Bedingungen, die anderen Kürbisse betreffen. Und die rosa Herzen geben Punkte in Abhängigkeit von Bäumen. Baumwertungen beziehen sich meist auf Gruppen von Bäumen.

Wurden alle Plättchenarten gewertet, bekommen noch alle mit einem vollen Raster Extrapunkte. Es gibt 2/4/6 Punkte in Runde 1/2/3.

Nach der Wertung darf jeder die eigene Katze auf ein anderes Baumplättchen im eigenen Wald setzen. Dann kommen alle Bäume zurück auf den Stapel, jeder besitzt also nur noch seine Katze und die Irrlichter. Die Positionen der Irrlichter ändern sich dabei nicht.

Nach der dritten Runde werden alle Punkte addiert, und wer nun die meisten Punkte besitzt, weiß, wie man Katzen unterhält.

Das Spiel bietet zudem eine Solo-Variante.

Hinweis: Zum Test lag uns ein englischsprachiges Exemplar des Spiels vor. Das Spiel ist auch in deutscher Sprache erhältlich.

 GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht 

CHECKPOINT

PRO

  • sehr hübsch
  • elegante Regeln
  • clevere Spielidee


CONTRA

  • wenig Interaktion

MEINUNG

Im dunklen Wald fühlt sich deine Katze allein, aber zum Glück wird dieser Wald von vielen freundlichen Irrlichtern beleuchtet und es werden immer mehr. Nur die Bäume scheinen sich zu bewegen.

Wispwood kombiniert zwei mittlerweile recht klassische Genres. Zum einen handelt es sich um ein Legespiel, bei dem verschiedene Plättchen mit unterschiedliche Wertungsmechanismen in die eigene Auslage gelegt werden, idealerweise auf eine Art und Weise, dass die Plättchen gegenseitig ihre Punkte verstärken.

Der andere Mechanismus ist das Puzzeln von Polyominos. Dabei wählst du zunächst ein Irrlicht, dann eine der beiden Formen neben dem Irrlicht und füllst fehlende Quadrate mit Baumplättchen auf. Das ist wirklich clever und sehr elegant, sowohl vom Material her als auch vom Spiel. Die Bäume sind auf den Rückseiten der Irrlichter, sodass es einfach nur eine Plättchenart gibt.

Beim Auslegen in den ersten Runden musst du dich entscheiden, ob du deine Irrlichter mit eher kleineren Formen in deinen Wald legst oder doch eher große Formationen bevorzugst, um den Vollständigkeitsbonus des Waldes zu erhalten.

Dabei sind die Aufgaben der verschiedenen Irrlichter nicht schwierig zu verstehen, und dadurch, dass jede Irrlichtart verschiedene Wertungsvariationen hat, die aber alle ein Thema haben, gibt es Abwechslung. Also zum Beispiel beschäftigen sich alle Kürbisse mit der Position anderer Kürbisse. Vielleicht wollen sie keine Kürbis-Nachbarn, oder sie wollen in Paaren liegen etc. Ein solches Dilemma ist jetzt nicht sehr dramatisch, meist ist es doch so, dass du bestimmte Irrlichter gesammelt haben wirst, weil die gerade viele Punkte brachten, und jetzt möchtest du gerne effektiv deren Punkte erhöhen oder andere Irrlichter spielen, die die schon platzierten Karten mitnutzen. Das ist in den meisten Fällen nicht sehr komplex. Manchmal musst du etwas rechnen, gerade am Ende einer Runde.

Etwas raffinierter ist die Frage nach dem richtigen Timing, um die Fähigkeiten der eigenen Katze zu verwenden. Meist wird im Laufe einer Runde einmal die Katze gebraucht und dann wird ein Baumzug gemacht, um die letzten Plätze im Raster zu füllen, aber ein Baumzug bedeutet, dass du in diesem Zug kein Irrlicht nimmst. Wenn du aber deine Katze nicht wieder aus ihrem Versteck lockst, kannst du schnell vom Spiel gezwungen werden, zu einer ungünstigen Zeit den Baumzug machen zu müssen.

Trotz seiner innovativen Kombination von Lege- und Puzzlespiel gibt mir Wispwood dabei kein besonders neues Spielgefühl. Ich fühle mich besonders an Cascadia erinnert, das Spiel des Jahres 2022. Auch dieses Legespiel kommt mit wenigen Regeln und wechselnden Wertungskarten daher. Welches Spiel dir besser gefallen wird, ist dann schwer vorherzusagen. Cascadia hat die zwei Wertungsebenen von Tieren und Landschaften, aber Wispwood die Irrlichter und die Puzzleaufgabe. Ich denke, hier wird meist der eigene Geschmack entscheiden, welches Spiel bevorzugt wird, denn beide Spielen teilen denselben Nachteil: Es gibt wenig Interaktion. Bei Wispwood wählen wir aus der gleichen Auslage unsere Irrlichter. Vielleicht bemerke ich, welche Irrlichter ein anderer sehr gerne haben möchte, aber ich werde wahrscheinlich jemandem nur ein Irrlicht wegschnappen, wenn es auch vorteilhaft für mich ist. Und meinen Katzenzug verwenden, damit ein Irrlicht für wen anderen weggelegt wird, ist sehr unwahrscheinlich. Eher versuche ich meinen Baumzug so zu planen, dass in meinem nächsten Zug die Auslage wieder aufgefüllt werden kann.

Bei alledem ist Wispwood aber ein sehr schönes Spiel. Die verschiedenen Irrlichter sind toll gestaltet. Selbst innerhalb einer Art unterscheiden sich die Abbildungen. Auch die Katzen sind super knuffig und das ganze Material wirkt sehr wertig. Der Wertungsblock ist eine echte Hilfe beim Festhalten der Punkte. Das Highlight ist aber die fluoreszente Farbe. Im UV-Licht bzw. Schwarzlicht leuchten die Irrlichter und Katzen auf wirklich mystische Art, und so macht das Betrachten des eigenen Waldes noch einmal mehr Spaß.

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

LUTZ

Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast

Eine Rezension vom 11.01.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: CGE / HeidelBÄR Games
Weitere Fotos: Spielkultisten