REZENSION
WAS PASSIERT, WENN ICH DRAN LECKE?
- Genre: Partyspiel
- Jahr: 2026
- Verlag: modes. Verlag
- Autoren: Nicola Berger, Lukas Mai
- Illustration: Sandra Kretzmann
- Grafik: Andrea Köhrsen
- Personen. ab 3 (mit Hausregeln auch zu zweit)
- Alter: ab 14 Jahren
- Dauer: ca. 30 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Initiativlevel: 7/10
Die Frage aller Fragen
Tja, was passiert denn nun, wenn ich dran lecke? Das erfahren wir bei jedem der insgesamt 75 Ratekarten immer als erstes. Mit weiteren Fragen erhalten wir weitere Hinweise auf den gesuchten Begriff, die uns Schritt für Schritt auf die hoffentlich richtige Spur bringen – sofern wir um die Ecke denken, entweder schneller als die Konkurrenz oder kooperativ.
REGELN
Gespielt werden so viele Runden, wie ihr Personen am Tisch seid. In jeder Runde wird eine Person zum Hinweisguru. Dieser zieht die oberste Hinweiskarte vom Stapel, außerdem zwei Joker-Karten. In der Tischmitte wird eine vorgegebene Anzahl zufälliger Fragekarten ausgelegt.
Die erste Frage für alle lautet stets: "Was passiert, wenn ich dran lecke?". Der Hinweisguru liest die auf der Karte verzeichnete Antwort zum gesuchten Begriff vor. Dann wählt ihr nacheinander reihum immer eine noch ausliegende Fragekarte aus, stellt die Frage (z.B. "Was sagen Eltern ihrem Kind dazu?", "Passt es durch eine Tür?", "Welcher Songtitel passt dazu" etc.). Auch hier liest der Hinweisguru die entsprechende Antwort auf der Karte vor.
Der Hinweisguru darf dabei optimal seine beiden gezogenen Joker (jeweils einmal pro Raterunde) einsetzen, um das Raten zu erschweren, zum Beispiel indem er jedes Substantiv in der Antwort durch "Muh" ersetzt, ein Wort weglässt oder einfach eine neue Fragekarte zieht.
Nach jeder Frage dürfen alle Ratenden einen Tipp auf den gesuchten Begriff abgeben, indem sie ihn auf einem Zettel notieren und dem Hinweisguru übergeben. Pro Runde / Begriff hat jeder allerdings maximal zwei Rateversuche!
Stimmt die übermittelte Lösung, gibt es dafür so viele Punkte, wie noch Fragekarten in der Mitte liegen. Sagt eure Lösung nie laut, denn alle anderen können noch weiterraten, maximal bis zu dem Zeitpunkt, an dem nur noch eine einzige Fragekarte ausliegt.
Hat niemand den gesuchten Begriff erraten, bekommt der Hinweisguru so viele Punkte wie Personen teilnehmen.
Mischt die Fragekarten in jeder weiteren Runde neu. War jeder einmal der Hinweisguru, gewinnt, wer die meisten Punkte gesammelt hat.
Variante: Spielt ihr mit mehr als 5 Personen, wird kooperativ gegen das Spiel gespielt. Dafür liegen dann so viele Fragekarten aus, wie Personen mitraten.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Witziges Ratespiel im 20 Questions-Stil
- Es muss viel um die Ecke gedacht werden
- Gut als kooperatives Gruppenspiel
CONTRA
- Regel-Schwächen
- Überflüssige Joker
MEINUNG
Gäbe es eine Auszeichnung für den besten Spieletitel des Jahres, würde Was passiert, wenn ich dran lecke? diesen im Party-Genre von mir auf jeden Fall erhalten. Das Cover der kleinen Schachtel ist witzig und weckt Neugier. Was drin steckt, ist dann im Kern ein Ratespiel, das ich schon in den 90er Jahren gern gespielt habe. Damals hieß es 20 Questions, später Querdenker – ein Spiel bei dem wir uns über erhaltene Hinweise einem gesuchten Begriff nähern. Jeder Hinweis ist für sich kein Lösungsgarant, aber in Kombination wird das Puzzle dann sukzessive zusammengesetzt.
Was passiert, wenn ich dran lecke? kommt da mit einer zusätzlichen Portion Humor daher. Die vorgegebenen Fragen sorgen immer wieder für ein Schmunzeln, die (wenigen) Joker sollen das Party-Gefühl unterstützen, wobei ich die diese nicht gebraucht hätte, da sie doch sehr unterschiedlich stark in ihrem Nutzen, mal zu stark, mal komplett überflüssig sind.
Das Erraten der Begriffe macht mir Spaß, besonders auch in kooperativer Form. Da kann man dann gut über die vermeintlich richtigen Antworten diskutieren, wenn die Anleitung auch keine Idee liefert, wie ein kooperatives Spiel eigentlich genau gewonnen wird.
Überhaupt zeigt die Ausarbeitung der Spielregeln Schwächen. Die Personenzahl entscheidet darüber, wie viele Fragekarten ausliegen. Dadurch wird das Spiel mit 5 Personen (und 9 Fragekarten) natürlich deutlich einfacher als das Spiel zu dritt (mit nur 5 Fragekarten), denn jeder zusätzliche Hinweis kann einfach wichtig sein. Das Notieren der Antworten im kompetitiven Spiel ist zudem auch etwas umständlicher, und es gibt keine beiliegende Punktetafel, sodass alles auf Zetteln organisiert werden muss, die dem Spiel nicht beiliegen. Hier hätte ich mir eine elegantere Lösung gewünscht.
Nun sind 75 Ratekarten bei maximal fünf gespielten Begriffen pro Partie auf jeden Fall ausreichend für 15 Durchgänge ohne Wiederholung. Die Idee, zufällige Fragekarten in die Mitte zu legen, ist dabei gut geeignet, um nicht sofort alle 24 Hinweise einer Karte zu kennen. Leider macht die Regel, immer zunächst die Leck-Frage zu stellen, diese Varianz wieder kaputt. Wer gut darin ist, sich alle ersten Hinweise zu merken, wünscht sich auf lange Sicht Erweiterungssets mit neuen Ratekarten.
Was passiert, wenn ich dran lecke? macht mir in größeren Runden am meisten Spaß, allerdings sind wir schnell dazu übergegangen, die Regeln nach unsrem Geschmack anzupassen. Letztlich geht es halt auch einfach mehr um den Ratespaß als um taktische Fallen und eine zu komplexe Punktewertung. Das Spiel liefert für mich schönes Material für klassisches Um-die-Ecke-denken, hätte in seiner spielerischen Ausarbeitung aber noch etwas Feinschliff gebrauchen können. So sind mir die Frage-/ Hinweiskombinationen eigentlich 8 Kultpunkte wert, die spielerische Umsetzung landet dann jedoch eher im Mittelfeld. Zumindest in größerer Besetzung vergebe ich insgesamt 7 Kultpunkte, in kleiner Besetzung weniger – es sei denn, es wird mit Hausregeln gespielt.
KULTFAKTOR: 6-7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 21.05.2026
Bildnachweis:
Coverfoto: moses. Verlag
Weitere Fotos: Spielkultisten