REZENSION
VULCANO!
- Genre: Familienspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Game Factory
- Autor: Phil Walker-Harding
- Grafik: Adam Grason
- Personen: 2 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 20 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Initiativlevel: 5/10
Klettern, bis die Lava kommt
Wandern ist für gewöhnlich eine ganz idyllische Freizeitbeschäftigung, Bergwandern schon aufregender, besonders, wenn man die Spitze eines brodelnden Vulkans erklimmt. Genau das ist bei diesem Bergsteigerwettstreit eure Aufgabe. Wer schnappt sich zuerst alle Schätze und gewinnt die heiße Kletterpartie?
REGELN
Vor euch befindet sich ein imposanter Berghang. Darin sind zahlreiche kleine Plastikzapfen eingelassen, die sich vom beschaulichen Tal bis hin zur Vulkanspitze erstrecken. An ihnen können die Kletterer, von denen jede Person drei Stück (A, B, C) erhält, emporkraxeln. Wer an der Reihe ist, spielt eine von drei Handkarten aus und legt diese auf dem Ablagestapel des Spielertableaus ab. Jetzt werden die Angaben auf der Kletterkarte nacheinander befolgt.
So gibt die Karte vor, welcher eigene Kletterer um wie viele Felder bewegt werden darf. Die Bewegungen sind sowohl seitwärts als auch nach oben auf angrenzende Felder möglich, niemals nach unten. Bewegungspunkte kann man auch verfallen lassen.
- Beendet ein Kletterer auf einem Feld mit einem Höhleneingang seinen Spielzug, ist eine Abkürzung möglich, und die Figur darf sofort auf den jeweils passenden Höhlenausgang platziert werden.
- Kommt ein Kletterer auf einem Schatzfeld zum Stehen, gibt es den abgebildeten Edelstein als Belohnung – das kann entweder ein Saphir, Rubin oder Smaragd sein.
- Weiterhin ermöglichen viele Kletterkarten, einen Felsvorsprung auf dem Berghang einsetzen. Diese geben euren Kletterern einen gewissen Schutz vor herabfallenden Lavabrocken, dürfen jedoch nie einen Höhleneingang oder einen Schatz versperren und auch nicht auf der obersten oder untersten Reihe des Vulkans platziert werden. Sind alle drei Felsvorsprünge bereits im Spiel, wird ein bestehender entfernt und an eine beliebige andere Stelle gelegt.
Zu guter Letzt zeigt der Vulkan, was in ihm steckt: brodelnde Lava! Die Kletterkarte gibt also vor, in welches der sechs Felder des Vulkans eine Lavakugel gesteckt werden muss. Beim Loslassen bahnt sich die Murmel dann ihren Weg ins Tal und reißt alle Kletterer nach unten, die von der Murmel getroffen werden. Wie gut, dass alle betroffenen Spieler eine kleine Entschädigung erhalten: nämlich eine Ausrüstungskarte, die ab sofort neben den drei Kletterkarten vor euch abgelegt und wie eine reguläre Handkarte ausgespielt wird. Ihr Effekt ist zumeist stärker und hilft euch, bei der weiteren Kletterpartie voranzukommen. Es kann sich in einzelnen Fällen mitunter sogar als Vorteil erweisen, von der Lavakugel getroffen zu werden, wenn ihr dafür eine wertvolle Ausrüstungskarte ergattert. Maximal dürfen sich drei Ausrüstungskarten in eurem Besitz befinden. Notfalls müssen so viele davon abgeworfen werden, bis ihr nur noch über drei verfügt.
Das Spiel endet sofort, wenn es einer Person gelingt, alle auf dem Tableau genannten Schätze zu sammeln. Die Zahl variiert, je nachdem, ob ihr zu zweit oder zu dritt bzw. zu viert spielt. Sind eure Kletterkarten aufgebraucht, bevor dieses Ziel erfüllt wurde, wird die Siegerin oder der Sieger anhand der gesammelten Edelsteine ermittelt – je höher der Schatz liegt, desto wertvoller.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- stabiler Spielaufbau mit Berghang und Vulkan
- sofort begriffen, schnell gespielt
- mit Kindern besonders reizvoll
- Lavakugel sorgt oft für Schadenfreude
CONTRA
- in Maximalbesetzung sehr glücksbetont
- man spielt sich schnell satt
MEINUNG
Es gibt bekanntlich viele Spiele mit beeindruckender Tischpräsenz und gewaltigen Aufbauen – und ebenso viele, die so klapprig daherkommen wie ein schrottreifer 2er-Golf. Bei Vulcano! hingegen stimmt die Qualität des Spielmaterials schon beim Spielaufbau. Der Berghang mit Vulkan wird so auf den hinteren Rand der Spielschachtel gesteckt, dass sich eine starke Stabilität ergibt. Da kann im weiteren Spielverlauf kaum noch etwas verrutschen. Das Spielmaterial ist also wirklich hochwertig verarbeitet und trägt zum positiven Ersteindruck bei.
Das Spiel selbst ist schnell erklärt und geht flott von der Hand: Wir spielen Kletterkarten aus und befolgen die Anweisungen, die darauf aufgedruckt sind: Kletterer B um zwei Felder nach oben bewegen, gelegentlich eine Höhle betreten und somit ein gutes Stück Wegstrecke abkürzen, einen schützenden Felsvorsprung anbringen, Lavakugel in den Vulkan plumpsen lassen, Spielzug beendet. Da eine Karte lediglich drei mögliche Aktionen enthält, ist der Spielablauf schnell verinnerlicht. Beteiligen sich mehr als drei Personen an der Partie, sinkt die Anzahl der benötigten Edelsteine, um das Spiel zu gewinnen.
In voller Besetzung dauert es uns allerdings zu lange, bis man wieder an die Reihe kommt. Hinzu kommt, dass durchdachte Spielzüge zu viert kaum möglich sind. Kaum hat man den Kletterer irgendwo platziert, hagelt spätestens beim übernächsten Spielzug schon wieder die Lavakugel runter und der Kletterer macht den Abflug in den Abgrund. Die mangelnde Planbarkeit gilt auch für die Felsvorsprünge: Da nur drei Stück im Spiel sind, sollte man sich nie zu sicher sein, dass man dort langfristig Schutz findet. Doch selbst wenn jemand von einer Kugel getroffen wurde, gibt es immerhin noch eine Ausrüstungskarte, die den erlittenen Sturz ausgleicht.
Klar: Vulcano! nimmt sich nicht allzu ernst und das Spielprinzip ist auch gar nicht auf abendfüllende Unterhaltung ausgelegt. Das sollte man unbedingt wissen, wenn das Familienspiel auf den Tisch kommt. Doch die angegebenen 20 Minuten trägt der Kletterwettstreit auf jeden Fall – zumal dann, wenn Kinder mitspielen. Die finden einen unbändigen Gefallen darin, den Lavabrocken immer wieder in eine der sechs Öffnungen zu werfen, um mit lautstarkem Gelächter zu verfolgen, welche Figur getroffen wird. Das Zufallsprinzip klappt übrigens ganz hervorragend und uns ist es nicht gelungen, nennenswerten Einfluss auf den Rollverlauf der Kugel auszuüben. Die Schadenfreude der Mitspieler, wenn man selbst getroffen wurde, sollte man aber aushalten können. Im Familienkreis hat Vulcano! seinen Spielwitz also besonders entfaltet.
Dennoch war in unseren Runden vergleichsweise schnell die Luft raus. Das gilt noch viel mehr, wenn reine Vielspieler am Tisch sitzen. Nach anfänglicher Euphorie über das großartige Material flaut das Interesse dann doch sehr schnell ab, sodass eine Partie genügt, um alles gesehen zu haben. Rein als spaßiges und kurzweiliges Familienspiel mit Kindern betrachtet, sind 6 Kultpunkte aber absolut verdient!
KULTFAKTOR: 6/10
Spielidee: 6/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 6/10
EUER REZENSENT
CHRISTOPH
Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer
Eine Rezension vom 15.09.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Game Factory
Weitere Fotos: Spielkultisten