REZENSION
VENTOPIA
- Genre: Familienspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Ravensburger
- Autor: Reiner Knizia
- Grafik: Daniel Schüttler
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 7 Jahren
- Dauer: ca. 45 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Initiativlevel: 7/10
Kristalle sammeln mit Ansage
Erkundet den Spielplan mit Unterstützung der eingebauten Elektronik und sammelt Kristalle, um die drei Energietürme zu aktivieren. Aber Vorsicht: Nur wenn ihr die Widersacher, die auf der fliegenden Insel ihr Unwesen treiben, rechtzeitig in die Flucht schlagt, könnt ihr das Spiel gewinnen.
REGELN
Die Welt von Ventopia besteht aus mehreren Schauplätzen, die quer über den Spielplan verstreut sind: Wirtshaus, Schmiede, Markt, Flussquelle, Kornfeld und noch einige weitere. Anhand des integrierten elektronischen Sensors wird registriert, wohin ihr die Figur in eurem Spielzug hinbewegt. Handelt es sich um ein Aktionsfeld, dem ein Energieelement (Feuerkräuter, Sonnensteine, Leuchtkäfer) zugewiesen ist, erhaltet ihr davon eine oder mehrere Karten. So belohnen euch Felder, auf denen schon längere Zeit kein Spieler mehr war, mit zumeist zwei oder drei Elementkarten, andernfalls müsst ihr auch mal nur mit einer vorlieb nehmen oder geht leer aus. In beiden Fällen nehmt ihr die entsprechenden Karten auf eure Hand. Eure Karten könnt ihr nun bei den drei Kristallwandlerinnen gegen Kristalle eintauschen. Auch hier variiert der Wechselkurs je nachdem, wann die Kristallwandlerin zuletzt von euch und euren Mitspielern besucht wurde.
Mit den Kristallen könnt ihr wiederum die Energietürme des Wasser, des Windes und der Sonne aktivieren. Sieben verschiedenfarbige Kristalle sind hier erforderlich, um einen Energieturm vollumfänglich in Gang zu setzen. Regenbogenkristalle fungieren als Joker und können jede beliebige Farbe einnehmen.
Gespielt wird reihum. In eurem Spielzug dürft ihr euch maximal zwei Felder auf den verschlungenen Pfaden der fliegenden Insel weiterbewegen. Für jedes weitere Feld müsst ihr eine beliebige Karte abgeben.
Um euch die Suche nach den Kristallen zu erschweren, tauchen in unregelmäßigen Abständen verschiedene Widersacher auf den Feldern des Spielplans auf. Via Sprachansage teilt euch die Elektronik mit, wenn beispielsweise der Greif am Lufthafen aufkreuzt oder der Skorpion das Kornfeld belagert. Immer dann, wenn ihr ein solches Feld betretet, müsst ihr euch umgehend in den Kampf stürzen. Und der läuft dann so ab: Das Lämpchen auf dem Felsen beginnt mal mehr, mal weniger schnell in rasant wechselnden Farben zu leuchten, abhängig davon, ob ihr eine, zwei oder drei Karten abgebt. Flackert die Lampe blau auf, müsst ihr genau in diesem Moment die Aktionstaste drücken. Der Kontrahent verzieht sich dann vom Spielplan, die entsprechende Figur wird also aus dem Spiel genommen. Verpasst ihr den perfekten Moment, wandert der Gegner lediglich an einen anderen Schauplatz weiter.
Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, gibt statt der Karten einen Kristall ab und erzielt so auf jeden Fall einen Sieg, wobei das Spiel auch gelegentlich mit Überraschungen aufwartet.
Habt ihr es geschafft, alle drei Energietürme mit jeweils sieben Energiekristallen zu bestücken, habt ihr gewonnen. Wird die Insel hingegen von sieben Monstern bevölkert, gilt die Partie als verloren.
Im kompetitiven Spielmodus gibt es Sonderpunkte für diejenigen wagemutigen Personen, die am meisten zum Gelingen eures gemeinsamen Inselstreifzugs beigetragen haben, z.B. indem sie Gegner vom Spielfeld befördert oder einen Kristall am Energieturm eingesetzt haben. So erhält Ventopia trotz des hauptsächlich kooperativen Ansatzes auch einen gewissen Wettstreitcharakter.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Die Technik funktioniert sehr gut ...
- ... und ermöglicht ein flüssiges Spielerlebnis
- Abläufe auch für Kinder gut verständlich
- Dadurch ein ideales Familienspiel
CONTRA
- Die Kämpfe sind zu schwierig
- Dadurch unrundes Balancing
- Repetitive Aufgaben
- Lautsprecher sehr laut
MEINUNG
Ein Brettspiel mit Elektronik, bei dem man eine Insel erkundet und mehr Ressourcen erhält, je länger eine Person bestimmte Spielfelder nicht besetzt hat, gab es doch schon mal. Richtig: Ventopia basiert grundlegend auf Die Insel, einem frühen Vertreter des elektronikunterstützen Brettspiels. Zwanzig Jahre nach dem Debüt wagen wir uns also erneut auf die Insel, die jetzt ein bisschen anders daherkommt und auch spielerisch einigen Neuerungen unterzogen wurde.
Die Technik sorgte damals für Aufsehen, war aber gleichwohl noch nicht ganz ausgereift und so benötigte es gelegentlich mehrere Anläufe, um eine Spielfigur korrekt auf ein bestimmtes Feld zu platzieren und den Effekt auszulösen. Zwei Dekaden später ist von diesen anfänglichen Kinderkrankheiten nichts mehr übrig: Ein sanfter Druck auf den gewünschten Schauplatz genügt und die Sprachansage führt euch zielsicher durch euren Spielzug. Akustisch sind die Ansagen gut verständlich, wenngleich etwas laut geraten. Hat man etwas nicht verstanden, kann man sich den zuletzt gehörten Audiohinweis nochmal anhören. Es gibt sogar einen Tutorial-Modus, der euch ohne allzu langes Regelstudium an die Spielweise heranführt – wir haben dadurch die Regeln verinnerlicht und können nur sagen: wirklich vorbildlich!
Zudem werden auch die Aktionen – Kristalle einsetzen, Elemente tauschen etc. – stets sofort und akkurat erfasst, was im Original mit seiner veralteten Technik nicht immer der Fall war. Der flüssige Spielablauf profitiert auch grundsätzlich merklich von der eingebauten Technik, denn wie sonst sollte man ermitteln, wann ein bestimmtes Feld zuletzt besucht wurde? Dieser Kniff war schon damals ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der Insel. So muss man schon gut aufpassen, um auf den zahlreichen Feldern des Spielplans einen guten Schnapp zu machen, also möglichst viele Energieelemente auf einmal zu ergattern. Wer sich also selten besuchte Felder merkt, hat gute Chancen, mehr herauszuholen als andere Mitspieler. Vereinfachungen wie eine reduzierte Anzahl an Elementen sowie die reduzierte Altersempfehlung ab 7 Jahren (Die Insel war ab 10 Jahren empfohlen) verdeutlichen, dass Ventopia auf eine deutlich jüngere Zielgruppe zugeschnitten ist. Dazu trägt auch die familienfreundliche Illustration bei.
Vielleicht hat man den Kämpfen gerade deshalb einen neuen Dreh verpasst. Hier ist höchste Konzentration gefragt, um die Aktionstaste in genau dem Moment zu drücken, wenn das Lämpchen blau leuchtet. Gibt man eine Karte ab, wechseln sich die Farben sehr rasant ab, bei zwei Karten ist der Wechsel etwas langsamer, bis hin zur einfachsten Schwierigkeitsstufe bei drei abgegebenen Karten. Doch sei’s drum, so oder so will der Geschicklichkeitsaspekt überhaupt nicht zum Rest des Spiels passen.
Die Kämpfe geraten viel zu schwer, und selbst auf der einfachsten Stufe wird euch ein enormes Maß an Timing abverlangt, sodass selbst geübte, schnelle Finger enorme Probleme haben, einen Widersacher in die Flucht zu schlagen. So haben wir aus der Not heraus begonnen, generell drei Karten abzugeben, um überhaupt eine Chance zu haben, ein Monster vom Spielplan zu verdrängen. Dadurch entsteht jedoch im weiteren Spielverlauf ein deutlicher Mangel an Energieelementen. Schade, dass dieser Aspekt, der sich einfach nicht rund anfühlt, dem Spiel einen wirklich großen Reiz nimmt! Das ging nicht nur mir so, sondern auch meinen Mitspielern, sodass wir irgendwann dazu übergegangen sind, Kämpfe stets nur von der Person mit der schnellsten Reaktion bestreiten zu lassen.
Sowieso fühlt sich Ventopia stellenweise wie Feuerlöschen im Krisengebiet an: Kaum hat man irgendwo einen Gegner eliminiert, taucht schon woanders ein weiterer auf. So kann schon bald ein „Flächenbrand“ entstehen, vor allem in den höheren Schwierigkeitsstufen, wenn zusätzliche Gefahren die fliegende Insel heimsuchen und man konstant an Kartenknappheit leidet.
Neben dem klassischen kooperativen Spielmodus, bei dem ihr gemeinsam gewinnt oder verliert, kann Ventopia auch gegeneinander gespielt werden. Für bestimmte Leistungen im Spiel – besiegte Gegner, gesammelte Kristalle, etc. – werden euch Punkte gutgeschrieben, die sich am Ende zu einem Gesamtergebnis summieren. Das verändert bisweilen die Art und Weise, wie man spielt. So erwächst aus dem Alle-gemeinsam-für-die-gute-Sache-Prinzip klammheimlich ein Wettbewerb, da man mehr darauf schaut, womit man punkten kann.
Doch unterm Strich hat uns Ventopia in seiner klassischen Spielweise am besten gefallen. Wer sich an den Reaktionstestkämpfen weit weniger stört als ich, erhält mit Ventopia ein schön illustriertes, leicht zugängliches Familienspiel par excellence mit zwar repetitivem Spielablauf, aber doch dem Knizia-typischen Feinschliff. Ich für meinen Geschmack vergebe daher solide 6 Kultpunkte.
KULTFAKTOR: 6/10
Spielidee: 6/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10
EUER REZENSENT
CHRISTOPH
Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer
Eine Rezension vom 25.02.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Ravensburger
Weitere Fotos: Spielkultisten