REZENSION

VALENCIA

  • Genre: Strategie / Taktik
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Queen Games
  • Autor: Stefan Feld
  • Grafik: Mihajlo Dimitrievski
  • Personen: 2 bis 5
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 60 bis 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Schöne Stadt, sei mein

In Valencia verkörpern wir einflussreiche Handelsfamilien in einer aufblühenden Stadt; ärgerlich nur, dass auch andere den Thron des Ansehens besteigen wollen. Weniger ärgerlich, dass wir für unsere Zwecke Karten in Auktionen nutzen können, um den anderen zur rechten Zeit zu zeigen, wer es am meisten verdient hat, einen Platz unter den wirklich (Einfluss-)Reichen einzunehmen.

REGELN

In der Neuauflage von Stefan Felds Strasbourg (2011) bieten wir über fünf Spielrunden um Einfluss auf Adel und Kirche, verschiedene Gilden und Kaufleute, um so am Ende im Stadtgebiet die meisten Ansehenspunkte (= Siegpunkte) eingeheimst zu haben. Zuvor weise gewählte Einflusskarten lassen uns dabei im besten Fall die Angebote unserer Gegner am Tisch ausstechen. Das Problem dabei ist, wie bereits oben beschrieben, dass diese selbstverständlich die gleichen Ziele verfolgen.

Willkommen in Valencia – der Spielaufbau
Vor Spielbeginn erhalten wir unser Spielmaterial, so z.B. 24 Einflusskarten (die ich zu Beginn mische und die ich über das gesamte Spiel taktisch klug bei Auktionen einsetzen sollte), 15 Familienmitglieder (die ich im Laufe des Spiels im Stadtgebiet und im Rat einsetzen werde), einen Sichtschirm (nicht jeder soll wissen, was ich besitze) und etwas Startkapital (5 Münzen). Der Spielplan mit den Auktionen, dem Stadtgebiet und dem Rat wird vorbereitet, und zuletzt erhalte ich, wie jede andere Person am Tisch, noch 5 Aufgabenkarten, von denen ich mindestens eine behalten muss und verdeckt hinter meinen Sichtschirm lege. Sollte ich eine auf der Karte beschriebene Aufgabe bis zum Spielende erfüllt haben, erhalte ich zusätzlich die darauf verzeichneten Siegpunkte. Schaffe ich die Aufgabe hingegen nicht, so werden mir unter Umständen Siegpunkte von meiner Gesamtpunktzahl abgezogen. Auch hier sollte ich folglich gut überlegen, welche Karten ich behalte.

Lasst das Hauen und Stechen beginnen – der Spielablauf
Eine Runde in Valencia besteht aus drei Phasen:

  • Planungsphase
  • Aktionsphase (die den Hauptteil des Spiels ausmacht)
  • Ratsphase


Push your luck in der Planungsphase – oder besser doch nicht?
In der Planungsphase, die simultan abgehandelt wird, ziehe ich von meinem gebildeten Kartenstapel aus Einflusskarten zunächst die oberste und schaue mir ihren Zahlenwert an. Jedes Deck in Valencia besteht aus 24 Karten, dabei kommen die Zahlen 1 bis 6 (was den jeweiligen Einfluss darstellen soll) jeweils 4 Mal vor. Habe ich die erste Karte gezogen, kann ich mich entscheiden, ob ich eine weitere ziehe usw. Der Clou an dieser Stelle: Jede Karte, die ich gezogen habe, muss ich „behalten“, ich darf sie nicht wieder zurücklegen, falls sie mir nicht gefällt, denn, und das kommt erschwerend hinzu, mein Stapel muss für alle fünf Runden ausreichen.

Sobald ich zufrieden mit meiner Auswahl bin, bilde ich aus den gezogenen Karten verdeckte Einflussstapel. Dabei kann ich frei entscheiden, wie ich meine Karten verteile, und so kann ein Stapel beispielsweise auch aus schlichtweg einer Karte bestehen.

Wer hat den längsten Atem und den besten Riecher? – die Aktionsphase
Die Aktionsphase besteht aus 9 Schritten, die allesamt eine Auktion auf verschiedene Aspekte des Spiels darstellen. Die Person, die die Stefan-Feld-Figur vor sich liegen hat (der liebe Stefan wechselt immer wieder, manchmal will man ihn unbedingt bei sich haben – genau wie den echten! – hin und wieder kann man ihn aber auch weniger gut gebrauchen), entscheidet sich, ob sie einen eigenen Stapel aufdeckt oder passt. Im Uhrzeigersinn können dann auch die anderen entscheiden, ob sie „mitgehen“, also einen eigenen Stapel aufdecken oder passen. Zuletzt werden aus den Zahlen der jeweiligen Stapel Summen aus den Einflusspunkten gebildet. Wer nach dieser Berechnung die meisten Einflusspunkte hat (bei Gleichstand entscheidet, wer näher bei der Stefan-Feld-Figur ist), gewinnt die Auktion und schnappt sich als erstes den lieben Stefan (also natürlich die Figur).

Abhängig von der Art der aktuellen Auktion können nun 1, 2 oder sogar 3 Personen Aktionen ausführen. Sollte man in diesem Schritt trotz eingesetzten Stapels leer ausgegangen sein, darf man genau eine der aufgedeckten Karten unter seinen Stapel zurücklegen (das ist die einzige Möglichkeit sein Deck wieder mit Karten zu versehen, und es gibt Momente, in denen man genau das möchte oder braucht). Zuletzt werfen alle Personen, die Kartenstapel umgedreht haben, alle genutzten Karten ab, diese sind für den Rest des Spiels nicht mehr spielbar.

Und warum biete ich mich jetzt hier um Kopf und Kragen? – Aktionen ausführen
Jede Runde beginnt mit einer Auktion um Adel und Kirche. Wer am meisten Einflusspunkte gesetzt hat, darf ein Familienmitglied auf das Feld des Adels im Rat setzen. Generell gilt: sollte eine Figur eines Gegners ein Feld besetzen, wird diese verdrängt. Der Adel lässt mich am Rundenende einen Brunnen auf das Stadtgebiet setzen. Brunnen geben am Ende Siegpunkte für angrenzende Familienmitglieder und können mitunter zusätzliche Aktionen bereithalten, wenn ich ein Familienmitglied dort hinsetze. Sollte ich das Kirchenfeld belegen dürfen, so kann ich am Rundenende (aber noch vor dem Brunneneinsatz) eine Palme auf das Stadtgebiet setzen. Sollte ich am Spielende eigene Familienmitglieder an eine Palme angrenzend haben, ist jedes Mitglied einen Siegpunkt wert.

Gewinne ich eine Gildenauktion, darf ich zunächst ein Familienmitglied auf das entsprechende Ratsfeld setzen, dann eine Ware der entsprechenden Gilde aus dem Vorrat an mich nehmen und – falls ich es mir leisten kann – ein weiteres Familienmitglied auf ein freies Feld der Gilde im Stadtgebiet setzen. Wer Platz 2 in der Auktion belegt hat, nimmt sich ebenfalls eine Ware der Gilde und darf ebenso ein Familienmitglied auf dem Stadtgebiet platzieren (muss dies aber selbstverständlich auch zahlen). Wer den dritten Platz belegt hat, darf immerhin noch eine Ware nehmen oder(!) ein Familienmitglied per Zahlung im Stadtgebiet platzieren.

Die Auktion „Kaufleute beeinflussen“ bringt mir das nötige Kleingeld (und bisweilen ein weiteres Familienmitglied im Rat), um meine Familienmitglieder auf dem Stadtgebiet zu platzieren – kann ich hier nämlich Waren, die ich besitze, entsprechend ihres Wertes in Münzen umtauschen. Wichtig ist, dass bei dieser Auktion nur die Person die Aktion nutzen darf, die am meisten geboten hat, alle anderen gehen leer aus (können aber natürlich wieder genau eine Karte unter den eigenen Stapel legen).

Bei der Auktion „Standortwechsel“ darf die meistbietende Person ein eigenes Familienmitglied waagerecht oder senkrecht im Stadtgebiet um ein Feld weiterziehen (das Zielfeld muss allerdings frei sein).

Unser Einfluss wächst (im besten Fall) – die Ratsphase
Für jedes Familienmitglied, das ich am Ende einer Runde im Rat sitzen habe, erhalte ich einen Siegpunkt. Habe ich sogar die meisten Mitglieder (oder teile mir die meisten mit anderen), erhalte ich ein Privileg. Privilegien sind am Ende jeweils einen Siegpunkt wert. Während des Spiels erlaubt mir die Abgabe eines solchen bei einer Auktion zu passen, später aber nochmal an die Reihe zu kommen. Diesen Kniff sollte man nicht unterschätzen, kann man hiermit nämlich wunderbar taktieren – etwa in Situationen, wie oben angedeutet, in denen man den lieben Stefan Feld vor sich hat, ihn aber am liebsten jemand anderem unterjubeln wollen würde.

Wer ist denn nun am einflussreichsten? – Spielende und Schlusswertung
Nach jeder Ratsphase beginnt eine neue Runde mit 9 neuen Auktionen, nach der 5. Runde endet das Spiel und wir kommen zur Schlusswertung. Ich erhalte am Ende Siegpunkte aus verschiedenen Quellen, dabei gilt:

  • 1 Siegpunkt für jedes Familienmitglied im Stadtgebiet
  • 1 Siegpunkt für jedes Familienmitglied, das mindestens neben einer Palme steht
  • Für jedes Familienmitglied, das waagerecht oder senkrecht zu einem Brunnen steht, erhalte ich die auf dem Brunnen abgebildeten Punkte (2–6 Siegpunkte)
  • 1 Siegpunkt für jedes nicht verwendete Privileg
  • Für jede erfüllte Aufgabenkarte in Höhe der abgebildeten Punkte
  • Minuspunkte(!) für jede nicht erfüllte Aufgabenkarte in Höhe der abgebildeten Punkte


Wer nun die meisten Siegpunkte, also das meiste Ansehen in Valencia generiert hat, gewinnt das Spiel. Bei Gleichstand gewinnt, wer mehr Familienmitglieder in Valencia platzieren konnte, danach entscheidet, wer die meisten Münzen übrig hat. Sollte es dann noch immer einen Gleichstand geben, wird der Sieg geteilt – und man darf sich vielleicht noch um die Stefan-Feld-Figur streiten.

 GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht 

CHECKPOINT

PRO

  • Einsatz der Einflusskarten will gut durchdacht sein
  • Spannende und auffordernde Auktionen
  • Es spielt sich dennoch angenehm „fluffig“, es gibt kaum Downtime
  • Erweiterungsmodul „Neue Einflusskarten“ gibt zusätzliche taktische Optionen


CONTRA

  • Bei Spielbeginn haben die ersten beiden Personen einen gewissen Vorteil
  • Für die Auftragskarten scheint Balance teilweise ein Fremdwort
  • Die Aufbewahrungsboxen sind nett gemeint, ihre Funktionalität ist nur bedingt existent

MEINUNG

Zunächst einmal sei gesagt, dass ich das Original Strasbourg nie gespielt habe, ich kann in meiner Bewertung von Valencia folglich keinen Vergleich anstellen.

Kurzweilige Partien, Taktik und „das Glück herausfordern“
Valencia besticht vor allem durch den Mix von „Push your luck“ beim Ziehen der Einflusskarten und taktischem Bieten bzw. Nichtbieten zur rechten Zeit. Darüber hinaus ist man stets interessiert daran, ob die anderen mitbieten oder passen, was Partien meiner Erfahrung nach für alle am Tisch kurzweilig erscheinen ließ. Obwohl man Valencia im Prinzip entspannt „runterspielen“ kann,  sollte der Fairness halber gesagt werden, dass man, sofern man um den Sieg mitspielen möchte, im Blick haben sollte, was die anderen so bei den einzelnen Auktionen und im Stadtgebiet anstellen. So lässt sich nach ein paar Partien mitunter einschätzen, welche Aufgabenkarten jemand haben könnte. Will man dies verhindern, sind Konzentration und Aufmerksamkeit unerlässlich.

Ausgangslage, Aufgaben, Ausstattung – weniger schöne Seiten einer aufstrebenden Stadt
In der ersten Runde einer Partie dürfen die beiden Personen, die als erstes bzw. zweites an der Reihe sind, eines ihrer Familienmitglieder auf Adel bzw. Kirche im Rat setzen. Dies dient dazu, am Ende der Runde einen Brunnen und eine Palme setzen zu können. Denn sollte in der ersten Runde niemand für Adel und Kirche Kartenstapel einsetzen, blieben diese Felder leer, durch den genannten Kniff umgeht man dieses potentielle Problem. Hier waren meine Spielgruppen jedoch nicht wirklich von der Designentscheidung überzeugt, da wir immer das Gefühl hatten, dass hier ein kleiner Vorteil für besagte Personen entsteht. Wollte ich nämlich z.B. als dritter Spieler etwas an dieser Situation ändern, musste ich bereits hier Karten einsetzen, während die ersten beiden erst einmal in Ruhe abwarten konnten. Nun ist das Setzen eines Brunnens bzw. einer Palme nicht übermäßig übermächtig, aber wir dürfen nicht vergessen, dass Figuren im Rat Siegpunkte generieren und hier belohnt der Zufall bereits zu Spielbeginn, was uns, wie gesagt, nicht so gefallen hat.

Mit Fragezeichen haben uns zum Teil die Aufgabenkarten zurückgelassen. Hier präsentieren sich wild gemischt Aufgaben, die sehr leicht (und unabhängig vom Agieren der anderen am Tisch) zu erledigen sind, während andere kaum planbar sind. Manche können gar keine Minuspunkte generieren, also ganz entspannt gewählt werden, andere hingegen können richtig weh tun, weil sie bei Nichterfüllung viele Minuspunkte geben. Besonders aufgefallen sind uns dabei definitiv zwei Aufgaben, die für 5 Siegpunkte verlangen, am Spielende das meiste Geld zu besitzen. Glücklich, wer die Karte hat, die sagt, dass man mehr Geld haben muss als eine(!) andere Person am Tisch – eher unglücklich, wer mehr Geld haben muss als jede(!) andere Person am Tisch. Minuspunkte gibt es zuletzt leider auch für die Aufbewahrungsboxen. In der Theorie kann man das Material geordnet auf vier kleinere Boxen aufteilen, in der Praxis sind diese sehr wackelig und durchlässig, das nichts dauerhaft an Ort und Stelle bleibt, was schnell nervig sein kann.

Auktionen verlieren und ins Hintertreffen geraten – das Erweiterungsmodul „Neue Einflusskarten“ als Abhilfe
Bei Auktionen leer auszugehen, kann einen schnell bestrafen. Das muss man mögen. Mein Tipp ist allerdings, das Erweiterungsmodul „Neue Einflusskarten“ nach ein paar Partien zu benutzen, weil es weitere taktische Optionen bietet. Beim Spielaufbau ergänzen bzw. ersetzen die jeweiligen Karten mein Deck. Während etwa die „Zwillinge“ (zwei 2er-Karten, die zwei 2er aus dem Grundspiel ersetzen) gemeinsam aufgedeckt 6 Einfluss wert sind, liefert mir das „Vorratslager“ (zwei 3er-Karten, die ebenfalls zwei „normale“ 3er ersetzen) unabhängig vom Ausgang der aktuellen Auktion die auf der Karte abgebildete Ressource. 

Fazit
Ich spiele Valencia immer wieder gerne, weil es stets aufregend ist, in der Planungsphase Karten zu ziehen – und noch eine und noch eine… Verdammt, die war zu viel…
Das Element, das eigene Glück herauszufordern, bietet eine schöne Ergänzung zur taktischen Auktionsphase, die kurzweilig daherkommt und vor allem mit dem Erweiterungsmodul weitere Möglichkeiten bietet, das meiste Ansehen in Valencia zu erlangen. Spielerisch weniger gefallen hat mir die in meinen Augen unrunde Balance der Aufgabenkarten, die in meinen Runden teilweise für (den einzigen) Frust gesorgt haben. Wer bei der Ausstattung (ich schaue euch an, werte Aufbewahrungsboxen) ein Auge zudrücken kann und Lust auf eine insgesamt gelungene Mischung aus einer Prise „Push your luck“ und taktischem Auktionsbieten hat, sollte sich definitiv mit Stefan Feld nach Valencia begeben. 

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 6/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

DÄN

Gelegentlicher Vielspieler, Sportfan, Straßenphilosoph, Leseratte
 

Eine Rezension vom 19.04.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Queen Games
Weitere Fotos: Spielkultisten