REZENSION

UNFAIR

  • Genre: Taktik, Karten
  • Jahr: 2022 (deutsche Version), Original: 2017
  • Verlag: Corax Games (deutsche Version)
  • Autor: Joel Finch
  • Grafik: Nicole Castles, Lina Cossette, David Forest, Philippe Poirier
  • Spieler: 2 bis 5
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 25 Minuten pro Spieler
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 4/10

Fair kann ja jeder ...

Wer hat noch nicht davon geträumt, einen eigenen Freizeitpark zu eröffnen? Das muss doch echt toll sein: Jeden Tag Zutritt zu Achterbahnen und tollen Shows, deren Programm man auch noch selbst bestimmen kann! Alle Restaurants testen, das kostet bestimmt nichts, denn sie gehören einem ja! Wirklich ein traumhaftes Leben - wären da nicht die Besitzer der anderen Parks, die immer wieder versuchen, einem das Leben schwer zu machen. Sie hetzen einem Inspektionsteams auf den Hals, klauen einem das Geld, und warum brennt es hier eigentlich?!

REGELN

Bei Unfair errichtet jeder seinen eigenen Freizeitpark. Und wie der Name des Spiels schon erahnen lässt (Unfair, und nicht etwa Funfair), geht es dabei nicht immer ganz mit rechten Dingen zu. So versuchen wir uns gegenseitig zu behindern, wo es nur geht. Und auch die Rundenkarten meinen es nicht immer gut mit uns. Aber wenn es so einfach wäre einen Freizeitpark zu führen, hätten wir dann nicht alle einen?

Zunächst erhält jeder einen Haupteingang für den eigenen Freizeitpark, Startgeld und Handkarten. Auf dem Spielbrett in der Mitte werden Parkkarten offen ausgelegt und die verdeckten Stapel aller Kartenarten bereit gelegt. Das Spiel geht über acht Runden und jeder hat pro Runde drei (in Ausnahmen vier) Spielzüge. Die Runden sind unterteilt in drei Phasen: Ereignis, Park- und Gästephase.

Das Spiel beginnt mit einer Ereignisphase. In der Ereignisphase bekommt zunächst jeder eine Ereigniskarte auf die Hand. Im Anschluss wird ein für alle gültiges Rundenereignis gezogen. In den ersten vier Runden sind dies "Funfair"-Ereignisse, die ausschließlich positive Effekte auf alle Spieler haben (zusätzliche Einnahmen, kostenlose Aktionen usw.). Ab der fünften Runde wendet sich das Schicksal für die neuen Parkbesitzer: Die Karten werden "Unfair" und bringen nur noch fiese Effekte mit sich (zum Beispiel werden Attraktionen geschlossen, Geld wird verloren oder bestimmte Aktionen können nicht auf ihre gewohnte Art durchgeführt werden). Im Anschluss dürfen alle in Spielerreihenfolge Ereigniskarten spielen. Dies können Ereignisse sein, die einem selber Vorteile bringen oder auch welche, die einem oder allen Mitspieler(n) Schaden zufügen.

Nach der Ereignisphase kommt die eigentliche Hauptphase: Die Parkphase. Jetzt ist jeder mindestens dreimal an der Reihe und darf jeweils eine Aktion durchführen. Folgende Aktionen stehen zur Verfügung:

Bauen: Gegen Bezahlung von Münzen können Karten von der Hand gebaut werden:

  • Neue Attraktionen: Jeder Park darf bis zu fünf Attraktionen besitzen. Dabei muss die neue Attraktion nimmer auf dem Platz am weitesten links platziert werden. Es gibt verschiedene Attraktionsarten: gemächliches Fahrgeschäft, aufregendes Fahrgeschäft, Fressstände, Theater und Spaßbuden.
  • Aufwertungen: Alle Attraktionen können mit Aufwertungen ausgestattet werden. Dabei sind für die Anzahl nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Einschränkungen haben einige Aufwertungen darin, dass sie nur auf bestimmte Attraktionen (nur auf aufregende Fahrgeschäfte, nur in Spaßbuden usw.) gebaut werden können. Je mehr Aufwertungen eine Attraktion bis zum Spielende erhalten hat, desto mehr Punkte bringt sie ein. Attraktionen können zusätzlich zu Punkten auch eigene Effekte mitbringen.
  • Angestellte: Jeder Park kann mehrere Angestellte haben. Sie werden keiner Attraktion zugeordnet und zählen nicht zum Attraktionslimit. Sie bringen dem Park einen dauerhaften Vorteil ein und können am Spielende zusätzliche Punkte geben.
  • Hilfsmittel: Dies sind Parkupgrades. Genau so wie die Angestellten werden sie keiner Attraktion zugeordnet und sind nicht limitiert. Sie haben ebenfalls einen dauerhaften Vorteil für den Park und können zum Beispiel die Gästekapazität erhöhen.


Nehmen: Von einem beliebigen Nachziehstapel können zwei Karten gezogen werden, von denen eine Karte behalten werden darf:

  • Parkkarten beinhalten die verschiedenen Attraktionen, Aufwertungen, Angestellten und Hilfsmittel zum Bauen.
  • Blaupausen sind Zielkarten, die erfüllt werden müssen, um am Spielende Punkte zu erlangen. Vorsicht: Wird eine Karte nicht erfüllt, gibt es Minuspunkte! Diese Karten können ab der fünften Runde nicht mehr erworben werden.
  • Ereignisse liefern mehr Karten für die Ereignisphase.


Weitere Aktionen:

  • Eine Aktion darf genutzt werden, um eine bereits gebaute Attraktion wieder abzureißen.
  • Wer wirklich akute Geldprobleme hat, kann eine Aktion nutzen, um eine Münze je gebauter Attraktion im eigenen Park zu erhalten (sehr ineffektiv!).


Nachdem alle ihre jeweils drei Aktionen durchgeführt haben, beginnt die Gästephase. In der Gästephase strömen die Besucher in den Park. Alle Parks haben zum Spielanfang eine Gästekapazität von 15. Egal wie beliebt der Park ist, nach 15 Besuchern werden keine weiteren hereingelassen. Wie viele Besucher sich für den eigenen Park interessieren, entscheiden die Sterne auf den Parkkarten. Die Kapazität kann durch Aktions- und Parkkarten erhöht werden. Die Gästephase ist zusätzlich die Aufräumphase des Spiels, in der geschlossene Attraktionen (Mitspieler könne soooo böse sein!) wieder geöffnet werden und neue Parkkarten in die Auslage kommen. 


Im Anschluss beginnt eine neue Runde mit einer Ereignisphase.


Am Ende des Spiels bekommen wir Punkte für unsere Attraktionen. Je mehr Verbesserungen die Attraktionen erhalten haben, desto mehr Punkte bringen sie ein. Außerdem können Beschäftigte Punkte einbringen. Erledigte Blaupausen geben Punkte, während es für jede nicht geschaffte Blaupause zehn Minuspunkte gibt. Eine weitere Quelle für Minuspunkte sind Kredite: Wir haben im Laufe des Spiels die Möglichkeit, Kredite aufzunehmen, kassieren dafür aber am Spielende ordentlich Minuspunkte. Am Spielende vorhandenes Restgeld bringt ebenfalls noch ein paar Punkte ein. Wer nun die meisten Punkte besitzt, hat in seinem Park am besten gewirtschaftet und gewinnt das Spiel.


Im Grundspiel sind sechs verschiedene Themensets enthalten: Vampire, Dschungel, Ganoven, Ninjas, Piraten und Roboter. Weitere Sets sollen künftig über Erweiterungen hinzukommen. Jedes Set hat unterschiedliche Schwerpunkte und bringt ein neues Spielgefühl mit. So fördern Ninjas und Ganoven eher die Konflikte zwischen den Spielern, während es im Dschungel und bei den Robotern etwas fairer zugeht - hier werden dann eher Attraktionsgrößen gefördert oder es gibt mehr Möglichkeiten, Geld zu generieren. Pro Spieler wird ein Themenset ins Spiel gemischt, und durch die vielen Sets entstehen immer wieder neue Kombinationen.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • viel Interaktion
  • Freizeitpark witzig umgesetzt
  • Variationsmöglichkeiten
  • schöne Illustrationen
  • sehr kurzweilig
  • funktioniert mit wenig und mit vielen Spielern


CONTRA

  • manchmal wirklich Unfair ;-)
  • wenig Chancen, wenn das Glück nicht mitspielt

MEINUNG

Mit Unfair kommen wir dem Traum vom eigenen Freizeitpark endlich ein Stückchen näher. Es werden Attraktionen im eigenen Park gebaut und immer weiter verbessert. Die schönen thematisierten Illustrationen sorgen dafür, dass man seinen Park am liebsten direkt besuchen möchte. Dabei startet jeder mit einem Parkeingang und etwas Geld. Doch schnell wächst der eigene Park. Auch die Upgrades für die einzelnen Attraktionen sind sehr thematisch ausgewählt worden - so können einige Aufwertungen nur auf bestimmte Attraktionsarten gebaut werden (wofür benötigt denn auch eine Achterbahn die Klimaanlage?).


Alles könnte so perfekt sein - wären da nicht die Mitspieler, die in direkter Umgebung ihre eigenen Freizeitparks eröffnen. Die Parkbetreiber stehen im ständigen Konkurrenzdruck - so möchte doch jeder die meisten Besucher in seinen Park locken, um die Umsätze zu steigern. So kommt es, dass nicht immer nur mit fairen Mitteln gespielt wird: Lass uns doch mal dem Park mit der beliebten Looping-Bahn ein Inspektionsteam auf den Hals hetzen - und schon ist dort mindestens eine Bahn für eine Runde gesperrt. Jemand hat mehr Geld, als er meiner Meinung nach ausgeben kann? Da bin ich doch so hilfreich und kümmere mich um eine Hälfte des Geldes!


Der Grad der "Unfairness" lässt sich bestimmen über die Wahl der Themensets. Soll der Ärgerfaktor hoch sein, kommen die Gauner ins Spiel - die bringen ebenfalls durch das Verwenden eines Würfels einen Glücksfaktor mit ins Spiel. Ist dies nicht gewünscht, wird ein anderes Themenset gewählt. Es gibt durchaus Themensets, in denen es wenig bis keine Ereigniskarten mit Ärgerfaktor gibt. Dort wird dann zum Beispiel mehr Wert gelegt auf viele Verbesserungen und gesteigerten Reichtum. Im Grunde ist für jeden etwas dabei, und bei einer zufälligen Auswahl der Themensets ist viel Abwechslung garantiert.


Wer mit direkter Konfrontation nicht umgehen kann, sollte vor allem im Spiel mit mehr als zwei Spielern die Themensets gut auswählen. So kann es passieren, dass ein Spieler mit dem vermeintlich beliebtesten Freizeitpark ins Kreuzfeuer gerät. Wer damit nicht umgehen kann, könnte bei Unfair recht unglücklich werden. Es gibt Ereigniskarten, bei denen ein Spieler als Ziel gewählt werden muss. Trifft dies immer den gleichen Spieler (selbst Schuld, wenn dieser so viel Gas gibt ...), wird dieser vermutlich nicht noch einmal so gerne mitspielen. Freundschaften könnten enden und Beziehungen in die Brüche gehen - nun gut, das nicht wirklich, aber ihr wisst, was ich meine ... Unfair ist somit nicht jedem bedingungslos zu empfehlen.


Wer genau diesen Ärgerfaktor zu schätzen weiß und dieses durchaus unfaire Spiel mit dem nötigen Humor betrachtet, wird mit einem netten und kurzweiligen thematischen Spiel belohnt. In unseren Runden kam Unfair meistens gut an. Die Themensets haben wir dabei allerdings an die Gruppe angepasst. Ich vergebe für dieses abwechslungsreiche Spiel mit Ärger- und Glücksfaktor insgesamt gute 7 Parksterne, nein, Kultpunkte.

Anmerkung von Ingo: Wer destruktive Interaktion gern mag und Freizeitpark-Fan ist, darf nach meinen Spieletreff-Erfahrungen auch auf 8 Kultpunkte erhöhen.

KULTFAKTOR: 7-8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EURE REZENSENTIN

CAROLA

Strategiespielerin, Ork-Flüsterin, Miniaturenbemalerin

Eine Rezension vom 29.10.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Corax Games

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