REZENSION

ULTRAVIOLETT

  • Genre: Partyspiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Kampfhummel Spiele
  • Autorin: Angela Vögtli
  • Personen: 3 bis 4 (mit Erweiterung bis 6)
  • Alter: ab 12 Jahren (Hardcore-Erweiterung: ab 16 Jahren)
  • Dauer: ca. 30 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Initiativlevel: 6/10

Blinde Kunst

Beweist eure kreativen Fähigkeiten, indem ihr abstruse Sätze in ein gezeichnetes Kunstwerk umwandelt. Leider gibt es da noch ein Hindernis: Ihr seht nicht, was ihr zeichnet, denn in eurem Stift befindet sich Tinte, die erst im UV-Licht sichtbar wird.

REGELN

Nehmt euch jeweils einen Sichtschirm und je einen Würfel in jeder der vier Farben. Belegt den Spielplan mit jeweils sechs zufälligen Begriffskarten in jeder der vier Kategorien. 

Würfelt geheim hinter euren Sichtschirm. Die Würfelzahlen /-farben bestimmen nun einen individuellen Satz, der sich aus den Begriffskarten auf dem Spielplan ergibt. Bringt nun den Satz mit dem speziellen UV-Stift aufs Papier. Da die Tinte für eure Augen unsichtbar ist, seht ihr nicht, was ihr zeichnet. Ihr könnt die Begriffe einzeln malen oder sie in ein zusammenhängendes Bild überführen. Der Satz könnte z.B. lauten: "Angela Merkel –  verbuddelt – einen gestreiften – Flamingo". Wer seine Zeichnung als erstes beendet hat, dreht die Sanduhr um. Alle anderen haben nun noch diese Sanduhrlänge Zeit, um ihr Kunstwerk zu vervollständigen. 

Habt ihr alle euren Satz gezeichnet, offenbart ihr der Reihe nach eure Kunstwerke den anderen Personen am Tisch, indem ihr die UV-Lampe eures Stiftes auf eure Zeichnung richtet und so die Tinte sichtbar macht. Die Mitspielenden notieren nun die vermeintlich richtige Kombination auf ihrem Wertungsplättchen. Denn wird aufgelöst. 

  • Für jede Person, die das eigene Kunstwerk komplett richtig interpretiert hat (also alle vier Zahlen korrekt notiert wurden), gibt es 1 Punkt.
  • 1 Bonuspunkt gibt es pro richtiger Interpretation, wenn deine Zeichnung ein zusammenhängendes Bild zeigt.
  • 1 Punkt bekommst du pro Person, deren Kunstwerk du komplett richtig interpretiert hast.
  • 1 Minuspunkt gibt es, wenn du die Sanduhr gedreht hast, aber niemand dein Kunstwerk komplett richtig interpretiert hat.


Nach 5 Runden gewinnt die Person mit den meisten Punkten. Alternativ könnt ihr auch spielen, bis jemand 42 Punkte erreicht hat.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • Abstruse Sätze zum Zeichnen 
  • UV-Gimmick


CONTRA

  • mitunter weniger lustig als gedacht
  • Wertung kann frustrieren (Hausregeln empfehlenswert)

MEINUNG

Wie es um euer Kunstwerk steht, seht ihr, wenn das Licht angeht – so in etwa könnte man den Kniff von Ultraviolett beschreiben. Dabei ist das Spiel im Kern ein klassisches Zeichenspiel, bei dem es darum geht, die künstlerischen Ergüsse der Mitspielenden zu erkennen bzw. selbst so talentiert zu zeichnen, dass die Konkurrenz auf die korrekte Lösung kommt. Nun zeichnen wir bei Ultraviolett aber keine einfachen Begriffe wie Auto oder Haus, sondern abstruse Sätze, die durch die Karten und Würfel in immer neuen Kombinationen gefragt sind. Da erinnert das Spiel dann beispielsweise an Mutabo. Der modulare Aufbau sorgt dabei für eine schöne Varianz, wobei sich manche Begriffe einbrennen. Kommen diese in Wiederholungspartien dann irgendwann erneut aufs Brett, gibt es eine gewisse Lernkurve. Was einmal funktioniert hat, wird man wieder so zeichnen, zumindest, wenn man die vier Begriffe einzeln übermittelt. Spaßiger (und punkteträchtiger) wird es, wenn der Satz wirklich zusammenhängend zu Papier gebracht wird.

Was sich so lustig liest, war in unseren Partien allerdings manchmal weniger witzig als gedacht. Wenn die verrückten Geschichten auf dem Papier gar nicht mehr so verrückt aussehen, sei es, weil das künstlerische Talent fehlt oder aber weil das erschwerte "blinde" Zeichnen zu Ergebnissen führt, deren Details man nur schwer interpretieren kann, besonders, wenn ähnliche Begriffe ausliegen oder Begriffe, die man auch schon sehend nur schwer zeichnen kann, dann ist das schade.

Tipp: Um eine gute Stimmung am Tisch zu garantieren, sollte nicht nur auf die Zielgruppe geachtet werden, sondern auch auf die Art und Weise, wie sehr das Konzept ausgelebt wird. So ist es deutlich befriedigender, wenn jeder seine vermeintliche Lösung nochmals als Satz formuliert, anstatt lediglich die Zahlen zu vergleichen.

Nicht ganz unwichtig ist auch die Personenzahl. Je mehr mitspielen, umso besser. Die 5-bis- 6-Personen-Erweiterung lohnt sich daher.

Selbst in Vollbesetzung zeigt sich jedoch ein Problem: die Wertung. Punkte gibt es nur für komplett richtige Lösungen. Und die gibt es nach unseren Erfahrungen selten. So gibt es immer wieder Nullrunden, was den Spielspaß beeinflussen kann, besonders weil das Spiel ja ein lockeres Partyspiel sein möchte. Die Minuspunkt-Regelung fürs Drehen der Sanduhr bei fehlenden Übereinstimmungen ist dabei in meinen Augen auch überflüssig. Wie soll ich Punkte sammeln, wenn die unter Druck gesetzten Mitspielenden ihr Kunstwerk gar nicht beenden konnten? Da ist das Drehen der Sanduhr also gar kein wirklicher Vorteil.

Bei der Wertung sind für mich Hausregeln gefragt. Gäbe es einen Punkt pro erratenem Teilbegriff, wäre die 42-Punkte-Mission deutlich realistischer. So aber hatten wir nach einer Runde mit 6 Personen und gut 15 Minuten Spielzeit einen Spielstand von 2:1:0:0:0:0, was sich irgendwie nicht so richtig gut anfühlte. Da wäre es schon schöner, wenn drei richtige Teillösungen einen Vorteil gegenüber null Übereinstimmungen liefern würden. Mit Hausregeln, die das ausgleichen, werden Frustmomente reduziert.

Das Spiel ist gut und umfangreich ausgestattet. Die UV-Stifte und Lampen funktionieren gut; wie lange sie haltbar sind, ist dann die andere Frage, die ich hier nicht klären kann. Der Verlag bietet Möglichkeiten zum Nachkauf an. Ja, das Licht-Gimmick ist eine kleine Besonderheit, aber natürlich hätte das Spiel genauso gut mit normalen Stiften und mit beim Zeichnen verbundenen Augen funktioniert.

Alles in allem ist Ultraviolett ein Spiel, das in der richtigen Gruppe spaßige Momente am Tisch erzeugen kann, einen gewissen Spaß am Zeichnen sollte man allerdings schon auch mitbringen. Ultraviolett erzeugte bei uns aber verschiedene Meinungen. Die einen finden das richtig lustig – wer es derber mag, besonders auch mit der Hardcore-Erweiterung, in der die Begriffe nicht mehr jugendfrei bleiben. Und dann gibt es die, die sich bereits beim Zeichnen überfordert fühlen, was die harte Punktewertung dann nochmals verstärkt. So ergibt sich für mich eine Wertung zwischen 6 und 7 Kultpunkten, mit Schwankungen je nach der Spielgruppe, der Personenanzahl und ob mit oder ohne Hausregeln gespielt wird. In idealen Runden kann der Kultfaktor nach oben schnellen, mit wenig kreativen Leuten kann er absinken. Beurteilt da am besten selbst, ob ihr eine passende Runde für Ultraviolett zustande bekommt, die sich der künstlerischen Herausforderung wiederholt stellen mag.

KULTFAKTOR: 6-7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 11.12.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Kampfhummel Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten