REZENSION

TÜFTELMONSTER

  • Genre: Familienspiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Board Game Circus
  • Autor: Judson Cowan
  • Grafik: Judson Cowan
  • Spieler: 2 bis 6
  • Alter: ab 8 Jahren (mit Variante ab 4 Jahren)
  • Dauer: ca. 15 bis 30 Minuten (auch länger)
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 5/10

Mein Monster hat drei Beine

In diesem Legespiel erschafft ihr euer eigenes Monster aus farbigen Körperteilen, doch Vorsicht! Manchmal meint es die Konkurrenz nicht gut mit euch, wenn sie euren Körper in alle Richtungen verlängert. Und dann werden einem auch noch die besten Teile entwendet. Aber Moment mal, wofür sind die Bolzen, die da rumliegen, eigentlich gut?

REGELN

Mischt die 200 Körperteil-Karten und deckt drei zufällige als erste Stapel der Auslage auf. Zieht jeweils drei zufällige Körperteile auf die Hand. Die Körperteile gibt es in zehn verschiedenen Sorten und in unterschiedlichen Farben. Nehmt euch außerdem eine Körper-Karte und legt sie offen vor euch aus. Sie kann in alle vier Richtungen verlängert werden. 

Legt die drei goldenen Preise offen aus, die silbernen verdeckt. Über Preise könnt ihr im Spiel Punkte machen. Die goldenen Preise sind in jeder Partie vorhanden. Da gibt es am Ende 3 Punkte für die Person, die ihr Monster als erstes abschließt, es also keine offenen Verbindungsstellen mehr besitzt. Punkte gibt es auch für das Monster, das aus den wenigsten Karten besteht und für das Monster, das die größte Farbvielfalt aufweist. Die Silberpreise wechseln hingegen in jeder Partie.

Los geht‘s. Bist du am Zug, wirfst du den Würfel. Der bestimmt mit seinem Symbol, welche Aktion du ausführst:

  • Ziehen: Du ziehst zwei neue Körperteile auf die Hand. Die Karten können von den offenen Stapeln kommen oder vom verdeckten Stapel. Von den Ablagestapeln darf immer nur die oberste Karte genommen werden.
  • Graben: Nimm einen kompletten Stapel auf die Hand und suche dir daraus zwei beliebige Karten aus, die du auf die Hand nimmst. Liegt nur eine Karte im Stapel, ziehe eine weitere vom Nachziehstapel.
  • Silberpreis auslegen & Ziehen: Decke einen Silberpreis aus und bestimme damit, was am Spielende zusätzliche Punkte bringt (z.B. „die meisten Köpfe“ etc.). Ziehe außerdem zwei neue Karten auf die Hand.
  • Klauen: Stiehl einem Mitspieler ein Körperteil aus seinem Monster, sofern die Karte nicht gegen Diebstahl oder durch einen Bolzen geschützt ist. Nimm die Karte auf die Hand. Die bestohlene Person erhält dagegen zwei Bolzen, mit der sie ausliegende Karten am eigenen Monster fixieren kann und so vor künftigem Diebstahl schützt.
  • Wünsch dir was: Du hast die Wahl aus den zuvor beschrieben Optionen.


Im zweiten Schritt deines Spielzuges musst du ein Körperteil von deiner Hand an ein beliebiges Monster anlegen. Das kann dein eigenes Monster sein oder auch das Monster eines Mitspielers. Dabei müssen die Körperteile passend, aber nicht "logisch" angelegt werden, aus einem Arm kann also beispielsweise auch einfach ein Kopf wachsen. Du darfst die Karten beliebig drehen, allerdings müssen die Verbindungen aneinander gelegt werden, heißt: Gibt es auf der Karte eine weiße Kartenseite, darf diese nicht nahtlos an ein Körperteil angelegt werden; ein Körperteil muss also immer an ein anderes Körperteil angrenzen.

Am Ende deines Spielzuges musst du deine Handkarten auf drei reduzieren. Lege überzählige Karten offen auf die Stapel der Auslage. Du darfst die Karten dabei beliebig verteilen.

Das Spiel endet, wenn

  • ihr mehr Silberpreise aufgedeckt habt, als ihr Personen seid und das erste Monster fertiggestellt wurde ODER
  • der Nachziehstapel leer ist.


Bei der Schlusswertung bestimmst du deine persönliche Wertungsfarbe. Zähle alle Körperteile in dieser Farbe, die zu deinem Monster gehören. Addiere mehrfarbige Körperteile hinzu. Auch dein Start-Körper wird, bei passender Farbgebung, mit in der Farbwertung berücksichtigt. Du erhältst 1 Punkt pro passender Karte. Hinzu kommen die Punkte der Preise - sowohl die Aufträge der goldenen Karten, als auch die der in jeder Partie wechselnden silbernen Karten. Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.

Varianten für Kinder:

  • 6- bis 7-Jährige gewinnen, wenn das eigene Monster fertiggestellt ist. Es werden keine Punkte gezählt und somit auch keine Preise ausgelegt.
  • 4- bis 5-Jährige würfeln zudem nicht, sondern ziehen einfach in jedem Zug zwei Körperteile vom Stapel.


Dem Spiel liegt zudem die Mini-Erweiterung Moder & Metall bei. Diese Karten erweitern die Auswahl an Körperteilen bzw. Farben und sind grundsätzlich gegen Diebstahl geschützt.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • einfaches Legespiel, das besonders Kinder anspricht
  • witzige Monster-Formationen möglich


CONTRA

  • kann sich mitunter in die Länge ziehen
  • zum Ende hin kann es unübersichtlich werden

MEINUNG

Wie kommt es eigentlich, dass ich beim Erschaffen meines Monsters nicht an Frankenstein, sondern an Frankreich denken muss? Ach ja, in Frankreich liegt die Stadt Carcassonne, und die Aufgabe bei Tüftelmonster, das eigene Monster an allen Ecken und Enden abzuschließen, erinnert spielerisch doch stark an die Vollendung von Städten oder Straßen im Legespiel-Klassiker Carcassonne, Spiel des Jahres 2001. Wer da eine Stadt für sich beanspruchte, musste gerade zum Ende hin auch bangen, dass die Konkurrenz alles andere als behilfleich bei dem Unterfangen ist, im Gegenteil: Plötzlich wurde die Stadt größer und größer, und die Aufgabe, die Mauern zu schließen, zur Sisyphos-Arbeit.

Bei Tüftelmonster gibt es keine Wiesen, Mauern oder Klöster, stattdessen farbige Körperteile, ganz witzig gezeichnet. Die Monster, die hier entstehen, sind dabei größtenteils weniger gruselig, als es der Schachteltext verspricht, sondern oftmals zottelig-süß. Manche könnten sich da auch locker in der Sesamstraße zwischen Grobi und dem Krümelmonster wiederfinden. Das zeigt aber auch schon, auf welche Zielgruppe Tüftelmonster schaut. Das Spiel ist als Familienspiel gedacht, und insbesondere Kinder sprechen hier positiv auf das Gebotene an. Kinder verzeichen da auch, dass die Übergänge zwischen den verschiedenen Körperteilen nicht immer so ganz sauber sind. Obwohl es zeichnerisch ohne Probleme möglich gewesen wäre, sind die Anschlüsse der Karten teils unterschiedlich breit, was das fertige Monster nicht so richtig aus einem Guss erscheinen lassen will, aber nun gut, die angesprochenen Kids finden es dann dennoch lustig, wenn ihr Monster am Ende fünf Köpfe hat oder wenn ein Fuß aus dem Arm wächst.

Ohne das Monster-Plus bleibt für mich ein sehr seichtes Legespiel übrig, das mir jetzt nicht die großen spielerischen Innovationen bietet. Das Anlegen geschieht oftmals ins Blaue, gerade anfangs kann man auch noch gar nicht so wirklich planen, was gut für die erst später ins Spiel kommenden Silberpreise ist. Am leichtesten ist es, auf die beiden Farbwertungen zu spielen (möglichst viele verschiedene Farben bzw. möglichst viele Körperteile in identischer Farbe) oder das Monster abschließen zu wollen. Letzteres kann jedoch von den Mitspielern verhindert werden, und wenn alle gegenseitig ihre Monster vergrößern und vergrößern, dann kann sich so eine Partie auch mal in die Länge ziehen. Eine der beiden möglichen Endbedingungen ist tatsächlich das Durchspielen des Nachziehstapels. Das kann dauern, und dann wird das Spiel für das, was es ist, und vor allem für die Zielgruppe, doch recht lang.

Ganz nett ist es, dass man sich für jüngere Kids Varianten überlegt hat, die das Spiel vereinfachen, genauer gesagt die Wertung. Die ist für sich jetzt nicht kompliziert, aber wenn mehrere Wertungen auf einmal beachtet werden sollen, wird die eigene Monster-Auslage mitunter doch ein wenig unübersichtlich, zumal manche Körperteile nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen sind. Da gibt es dann zwar unterstützende Symbole auf den Karten, aber auch die lassen sich schwer auf einmal erfassen, teilweise auch schwer  erkennen, je nach Hintergrundfarbe.

Nun fühle ich mich persönlich nicht gut dabei, ständig den Mitspielern in die Monstersuppe zu spucken - sei es durchs Hinzufügen neuer Körperteile oder durchs Stehlen (die Bolzen sind da zwar ein hilfreiches Ausgleichselement, aber dennoch kann es da mitunter zu Unmut kommen). Ich muss das nicht tun, okay, aber wenn Karten nicht zu meinem Monster passen oder mich die Mitspieler durch ihre Attacken dazu nötigen, bleibt mir oft gar nichts anderes übrig. Das ist jetzt persönlicher Geschmack, denn in unseren Runden gab es auch diejenigen, die diese direkte konfrontative Interaktion gut fanden. Entscheidet da am besten für euch selbst, ob ihr es mögt, wenn ihr die Auslage der Kontrahenten aktiv beeinflussen könnt bzw. wenn die Konkurrenz eure eigene Auslage zu euren Ungunsten verändern kann.

Für mich ist Tüftelmonster ein Spiel mit einfachen Regeln, das vor allem von seinem Optik-Witz profitiert, weniger von spielerischen Neuerungen. Es kombiniert klassisches Plättchenlegen mit Set-Collecting-Wertungen, immer auch glücksbehaftet. Wäre das alles komprimierter, wäre das für mich noch besser, als es sich mit seinem offenen Ende manchmal tatsächlich entwickelt. Wer schon etwas Erfahrungen mit Legespielen gesammelt hat, wird vermutlich, wie ich, auf Dauer lieber bei Carcassonne bleiben. Kids hingegen bevorzugen nicht selten das Labor von Tüftelmonster. Meine Wertung berücksichtigt beide Erfahrungen, und so ergeben sich für mich 6 Kultpunkte, je nach Zielgruppe mit Schwankungen nach oben und unten, aber immer mit dem Bonus, hier lustige Wesen erschaffen zu können.

KULTFAKTOR: 6/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 5/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 27.06.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Board Game Circus
Weitere Fotos: Spielkultisten