REZENSION

TSUNDOKU

  • Genre: Würfelspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Spielemuffel.de
  • Spieler: 2 bis 9
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 25 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 3/10

Lies die Zahlen!

Was bedeutet Tsundoku? Übersetzt man wörtlich aus dem Japanischen, dann kommt da so etwas wie „Lesen“ oder „Stapeln“ heraus. Auch wenn der Begriff eigentlich fürs Sammeln von Büchern, die man gar nicht alle lesen kann, verwendet wird, so hat das Roll-and-Write-Spiel doch auch etwas mit Lesen und Sammeln zu tun, allerdings auf die Zahlen bezogen, die wir auf unserem Spielblatt finden.

REGELN

Jeder erhält einen eigenen Spielzettel vom Block. Würfelt alle jeweils einmal mit dem weißen Würfel und markiert ein erstes beliebiges Feld auf eurem Blatt, das die Zahl zeigt, die der Würfel vorgibt. Das ist euer Startpunkt. Jetzt werden insgesamt 21 Runden gespielt.

In jeder Runde werden beide Würfel (der weiße und der schwarze) geworfen. Der weiße Würfel bestimmt mit seiner Augenzahl die Aufgabe dieser Runde:

  1. Die kleinste Summe aus allen Zahlen
  2. Am nächsten an der Summe von 10
  3. Die höchste Summe aus ungeraden Zahlen
  4. Die höchste Summe aus geraden Zahlen
  5. Am nächsten an der Summe von 20
  6. Die größte Summe aus allen Zahlen


Der schwarze Würfel bestimmt mit seiner Augenzahl die Anzahl an Feldern, die über eine durchgehende Strecke, ausgehend vom letzten Endpunkt bzw. im ersten Spielzug ausgehend vom Startpunkt, markiert werden müssen. Dabei dürfen Felder immer nur waagrecht oder senkrecht verbunden werden, nicht diagonal, zudem dürfen sich eingezeichnete Strecken nie kreuzen! Sollte man sich einmal so verzettelt haben, dass die vorgebene Strecke nicht regelkonform eingezeichnet werden kann, markiert man einen neuen Startpunkt, muss dafür allerdings 5 Minuspunkte in Kauf nehmen.

Im Anschluss ans Einzeichnen berechnet jeder sein Ergebnis der aktuellen Aufgabe. Wer die Aufgabe am besten erfüllt, erhält die Punkte der Runde (zunächst 2, später 3, 4, 6). Die Punkte werden einfach in Form einer Strichliste am unteren Rand des Spielzettels festgehalten. Notiert hier auch eventuelle Minuspunkte bzw. streicht dann entsprechend viele Striche wieder aus. Bei einem Gleichstand erhalten alle daran beteiligten Personen die volle Punktezahl.

Beispiel: Der weiße Würfel zeigt die 3, der schwarze Würfel die 4. Also müssen, wie der schwarze Würfel vorgibt, vier Felder miteinander verbunden werden. Die Aufgabe 3 lautet, eine möglichst hohe Summe aus ungeraden Zahlen zu erzielen. Dementsprechend sollten die vier markierten Felder möglichst viele und hohe ungerade Zahlen enthalten, also liefert die Verbindung 3-5-4-5 beispielsweise eine Summe von 13 (die 4 wird als gerade Zahl nicht beachtet).

Nach der letzten Runde zählt ihr eure Punkte, und wer die meisten gesammelt hat, gewinnt.

CHECKPOINT

PRO

  • einfaches, preisgünstiges Zahlenpuzzle
  • mitunter kleine taktische Überlegungen
  • kann auch als Lernspiel verwendet werden


CONTRA

  • viel Zufall
  • meistens offensichtliche Entscheidungen

MEINUNG

Generell mag ich ja kleine neckische Roll & Write-Spiele. Die dürfen dann auch gern mal abstrakt sein, und genau in dieses Genre fällt Tsundoku - ein Spiel, bei dem der Titel tatsächlich die größte Hürde darstellt, es im Netz zu finden, denn das Wort ist halt nicht besonders gebräuchlich. Etwas Besonderes also? Nun ja, letztlich bekommen wir dann doch gewohnte Würfelspiel-Kost geliefert, einfach verpackt in einer Papiertüte, zu einem günstigen Preis. Positiv: Für gut 7 Euro gibt's neben dem kleinen Spielblock und den beiden Würfeln auch zwei Bleistifte mitgeliefert, sodass sofort losgespielt werden kann.

Letztlich gilt es dann, das Zahlenpuzzle, das sich durch die vielen Zahlenfelder auf dem Spielblatt und den gewürfelten Aufgaben ergibt, bestmöglich zu lösen, heißt: Optimieren, das Beste aus den Würfelergebnissen machen. Die verschiedenen Aufgaben beziehen sich dabei immer auf die effizienteste Strecke, die man, ausgehend vom letzten Haltepunkt, erreichen kann. Dabei gibt es allerdings oftmals gar nicht so viel zu bedenken, denn die bestmögliche Strecke ist meistens offensichtlich. Da muss ich gar nicht groß taktieren, da muss ich einfach nur die Felder „lesen“, die Zahlen addieren und mich dann für die stärkste Kombination entscheiden. Einzig die Tatsache, dass man sich, ganz nach Snake-Manier, verzetteln kann und keinen Ausgang mehr findet, um die Strecke weiter fortzuführen, kann einen an bestimmten Stellen auch dazu bewegen, den bestmöglichen Pfad zu verlassen.

Würde der schwarze Würfel nur aus den Augenzahlen 4, 5 und 6 bestehen, dann käme tatsächlich mehr Anspruch ins Spiel. Gerade bei einer 6er-Strecke dauert es dann auch etwas länger, bis jeder seinen optimalen Weg gefunden hat. Leider fällt halt auch einfach oft nur eine 1 oder 2. Und ganz ehrlich: Wenn ich nur ein einziges freies Feld markieren darf, das waagrecht oder senkrecht an meinen momentanen Standort angrenzt, dann ist die Entscheidung, welche Zahl ich wähle, bei jeder Aufgabe nichts, worüber ich ernsthaft nachgrübeln kann. Höchste Summe? Klar, dann markiere ich die höchste Zahl, und hoffe, dass die Konkurrenz gerade weniger Glück hat, um eine ähnlich hohe Zahl zu erreichen. Gilt auch für die anderen Aufgaben mit hoher Summe. Gefordert ist die niedrigste Summe? Ja, dann markiere ich halt die kleinste angrenzende Zahl. Je niedriger die Augenzahl des schwarzen Würfels, umso banaler ist die Entscheidung.

Tsundoku ist sicher eine ganz nette Beschäftigung für zwischendurch, und da alle gleichzeitig spielen, gibt es auch keine großen Wartezeiten. Der herausgebende Verlag nennt sich Spielemuffel, und es ist gut möglich, dass die Hauptzielgruppe genau hier zu finden ist - nicht vielleicht bei den absoluten Spielemuffeln, aber doch bei den Wenigspielern. Mir persönlich bietet Tsundoku leider zu wenig wirklichen Entscheidungsfreiraum. In den meisten Fällen werde ich vom Zufall und dann von der bestmöglichen Option gespielt, ohne dass ich mir, wenn ich davon abweichen sollte, wirklich Vorteile erkämpfe, denn ich weiß ja nicht, welche Aufgabe mich im nächsten Zug erwartet, sodass ich mich da auch nicht vorbereitend in der Nähe von vielen 6er-Feldern aufstellen kann, wenn am Ende dann als nächstes eine niedrige Summe gewünscht wird.

Für Personen mit geringerer Spielerfahrung oder auch als Lernspiel für Kinder, die mit dem Spiel ein wenig Kopfrechnen trainieren können, ist Tsundoku am besten geeignet, für erprobte Roll-and-Write-Fans hingegen ist die Herausforderung einfach zu gering.

KULTFAKTOR: 5/10

Spielidee: 5/10
Ausstattung: 6/10
Spielablauf: 4/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 29.02.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Spielemuffel
Weitere Fotos: Spielkultisten