REZENSION

THE ROYAL SOCIETY OF ARCHEOLOGY

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Atalia / HUCH!
  • Autor: Eric Jumel
  • Grafik: Guillaume Tavernier
  • Spieler: 1 bis 4
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: ca. 90 bis 120 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: mittel bis hoch
  • Taktiklevel: 7/10

Alte Spuren, neue Wege

Im erlesenen Kreis von Langstrecken-Abenteueern schicken wir unsere Forschenden von London aus um den ganzen Globus. Da kann es nie verkehrt sein, von den Erfahrungen anderer Personen zu profitieren, wenn wir Ausgrabungen organisieren, Relikte sammeln sowie Prestige und Gelehrsamkeit erlangen.

REGELN

Bereitet zunächst den Spielplan vor, indem ihr ihn mit diversen Plättchen und Markern verseht. Nehmt euch jeweils ein Gesellschaftstableau, außerdem eine Gesellschaftskarte (mit Startressourcen), zwei Expeditionskarten und zwei Studienkarten. Ordnet euren drei  Forschenden auf dem Tableau jeweils eine Expertise von 1, 2 oder 3 zu (jeden Wert einmal).

Die Startperson wählt einen Bonus auf der Zugreihenfolge-Leiste, alle anderen folgen reihum. Mit dem gewählten Bonus wird dann auch die Spielreihenfolge dieser Runde bestimmt.

In der Aktionsphase jeder Runde spielt ihr ebenfalls reihum und aktiviert dann jeweils einen eurer Forschenden, indem ihr ihn auf einem Ort des Spielplans platziert, und zwar in dem Abschnitt, der der eigenen Expertise entspricht. Mit Ansehen lässt sich die Expertise temporär steigern. Befindet sich bereits ein Forscher mit höherer Expertise am Ort, lernt der neu hinzugekommene von ihm und erhält einem Ortsbonus. Je höher die Expertise, umso umfangreicher die Aktion.

Folgende Orte stehen für Aktionen zur Auswahl:
(1) University of London: Hier kann, je nach Expertise, Wissen erlangt werden. Die vier verschiedenen Wissensleisten (für die unterschiedlichen Regionen) liefern Boni bei bestimmten Schwellenwerten. Ein vorgegebenes Minumum an Wissen ist vor allem auch für die Expeditionen wichtig.

(2) Port of London: Hier lässt sich eine Expedition organisieren. Dafür müssen die Voraussetzungen einer ausliegenden Karte erfüllt werden, ggf. unterstützt von der Spezialfähigkeit des eingesetzten Forschenden. So wird ein bestimmtes Minimum an Wissen und Expertise verlangt, zudem müssen Kosten entrichtet werden. Im unteren Bereich der Karte werden die Boni (u.a. Reliktmarker) angezeigt, die es beim Ausspielen der Karte gibt.

(3) The Royal Museum: Hierüber können, gegen Abgabe der geforderten Relikte, Gesellschaftsscheiben auf freien Museumsfeldern (für Belohnungen) platziert werden, alternativ lässt sich mit Relikten Ansehen kaufen.

(4) The City : Hier lassen sich Relikte verkaufen oder Gönner (auf Karten) treffen für Geld, wobei Gönnern im Verlauf mit einem Relikt gedankt werden muss, um nicht Prestige zu verlieren.

Relikte werden im Spiel aus den jeweiligen Beuteln gezogen (zufällig), manchmal auch konkret ausgewählt.

Als Nebenher-Aktionen stehen, je nach Auslöser, zur Auswahl:

  • Das Ziel eines ausliegenden Royal-Society-Plättchen erfüllen (eine Art Wettrennen um Aufträge).
  • Eine Expeditionskarte reservieren.
  • Eine der auf jede Person begrenzten Gesellschaftsscheiben opfern, um Ansehen zu erlangen.
  • Durch Steigerung von Prestige auf 10 oder 25 ein Bloomsbury-Plättchen für einen Vorteil wählen. 
  • Einem Forschenden durch die Abgabe von Ansehen vorübergehend zu mehr Expertise verhelfen.
  • Ein Relikt abgeben, um einem Gönner zu danken.


Wurden alle Forschenden eingesetzt, endet die Runde. Nach bestimmten Runden werden Königliche Anforderungen überprüft, die einen Malus bewirken, wenn die Vorgabe nicht erfüllt wurde.

Je nach Personenzahl endet eine Partie nach Runde 4 oder 5 mit einer Schlusswertung:

  • Mehrheiten von in den Museumssammlungen platzierten Gesellschaftsscheiben bringen Prestige.
  • Die erreichten Ziele auf den eigenen Studienkarten bringen entsprechend Gelehrsamkeit.
  • Bloomsbury-Plättchen liefern ebenfalls Prestige / Gelehrsamkeit. 
  • Gönner, denen nicht gedankt wurde, führen zum Abzug von Prestige.


Für jede Person zählt nun der Wert der weniger gesteigerten Leiste (Prestige oder Gelehrsamkeit). Wer davon den höchsten Wert erspielt hat, gewinnt.

Mit 2 Personen gibt es angepasste Regeln, auch kann das Spiel solo gespielt werden.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • Interessantes Worker-Placement
  • Viele Boni
  • Schöne Optik 
  • Historische Orte auf den Karten


CONTRA

  • Fühlt sich bisweilen technisch an
  • Mitunter auch vom Glück geprägt 
  • Öfters Gleichstände auf der Gelehrsamkeitsleiste

MEINUNG

Forschen, reisen, Relikte sammeln – da schlägt das Herz jedes Archäologen doch direkt höher, vor allem, wenn man sich die schön illustrierten Ortskarten aus den unterschiedlichen Regionen der Welt anschaut. Auch der Rest des Spiels ist grafisch gefällig, allerdings besteht für Spielplan größtenteils aus Leisten und aus Bonusfeldern. Das deutet dann schon etwas darauf hin, wohin die Reise geht.

The Royal Society of Archeology ist ein Eurospiel auf dem Level eines gehobenen Kenner- bis noch eher leichterem Expertenspiels. So geht es dann letztlich auch wieder ums Sammeln von Ressourcen, ums Eintauschen für Boni, ums Erfüllen von Vorgaben und Zielen, um Mehrheiten ... alles schon mal irgendwo gesehen, doch auch neue Kniffe sind vorhanden. Das über Fähigkeiten geleitete Worker-Placement, auch der Vergleich von Expertise mit bereits platzierten Figuren, ist interessant und erfordert Planung.

Die einzelnen Aktionen sind angenehm verzahnt, wobei gewisse Wege vorgegeben scheinen. Ohne Expeditionen keine Relikte, ohne Relikte keine Ausstellung, ohne Ausstellung keine Mehrheiten etc.

Trotz des großen Themas wirkt The Royal Society of Archeology am Ende dennoch recht technisch, eher emotionslos, auf mich. So richtig Abenteuer-Feeling will nicht aufkommen, es hat alles einen gewissen Excel-Tabellen-Charme – viele Leisten, viele Zahlenwerte, die gemanagt werden wollen. Dazu individuelle Ziele, die dann zumindest etwas Varianz ins Spiel bringen.

Was in unseren Partien auffiel: Auch Glück entscheidet am Ende über das Ergebnis. Die Expeditionskarten und auch die Reliktmarker unterliegen gewissen Zufallsfaktoren, sodass einem das Pech einer ungünstigen Auslage hier durchaus auch mal in die Quere kommen kann.

Nicht neu, aber doch auch wieder interessant, sind die zwei Wertungsleisten, die man geschickt in Einklang bringen sollte. Es bringt nichts, auf einer Leiste vorzupreschen, wenn die andere Leiste vergessen wird. Doch konnten wir in unseren Partien auch öfters beobachten, dass dieses Konzept recht häufig Gleichstände auf der Gelehrsamkeitsleiste erzeugt, da diese nur aus 5er-Schritten für die Endwertung besteht. Auch mussten wir feststellen, dass eine einmal enteilte Person am Tisch nicht mehr gut aufgehalten werden konnte. Die Spiel verzeiht hier keine Trödelei.

Insgesamt ist The Royal Society of Archeology für Genre-Fans sicher ein interessantes Worker-Placement-Spiel mit eigenen Ideen (gute 7 Kultpunkte), das mir persönlich spielerisch dann aber auf Dauer zu mechanisch, zu mathematisch wirkt, um mich wirklich absolut zu begeistern. Ich spiele es gern wieder mit, sehe aber die Gefahr, dass der Titel auch recht schnell wieder in Vergessenheit geraten könnte. 6 Kultpunkte somit von mir.

KULTFAKTOR: 6-7/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 03.06.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Atalia / HUCH!
Weitere Fotos: Spielkultisten