REZENSION

TERRA PYRAMIDES

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: HUCH! / Korea Boardgames
  • Autoren: Michael Kiesling, Wolfgang Kramer
  • Grafik: Lukas Siegmon
  • Spieler: 1 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 45 bis 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 8/10

Altägyptische Baukunst

Im alten Ägypten vor 4000 Jahren bauen wir als Baumeister Pyramiden, um Pharaonen und Pharaoninnen sowie Gottheiten zu ehren.

REGELN

Aufbau: Das Spiel umfasst eine Grundversion sowie zwei Erweiterungen: "Horus und Grabbeigaben" sowie "Der Nil und die Oasen". Es ist ratsam, zunächst mit der Grundversion zu beginnen und anschließend schrittweise die Erweiterungen hinzuzufügen. Das zusätzliche Spielmaterial der Horus-Erweiterung wird auch in der Nil-Erweiterung verwendet und muss nicht entfernt werden. Ebenso bleiben die durch die erste Erweiterung eingeführten Regeln in der zweiten Erweiterung bestehen.


Zu Beginn werden hier die Regeln des Grundspiels erläutert: Positioniert den Spielplan so in der Tischmitte, dass die Seite ohne den Nil oben liegt. Platziert die Fundamente als verdeckten Stapel, sortiert die ersten Ausbaustufen der Pyramiden nach Farben und ordnet die Holzausbaustufen nach ihren Werten. Legt zudem die Bausteine und Goldmünzen neben den Spielplan. Die beiden Plättchenlager werden mit der jeweils für die Spielerzahl passenden Rückwand versehen. Die Treppenstufenplättchen werden gründlich gemischt und als 8 Stapel zu je 5 Plättchen verdeckt in die Plättchenlager gefüllt.

Von vier dieser Stapel wird jeweils ein Plättchen auf jeweils eines der helleren Felder in der Mitte des Spielplans gelegt, aufgedeckt und so ausgerichtet, dass die Treppenstufen zum jeweils angrenzenden Bauplatz zeigen. Für diesen wird ein Fundamentplättchen vom Stapel gezogen und darauf gelegt.

Jeder wählt eine Baustein-Tafel (nutzt die Seite, auf der oben rechts weniger Aktionen abgebildet sind), nimmt sich ein Treppenstufenplättchen von einem der verdeckten Stapel und erhält Arbeitskräfte in seiner Spielerfarbe, entsprechend der in der Anleitung angegebenen Anzahl für die jeweilige Spielerzahl. Jeder nimmt zudem zwei Pyramidenspitzen in seiner Spielerfarbe. Eine zusätzliche Arbeitskraft wird als Siegpunktzählstein auf das Horusauge vor der Zählleiste positioniert.


Ablauf: Zu Beginn seines Zuges platziert der aktive Spieler sein Plättchen auf einem freien Feld des Spielplans, das weder ein Oasenfeld noch ein Bauplatz ist. Grenzt es an einen unbebauten Bauplatz, wird auf diesen sofort ein Fundament vom Fundamentstapel gelegt. Anschließend wählt der Spieler eine senkrechte, waagerechte oder diagonale Reihe aus, zu der sein Plättchen gehört. Diese Reihe besteht immer aus vier Feldern und befindet sich zwischen zwei Bauplätzen und/oder Pyramiden. Die ausgewählte Reihe wird dann bestückt und aktiviert.


Bestücken und Aktivieren:

  • Beim Bestücken platziert der Spieler auf jedem Feld mit einem Arbeitersymbol eine eigene Arbeiterscheibe und auf jedem Bausteinfeld einen Baustein.
  • Beim Aktivieren erhält der Spieler für jedes Oasenfeld und jedes Horusauge eine Goldmünze aus dem allgemeinen Vorrat. Die Bausteine legt er auf die farblich passenden Pyramiden seiner Baustein-Tafel.


Weitere Aktionen im Zug: Zum Abschluss des Zuges bewegt der Spieler seine Arbeiterscheiben in gerader Linie auf neutrale Bauplätze oder auf Pyramiden, die er bereits besitzt. Auf einem Fundament oder einer Pyramide können nur Arbeiterscheiben eines Spielers liegen.

Zusätzliche Optionen während des Zuges: Jederzeit während seines Zuges darf ein Spieler:

  • zwei beliebig farbige Bausteine gegen einen weißen Baustein tauschen,
  • einen weißen Baustein für drei Goldmünzen kaufen,
  • einen Arbeiter für drei Goldmünzen kaufen und sofort auf einem neutralen Fundament oder einer eigenen Pyramide platzieren.


Bau an Pyramiden: Befinden sich auf einem Fundament oder einer Pyramide drei Arbeiter, kann der Spieler durch die Abgabe von Bausteinen an der Pyramide bauen. Die erste Baustufe kostet einen Baustein einer beliebigen Farbe. Für die weiteren Baustufen der Pyramide werden zwei bis fünf Bausteine der für die erste Stufe gewählten Farbe benötigt, zusätzlich zu drei Arbeitern. Nach dem Bau verbleibt eine Arbeiterscheibe auf der angefangenen Pyramide, um die Zugehörigkeit zu kennzeichnen. Als letzte Baustufe platziert der Spieler eine seiner beiden farbigen Pyramidenspitzen.

Plättchenauswahl: Zum Abschluss seines Zuges zieht der Spieler das oberste Plättchen von einem beliebigen Stapel aus dem Plättchenlager oder bezahlt eine Goldmünze, um einen Stapel seiner Wahl zu durchsuchen und sich ein Plättchen davon auszusuchen. Danach ist der nächste Spieler an der Reihe. Bei weniger als vier Spielern werden Plättchenstapel aus dem Plättchenlager entfernt, wenn sie nur noch eine bestimmte Anzahl an Plättchen enthalten.

Spielende: Das Spiel endet, nachdem ein Zug mit dem letzten Plättchen ausgeführt wurde. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.


Die erste Erweiterung: Horus und die Grabbeigaben

Diese Version erweitert das Basisspiel um 16 neue Treppenstufenplättchen und führt die Grabbeigabentafel ein. Einige der neuen Plättchen sind mit Grabbeigaben-Symbolen versehen. Wird ein solches Plättchen aktiviert, darf der Spieler auf der Grabbeigabentafel einen Schritt vorrücken. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich für eine Goldmünze einen weiteren Schritt auf der Grabbeigabentafel zu kaufen. Jeder Schritt auf dieser Tafel zählt am Spielende als ein Siegpunkt. Spieler erhalten zusätzlich Punkte basierend auf der Differenz der Grabbeigaben zu den anderen Mitspielern, die dort weniger Schritte gegangen sind.

In dieser Erweiterung führt die Aktivierung der Horusaugen nicht mehr zu Goldmünzen, sondern zu Fortschritten auf der Siegpunktleiste, der Horusaugenleiste. Für jeden fünften Schritt auf dieser Leiste erhält der Spieler zwei Goldmünzen. Sobald ein Fundament oder eine Pyramide vollständig von Plättchen umschlossen ist, erhält der Besitzer des Fundaments oder der Pyramide alle darauf befindlichen Grabbeigaben, Horusaugen und Goldmünzen als Bonus – unabhängig davon, welcher Spieler dies ausgelöst hat.

Die zweite Erweiterung: Der Nil und die Oasen

Diese Erweiterung wird auf der Seite des Spielplans gespielt, die den Nil zeigt. Bei jeder Aktivierung eines Nilfeldes während seines Zuges bewegt der Spieler sein Boot einen Schritt auf dem Nil vorwärts. Durch das Bezahlen von je zwei Goldmünzen können sich Spieler in ihrem Zug weitere Schritte auf dem Nil kaufen.

Es gibt acht neue Treppenplättchen, die jeweils eine Oase mit einem Bonus zeigen. Zusätzlich wird eine Anzeigetafel für Oasen sowie sechs Strategiekarten eingeführt. Aktiviert ein Spieler während seines Zuges ein Oasenfeld, erhält er den darauf abgebildeten Bonus sowie einen Schritt auf der Oasenleiste. Die Strategiekarten bieten spezielle Aufgaben, die am Spielende zusätzliche Punkte bringen. Weiterhin erhält der Spieler die Symbole der acht umliegenden Plättchen als Sofortbonus, wenn sein eigenes Fundament oder eine Pyramide vollständig umschlossen wird.

Am Ende des Spiels gibt es zusätzliche Siegpunkte, die sich aus der Anzahl der Oasenpunkte multipliziert mit der höchsten gebauten Pyramidenstufe eines Spielers sowie aus der Anzahl der Pyramiden und Fundamente multipliziert mit der Anzahl der Palmen, die ein Spieler auf dem Nil erreicht hat, berechnen. Zudem werden alle Strategiekarten ausgewertet.

Das Spiel bietet zudem eine Solo-Variante.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • sehr schönes, hochwertiges Spielmaterial
  • schnell erklärt
  • variabel und unterschiedlich komplex durch die beiden Erweiterungen


CONTRA

  • längere Spielzeit mit Grüblern
  • Regeln lassen teilweise Fragen offen

MEINUNG

Wer baut die höchsten Pyramiden, wer baut die meisten Pyramiden? Eine Kombination aus beidem bringt uns als Baumeister im alten Ägypten den Sieg.

Der Prozess des Pyramidenbaus steht hier im Mittelpunkt und wird thematisch absolut passend in Aktionen abgebildet, braucht man doch einen Bauplatz, Baumaterial und Arbeiter, um die Pyramiden in fünf Stufen zu erbauen. Zusätzlich kann man sich durch Goldmünzen weitere Steine und Arbeiter kaufen. 

Grundsätzlich führt man in seinem Zug aber immer dieselbe eine Aktion aus: Plättchen platzieren, Reihe bestücken und aktivieren. Die (beinahe einzige) Frage, die man sich also immer stellen muss, ist: Wo platziert bringt mir mein Plättchen die besten und meisten Ressourcen, und kann ich genügend Arbeiter auf die Pyramide bekommen, an der ich bauen möchte? Ein guter Platz hat allerdings auch meistens einen Nachteil, denn man sollte immer im Auge haben, ob man durch das Legen eines Plättchens an einer bestimmten (attraktiven) Stelle, den Mitspielern eine besonders gute Vorlage für deren nächsten Zug bereitet. 

Je mehr Plättchen in einer Reihe liegen, desto mehr Ressourcen kann ich mit ihnen erzeugen. Schließe ich eine Reihe nicht ab, hat der nächste Mitspieler auf jeden Fall die Möglichkeit, mit derselben Reihe mehr Ressourcen zu erhalten. Allerdings sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass sich das – zumindest im Basisspiel – über eine Partie hinweg ausgleicht. Irgendwohin muss man sein Plättchen legen, und jemand anderes wird meistens davon profitieren. Mit Grüblern am Tisch, die immer den optimalen Zug suchen, kann sich das Spiel so durchaus auch etwas hinziehen.

Die ersten ein, zwei, drei Baustufen an einer Pyramide lassen sich meistens einfach realisieren. Die dafür benötigten Bausteine einer Farbe bekommt man schnell zusammen. Bei den letzten Ausbaustufen wird das schon schwieriger. Bis zu fünf Steine einer Farbe zu sammeln, wenn man sie aber für die vorherigen Stufen auch schon gebraucht hat, ist schon nicht ganz einfach. Im Basisspiel war aber unser Portemonnaie meistens ausreichend gefüllt, um Steine oder auch Arbeiter zukaufen zu können. Ist man bereit, etwas von seinem Gold in das Aussuchen des nächsten Plättchens zu investieren, kann man den Glücksfaktor beim nachfolgenden Zug etwas verringern. 

Nach einigen Partien war das Basisspiel allerdings eher eintönig. Wenn man allerdings mit Gelegenheitsspielern oder Kindern spielt, ist dieses Grundspiel sicher die geeignete Wahl.

Durch die Erweiterungen kommen zusätzliche Elemente ins Spiel, die mehr Spieltiefe durch neue taktische Entscheidungen mit sich bringen. Zum einen wird Gold dadurch, dass die Aktivierung der Horusaugen Schritte auf der Siegpunktleiste bringt und nur noch jeder fünfte Schritt auch Goldmünzen als Einkommen abwirft, sehr viel wertvoller. Es wird schwieriger, sich zusätzliche Arbeiter und Steine zu kaufen, und es muss sorgfältiger abgewogen werden, wofür man das Geld ausgibt. Zum anderen eröffnet der Bonus beim Umschließen der Pyramiden und Fundamente neue Möglichkeiten, den nächsten Zug des Gegners zu beeinflussen. Man muss sich schon zweimal überlegen, ob man sein Plättchen an einer Stelle anlegt, die einem selbst zwar viele Ressourcen einbringt, dem Mitspieler aber eventuell noch mehr, wenn man damit seine Pyramide vollständig umbaut. 

Auch die Grabbeigabenleiste sowie die Oasenleiste sorgen dafür, dass man mehr auf das Spiel der Mitspieler achten sollte. Jemanden auf der Grabbeigabenleiste davonziehen zu lassen, kann sich als fatal erweisen, denn durch die Differenz zu den Mitspielern lassen sich bei großem Vorsprung eine Menge Punkte erzielen. Die Strategiekarten bieten außerdem, wie der Name schon sagt, unterschiedliche Möglichkeiten, sich im Spielverlauf zu spezialisieren. Dabei muss man sich aber schon sehr früh festlegen, welche Strategie man besonders verfolgt, da das Erwerben der Karten im Laufe des Spiels immer teurer wird. Je eher man die Karte kauft, desto preiswerter ist sie.

Mir hat das Spiel in der kompletten Version mit beiden Erweiterungen am besten gefallen. Das lag unter anderem auch an dem anderen Spielplan, der für diese Version benutzt wird. Der Nil schränkt die Möglichkeiten, selbst Plättchen auf dem Plan zu platzieren, deutlich ein. Daher können dieselben Reihen nicht mehr so oft aktiviert werden, was das Erhalten gleichfarbiger Bausteine erschweren kann. Teilweise wird dies durch das vollständige Umschließen der Pyramiden und Fundamente kompensiert, was aber eine andere Strategie erfordert. Andererseits bietet das Reisen auf dem Fluss auch eine attraktive Möglichkeit, Punkte zu generieren. Die Oasenleiste und die Grabbeigabenleiste darf man auch nicht aus dem Auge verlieren. Das in der Grundversion übersichtliche Spiel wird durch diese Erweiterung deutlich komplexer. Das Bauen der Pyramiden wird erschwert. Wir hatten in unseren Partien nicht unbedingt weniger Pyramiden auf dem Spielplan begonnen, allerdings doch eine geringere Anzahl von ihnen so hoch bauen können wie im Grundspiel.

Womit Terra Pyramides noch bestechen kann, ist das zum größten Teil hochwertige Spielmaterial. Alle Treppenstufen-, Fundamentplättchen und Basisausbaustufen der Pyramiden sowie die Goldmünzen sind aus sehr dicker Pappe, die weiteren Ausbaustufen aus lackiertem Holz. Das sieht alles sehr schön aus. Alle Komponenten sind sehr schön illustriert und sorgen dafür, dass man das Spiel ausprobieren will. Lediglich die Spielertableaus und die Grabbeigaben- und Oasenleiste sind aus sehr dünner Pappe und haben das Potenzial, schnell zu verknicken. 


Insgesamt vergebe ich gute 7 Punkte an das Grundspiel und sehr gute 8 Punkte an das Spiel mit beiden Erweiterungsmodulen.

KULTFAKTOR: 7-8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 7/10

EURE REZENSENTIN

BRITTA

Vielspielerin, Südtirol-Urlauberin, Hundeliebhaberin

Eine Rezension vom 12.05.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: HUCH!
Weitere Fotos: Spielkultisten