REZENSION

TAUSCHRAUSCH

STAMP SWAP (Originaltitel)

  • Genre: Taktik-/ Legespiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Stonemaier Games / deutsche Ausgabe: Feuerland Spiele
  • Autor: Paul Salomon
  • Grafik: Conner Gilette
  • Personen: 1 bis 5
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 20 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Möchtest du meine Briefmarkensammlung sehen?

Was für uns Brettspielfans die Spielemesse, ist für Philatelisten die Briefmarkenbörse. Genau um diese geht es in diesem Spiel. Sammelt Marken und präsentiert sie in eurem Album. Entscheidet selbst, wann ihr die Tickets für die verschiedenen Wettbewerbe einlöst.

REGELN

Nehmt euch jeweils ein eigenes Spieltableau und die Tickets eurer Farbe. Gespielt werden drei Runden. Zu Beginn jeder Runde mischt ihr die Eventkarten und deckt eine an die Personenzahl angepasste Anzahl auf. Legt die auf den Karten vorgegebene Menge an Briefmarken und Aussteller- sowie Spezialisten-Karten aus dem verdeckt gemischten Vorrat in die Mitte. Die Marken gibt es in verschiedener Form und Größe. Die Eventkarten geben zudem vor, ob einzelne Marken offen oder verdeckt ausgelegt werden, zudem gibt die oberste der verschachtelt aufgedeckten Karten vor, welche Regelanpassung für diese Runde gilt.
 
In der Sammelphase wählt ihr reihum immer eine Marke oder Karte aus der Mitte (optional auch den Startspieler-Marker) und legt die Objekte ans untere Ende eures Tableaus. Verdeckte Marken bleiben verdeckt, dürfen aber geheim angesehen werden. Habt ihr alle sechs Slots gefüllt, reserviert ihr eine Marke für euch (Raritäten-Marken ausgeschlossen) und teilt die restlichen Sammelobjekte in zwei beliebige Gruppen.

Die Startperson sucht sich in der Tauschphase nun eine Angebotshälfte eines Mitspielenden aus und nimmt sich die entsprechenden Marken / Karten. Die nicht gewählte Angebotshälfte erhält der ursprüngliche Sammler in seinen Vorrat zurück. Dieser wählt dann selbst ein Angebot aus. Das geht so lange weiter, bis alle Angebote vergeben wurden.

Dann folgt die Präsentationsphase.
 

  • Aussteller-Karten ergänzen den auf dem Tableau vorgegebenen Aussteller. Aussteller sorgen für Punkte, wenn ihre Bedingungen erfüllt werden.
  • Spezialisten-Karten geben dauerhaft individuelle Vorteile. Ihre Funktion ist aktiv, sobald so eine Karte auf dem eigenen Tableau liegt, also auch bereits direkt nach dem Sammeln.
  • Briefmarken müssen in passender Ausrichtung aufs eigene Tableau (das Album) gepuzzelt werden. Dabei gibt es Marken in fünf Farben und mit fünf Themen, zudem kleine neutrale Dauermarken und glänzend-wertvolle Raritäten, welche mehr Punkte einbringen, dafür aber farb- und themenlos sind. Die Marken dürfen beliebig innerhalb des Rasters platziert werden, sie müssen nicht angrenzend gelegt werden. Wer eine Marke nicht platzieren kann, wirft sie ab und erhält die aufgedruckten Punkte/ Minuspunkte.

 
Die Wettbewerbe: Vor Spielbeginn wurden vier Runden-Wertungskarten und eine finale Wertungskarte auf dem gemeinsamen Spielplan platziert. Nach jeder Runde platziert ihr reihum eines eurer Tickets unter einer von euch gewählten Wertungskarte und nehmt so am jeweiligen Wettbewerb teil. Jede Wertung könnt ihr maximal einmal pro Partie auslösen. Nach drei Runden haben ihr also individuell drei verschiedene Wertungen durchgeführt. Diese Wertungen beziehen sich auf euer Album. Da geht es um bestimmte Themen und Farben der Marken, um zusammenhängende Gruppen oder bestimmte Formationen.
 
Nach Runde 3 gibt es eine Schlusswertung:

  • Alle Marken im Album bringen ihre aufgedruckten Werte als Punkte (positiv oder negativ).
  • Jede Spezialistenkarten bringt 2 Punkte.
  • Punkte gibt es auch für die meisten / zweit- bzw. drittmeisten Dauermarken.
  • Die finale Wertungskarte liefert ebenfalls ggf. Punkte. 

 
Wer die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
 
Das Spiel beinhaltet zudem eine eigenständigen Solo-Modus.

Hinweis: Zum Test stand uns die englischsprachige Version des Spiels (Stamp Swap, erschienen bei Stonemaier Games) zur Verfügung, die ihr auch auf den Fotos seht. Die deutsche Version ist bei Feuerland Spiele erschienen. 

GALERIE

Auf den Fotos seht ihr die englischsprachige Version

CHECKPOINT

PRO

  • Simples, aber taktisches Puzzle-/ Legespiel 
  • Schöne Gestaltung der Marken
  • Individuelles Timing 


CONTRA 

  • "I cut you choose" ab 3 Personen weniger zielgerichtet
  • Manche Marken-Themen teilweise nicht auf den ersten Blick leicht identifizierbar

MEINUNG

Wie sagte ein früherer Spielkultist und Ameritrash-Fan immer so gern: "Eurogames sind etwas für Cordhosenträger, die auch Excel-Tabellen, Steuererklärungen und Briefmarkensammeln geil finden" (Gruß an dich, Dirk, auf deiner Wolke – viel zu früh!). Mit meiner Cordhose aus den 2000ern und diversen Fortschrittsleisten auf abstrakten Spielplänen habe ich Dirk dann immer wieder gezeigt, dass ich dennoch Spaß im Spielerleben habe – mit Tauschrausch (im Original Stamp Swap) kann ich den Beweis jetzt endlich auch noch mit Briefmarken nachliefern.

Okay, zugegeben, das Thema des Spiels mag für viele Leute tatsächlich eher spießig-langweilig wirken. Ja, Monster, Zombies und Aliens mögen da für eine bestimmte Zielgruppe aufregender sein, geschenkt. Kann man sich jedoch mit dem klassischen Thema anfreunden, erhält man mit Tauschrausch ein gelungenes Spiel. Die Briefmarken sehen sehr schön aus, die Sondermarken glänzen, einzig manche Themen lassen sich mitunter nicht auf den ersten Blick sofort eindeutig identifizieren. Eine zusätzliche Codierung mit Symbolen hätte die leichtere Unterscheidung hier noch unterstützen können – bei der Farbeinteilung klappt das besser.

Spielerisch wirkt Tauschrausch wie ein typisches Legespiel, bei dem mit den vorgegebenen Eigenschaften der Plättchen Aufgaben erfüllt werden sollen. Wechselnde Wertungskarten sorgen da für Varianz, besonders gefällt mir, dass jeder sein Timing für die ausstehenden Wettbewerbe selbst bestimmt. So kann direkter Konkurrenz auch mal taktisch aus dem Weg gegangen werden, indem Prioritäten verschoben werden.
 
Beim Sammeln der Marken (und Karten) ist durch die zufällige, teils sogar verdeckte Auslage, natürlich auch immer etwas Glück im Spiel vorhanden, sodass die eigenen Entscheidungen stets von Optimierungen geprägt sind. Bei vergleichsweise schnellen Spielen wie Tauschrausch gefällt mir so etwas gut.

Immer wieder interessant ist der "I cut you choose"-Mechanismus beim Verteilen von Dingen. In Tauschrausch kaufen wir keine Marken, wir suchen sie nicht per Worker-Placement aus oder draften sie – nein, wir machen den Mitspielenden Angebote, die sie nicht ablehnen können. Die Krux bei Spielen mit diesem Mechanismus ist es immer, ein eigenes Konvolut so einzuteilen, dass einem selbst eine hilfreiche Angebotshälfte erhalten bleibt. Die eigenen Entscheidungen sind dadurch geprägt von "Ich denke, dass du denkst..."-Momenten. Normalerweise schaue ich bei Spielen mit diesem Mechanismus auf die Auslage des Tauschpartners, analysiere, was er wohl gerade gut gebrauchen könnte und was dann für mich übrig bleibt. Nach Murphys Gesetz können solche Planungen auch mal in die Hose gehen, dennoch kann ich gewisse Wünsche antizipieren. Im Spiel zu zweit bleibt dieser Effekt auch bei Tauschrausch erhalten, ab 3 Personen wird die Mechanik jedoch ein wenig verwässert, da in diesem Spiel dann nicht mehr feststeht, wem ich eigentlich das Angebot mache. Hier gibt es Entscheidungsfreiheiten bei der Auswahl, die dazu führen, dass ich meine Angebote nicht komplett zielgerichtet ausbreiten kann. Dafür gibt es in Tauschrausch aber die Möglichkeit, zumindest ein Sammelobjekt pro Runde zu reservieren, was mir schon mal etwas weiterhelfen kann.

Die eigentlichen Aufgaben wie das Sammeln bestimmter Sets, das Füllen von Reihen, Schaffen von Lücken etc. sind dann wieder eher klassischer Legespiel-Natur – für Genre-Fans kurzweilig, wenn jetzt auch ohne die ganz große spielerische Innovation.

Fazit: Tauschrausch ist ein spielenswertes, im Kern abstraktes Legespiel, das durch eine schöne Optik und ein stimmiges Konzept überzeugt, wobei es im Spiel zu zweit noch planbarer erscheint als in Vollbesetzung. Das Spiel reiht sich gut in die Riege ähnlicher Spiele ein, ohne mit dem beispielhaften Innovationsbonus eines Planet Unknown, meine persönliche Referenz in diesem Genre, zu brillieren, aber gute 7 Kultpunkte vergebe ich ans Briefmarkensammeln allemal – auch ohne Cordhose.

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 16.06.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Stonemaier Games / Feuerland Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten