REZENSION

STRANGE WORLD ABOVE THE CLOUDS

  • Genre: Karten-/ Legespiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Board Game Circus
  • Autor: Florian Grenier
  • Grafik: Valériane Holley
  • Personen: 1 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 15 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Initiativlevel: 7/10

Obacht vor den Weltenfressern

In weniger als 15 Minuten erschafft ihr eine Welt aus 4 x 4 Karten, lockt Reisende an und versucht, die Weltenfresser von eurem Domizil fernzuhalten.

REGELN

Drei Spielkarten stehen euch nach zweifachem Drafting in jeder Runde zur Verfügung. Die müsst ihr so an eure ausliegende Startkarte anlegen, dass sich eine maximal 4 x 4 Karten große Welt ergibt. Doch Vorsicht: Grenzen zwei Wasserfälle aneinander an, betritt ein Weltenfresser eure Welt, d. h. eine soeben gelegte Karte muss sofort auf die Seite mit dem Weltenfresser gedreht werden. Das passiert auch, wenn ein zweiter Sumpf in dieselbe Reihe gelegt wird, und wenn ein Mond in eine Reihe kommt, die nicht die oberste ist. Da Weltenfresser keine harmlosen Weltenbewohner sind, sondern eure Landschaft vertilgen, solltet ihr genau das unbedingt vermeiden.
 
Dann gibt es noch Karten, auf deren langer Kante sich ein halbes Portal befindet. Liegen zwei solche Karten nebeneinander, erhaltet ihr einen Reisenden, der im linken Spielfeldbereich so platziert wird, dass er zwei Reihen markiert. Mit diesen Reisenden sind zusätzliche Sonderaufgaben verbunden, die am Spielende einen weiteren Punktezuwachs versprechen. Aber auch diese Portale erfordern ein behutsames Anlegen, denn eine Karte kann nur ein Portal ergänzen. Grenzt eine weitere Karte mit einem halben Portal an, sucht erneut – Überraschung! – ein Weltenfresser eure Welt heim. 
 
Wird eure Welt mit einem Vulkan ergänzt, müsst ihr sofort eine Rauchwolke vom Stapel ziehen und damit eine benachbarte Karte abdecken. Liegen im weiteren Spielverlauf dann zwei Vulkane nebeneinander, nehmt ihr die oberste Stadtkarte vom Stapel und freut euch über zusätzliche Punkte.
 
Das Spiel endet nach dem fünften Spielzug, d. h. wenn eure Welt aus 4 x 4 Karten besteht. Ihr erhaltet dann

  • 1 Punkt für jeden Berg in der größten Gruppe an Bergen, die waage- oder senkrecht zusammenhängen,
  • jeweils 1 Punkt für unterschiedliche Tiere in eurer Welt,
  • 3 Punkte für jeden Sumpf,
  • 1 Punkt für jede Karte, die an einen Wasserfall angrenzt,
  • 1 Punkt für bestimmte Landschaftstypen, die sich unterhalb eurer Monde befinden,
  • die genannte Anzahl an Punkten für eure Städte sowie
  • 5 Punkte für jeden Reisenden sowie ggf. die mit ihnen verbundenen Sonderpunkte.

 
Wer nun die meisten Punkte vorweisen kann, gewinnt.

Im Solomodus (nach grundsätzlich identischen Regeln) verrät der Blick in die Punktetabelle, wie gut ihr abgeschnitten habt. 

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • Toller Solomodus
  • Fantasievolle Gestaltung 
  • Knackige Entscheidungen, kurze Spieldauer
  • Perfektes Schachtelformat


CONTRA

  • Limitationen wirken anfangs sehr stark

MEINUNG

Die Weltenfresser, die man in diesem schnellen Kartenspiel unbedingt vermeiden sollte, scheinen einen unersättlichen Appetit auf Landschaftsformen jeglicher Art zu haben – ob Sümpfe, Wasserfälle oder dergleichen. Dumm nur, dass es in Strange World above the Clouds fast ebenso viele Möglichkeiten gibt, sich diese ungeliebten Störenfriede einzuheimsen, die meine liebevoll kreierte Welt zunichtemachen, als am Spielende Pluspunkte gutzumachen. Doch genau darin besteht die große Herausforderung – und auf die habe ich mich gerne eingelassen, überwiegend im Solomodus.   
 
Fünf Spielzüge mit jeweils drei Entscheidungen sind nicht gerade viel und wollen daher gut geplant sein. Umso mehr kommt es auf jede einzelne Karte an: Wohin lege ich die soeben erhaltene Waldkarte in meiner Welt, deren maximales Raster mit 4x4 Karten äußerst kompakt daherkommt? Neben meinem Wasserfall passt sie allgemein gut hin, aber damit verzichte ich auf die Mondwertung. Oberhalb des Mondes sollte ich den Wald besser vermeiden, sonst droht mir ein Weltenfresser. Also lege ich die Karte zwei Reihen drunter und verschaffe mir eine gute Ausgangslage für die Aufgabe des Reisenden, der zwei Kartenreihen abdeckt. So oder ähnlich laufen die Überlegungen ab, die stets kurz und knackig ausfallen, sodass eine Partie kaum eine Viertelstunde Spieldauer übersteigt.
 
Dabei war ich anfangs eher skeptisch, da die Fülle an Beschränkungen schon sehr restriktiv erscheint: Zwei Wasserfälle nebeneinander – besser nicht. Zwei Sümpfe in einer Reihe – auch nicht. Karten oberhalb von Monden – nö! Drei halbe Portale aneinander angrenzend – miep! Ja, was will das Spiel denn überhaupt von mir, immerhin soll ich doch punkten und nicht nur darauf achten, wie ich Negativeffekte vermeide. Doch der Dreh ist schnell erlernt, und mit fortschreitender Anzahl an Partien treten Weltenfresser kaum noch in Erscheinung. Man lernt zudem, die Restriktionen geschickt zu umgehen. Die Lernkurve ist also hoch und ebenso steigt der Ehrgeiz auf eine möglichst perfekt verteilte kleine 4x4-Welt.
 
Die Enge an spielerischen Möglichkeiten setzt weniger vorausschauende Planung voraus als vielmehr ein solides Bauchgefühl, welches Kartengebilde mir im Moment am wenigsten schaden könnte. Das setzt auf der anderen Seite das gewisse Quäntchen Kartenglück voraus, um am Ende gut zu punkten. Für das, was es sein will, gefällt mir der verrückte Welten-Editor recht gut – was vor allem an der äußerst kompakten Schachtelgröße und der schönen Aufmachung liegt. Dabei funktioniert das schnelle Kartenspiel sowohl solo als auch mit bis zu vier Personen gleichermaßen gut. Dass man dem Spiel sogar einen Wertungsblock spendiert hat, der eigentlich nicht nötig gewesen wäre, unterstreicht die generell hohe Ausstattungsqualität. Für eine noch höhere Spielkult-Wertung fehlt mir lediglich das gewisse Etwas, was es von anderen taktischen Legespielen abhebt. 

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

CHRISTOPH

Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer

Eine Rezension vom 03.03.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Board Game Circus
Weitere Fotos: Spielkultisten