REZENSION
SECRET RECIPE
- Genre: Denkspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: SnowBoardGames
- Autoren: Blaž Hribar, Nika Mlinarič
- Grafik: Dagmara Gąska
- Personen: 2 bis 4
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 45 bis 75 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Initiativlevel: 5/10
Kooperativ gegeneinander
Oma backt den besten Kuchen und hat mir eins ihrer Rezepte vermacht, aber ich möchte auch die anderen Rezepte kennen. Und so fange ich an, die Kuchen der anderen zu probieren und Omas Küche zu durchwühlen.
REGELN
Bei diesem Deduktionsspiel versuchen alle, Tipps für Rezepte so zu geben, dass meist mehrere am Tisch gleichzeitig auf eine Zutat kommen. Dabei versuchst du, die Zutaten der anderen schnell aufzudecken und deine eigenen schnell finden zu lassen.
Secret Recipe unterscheidet sich sehr stark in der Variante für 2 von der für 3 und 4 Personen. Also gibt es am Ende noch einmal ein paar Absätze zu der 2er-Variante.
Bei 3 oder 4 Naschkatzen bekommen alle die drei Tableaus, die Kochmütze, die vier Denkmarker und die Fingerabdrücke der eigenen Farbe. Zum Notieren wird ein Tableau auf den entsprechen Halter gestellt. Mit einem abwischbaren Stift können dort Informationen über alle Zutaten festgehalten werden.
Jeder erhält vier zufällige Zutatenplättchen. Diese kommen verdeckt aufs eigene Rezepttableau. Damit du nicht ständig unter die eigenen Plättchen schauen musst, notiere dir, welche Zutaten du besitzt. In der Liste aller vorhanden Zutaten gibt es insgesamt neun verschiedene Zutaten, die zwei bis viermal im Spiel vorkommen. In dieser Übersicht kannst du alle Zutaten, von denen du weißt, wo sie sind, ausstreichen, damit du weißt, welche noch für unbekannte Felder übrig sind.
Auf das Spielfeld kommen die übrigen neun Zutatenplättchen und neun Vorratsplättchen in einem 3x3-Raster. Auf die Punkteleiste kommen die Kochmützen.
Wenn du anfängst, bekommst du den Korb mit allen Hinweismaterialien. Dann seid ihr reihum am Zug. In deinem Zug darfst du zuerst ein Vorratsplättchen entfernen und ersetzen. Dann gibst du einen Hinweis auf eine deiner vier Zutaten. Du markierst, ob du einen Hinweis zu Zutat 1, 2, 3 oder 4 gibst und ob du einen Hinweis zur Art oder zum Gewicht der Zutat machst.
- Gibst du einen Hinweis zur Art der Zutat, dann markierst du eine Reihe oder Spalte des Rasters der ausliegenden Vorratsplättchen. Die Markierung ist ein grüner Haken, wenn deine Zutat mit einem der drei Vorratsplättchen übereinstimmt, ansonsten nimmst du ein rotes X.
- Bei einem Hinweis zum Gewicht nutzt du auch Haken und X, wenn das Gewicht übereinstimmt oder eben nicht. Dann kannst du noch mit einem Größer- oder Kleiner-Zeichen angeben, ob die Zutat schwerer oder leichter ist als alle Zutaten in dieser Reihe oder Spalte.
Jetzt werden natürlich alle notieren, was sie über deine Zutat gelernt haben. In der Zeit schaust du dir ein Zutatenplättchen neben der Spalte oder Zeile an, zu der du gerade deinen Hinweis gegeben hast.
Danach gibt es eine Diskussionsphase. Du schreibst auf dein Diskussionstableau auf, ob du bei jemanden die Zutat erraten möchtest oder nur einen Verdacht äußern möchtest. Alle anderen machen das ebenfalls (gleichzeitig).
- Bei einem Verdacht nutzt du einen Denkstein und markierst, welche Zutat du unter Verdacht hast. Dann passiert erstmal nichts.
- Beim Erraten gibst du an, welche Zutat die geheime Zutat ist und ob diese sich im 3x3- Raster der Vorratsplättchen befindet. Liegst du richtig, wird die Zutat aufgedeckt. Hast du als einzige Person richtig getippt, so erhältst du 3 Punkte. Lagen andere auch richtig, gibt es nur einen Punkt. Du bekommst einen Extrapunkt, wenn die erratene Zutat auch als Vorratsplättchen bereitlliegt. Jede richtig platzierte Verdachtsmarke gibt dann 1 Punkt an ihren Besitzer.
Hast du falsch geraten, wird die Zutat nicht aufgedeckt und du verlierst einen Punkt.
Wird in der Diskussionsphase eine deiner Zutaten aufgedeckt, darfst du drei Oma-Plättchen ziehen und eins davon behalten. Die anderen beiden werden abgeworfen. Wer einen Denkstein auf der korrekten Zutat neben der aufgedeckten Zutat hat, bekommt zudem auch einen Punkt.
Immer, wenn jemand zum ersten Mal die 5 Punkte überschreitet, gibt es eine Teepause. Du und alle anderen nutzen ihre Diskussionstafel, um eine andere Person zu fragen, ob eine bestimmte Zutat in ihrem Rezept vorhanden ist.
Hat nur noch eine Person eine verdeckte Zutat, kommen alle noch einmal an die Reihe, dann wird gewertet. Deckt einfach die Oma-Plättchen auf und nehmt die Punkte darauf. Wer die meisten Punkte hat, wird Oma stolz machen.
Spielt ihr zu zweit, so ändert sich einiges. Die Auslage ist gleich, aber du und dein Gegenüber bekommen je zwei Rezepte, also acht geheime Zutaten.
In den ersten fünf Zügen musst du Hinweise zu fünf verschiedenen Zutaten geben. Immer, wenn du eine Hinweisart und einen Indikator, z.B. Gewicht und grüner Haken, zum ersten Mal verwendest, bekommst du einen Fingerabdruck und darfst eine geheime Zutat auf dem Spielbrett anschauen. Bei bestimmten Kombinationen gibt es einen Bonus. Nach dem fünften Zug stellst du Behauptungen über die Zutaten deines Gegenüber an, indem du einen Hinweis zu einer Zutat gibst und dein Gegenüber fragst, ob dieser korrekt ist.
Wart ihr beide am Zug, gibt es eine Diskussionsphase. Abwechselnd dürft ihr versuchen, gegnerische Zutaten durch Erraten aufzudecken. Solltest du eine Zutat aufdecken, und dein Gegenüber kann keine aufdecken, so erhältst du einen Bonus.
GALERIE
Anklicken / Antippen für Komplettansicht
CHECKPOINT
PRO
- sieht köstlich aus
- Thema und Deduktion
CONTRA
- am besten nur zu zweit
MEINUNG
Als die Corona-Pandemie Brettspieltreffen recht schwierig machte, habe ich mit intensivem Backen begonnen. Es dauerte 17 Monate, jedes der 93 Rezepte aus Paul Hollywoods British Baking nachzubacken, aber ich habe es gemacht, und seitdem bin ich, wenn auch mit niedrigerer Frequenz, beim Backen geblieben.
Als ich Secret Recipe entdeckte, freute ich mich sehr über die Kombination von zwei Dingen, die ich mag: Backen (als Thema) und Deduktion (als Spielkonzept).
Beim Auspacken von Secret Recipe freute ich mich besonders über die Abbildungen auf dem Spielermaterial, denn den Erdbeerkuchen kann man fast schmecken. Alles ist sehr wertig, und die Tafeln lassen sich sehr gut auf den Haltern platzieren, damit die Beschriftungen nicht verwischen. Bei anderen Spielen hinterlassen abwischbare Stifte oft graue Schleier und das ganze Material wirkt dann irgendwann schmuddelig. Dies konnte ich bei Secret Recipe bisher nicht feststellen.
Secret Recipe ist jetzt allerdings auch wie der Kuchen, der gerade im Ofen ist. Ich habe das Gefühl, alles hätte in zwei Portionen gehört, im Falle von Secret Recipe in eine Duell-Version und eine Mehrspieler-Version.
In der Mehrspieler-Version muss ich meine Tipps klug wählen, denn ich möchte, dass einerseits meine Zutaten früh aufgedeckt werden, um die besten Oma-Chips zu bekommen, andererseits möchte ich, dass möglichst viele gleichzeitig meine Zutat aufdecken. Entdeckt jemand alleine meine Zutat, so gibt dies 2 Punkte mehr, als wenn mehr als eine Person die richtige Zutat wählt. Da zeigte sich schnell, dass die meisten meiner Homies etwas Statistik beherrschen. Oft ist es möglich, dass ich beim ersten Tipp zu einer Zutat diese auf zwei Zutaten reduzieren kann. Sie ist schwerer als Gewicht 4, d.h. sie wiegt 5, also ist es Mehl oder Milch. Als Ratender weiß ich, dass ich es bei zwei Möglichkeiten mit je 4 Punkten und -1 Punkt natürlich riskiere, eine der beiden Möglichkeiten zu tippen, denn der Erwartungswert ist hier 1,5. Jetzt gibt es die Möglichkeit, dass ich mir einen Hinweis suche, bei dem es drei oder vier offene Möglichkeiten gibt (Erwartungswert 0,66 und 0,25), um in der nächsten Runde mit meinem Hinweis klar zu machen, dass es nur noch eine Möglichkeit gibt. Jetzt werden die anderen alle gleichzeitig richtig tippen. Allerdings bin ich dann bei den Oma-Plättchen schon spät dran. So muss ich die Risiken abwägen.
Bei der Duell-Version ist die Situation etwas klassischer. Hier möchte ich meinem Gegenüber keine Informationen zu meinen Zutaten geben, aber das Spiel zwingt mich dazu. Dabei werde ich in den ersten Runden zu vielseitigen Hinweisen gedrängt, um bessere Boni zu erhalten. Dann muss ich Hinweise vermuten für die Zutaten des Gegenübers. Das ist meiner Meinung nach anspruchsvoller und doch zugänglicher. Aber auch bei zwei Leuten am Backofen geht es um Risikoabwägung. Ich mag mir bei einer Zutat nicht ganz sicher sein, aber wenn ich nicht mit einer Entdeckung kontere, bekommt mein Gegenüber Extrapunkte. Also Augen zu und durch.
Der Deduktionsanspruch hingegen ist eher auf niedrigem Niveau. In den letzten Jahren kamen mit Kronologic, Cryptid, Die Suche nach Planet X und, recht aktuell, Orapa sehr gute Deduktionsspiele auf den Markt. Bei diesen Spielen fühle ich mich oft sehr clever, wenn ich aus lückenhaften Informationen das gesamte Bild schlussfolgere. Bei Secret Recipe ist das eher so einfaches Abkreuzen und etwas Statistik. Obwohl … man kann auch voll steil gehen und sich alle Metainformationen notieren, also wenn wer nach einer Zutat fragt, ist es weniger wahrscheinlich, dass diese Zutat bei der fragenden Person liegt, und sowas. Wenn jemand eine Zutat aus der Mitte entfernt, dann stellt sich die Frage, warum diese entfernt wurde, und was dies für mögliche Zutaten bedeutet.
In meinen Runden hat sich Secret Recipe nur in der 2er-Variante gut angefühlt, während ich das Spiel bei höherer Personenzahl oft als zu lang empfunden habe, weil jeder bei jeder Diskussionsphase Entscheidungen treffen muss, und ich mich dabei halt nicht so clever fühle wie bei anderen Spielen dieser Art. Im Duell ist das anders, da ich versuche, die Informationen vorm Gegenüber zu verbergen und der Gegenseite gute Tipps zu servieren. Auch die Bonuspunkte im Falle eines ungekonterten richtigen Ratens geben da Secret Recipe etwas mehr Würze.
Ach ja, und der Kuchen im Ofen (auf dem Foto in der Galerie), war eine Potica, denn das Rezept für diesen traditionellen slowenischen Kuchen ist quasi die Promo-Karte für Secret Recipe.
KULTFAKTOR: 6/10
Spielidee: 6/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 6/10
EUER REZENSENT
LUTZ
Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast
Eine Rezension vom 12.02.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: SnowBoardGames
Weitere Fotos: Spielkultisten