REZENSION
SCHÄTZ IT - IF YOU CAN
- Genre: Quizspiel
- Jahr: 2023
- Verlag: moses. Verlag
- Autor: Ralf zur Linde
- Spieler: 2 bis 5
- Alter: ab 14 Jahren
- Dauer: ab ca. 30 Min.
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Initiativlevel: 10/10
Darf's ein bisschen mehr sein?
Wie schwer sind Tiger oder Löwe, welcher Film war ein Kassenschlager und wie groß sind eigentlich die Promis, die wir sonst nur aus dem Fernsehen kennen? Bei diesem Quizspiel müssen wir nach und nach neun Antworten in die korrekte Reihenfolge bringen. Das geht mal mit Wissen, mal mit Schätzen, aber auch ein selbstsicherer Bluff bei völliger Ahnungslosigkeit kann hier zu Punkten führen.
REGELN
Der Stapel mit den Fragekarten ist nach Schwierigkeitsgrad vorsortiert. Schiebt die unterste Karte ungesehen in den Kartenhalter und bedeckt das Antwortfenster mit dem Holzbalken. Lest die Aufgabenstellung laut vor. So müssen z.B. Tiere nach ihrem Gewicht oder Kinofilme nach ihrem Erfolg oder Sehenswürdigkeiten nach ihrer Höhe sortiert werden. Doch zunächst seht ihr nur zwei von insgesamt neun Antworten.
Beginnst du als Startspieler, so musst du die beiden sichtbaren Antworten nun entsprechend der Aufgabe sortieren, also von klein nach groß, von schwer nach leicht, von wenig nach viel etc. Lege dazu die neben jeder Antwort vorgegebenen Holzwürfel entsprechend sortiert aufs Antwortfeld.
Jetzt ist die nächste Person in Sitzreihenfolge gefragt:
- Stimmt sie deiner Sortierung zu, erhältst du 2 Punkte. Die Punkte werden am Rand der Spielschachtel festgehalten.
- Stimmt sie deiner Sortierung nicht zu, wird der Holzbalken vom Antwortfenster entfernt. War das Anzweifeln berechtigt, gehst du leer aus, während die anzweifelnde Person 1 Punkt erhält. War das Anzweifeln hingehen unbegründet, erhältst du wie gewohnt deine 2 Punkte, während die anzweifelnde Person 1 Punkt verliert.
Egal, ob du als Sitznachbar angezweifelt hast oder nicht: Jetzt bist du dran! Schiebe die Karte um eine Position nach oben, sodass jetzt eine dritte Antwort sichtbar ist. Sortiere diese Antwort nun in die Würfel-Reihe ein. Die folgende Person muss dann wieder entscheiden: Anzweifeln oder Durchwinken. Achtung: Sobald du am Zug bist, übernimmst du die Verantwortung für alle bisherigen Antworten. Es kann also auch passieren, dass du keine Punkte erhältst, weil die nachfolgende Person eine Antwort anzweifelt, die du zuvor als richtig akzeptiert hast.
Das geht nun bis zur neunten Antwort so weiter, wobei bei der letzten Antwort zunächst nicht aufgelöst wird. Sollte die Antwort angezweifelt werden, darf die anzweifelnde Person noch den / die vermeintlichen Fehler korrigieren für einen Extrapunkt.
Spielt so lange, bis jeder von euch einmal Startperson bei einer Fragenkarte war. Spielt ihr nur zu zweit oder bevorzugt allgemein ein längeres Spiel, könnt ihr euch auch auf mehr Runden einigen.
Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- umfangreicher Fragenkatalog
- interessanter Mechanismus
- einige Aha-/ Oha-Momente
- auch mit Nicht-Wissen gut spielbar
CONTRA
- Punkteskala am Rand der Schachtel etwas unpraktisch
- Königsmacher-Moment möglich
MEINUNG
Hat Jörg Pilawa sich den Titel des Quizonkels im Fernsehen schon selbst verliehen, so möchte ich diesen für mich und meine Quizspiel-Karriere im heimischen Wohnzimmer auch gern beanspruchen. Angefixt wurde ich als Kind vom 1, 2 oder 3-Brettspiel, und dann folgten etliche Wissensspiele, die mir meine Eltern zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken durften. Mit meiner Mutter hatte ich da eine ebenbürtige Spielpartnerin, die übrigens auch heute noch mit mir Quizspiele testet, während es bei unseren Spieletreffs lange Zeit schwierig blieb, dieses Genre zu etablieren. Niemand blamiert sich gern mit Wissenslücken. Tatsächlich haben wir es der Corona-Zeit zu verdanken, dass sich ein kleiner Quiz-affiner Kreis unter den Spielkultisten zusammenfand, der während Lockdown und Ausgangssperre online per Videokonferenz Fragen beantworte.
Neue Quiz-Ideen nehme ich auch heute noch dankbar auf. Schätzspiele gibt es schon einige. Ja, sogar die Idee, Antworten in eine Reihenfolge zu bringen, kennt man als Quiz-Experte schon, beispielsweise aus Sortivity oder aus einem Minispiel von Schlag den Raab. Schätz it - if you can hat aber nochmal einen eigenen Kniff und vor allem ein sehr gelungenen Mechanismus, der die Antworten erst nach und nach freigibt. Durch das verdeckte Antwortfenster hat niemand einen Informationsvorsprung, jeder kann mitraten. Und auch wenn man selbst so gar keine Ahnung hat, kann ein selbstsicherer Bluff gern mal Punkte einbringen. Kein Spiel also, bei dem man sich blamieren kann. Wenn dennoch einmal eine Antwort angezweifelt wird, werden nur die Lösungen bis eben zu der zuletzt vorgelesenen Antwort offengelegt. Nachdem das Antwortfenster wieder verschlossen wurde, geht es direkt weiter mit der nächsten Antwort der selben Frage. Diese trickreiche Mechanik verhindert, dass eine Frage schon vorzeitig bis zum Schluss aufgelöst werden muss, wenn gleich anfangs eine falsche Einschätzung abgegeben wurde. Super durchdacht!
Der Fragenkatalog ist umfangreich und interessant, nicht selten mit Aha- und Oho-Momenten gespickt. Klar hat der Startspieler in einer neuen Runde immer den kleinen Vorteil, nur zwischen zwei Antworten entscheiden zu müssen, um 2 Punkte zu erhalten. So ist es dann auch immer ein wenig vom Glück abhängig, auf welche Fragenkategorie ich in dieser Situation treffe. Aber letztlich habe ich immer die volle Kontrolle über meine Punkte-Möglichkeiten. Das Spiel kann nichts dafür, wenn ich mich in einem Themenbereich nicht auskenne. Apropos Punkte: Dass es keinen Punkte-Spielplan gibt, finde ich etwas schade. Das Markieren der Punkte am Schachtelrand geht schon in Ordnung, ja, aber ist nicht so übersichtlich. Außerdem nutzen sich Reiter und Schachtelrand auf längere Sicht dann auch schneller ab.
Die Regel, eine Partie bereits enden zu lassen, wenn jeder einmal Startspieler war, ist bei 2 Spielern eher unbefriedigend. Aber es ist kein Problem, die Rundenanzahl entsprechend zu erhöhen. Fest steht aber: Je mehr mitspielen, umso seltener kommt man zum Zug, in Vollbesetzung eventuell auch nur ein einziges Mal pro Frage. Generell funktioniert das Spiel aber natürlich mit jeder Spielerzahl gut; mit weniger Spielern ist mal öfter aktiv an einer Lösung beteiligt.
Als Quizfan mag ich Schätz it - if you can echt gern. Das Listen-Sortieren ist jetzt keine gänzlich neue Idee, aber sehr kurzweilig und in der vorliegenden Form auch noch nicht als eigenes Spiel umgesetzt worden. Zudem bietet das Spiel genügend Raum, um (teilweise mit trivialem) Wissen zu punkten, aber auch mit Bluff-Können zu überzeugen bzw. andere Spieler im richtigen Moment zu stoppen. Dass es da unter Umständen zum Schluss einen Königsmacher-Moment geben kann, nehme ich jetzt mal so hin und hoffe da einfach immer auf die Fairness meiner Mitstreiter. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung für alle Quiz-Fans, insbesondere für die, die genug von Multiple-Choice-Fragen haben.
KULTFAKTOR: 8/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 30.10.2023
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: moses. Verlag
Weitere Fotos: Spielkultisten