REZENSION

SALTFJORD

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: HUCH! / Aporta Games
  • Autoren: Kristian Amundsen Østby, Eilif Svensson
  • Grafik: Peter Bartels, Yan Moussu
  • Spieler: 1 bis 4
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: ca. 45 bis 90 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Holz bei die Fische!

Norwegen am Ende des 19. Jahrhunderts. Erlebt den Alltag in eurem Fischerdorf. Fahrt aufs Meer und bringt euren Fang in den Hafen, errichtet neue Gebäude, treibt Handel und sorgt für vorteilhafte Entwicklungen, indem ihr in jeder der drei Runden die besten Würfel auswählt.

REGELN

Bereitet den Spielplan vor, indem ihr ihn mit diversen Plättchen bestückt. Nehmt euch jeweils einen Gebäude- und einen Lagerplan, wählt nacheinander ein Startset, bestehend aus einem ersten Bauteil, einem Ressourcen- und einem Fähigkeitsplättchen, aus. Die Fähigkeit liefert euch einen asymmetrischen Vorteil im Spiel. Das Bauplättchen wird auf zwei der vier markierten Felder des eigenen Gebäudeplans gelegt. Nehmt euch dann noch die Startressourcen. 

Ihr spielt 3 Runden. Zunächst werden 3 weiße Würfel pro Person plus so viele orangefarbene Würfel pro Person, wie es der Rundenzahl entspricht, geworfen. Legt die Würfel entsprechend ihrer Augenzahlen auf die Würfelfelder des Spielplans.

Bist du am Zug, hast du die Wahl aus 3 Optionen:

  • Nimm einen Würfel und aktiviere ihn oder erhalte einen Fisch. Du darfst im Verlauf der Runde drei weiße Würfel und so viele orangefarbene Würfel, wie es der Rundenzahl entspricht, nehmen.
  • Baue ein großes Gebäude.
  • Passe.


Würfel nehmen: Nimm ein Würfel und lege ihn auf das passende Würfelfeld deines Gebäuderasters. Durch Abgabe von Fisch kannst du den Würfel jeweils um eine Augenzahl verändern. Um den Würfel von 1 auf 6 zu drehen (oder umgekehrt), benötigst du entsprechend 5 Fische zum Ausgleich der Differenz. Bewege den Würfel nun von seinem Würfelfeld reihen- oder spaltenweise von freiem Gebäude zu freiem Gebäude (mit gelben oder roten Dächern). Du kannst die Bewegung jederzeit freiwillig beenden. Triffst du auf ein gelbes Gebäude, erhältst du die entsprechende Ressource. Triffst du auf ein rotes Gebäude, kannst du die angegebene Aktion ausführen (teilweise stehen zwei Aktionen zur Auswahl). Der Würfel bleibt auf dem letzten aktivierten Feld liegen. Das Feld wird bei eventuell weiteren Aktivierungen durch andere Würfel dann übersprungen. 

Folgende Aktionen gibt es: 

  • Aufwerten: Verschiebe eine Ressource in die nächste Etage deines Ressourcenplans, folge dabei den Pfeilen.
  • Bauen: Gegen Abgabe von 1 Holz wählst du ein 1er- oder 2er-Plättchen aus und legst es auf freie Felder deines Tableaus. So errichtet du größtenteils neue Gebäude, die im Idealfall auch direkt durch den auslösenden Würfel aktiviert werden können, wenn dieser sich im Anschluss auf das neue Plättchen bewegen sollte. Vervollständigst du eine Reihe oder Spalte, erhältst du die Boni der braunen Felder ("Stege") der Reihe / Spalte.
  • Auftrag erfüllen: Gib die Ressourcen eines ausliegenden Auftragsplättchen ab und lege den Auftrag an deinen Lagerplan an. Das Plättchen wird dabei in den vorgegebenen Bonus-Slot gelegt.
  • Entwicklung: Gib die geforderte(n) Ressource(n) ab, um deinen Entwicklungsmarker auf einer der vier Leisten um eine Stufe nach oben zu ziehen. Erhalte den Soforteffekt bzw. einen dauerhaften Vorteil (zusätzlicher Arbeiter,  Rabatt beim Bauen, mehr Auswahl beim Fischen etc.)
  • Fischen: Fahre mit deinem Schiff in den nächsten Abschnitt des Fjordes und ziehe, je nach Entwicklung, 1 oder 2 Fischplättchen (von denen du eins auswählst) der Stufen 1 bzw. (bei entsprechender Entwicklung) 2 oder 3 und lege das Plättchen auf dein Boot. Auf den Plättchen findest du Fische, Holz, Gold oder Fang, der dir im Hafen Punkte bringt. Alternativ kannst du mit deinem Schiff nämlich zurück in den Hafen fahren. Erhalte dann die Punkte des Fjord-Abschnitts, von dem du kommst, sowie die Belohnungen der gesammelten Plättchen.


Ein Würfel kann auch ohne Aktivieren einer Zeile oder Spalte genommen werden. In diesem Fall gibt es dafür einfach nur einen Fisch.

Großes Gebäude errichten (ohne Würfel): Zahle 1 Holz und 1 Planke, um ein 3er-Plättchen auf deinen Gebäudeplan zu legen. Es gelten die gleichen Regeln wie beim kleinen Gebäude.

Passe: Wähle ein freies Tavernenfeld aus, nimm die Belohnung und erhalte pro erfülltem Auftrag den verbundenen Bonus.

Jederzeit kannst du in deinem Zug zusätzliche Aktionen durchführen:

  • Setze einen verfügbaren Arbeiter auf ein freies Gebäudefeld deines Plans, um die Ressource oder Aktion zu erhalten. Das Feld ist für den Rest der Runde dann blockiert.
  • Tausche Ressourcen in Fische, im Verhältnis 1:1 bis 1:3, je nach Stufe der Ressource. 
  • Gib 2 Fische ab, um eine vorhandene Ressource aufzuwerten. 
  • Ressourcen dürfen beliebig oft abgewertet werden, also eine Stufe nach unten geschoben werden.


Nach 3 Runden endet das Spiel. Nun folgt die Schlusswertung:

  • Erhalte Punkte und Fische, die sich evtl. noch auf deinem Boot befinden.
  • Tausche restliche Ressourcen nach dem bekannten Wechselkurs in Fische ein. Erhalte 1 Punkt pro 3 Fische.
  • Erhalte 3 Punkte für je 4 platzierte Auftragsplättchen, die jeweils an einem anderen Bonus-Slot liegen.
  • Erhalte die Punkte für alle erfüllten Aufträge.
  • Erhalte Punkte für die Positionen deiner Entwicklungsmarker. Marker auf der obersten Stufe lösen die verbunden Wertungsplättchen aus, die dir variable Punkte für vorgegebene Ziele liefern.


Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.

Fortgeschrittenen-Variante: In dieser Variante deckt eine neue Entwicklungsleiste die bisherige dritte Leiste ab. Neu sind nun die Wagen auf dem eigenen Gebäudeplan, die sich bei jeder Aktivierung der entsprechenden Zeile oder Spalte auf ein angrenzendes Gebäude (senkrecht bei einer Reihe / waagrecht bei einer Spalte) bewegen können, um diese Felder zusätzlich zu aktivieren.

Das Spiel kann auch solo gespielt werden. Das Spiel kommt dabei ohne imaginären Gegner und ohne zusätzliches Material aus. Stattdessen werden die Standardregeln angepasst; die erzielte Punktezahl verleiht einem dann eine Medaille. Zusätzlich können Aufgaben für eine noch größere Herausforderung erfüllt werden.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • taktische Würfelauswahl und ebenso taktisches Bauen
  • interessantes Ressourcenmanagement
  • hoher Wiederspielreiz durch Variabilität


CONTRA 

  • man muss mit Glückselementen klarkommen
  • fühlt sich teilweise eher abstrakt an

MEINUNG

Wer bei Saltfjord an Santa Maria denken muss, hat gut aufgepasst. In der Tat basiert Saltfjord auf dem älteren Titel, aber es bietet, neben dem neuen Setting, neue Kniffe.

Zunächst einmal wirkt Saltfjord wie ein gewöhnliches Eurogame auf Kennerspiel-Niveau. Es gibt Ressourcen, Aufträge, Gebäude und Fortschrittsleisten — alles schon mal irgendwo in ähnlicher Form gesehen, erprobt, und bei Saltfjord sehr schön kombiniert.

Ein wunderbar taktisches Element ist die Generierung der Ressourcen und der Aktionen durch eine kluge, auch manipulierbare Würfelauswahl. Klar spielt da manchmal auch das Glück mit, was mir bzw. wie günstig es mir zur Verfügung steht. Man optimiert, muss also damit klarkommen, dass man manchmal auch nicht das erhält, was man sich gerade am dringendsten wünschen würde. Das macht für mich aber den Reiz aus. Das Auswählen der Würfel und auch die Aktivierung der Gebäude ist echt clever gemacht, zumal da auch immer Fragen des Timings im Spiel sind. So ist es auch beim Gebäudebau bereits wichtig, wie ich die Gebäude anordne, um hinterher sinnvolle Synergien für mich nutzen zu können, wenn ich die Felder durch Würfel der Reihe nach aktiviere.

Schnell wird hier klar: Je mehr ich baue, umso mehr Aktionen stehen mir zur Verfügung. Wer das Bauen vernachlässigt, wird diesen Rückstand nicht mehr leicht aufholen können. Legt also einen Fokus darauf, euren Plan möglichst komplett mit Plättchen zu belegen, das zahlt sich immer aus, schon auch allein durch die Steg-Boni, wenn eine Reihe oder Spalte komplettiert wurde.

Beim Steigern der Entwicklungsleisten, beim Bau der Gebäude als auch bei den Aufträgen ist dann gutes Ressourcenmanagement essenziell. Auch das ist tricky, denn Ressourcen werden spaltenweise aufgewertet, Fische dienen als Allroundmittel, um Dinge im Spiel zu forcieren oder zu verändern.

Das Fischen auf dem Fjord ist eine gute Möglichkeit, um schnell an Fische zu gelangen, wenngleich es auch wieder etwas glücksabhängig ist, was bzw. in welcher Anzahl wir es aus dem Wasser holen.

Saltfjord funktioniert mit jeder Spielerzahl, die Interaktion entsteht durchs Wegschnappen von Würfeln, Gebäuden und Aufträgen, zudem gibt es auch mal ein Wertungsplättchen mit Wettlauf-Mechanik. Mehr Personen am Tisch bedeuten dann auch eine größere Würfelauswahl, wobei auch hier für Gerechtigkeit gesorgt ist. Wenn die Alternativ-Aktion, das Bauen großer Gebäude ohne Würfel, oder auch das Engine Building bei den Pass-Boni, ja, natürlich auch die eigene Fähigkeit, für eine Asymmetrie sorgt, so erhält dann doch jeder die gleiche Anzahl an weißen und orangefarbenen Würfeln pro Runde, so dass sich hier wieder planen lässt.

Die Fortgeschrittenen-Variante erlaubt dann noch höhere Punktezahlen durch weitere Gebäude-Aktivierungen, die noch einmal zu den flexiblen Arbeiter-Aktionen des Grundspiels hinzukommen.

Das alles gefällt mir in Summe ausgesprochen gut. Bis auf die Tatsache, dass das Setting beim Planen der Aktionen gefühlt in den Hintergrund rückt und sich das Ganze mitunter leicht abstrakt anfühlen kann, so ist Saltfjord für mich ein wirklich sehr gelungenes Kennerspiel mit einen Mix aus bekannten und neuen Mechanismen, die für mich einen hohen Wiederspielreiz bieten. Auch das Spielmaterial hält da sehr gut mit. Für mich sind das fantastische, nahezu perfekte 9 Kultpunkte im mittelschweren Eurogame-Sektor!

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/jwafImd1AeM

KULTFAKTOR: 9/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 9/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 02.11.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: HUCH! / Aporta Games
Weitere Fotos: Spielkultisten