REZENSION

ROM AN EINEM TAG

  • Genre: Familien-/ Taktikspiel
  • Jahr: 2026
  • Verlag: Strohmann Games
  • Autor: Jewgeni Petrow
  • Grafik: Irina Pechenkina, Oleg Proshin
  • Personen: 2 bis 5
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 30 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6–8/10

Veni, vidi, devisi!

Ich kam, sah – und teilte! In diesem taktischen Legespiel errichten wir unser ganz eigenes römisches Reich. Dazu formieren wir Landschaften und Gebäude zu einer punkteträchtigen Auslage, indem wir die besten Angebote auswählen und unseren Nachbarn ebenfalls Angebote machen, die sie (hoffentlich) nicht ablehnen werden.

REGELN

Nehmt jeweils einen Sichtschirm und die Plättchen eurer Farbe. Mischt diese zu einem verdeckten eigenen Stapel. Nehmt euch außerdem eine Gebäudekarte und belegt die Felder mit den vorgegebenen Gebäuden. Nehmt euch die beiden Auswahlkarten und legt die Plättchen, die die Spielrichtung anzeigen, zwischen euch. Vor Spielbeginn erhält dann jeder noch vier Edelsteine.

Gespielt werden vier Runden. In jeder Runde zieht ihr zunächst die fünf obersten Plättchen von eurem persönlichen Stapel und legt sie offen hinter eurem Sichtschirm aus. Auf die ersten beiden Plättchen der gebildeten Reihe platziert ihr die obersten beiden verfügbaren Gebäude eurer Gebäudekarte. So werden die Gebäude, die jeweils farblich einem der fünf verschiedenen Landschaftstypen entsprechen, zufällig den Plättchen zugelost. Einmal mit Gebäuden belegte Plättchen bleiben während der gesamten Partie in diesem Verbund.

Teilt nun eure fünf Plättchen (zwei davon entsprechend mit Gebäuden) in zwei Gruppen. Wie ihr die Gruppen zusammenstellt, ist euch überlassen. Zur Gruppe mit der geringeren Anzahl an Plättchen legt ihr einen eurer Edelsteine.

Habt ihr euch alle entschieden, entfernt ihr den Sichtschirm. Das Spielrichtungs-Plättchen bestimmt, welcher eurer Nachbarn das Angebot erhält und von wem ihr wiederum ein Angebot erhaltet. Bietet ihr euer Plättchen-Angebot dem linken Nachbarn an, erhaltet ihr dementsprechend vom rechten Nachbarn ein eigenes Angebot. Wählt aus dem erhaltenen Angebot eine Angebotshälfte aus und nehmt euch die entsprechenden Plättchen (ggf. mit Gebäuden) und ggf. auch den Edelstein. Die nicht gewählte Hälfte des Angebots geht zurück zum Nachbarn, von dem die Plättchen kamen. Die nicht gewählte Hälfte des Angebots, das ihr selbst eurem anderen Nachbarn gemacht habt, erhaltet ihr auf diese Weise ebenfalls zurück.

Vor euch liegt als nun der Teil des Angebotes, den ihr aktiv ausgewählt habt sowie der Teil des von euch gemachten Angebotes, das der Nachbar nicht ausgewählt hat. Puzzelt diese Plättchen nun in eure eigene Auslage. Die Plättchen müssen dabei immer aneinander angrenzend (mit mindestens einer gemeinsamen Kante) gelegt werden. Die Formation ist komplett euch überlassen.

Wichtig ist es dabei, zu wissen, wie ihr Punkte bekommt. Am Ende des Spiels (nach vier Runden, wobei die Spielrichtung in jeder Runde abwechselt) gibt es pro Gebäude, das auf oder direkt neben einer farblich passenden Landschaft steht, so viele Punkte, wie es der Anzahl verbundener Felder dieser Farbe in diesem Gebiet entspricht. Steht also z.B. die gelbe Mühle auf oder direkt neben einem gelben Gebiet aus fünf verbundenen gelben Feldern, ist die Mühle 5 Punkte wert. Steht eine weitere Mühle auf oder neben dem gelben Gebiet, liefert auch diese die entsprechenen Punkte. Grenzen mehrere getrennte, aber farblich passende Gebiete an ein Gebäude, werden die Punkte der Gebiete addiert. Ein Gebäude, das nicht auf oder neben einem farblich passenden Gebiet steht, bringt keine Punkte.

Zusätzlich zu diesen Punkten gesellen sich noch Punkte über gesammelte Edelsteine. Je mehr Edelsteine im eigenen Besitz sind, umso mehr Punkte gibt es dafür. Wer nun insgesamt die meisten Punkte, die ihr auf dem Wertungsblatt notiert, gesammelt hat, gewinnt.

In der Fortgeschrittenen-Variante kommen neue Elemente ins Spiel. Von zwei zufällig gezogenen Auftragskarten wählt ihr vor Spielbeginn jeweils eine erste aus. Jeder erhält zudem ein zufälliges Start-Landschaftsplättchen, mit dem die eigene Auslage begonnen wird. Auf diese Startlandschaft stellt ihr jeweils einen ersten Elefanten. Der weitere Ablauf folgt der zuvor beschriebenen Grundvariante, die aber um weitere Schritte ergänzt wird.

Nach dem Einpuzzeln der neuen Plättchen in eure Auslage platziert ihr nun einen Elefanten aus dem Vorrat auf einem freien Landschaftsfeld. Könnt ihr das nicht, oder ist das Gebiet nur ein Feld groß, oder befindet sich bereits ein Elefant in diesem Landschaftsgebiet verbundener gleichfarbiger Felder, zieht ihr eine einzelne Auftragskarte vom Stapel auf die Hand. Befindet sich im Gebiet noch kein Elefant, und das Gebiet besteht aus mehreren verbundenen gleichfabrigen Feldern, zieht ihr so viele Auftragskarten auf die Hand, wie das Gebiet Felder besitzt. Ein 4er-Gebiet liefert also beispielsweise vier Karten. Sucht euch einen Auftrag, zunächst verdeckt, dann offen aus. Unten auf der Karte befindet sich ein Münzwert, der jeweils um 1 verstärkt wird durch jede zusätzlich erhaltene, nicht ausgewählte Karte. 

Vergleicht die Münzwerte. Wer den höchsten Münzwert vorweisen kann (bei Gleichstand die höhere Kartennummer), hat nun als erster Zugriff auf das Markt-Tableau, das aus fünf Bonus-Segmenten besteht. In jedem Segment liegt ein Doppel-Landschaftsplättchen sowie ein weiterer Bonus (Edelstein, Plättchen, Gebäude, weiteres Doppel-Plättchen, Festung als Joker-Gebäude). Trefft in der Reihenfolge der Münzwerte eure Auswahl und fügt erhaltenes Material eurer Auslage hinzu. Gebäude auf Doppel-Landschaftsplättchen müssen einer der beiden Landschaftshälften zugeordnet werden, wobei jede Landschaftshälfte bei Wertungen als volles Landschaftsfeld zählt. Das Markt-Tableau wird in jeder Runde neu bestückt.

Nach vier Runden gibt es bei der Endwertung nun noch zusätzliche Siegpunkte für die individuellen Vorgaben eurer jeweils insgeamt fünf ausgewählten Auftragskarten, z.B. Punkte pro rotem Gebiet, Punkte für jedes einzelne Gebiet, Punkte für Elefanten neben Gebäuden, Punkte für die längste Reihe zusammenhängender Landschaftsplättchen etc.). Auch hier leitet euch der Wertungsblock durch die Einzelwertungen, und auch hier gewinnt, wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • taktisches Legepuzzle
  • interaktiver Kniff durch I cut, you choose
  • einfache Einstiegsvariante
  • mehr Spieltiefe durch Fortgeschrittenen-Variante


CONTRA

  • vergleichsweise viel Administration
  • Standardvariante auf lange Sicht etwas eintönig

MEINUNG

Bisher habe ich dem Sprichwort geglaubt, dass Rom nicht an einem Tag erbaut worden sei – offenbar ein Irrglaube, wenn wir diesem Spiel folgen. In der Tat entsteht hier ein ganzes römisches Reich in weniger als einer Stunde, genau genommen entstehen mehrere Reiche, denn wir errichten keine gemeinsame Auslage, sondern jeweils eine eigene. Klingt nach einem Multiplayer-Solitärspiel? In Teilen ja, zudem spielen wir gleichzeitig parallel, sodass kaum Wartezeiten entstehen. Aber: Die Art und Weise, wie wir an unsere Plättchen gelangen, ist überaus interaktiv, denn dafür wird der bekannte „I split (oder cut), you choose"-Mechanismus verwendet, der uns stets vor das Dilemma stellt, unsere Plättchen (teils mit verbundenen Gebäuden) so aufzuteilen, dass der Nachbar, der das Angebot erhält, hoffentlich den Teil des Angebotes zurücklässt, den wir selbst gut gebrauchen können. Heißt: Wir müssen da eine gute Balance finden aus Eigennutz und Gönnerschaft. Das führt zu unterhaltsamen Momenten am Tisch, wenngleich dieses Spielelement nicht grundlegend neu ist; andere Spiele haben diese Mechanik bereits ebenfalls verwendet.

Eine punkteträchtige Auslage zu bauen, ist dann mit etwas Planung und Optimierung zu meistern, alles auf Familien-Niveau. Die Wertung in der Standardvariante ist simpel, auf lange Sicht für mich aber auch etwas eintönig – 6 Kultpunkte für mich, Familien mit Kindern, die Genre-Fans sind, können da ggf. noch für sich was draufrechnen.

Begeistern konnte mich Rom an einem Tag dann aber vor allem mit der Fortgeschrittenen-Variante, die durch die neuen Doppel-Plättchen und Joker-Gebäuden nochmals mehr Möglichkeiten bietet, die eigene Landschaft gewinnbringend zu formen. Vor allem aber sind es die Auftragskarten, die Würze ins Spiel bringen. Durch sie bekommen die Landschaftsanordnungen eine interessante zweite Ebene, die jeder individuell für sich ausgestaltet. Wer Fan ist von solchen taktischen Lege-/ Optimierungsaufgaben, wird hier auf jeden Fall Spaß haben.

Das Spielmaterial von Rom an einem Tag ist sehr gut, die kleinen Gebäude und Figuren sehen hübsch aus, alles ist übersichtlich, erfordert aber durchaus ein wenig Administration. Da liegt immer einiges auf dem Tisch, und man muss aufpassen, nichts zu übersehen. Wiederholt ist es bei uns vorgekommen, dass wir irgendwelche Plättchen übersehen und sie nicht in die eigene Auslage eingebaut haben. Ein wenig Konzentration sollte also vorhanden sein. Und: Je mehr Personen mitspielen, umso voller wird der Tisch, umso unübersichtlicher wird die Bestimmung der Reihenfolge beim Vergleich der Münzwerte auf den Auftragskarten. Ich persönlich mag das Spiel daher am liebsten zu zweit oder dritt. Zwar entfällt im 2-Personen-Spiel der zweite Nachbar, aber das hat für mich keine große Spielrelevanz. So kann man sich besser aufs Gegenüber konzentrieren und die Angebote schneller gezielt festlegen. Einzig beim Markt-Tableau wird es mit mehr Personen natürlich knackiger, da die Reihenfolge dann mehr ins Gewicht fällt bei der Bonus-Auswahl.

Fazit: Rom an einem Tag erfindet das Legespiel-Genre nicht neu, nutzt im Kern auch bereits bekannte Mechanismen, kombiniert diese aber zu einem stimmigen Ganzen, das mir als Fan von Plättchenlegespielen auf jeden Fall Freude macht. Wer es simpel mag (in etwa auf Kingdomino-Niveau), bleibt bei der Standard-Variante, wer es, wie ich, lieber etwas anspruchsvoller hat, greift direkt zum beigelegten Zusatzmodul. Auch dann bleibt das Spiel noch gut zugänlich, aber fordert mehr planerische Fähigkeiten ein. Für mich sind das in dieser Variante dann sehr gute 8 Kultpunkte. Ich werde Rom definitiv noch häufiger in nur einem Tag erbauen!

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/HSl2WvAoNdE

KULTFAKTOR: 6-8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 6–8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 26.04.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Presse-Exemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Strohmann Games
Weitere Fotos: Spielkultisten