REZENSION
REEF GARDENS
- Genre: Taktikspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: dlp Games
- Autor: Jeffrey D. Allers
- Grafik: Dennis Lohausen
- Personen: 2 bis 4
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 60 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Taktiklevel: 7/10
Kein Geld ohne Taucher, keine Taucher ohne Geld
Bei Reef Gardens versucht ihr, eure Korallengärten um Unterwasserstationen wachsen zulassen. Dafür braucht ihr Geld, und für Geld müsst ihr eure Korallen aufgeben.
REGELN
Reef Gardens ist eine überarbeitete Version des 2013 erschienenen Spiels Citrus. Ihr versucht, durch Korallen die Mehrheiten der Unterwasserstation zu holen, während ihr immer wieder Korallenriffe aufgeben müsst, um wieder Geld zu bekommen.
Seid ihr zu zweit, spielt ihr auf dem kleinen Spielbrett, sonst auf dem großen. Auf jedes Muschelfeld kommt ein zufälliges Muschelplättchen. Abhängig davon, wie viele mitspielen, werden einige Unterwasserstationen platziert, die übrigen bilden einen Stapel. Die Buchstabenplättchen werden gemischt, drei gezogen und auf die gleichen Buchstaben des Spielbretts gelegt, die übrigen bilden einen Stapel.
Die Korallenplättchen werden im Sack gemischt und jeweils ein Plättchen auf jedes Feld der Unterwassergärtnerei gelegt, außer auf die 6.
Jeder von euch nimmt sich ein Tableau, einen Geldmarker, den jeder auf 6 Geld stellt, dazu die 5 Taucher der Farbe des Tableaus.
In jedem Zug hast du zwei Optionen: Pflanzen oder Auftauchen. Beim Pflanzen suchst du dir eine Reihe von Korallen aus. Du musst alle Korallen aus dieser Reihe kaufen, d.h. pro Koralle dein Geld um eins reduzieren. Kannst du das nicht, darfst du diese Reihe nicht wählen. Dann musst du diese Korallen aufs Brett legen. Du darfst ein neues Riff auf einem zu einer Unterwasserstation orthogonal benachbarten Feld beginnen. Dazu legst du die Koralle darauf und platzierst einen deiner Taucher auf der Koralle.
Du kannst auch eigene Korallenfelder erweitern, indem du orthogonal benachbart an eine Korallengruppe, die mit deinem Taucher markiert ist, ein Korallenplättchen derselben Farbe anlegst. Auf Unterwasserstationen oder Höhlen darfst du keine Korallen legen, aber sehr wohl auf die Muschelplättchen, die du dann einsammelst und für einen individuellen Effekt einmalig benutzten darfst.
Kannst oder möchtest du eine Koralle nicht legen, kostet das 3 Punkte.
Sollte beim Nehmen der Korallen die Unterwassergärtnerei drei oder weniger Korallen enthalten, füllst du diese wieder komplett auf. Außerdem nimmst du die oberste Unterwasserstation vom Stapel und platzierst sie auf dem Brett. Dabei darfst du einen der drei Plätze mit Buchstabenplättchen wählen. Dann legst du ein neues Buchstabenplättchen aus.
Sollte nach dem Legen deiner Korallen eine Unterwasserstation komplett von Korallen oder Muschelplättchen umschlossen sein (orthogonal und diagonal), wird die Station gewertet. Alle deine Korallengruppen, die mindestens ein Feld benachbart zur Unterwasserstation haben, zählen komplett für die Wertung. Hat deine Korallengruppe also fünf Plättchen und zwei davon grenzen an die Station, so zählst du alle fünf Plättchen. Wer insgesamt die meisten Korallen hat, bekommt die höhere Punktzahl auf der Station als Punkte. Hast du nur den zweiten Platz, so gibt es die kleinere Punktzahl.
Statt Korallen anzupflanzen, kannst du auch deine Taucher auftauchen lassen, um Geld zu bekommen. Du nimmst mindestens einen Taucher vom Spielbrett, aber es dürfen auch mehr sein. Diese stellst du auf dein Tableau. Jede geräumte Korallengruppe bringt einen Punkt pro Plättchen und einen Punkt pro sichtbarem Fisch auf den Korallen. Diese Gruppe ist jetzt neutral und gehört dir nicht mehr. Neutrale Gruppen kannst du übernehmen, wenn du sie mit einer deiner Korallengruppen gleicher Farbe verbindest, die größer ist als die neutrale Gruppe.
Am Ende des Auftauchens bekommst du Geld abhängig von der Anzahl der Taucher auf deinem Tableau. Je mehr Taucher auf dem Tableau, desto mehr Geld.
Ihr spielt, bis alle Korallenplättchen aufgebraucht sind. Dann werden noch übrige Stationen gewertet, allerdings mit weniger Punkten, ebenso alle Korallengruppen. Hast du nun die meisten Punkte, dann solltest du vielleicht über ein Studium der Meeresbiologie nachdenken.
Die Atolle-Variante sagt, dass die Korallen an den vier orthogonal benachbarten Plätzen einer Unterwasserstation verschiedene Farben haben müssen.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- wichtige Entscheidungen
- Konflikte
CONTRA
- Glück beim Korallenziehen
- seltsame Taucher
MEINUNG
Wir pflanzen uns ein Korallenriff. Das ist gar nicht so leicht, weil Korallen eigentlich kleine Polypen sind, und was wir sehen, ist nur der hinterlassene Panzer – so mal ganz grob. Aber wie ihr euch schon denken könnt, wächst der nicht von heute auf morgen. Laut der Website des niederländischen Burgers' Zoos wachsen die Geweihkorallen (Acropora sp.) am schnellsten mit bis zu 17 Zentimetern pro Jahr. Das geht bei Reef Gardens zum Glück noch schneller. Auch wenn die 60 Minuten auf der Schachtel etwas optimistisch sind, weil dafür alle am Tisch das Spiel schon häufiger gespielt haben müssten, müssen wir zumindest nicht jahrelang auf unser Korallenwachstum warten.
Dies passt auch dazu, dass Reef Gardens eine Überarbeitung von Citrus (2013 auch bei dlp games erschienen) ist. Bei Citrus pflanzten wir Zitrusfruchtbäume, und auch dort ging das flott. Es wurden auch nur ein paar Anpassungen bei der Überarbeitung gemacht, z.B. Aktionsplättchen verändert, Vorteile fürs Beginnen verringert etc. Solltet ihr es genau wissen wollen, weil Citrus in eurem Regal steht, gibt es hier in englischer Sprache alle Änderungen: https://boardgamegeek.com/thread/3545884/changes-from-citrus
Reef Gardens ist im Kern ein traditionelles Legespiel mit Mehrheitenwertungen. Der Kniff ist dabei, wie ich wieder zu Geld komme, wenn mir dieses ausgeht. Meine Korallengebiete markiere ich mit Tauchern. Diese Gebiete helfen mir bei den Wertungen. Auch ist das Gebiet selbst viele Punkte wert, wenn es wächst. Jetzt brauche ich aber dringend Geld. Dann muss ich Taucher wieder auftauchen lassen. Nicht nur, dass mich dies mindestens ein Korallenriff kostet – ich bekomme auch mehr Geld, wenn viele meiner Taucher zuhause sind. Jetzt kann ich aber auch nicht erst einige Züge lang auftauchen, weil u.a. das maximale Vermögen auf 12 begrenzt ist. So muss ich während des Spiels schauen, wann ich auftauche.
Oft möchte ich noch eine Runde mein Riff behalten, damit die angrenzende Station vielleicht doch noch gewertet wird. Dann kann ich das jetzt nutzlose Gebiet aufgeben. Oder ich gebe sogar besonders früh mein sehr kleines Riff auf und habe viele Taucher. Schließlich können kleine neutrale Riffe schnell wieder übernommen werden.
Vielleicht habe ich sogar das passende Muschelplättchen. Die Muschelplättchen beleben das Spiel etwas, aber bremsen es auch aus. Die Symbole versuchen genau wiederzugeben, was das Plättchen tut, aber ich musste dies meinen Mitspielern trotzdem immer wieder sagen. Da wäre eine Spielerhilfe, und zwar für alle am Tisch, sehr schön gewesen. Da die Plättchen aber etwas den Spielraum pro Zug erweitern, sei dies verziehen.
In der Grundversion von Reef Gardens dürfen mehrere Riffe gleicher Farbe oder ein großes Riff mehrere Seiten einer Station berühren. Als Resultat möchte ich eine große Korallenmonokultur erreichen. Dies klappt nicht immer, besonders nicht, wenn die anderen am Tisch aufpassen und einschreiten.
Mehr Abwechslung in der eigenen Strategie verlangt da die Variante „Atolle“. Hier dürfen nur verschiedene Korallen auf die orthogonalen Felder einer Station gelegt werden. Da wird Reef Gardens gleich deutlich gemeiner. Es ist leichter, andere zu blocken, und um Stationen komplett zu umschließen, muss geschickt geplant werden. Mir gefällt diese Variante besser als das Grundspiel, aber das Grundspiel ist etwas vergebender und darum für den Einstieg besser geeignet.
Die Variante für zwei Personen hat mir nicht so gut gefallen, aber ich glaube, dass dies vor allem daran liegt, dass ich es bei Wertungen von Mehrheiten immer besser finde, wenn es mehrere Parteien gibt. Ich habe für Reef Gardens gerne gleich vier Leute am Tisch. Zur Frage des Timings kommt dann noch die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, an bestimmten Stationen zu bauen, weil andere dort vielleicht schon zu stark vertreten sind.
Auch eine Geschmacksfrage sind die Taucherfiguren. Die sollen wohl nach unten tauchend dargestellt sein. Aber die meisten meiner Mitmenschen waren eher nicht in der Lage, die Taucher richtig aufzustellen oder zu erkennen, was was ist. Da gäbe es noch Verbesserungspotenzial.
FAZIT: Reef Gardens ist ein solides Spiel, dessen Reiz besonders aus dem Konflikt des Behaltens der eigenen Riffe und dem Beschaffen von Geld besteht. Hinzu kommt noch das Streben nach dem größten Riff an der besten Station.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
LUTZ
Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast
Eine Rezension vom 07.06.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: dlp Games
Weitere Fotos: Spielkultisten