REZENSION
REBIRTH
- Genre: Taktikspiel
- Jahr: 2024 / deutsche Version: 2025
- Verlag: Mighty Boards / deutsche Version: Frosted Games
- Autor: Reiner Knizia
- Grafik: Anna Przybylska, Kate Redesiuk
- Personen: 2 bis 4
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 45 bis 60 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 7/10
Strategie im Schnelldurchlauf
Schottland und Irland wurden von Katastrophen heimgesucht. Die Landschaft ist zerstört. Zeit für einen Neuanfang! Bis zu vier Clans rangeln beim Wiederaufbau um die besten Plätze für Siedlungen, Energie- und Nahrungsstrukturen.
REGELN
Wählt zunächst eine der beiden Spielplan-Seiten, beginnt am besten mit der Schottland-Seite. Spielt ihr zu zweit, deckt ihr einige Felder mit Markern einer neutralen Farbe ab.
Mischt eure 36 Legeplättchen verdeckt und legt davon zwei, ebenso verdeckt, auf eure Burgtafel. Diese beiden Plättchen legt ihr in dieser Partie nicht auf den Spielplan. Ihr könnt eure eigenen zurückgelegten Plättchen jederzeit geheim anschauen. Spielt ihr zu viert, werden vorab einige vorgegebene Plättchen aus eurem Vorrat aussortiert.
Jeder erhält zudem 14 Burgen und 8 Kathedralen-Teile in der eigenen Farbe.
Zieht nun ein erstes zufälliges Legeplättchen aus eurem Vorrat auf eure Hand.
Gespielt wird reihum. Bist du an der Reihe, legst du dein Legeplättchen von deiner Hand auf den Plan, erhältst dafür ggf. Punkte (und ggf. weitere Effekte) und ziehst im Anschluss ein neues Plättchen nach, und die nächste Person ist am Zug. Dies wiederholt sich, bis ihr alle Plättchen gelegt habt.
Energiestrukturen (Plättchen mit Energie-Symbol) dürfen nur auf Felder mit dem entsprechenden Symbol abgelegt werden, alternativ auf Feldern ohne Symbol. Für ein erstes Plättchen deiner Farbe erhältst du 1 Punkt. Schließt du später weitere Energieanlagen deiner Farbe angrenzend zueinander an, erhältst du immer so viele Punkte, wie identische Plättchen deiner Farbe miteinander verbunden sind. Vergrößerst du einen Energiepark deiner Farbe also z.B. von 3 auf 4 zusammenhängende Plättchen, erhältst du für das vierte Plättchen direkt 4 Punkte (für ein evtl. späteres fünftes dann entsprechend 5 Punkte) usw.
Nahrungsfarmen funktionieren mit ihrem eigenen Symbol genau wie die Energiefarmen.
Siedlungen gibt es in vier Ausführungen, nämlich mit einem einem, mit zwei, mit drei oder mit vier Häusern. Legst du so ein Plättchen auf ein 1er-Siedlungsfeld, erhältst du so viele Punkte, wie Häuser auf dem Plättchen zu sehen sind. 2er- oder 3er-Siedlungen werden erst gewertet, wenn sie komplett mit Plättchen belegt wurden. Dann werden Punkte anhand einer Mehrheiten-Rangfolge vergeben. Belegst du eine 2er- oder 3er-Siedlung alleine, erhältst du die kumulierten Mehrheitenpunkte.
Weitere Besonderheiten:
- Belegst du einen Hafen, erhältst du sofort 1 Punkt extra.
- Belegst du ein Feld neben einer gelben Kathedrale, legst du ein Kathedralenteil deiner Farbe auf dieses gelbe Feld und ziehst eine geheime Auftragskarte vom Stapel. Diese Karten offerieren dir am Spielende zusätzliche Punkte, größtenteils für bestimmte Voraussetzungen (z.B. Mehrheit an Plättchen rund um eine bestimmte Kathedrale, die meisten Energieparks, die größte Nahrungsfarm etc.). Jede Person kann sich auf jedem Kathedralenfeld genau einmal beteiligen, die verschiedenfarbigen Teile der Personen werden dann einfach gestapelt.
- Belegst du das erste Feld neben einer lilafarbenen Burg, setzt du eine Burg deiner Farbe auf dieses Feld. Um einem Kontrahenten den Platz streitig zu machen, musst du die angrenzende Plättchen-Anzahl rund um diese Burg übertreffen. Eine kleine Besonderheit gibt es bei einem Gleichstand: In diesem Fall löst eine größere Anzahl an Energie- und / oder Nahrungsstrukturen den Gleichstand gegenüber Siedlungen für sich auf. Gibt es auch hier einen Gleichstand, gilt wieder die Regel, dass die bisherige Anzahl übertroffen werden muss, um eine bereits platzierte gegnerische Burg gegen eine eigene austauschen zu dürfen.
Nachdem alle Plättchen gelegt wurden, folgt die Schlusswertung:
- Jede platzierte eigene Burg auf dem Spielplan ist 5 Punkte wert.
- Jede Auftragskarte bringt 5 Punkte, wenn ihre Voraussetzung erfüllt wurde. Karten mit dem Titel "Kathedralen-Bonus" bringen dir pauschal 3 Punkte, ohne weitere Voraussetzung. Maximal 8 Karten können pro Person gewertet werden.
- Nicht abgeschlossene 2er- oder 3er-Siedlungen werden nun wie Einzelsiedlungen gewertet, heißt pro Haus auf einem Plättchen 1 Punkt.
Wer nun die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
Variante: Die Rückseite des Spielplans (Irland) bringt die Turmfelder ins Spiel. Dort gibt es angrenzend Boni abzugreifen, die durch modulare Plättchen bestimmt werden. Auch gibt es nun neue öffentliche Auftragskarten und Siedlungen, die aus vier Feldern bestehen.
GALERIE
Auf den Fotos ist die englischsprachige Version zu sehen.
CHECKPOINT
PRO
- flottes, simples und doch sehr taktisches Legespiel
- funktioniert mit jeder Personenzahl gut
- schicke Optik
CONTRA
- eigener Erfolg mitunter auch etwas anhängig vom Glück beim Ziehen
MEINUNG
Katastrophen sind ja mittlerweile ein gern gesehener Background einer Spiel-Story, können wir doch so wieder alles aufbauen, was im echten Leben eigentlich noch da ist. In Rebirth trifft es Schottland und Irland. Glücklicherweise ist der Grund für die zurückliegende Katastrophe nicht bekannt, der Spielplan sieht farbenfroh aus, einladend, hier unsere eigenen Spuren zu hinterlassen.
Rebirth ist ein wirklich simples Legespiel. Plättchen ziehen, Plättchen legen, weiter geht's. Klingt nach wenig Einfluss? In der Tat ist das Spiel auch vom Glück geprägt, was man wann zieht. Dennoch ist es ein sehr taktisches Spiel, denn etwas Sinnvolles kann man nahezu immer machen. Und da kommen, je nach Plättchenart, verschiedene Überlegungen zum Tragen. Bei den Energie- und Nahrungsstrukturen möchte ich möglichst zusammenhängende Flächen schaffen, um zunehmend mehr Punkte abzustauben - sofern es die Konkurrenz zulässt. Bei den Siedlungen muss ich ich mir überlegen, ob ich auf schnelle Punkte oder Mehrheiten spiele. Das alles wäre aber noch recht eindimensional, gäbe es nicht auch die Burgen. Die möchte ich für mich gewinnen, sie platzieren, sie verteidigen, fremde Burgen erobern. Immer friedlich, allein durch Legeplättchen. Die Anzahl zählt, einzig die Gleichstandsregel mit dem Vorteil für Energie- und Nahrungsstrukturen muss verinnerlicht werden.
Keinesfalls zu unterschätzen sind aber auch die Auftragskarten. Bis zu 8 kann ich pro Partie annehmen, muss dazu aber die Felder neben den verschiedenen Kathedralen ansteuern. Die sind über den Plan verstreut, was dem punkteträchtigen angrenzenden Legen widerspricht. Andererseits sollte ich mir solche Aufträge frühzeitig beschaffen, um aktiv auf ihre Ziele hinspielen zu können. Gegen Ende wird das sonst zum Glücksspiel, wenn es darum geht, bestimmte Regionen zu erschließen.
Die Rückseite des Plans bringt mit den öffentlichen Aufträgen und den Bonus-Türmen nochmal etwas Abwechslung ins Spiel. Ein Spiel, das mit den entsprechenden Anpassungen an die Plättchen- und Felder-Anzahl mit jeder Personenzahl gut funktioniert, wobei das Gerangel natürlich umso ausgeprägter ist, je mehr Personen mitspielen.
Reiner Knizia hat für mich mit Rebirth ein persönliches Highlight erschaffen. Das Spiel besitzt elegante Regeln, ist schnell gespielt und beinhaltet kaum Wartezeiten, denn die Spielzüge sind stets flott. Einzig bei gut gefülltem Plan muss muss manchmal etwas genauer hinschauen, um alle Optionen der Optimierung zu überblicken. Für mich ist das ein Spiel im einfachen Kennerspiel-Bereich, das ich zwischendurch immer wieder gern auf den Tisch bringe, wo es mit seinen 3D-Burgen und Kathedralen auch eine schöne Tischpräsenz abliefert.
Rebirth mag jetzt nicht die Mega-Innovation sein, für mich ist es aber ein absolut gelungener Mix, wenn es taktisch bis strategisch zugehen soll, auch interaktiv, was die Konkurrenz angebt, sich dabei aber alles so herrlich leicht anfühlt, dass es sich immer wieder spielen lässt, ohne dass jemand überfordert wird. Für Genre-Fans sind das sehr gute 8 Kultpunkte; für mich persönlich, eben aufgrund der Lockerheit, die ich hier echt gern mag, sogar mit Tendenz zur 9.
Hinweis: Für diese Rezension stand die englischsprachige Version des Spiels zur Verfügung. Eine deutsche Version ist bei Frosted Games erschienen.
Auszeichnung: Die Fachjury wählte Rebirth zum Kennerspiel des Jahres 2026.
VIDEO
Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/s3ynQhOH0g8
KULTFAKTOR: 8-9/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 07.07.2025
Bildnachweis:
Coverfoto: Mighty Boards
Weitere Fotos: Spielkultisten