REZENSION
PYRAMIEZ
- Genre: Würfelspiel
- Jahr: 2026
- Verlag: Goliath
- Autor: Reiner Knizia
- Grafik: Inés Toczysk
- Personen: 2 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 30 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 3/10
Katzen, Knäuel und Knizia
Oma Agneta hat zwei ganz besondere Vorlieben: Ägypten und Katzen. Und da sie, angesichts der nicht gerade geringen Anzahl an Stubentigern, die sie umsorgt, unter akutem Platzmangel leidet, hat sie eine spezielle Art der Katzenaufbewahrung entwickelt. Schlafend lassen sich die niedlichen Kätzchen doch gut stapeln – zu einer Pyramide!
REGELN
Verteilt die Katzenplättchen entsprechend eurer Personenanzahl. Jeder startet mit 18 bis 26 Plättchen. Das Ziel: sie loswerden!
Sucht euch eine Spielplan-Seite aus. Der Spielplan zeigt eine Pyramide mit diversen Zahlenfeldern. Legt je ein Wollknäuel-Plättchen auf alle 8er-Felder. Im 2-Personen-Spiel deckt ihr die unteren beiden Reihen der Pyramide mit nicht genutzten Katzenplättchen ab.
Legt nun noch die 12 gelben Katzenplättchen bereit, die ihr erst später benötigt.
Gespielt wird reihum. Bist du am Zug, nimmst du dir die fünf Würfel und wirfst sie. Belege nun ein Zahlenfeld des Spielplans mit einer exakt passenden Würfelzahl. Du kannst, um die Vorgabe des Feldes zu erfüllen, auch mehrere Würfel als Summe kombinieren; entsprechend legst du dann alle dafür verwendeten Würfel auf das Feld.
Hast du nun noch Würfel im Vorrat, musst du dich entscheiden: weitermachen oder aufhören. Entscheidest du dich dazu, weiterzuspielen, musst du die verbliebenen Würfel neu werfen und im Anschluss wieder ein Zahlenfeld passend belegen.
Achtung, kannst du kein Zahlenfeld passend belegen, hast du deinen Spielzug "verkatzt". Nimm alle Würfel vom Plan. Die nächste Person ist dran.
Konntest du alle Würfel platzieren oder hast dich dazu entschieden, freiwillig aus dem Spielzug auszusteigen, ersetzt du nun deine platzierten Würfel durch eigene Katzenplättchen, allerdings nur, wenn alle mit Würfeln belegten Felder zusammenhängend UND durch Würfel oder Plättchen komplett unterfüttert sind. Sollten nicht beide Bedingungen erfüllt sein, dürfen keine Katzenplättchen platziert werden. Wichtig: Diese Bedingungen werden erst am Ende des Zuges kontrolliert. Es ist also möglich, zunächst ein noch freischwebendes Feld in einer höheren Ebene zu belegen und erst im weiteren Verlauf des Spielzuges das Fundament zu erschaffen bzw. die Verbindung zu anderen Würfeln herzustellen.
Legst du ein Katzenplättchen auf ein 8er-Feld, erhältst du das darauf liegende Wollknäuel-Plättchen. Diese Plättchen können in weiteren Spielzügen eingesetzt werden, um einen Würfelwurf zu wiederholen.
Auf 10er-Feldern werden immer direkt zwei Katzenplättchen abgelegt, auf 12er-Feldern sogar drei Plättchen übereinander gestapelt.
Schaffst du es in deinem Spielzug, alle Würfel einzusetzen und auf diesen Feldern Katzenplättchen einzusetzen, erhältst du einen sofortigen Extra-Spielzug, allerdings mit einem Würfel weniger im Vorrat. Den Extrazug erhältst du auch dann, wenn du es innerhalb eines Spielzuges schaffst, Katzenplättchen in drei verschiedenen Etagen zu platzieren. Es können sich weitere Extrazüge anschließen.
Sobald jemand alle eigenen Katzenplättchen einsetzen konnte, steht der Sieger der Partie fest. Diese Person erhält nun die 12 gelben Katzenplättchen und spielt mit diesen weiter. Das Spiel endet, wenn
- eine weitere Person alle Katzenplättchen einsetzen konnte ODER
- das letzte Feld der Pyramide belegt wurde ODER
- das zwölfte gelbe Katzenplättchen platziert wurde.
Der Sieger erhält so viele Punkte, wie er gelbe Plättchen auf den Spielplan bringen konnte. Alle anderen erhalten für jedes noch übrige Plättchen in ihrem Vorrat einen Minuspunkt. Eine Tabelle in der Anleitung verrät, wie gut die Leistung des Siegers einzuschätzen ist. Natürlich könnt ihr die Punkte auch notieren und einen Gesamtsieger erst nach zwei oder mehr Partien ermitteln, indem ihr die Punkte der einzelnen Partien entsprechend verrechnet.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- lockeres Zockerspiel
- schönes Material
- Wettrennen-Charakter
- schnell erklärt und gespielt
CONTRA
- zu viert mitunter längere Wartezeiten
- Spielende fühlt sich etwas seltsam an
MEINUNG
Dass Erfolgsautor Reiner Knizia einen Hang zum Ägypten-Thema hat, zeigt sich auch in Pyramiez. Okay – dass es nun Katzen sind, die hier zur Pyramide gestapelt werden, war wohl eine Verlagsentscheidung, die durchaus verständlich ist für ein Spiel im Familien-Sektor. Die kleinen Kätzchen auf den halb-transparenten Kunststoff-Plättchen sehen drollig aus und sorgen direkt für mehr Anreiz. Das Platzieren der Plättchen würde natürlich auch in abstrakter Form genauso gut funktionieren, aber wir wissen doch alle, dass das Auge mitspielt. Mit dem skurrilen Thema konnte man auch eine witzige Hintergrundstory liefern, die Kindern und Katzenfans gefällt, und die auf dem Cover einlädt, das Spiel kennenzulernen. Das Material ist also schon einmal sehr gelungen, wenngleich die Zahlen auf den hübschen Würfeln durch ihre Verschnörkelung nicht ganz so leicht abzulesen sind.
Pyramiez ist ein Wettrennen. Es geht darum, als erster alle eigenen Katzenplättchen loszuwerden. Das ist ein klares und einfaches Ziel, das für Spannung sorgt. Wie schnell ich die Plättchen loswerde, hängt dann vom Würfelglück, aber auch vom eigenen Zocker-Gen ab. Spiele ich auf Nummer sicher? Belege ich immer nur die Felder, die auf jeden Fall gewertet werden können, oder spiele ich mit Mut zur Lücke und hoffe darauf, diese in einem weiteren Wurf zu füllen? Zocke ich weiter oder höre ich vorzeitig auf? Es sind kleine Entscheidungen, die durchaus für Emotionen sorgen können. Schließlich gibt es Felder, die einen gleich um mehrere Plättchen erleichtern, auch warten im Idealfall Extrazüge als Belohnung für gutes Spielen. Spielt ihr zu viert, kann es durch diese Extrazüge auch mal zu kleinen Wartezeiten kommen, dennoch ist Pyramiez insgesamt ein flottes Spiel, das schnell erklärt und meist in 20 bis 30 Minuten beendet ist.
Wer anspruchsvollere, strategische Würfelspiele sucht, ist hier natürlich falsch. Pyramiez ist ein lockeres Spiel, ideal für Wenig- und Gelegenheitsspieler, für Familien oder als Absacker. Da hat Pyramiez in unseren Runden gut funktioniert, auch wenn es bei der einen oder anderen Person mal kleine temporäre Frustmomente gab, wenn Spielzüge wiederholt verkatzt wurden. Tipp: Wollknäuel-Plättchen sind da immer ein gutes Backup.
Etwas seltsam fühlte sich dann jedoch das Spielende an. Wer alle Plättchen loswird, gewinnt. Das reicht für mich als Endbedingung in einem lockeren Spiel eigentlich schon aus. Bei Pyramiez erspielt sich der Sieger allerdings erst mit den gelben Plättchen Punkte, die die anderen Personen dann noch verhindern sollen. Wird nur eine einzelne Partie gespielt, macht das natürlich, außer der Beurteilung in der Anleitung, nicht so viel Sinn. Die Motivation der Mitspieler dürfte nur dann wirklich aufrecht erhalten werden, wenn die Gruppe eine Rangfolge ausspielen möchte. Mehr Sinn ergibt die Regel, wenn ihr die Punkte notiert und weitere Partien in derselben Besetzung spielt. Dann können die Punkte über mehrere Runden verrechnet werden. Ich bin an dieser Stelle aber auch niemandem böse, der hier die Hausregel beschließt, das Spiel mit dem letzten gelegten normalen Plättchen zu beenden.
Fazit: Pyramiez ist ein sympathischer Push-your-Luck-Wettlauf mit einfachen Regeln, der zum Zocken einlädt. Jeder kann hier mitspielen, ohne überfordert zu sein, dennoch entstehen Emotionen. Auf lange Sicht gibt es zwar, trotz der beiden verschiedenen Spielplan-Seiten nicht die ganze große Abwechslung, dennoch macht es mir Spaß, meine Katzen so schnell und geschickt wie möglich in die Pyramide zu bringen. Trotz etwas gewöhnungsbedürftigem Spielende vergebe ich gute 7 Kultpunkte an Pyramiez – kein neuer Überflieger im Genre, aber auf einen Fall ein sehr sympathischer Vertreter für alle Fans von simplen, glücksbasierten Zockerspielen. Katzenfreunde vergeben dabei für sich wohl gern ein Bonus-Miau.
VIDEO
Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/11bjwKAnf2E
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 07.07.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Goliath
Weitere Fotos: Spielkultisten