REZENSION

PASST NICHT!

  • Genre: Kartenspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Schmit Spiele
  • Autor: Thomas Weber
  • Grafik: Daniel Müller
  • Spieler: 2 bis 6
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6/10

Jede Niete ein Gewinn

In diesem flotten Kartenspiel werden die Karten, die nicht passend ausgespielt werden können, in eurer Ablage zu Punkten. Doch Vorsicht! Die Konkurrenz wird alles versuchen, um euch diese Punkte doch noch zu nehmen, denn was hier nicht passt, kann später sehr wohl passen!

REGELN

Das Spiel enthält 60 Zahlenkarten (je 2x die Werte 0 bis 5 in fünf verschiedenen Farben) sowie 4 Joker. Mischt diese Karten zu einem verdeckten Nachziehstapel, zieht jeweils fünf zufällige Karten auf eure Hand und schützt diese vor den Blicken der Konkurrenz. Deckt außerdem eine erste Karte vom Stapel auf; das ist die erste Karte des Ablagestapels. 

Gespielt wird reihum. Bist du am Zug, hast du die Wahl aus zwei Optionen:

  • „Passt nicht!“ - Du spielst eine Karte von deiner Hand in deine persönliche Auslage, um ihren Kartenwert am Rundenende als Punkte zu kassieren. Dazu darf die Karte allerdings nicht zur obersten Karte des Ablagestapels passen, und das bedeutet: Die Karte darf weder die selbe Zahl, noch die selbe Farbe zeigen wie die oberste Karte des Ablagestapels. Im Anschluss ziehst du eine neue Karte vom Nachziehstapel auf die Hand. Karten, die du im Verlauf des Spiels in deine Auslage spielst, werden nach Farben getrennt sortiert. Jede Farbe bildet einen eigenen Stapel. Spielst du also erneut eine nicht passende Karte in deine Auslage in einer Farbe, von der du dort schon eine Karte ausliegen hast, evtl. auch schon mehrere, legst du die neu abgelegte Karte einfach auf die bereits vorhandene(n) dieser Farbe und schützt die Karte(n) darunter zunächst auf diese Weise. 
  • „Passt!“ - Du spielst eine Karte auf den gemeinsamen Ablagestapel, sofern die ausgespielte Karte die selbe Zahl oder die selbe Farbe zeigt wie die oberste Karte des Ablagestapels. In diesem Fall ziehst du keine neue Karte nach.


Joker dürfen ausschließlich auf den Ablagestapel gespielt werden. Wer einen Joker spielt, darf sich eine bestimmte Farbe oder Zahl wünschen. Die nächste Person in der Sitzreihenfolge muss diesen Wunsch nun erfüllen oder ihrerseits ebenfalls einen Joker spielen, um einen anderen Wunsch zu äußern.

Wichtig: Solltest du in deinem Spielzug eine Karte in deiner offenen Auslage besitzen, die zur obersten Karte des Ablagestapels oder zu einem Joker-Wunsch passt, darfst du keine „Passt nicht!"-Aktion ausführen, d.h. du musst nun zwingend eine passende Karte auf den Ablagestapel legen. Dies kann eine Karte von deiner Hand sein oder eben eine Karte, die du eigentlich für Punkte in deine Auslage gespielt hast. Beachtet werden dabei immer nur die obersten (= sichtbaren) Karten der eventuell bereits vorhandenen Farbstapel, eventuell passende Karten darunter sind von anderen Karten darüber geschützt.

Eine Runde endet, sobald jemand am Ende des eigenen Zuges keine Karte mehr auf der Hand besitzt. Eine Runde lässt sich also nur mit der „Passt!“-Aktion abschließen, da in diesem Fall keine Karte mehr nachgezogen wird. Jeder zählt nun alle Kartenwerte seiner ausgespielten Karten zusammen, dabei zählen diesmal auch die Karten mit, die später von anderen Karten derselben Farbe verdeckt wurden. Die Werte der eventuell noch vorhandenen Handkarten werden von der Punktesumme abgezogen, ein nicht ausgespielter Joker bringt dabei sogar 10 Minuspunkte! Notiert nun eure erzielten Punkte, mischt die Karten neu, und spielt die nächste Runde.

Das Spiel endet, wenn jemand nach einer Wertung mindestens 50 Punkte besitzt. Haben das mehrere Personen nach derselben Wertung geschafft, gewinnt, wer die meisten Punkte gesammelt hat.

GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht

CHECKPOINT

PRO

  • flottes Mau Mau-artiges Kartenspiel mit eigenem Kniff
  • taktische Überlegungen
  • nette Ärgerelemente


CONTRA 

  • Kartenglück entscheidet mitunter über den Spielsieg
  • in kleinerer Runde weniger dynamisch als in Vollbesetzung

MEINUNG

Mau Mau- bzw. UNO-artige Spiele gibt es viele. So ist der Gedanke, in Farbe bzw. Zahlen übereinstimmende Karten auf einen Ablagestapel zu spielen, also erst einmal nichts Neues. Normalerweise gilt hier das Motto: Wer als Erster alle Karten von der Hand loswird, gewinnt. Bei Passt nicht! beendet das Ablegen der letzten Handkarte dann zumindest die Runde und läutet eine Wertung ein, gewonnen hat man dadurch aber nicht. Der eigentliche Kniff des Spiels ist nämlich ein anderer. So möchte ich zunächst gar keine passenden Karten in die Mitte spielen, denn eine Karte, die in meinem Zug nicht zum Ablagestapel passt, kann ich in meine persönliche Auslage spielen, um mit ihr Punke zu sammeln. Das ist natürlich besonders dann reizvoll, wenn es sich um eine 5er-Karte und nicht nur um eine 1er- oder gar 0er-Karte handelt.

Einmal ausgelegte Karten sind aber keinesfalls sichere Punkte, denn ab sofort wird die Konkurrenz versuchen, den Ablagestapel so zu beeinflussen, dass ich in meinem Spielzug eine Karte ablegen muss, einfach, weil die oberste Karte des Ablagestapels in Zahl bzw. Farbe mit einer Karte meiner Auslage übereinstimmt. Das ist auf jeden Fall ein schönes Ärgerelement und gleichzeitig mit dem Thrill verbunden, ob ich vielleicht nicht doch noch eine Alternative zum Ausspielen auf der Hand besitze, die mich davor rettet, beispielsweise  meine passenden 5 Punkte wieder hergeben zu müssen. Da kann zum Beispiel auch ein Joker hilfreich sein, den ich auf jeden Fall vor Rundenende loswerden sollte, damit er mir keine 10 Minuspunkte beschert. Da entwickelt sich dann immer schnell eine eigene Dynamik, die, je mehr Personen mitspielen, auch ganze Kettenreaktionen auslösen kann. Da wollte mir mein rechter Sitznachbar also eine punkteträchtige Karte abjagen, ich selbst konnte mich schützen, und plötzlich sind alle anderen im Zugzwang. Da kommt dann Schadenfreude auf, wenn sich nun auf einmal die Auslagen der Mitspieler leeren.

Passt nicht! hat vom Spielgefühl gewisse Heul doch Mau Mau-Vibes. Es ist ein Kartenspiel, das sowohl Möglichkeiten zum Taktieren, als auch zum Ärgern anbietet und dabei für Emotionen am Spieltisch sorgt - je mehr Personen mitspielen, umso dynamischer ist der Spielablauf. Dabei sollte man jedoch wissen, dass das Kartenglück auch mit über den Sieg entscheiden kann. Natürlich sammele ich umso mehr Punkte, je früher ich hochwertige Karten in meine Auslage spiele und sie dann vielleicht mit anderen Karten derselben Farbe schütze, denn wieder abgeben muss ich im Fall der Fälle ja immer nur die oberste Karte eines Farbstapels. Ziehe ich keine hochwertigen Karten oder besitze tatsächlich im eigenen Spielzug immer nur zum Ablagestapel passende Karten, dann kann ich dagegen nicht viel tun. Ja, da muss ich dann einfach auf die nächste Runde hoffen, in der ich dann vielleicht mehr Glück besitze und beide Optionen in der Waage halten kann.

Wer mit solchen Glücksfaktoren gut leben kann, überhaupt Mau Mau- bzw. UNO-artige Spiele mag und sich gern auf einen neuen Kniff einlassen möchte, dem kann ich Passt nicht! auf jeden Fall empfehlen. Gerade in Runden mit Wenig- und Gelegenheitsspielern kam Passt nicht! in meinen Runden immer gut an, einige Expertenspieler haben sich zudem auch gern auf eine lockere Absacker-Runde eingelassen. Im Sektor der simplen, spaßigen, aber keinesfalls komplett banalen Kartenspiele, die richtige Zielgruppe am Tisch vorausgesetzt, bekommt Passt nicht! von mir sehr gute 8 Kultpunkte!

KULTFAKTOR: 8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 10.06.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Schmidt Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten