REZENSION

OTTO NORMALO

  • Genre: Rate-/ Partyspiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Piatnik
  • Autor: Matt Edmondson
  • Grafik: Fiore GmbH
  • Personen: 3 bis 6
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 30 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht 
  • Initiativlevel: 3/10

Wissen ist ... Glück?!

In diesem Schätzspiel solltet ihr weder Streber noch Loser sein, denn belohnt werden nur eine Antwort, die weder die beste noch die schlechteste ist. Wie gut schätzt ihr die Antworten und die Mitspielenden ein?

REGELN

Mischt die 95 Fragekarten (jeweils mit fünf Fragen auf der Vorder- und den Antworten auf der Rückseite, die im Zahlen von 1 bis 99 darstellen). Mischt Außerdem die Zahlenkarten. Nehmt euch jeweils eine abwischbare Antworttafel und einen Stift.
 
Deckt eine Zahlenkarte auf und lest die entsprechende Frage der obersten Karte des Stapels vor, z.B. "Wie alt wurde der österreichische Musiker Falco?" Jeder notiert nun gleichzeitig eine Antwort auf seiner Tafel, danach werden die Antworten mit der tatsächlichen Lösung verglichen. Notiert die Differenz zwischen eurer Antwort und der korrekten Lösung im kleinen Kästchen eurer Tafel.
 
Wer die kleinste Differenz notiert hat, also am nächsten an der richtigen Antwort liegt, scheidet aus der Wertung dieser Runde aus. Das gleiche passiert mit der Person, deren Diffenz die größte ist, die also mit ihrer Antwort am weitesten von der richtigen Antwort entfernt liegt. Alle anderen Personen sind "Otto Normalos". Im Uhrzeigersinn, beginnend bei der Person, die die Frage vorgelesen hat, erhält nun jeder Otto Normalo zwei Aktionen, die beliebig kombiniert werden können:

  • 1 neues Wertungsplättchen in den eigenen Vorrat legen.
  • 1 neues Wertungsplättchen in den Vorrat einer anderen Person legen.
  • 1 bereits vorhandenes Wertungsplättchen aus dem eigenen Vorrat zu einer anderen Person schieben.
  • 1 bereits vorhandenes Wertungsplättchen aus dem Vorrat einer anderen Person zu einer beliebigen anderen Person schieben.

 
Danach beginnt eine neue Runde. Die nächste Person im Uhrzeigersinn liest die nächste Frage vor. 
 
Nach 10 Runden werden die eigenen Wertungsplättchen gezählt. Es gewinnen alle Personen gemeinsam, die weder die meisten noch die wenigsten Plättchen besitzen. Möchtet ihr einen eindeutigen Sieger, könnt ihr optional noch eine Champion-Frage stellen, bei der diesmal die Person gewinnt, deren Antwort tatsächlich am nächsten an der richtigen Lösung liegt.

CHECKPOINT

PRO

  • Kurzweilige Schätzfragen 
  • Großer Fragenkatalog
  • Niemand kann sich blamieren
  • Neuartige Spielweise


CONTRA

  • Kaum steuerbar
  • Wertung fühlt sich mitunter merkwürdig an

MEINUNG

Schätzspiele sind ja immer ein guter Kompromiss, wenn es darum geht, Leute zu einem Wissensspiel zu animieren, die sich ungern vor anderen Personen mit ihren Wissenslücken blamieren. Bei Fragen, die fast eh niemand auf dem Stegreif korrekt beantworten kann, kann jeder bedenkenlos mitspielen – und vielleicht auch einfach mit Glück gewinnen.
 
Ums Schätzen geht es nun auch in Otto Normalo. Die 475 Fragen reichen dabei für sichere 47 Partien ohne Wiederholung – eine Menge also. Der Fragenkatalog ist abwechslungsreich und deckt viele verschiedene Themen ab. Etwas schade ist es bei Spielen dieser Art immer, wenn sich auch Fragen ins Spiel mogeln, die man mit Allgemein- oder etwas Spezialwissen dann aber doch sofort korrekt beantworten kann. Allerdings bringt einem das bei Otto Normalo nur bedingt etwas, denn es gibt einen weiteren Kniff.
 
Wie der Titel des Spiels bereits verrät, geht es hier um Durchschnittsmenschen. Spielerisch sind diese so definiert, dass sie weder die beste, noch die schlechteste Antwort notieren dürfen. Kenne ich die richtige Antwort, muss ich mein Wissen also mit einer falschen Antwort verbergen. Dieses Konzept klingt erst einmal interessant, hat in der Umsetzung dann jedoch so seine Tücken. Ich kenne die Antworten meiner Mitspielenden nicht. Es wäre gut, irgendeinen Mittelwert zu notieren, aber wie stellt sich der am Ende dar? Nicht nur, dass ich hier nicht für Wissen oder einen Zufallstreffer belohnt werde – Otto Normalo ist kaum steuerbar.

Bleiben wir mal im Beispiel. Sänger Falco starb im Alter von 40 Jahren. Wenn ich das so ungefähr weiß, macht es sich vielleicht gut, etwas von der Lösung entfernt zu bleiben. Ich schreibe 30 auf. Was kann jetzt passieren? Irgendjemand liegt näher an der Lösung und ich bin fein raus. Glück gehabt. Genauso kann es aber passieren, dass alle anderen näher an der Lösung oder weiter weg liegen, und plötzlich habe ich mit 30 ein Extrem notiert, das mich aus der Wertung kickt. Kann ich das beeinflussen? Nein, ich kann nur etwas pokern und hoffen.

Noch ein Beispiel? Die Antwort auf eine Frage lautet 85. Die notierten Antworten lauten 80, 79, 3 und 2. Nun fliegt die beste Antwort (80) genauso aus der Wertung wie die schlechteste (2). Und doch sind die beiden anderen Antworten (3 und 79) dann vollwertige Otto Normalos, obwohl da Welten zwischen liegen. Liest sich seltsam? Ja, fühlt es sich auch oft mal an. Besonders Quizfans hadern mit dieser Wertung, da sie sehr zufällig erscheint.

Hinzu kommt dann auch noch die eigentliche Wertung als Spiel im Spiel. Da geht es dann ums geschickte Verteilen der Chips, um auch hier weder Bester noch Schlechtester zu sein. Zwar bieten die Champion-Karten einem am Ende die Möglichkeit, bei mehreren Otto Normalos dennoch einen Sieger zu bestimmen (da dann nach klassischem Prinzip, bei dem ausnahmsweise die beste Antwort gewinnt), aber das Gefühl, so richtig aus eigenen Stücken gewonnen zu haben, ist hier irgendwie nie gegeben.

Das heißt nicht, dass Otto Normalo nicht für Spaß in lockeren Raterunden sorgt. Je mehr Personen mitspielen, umso chaotischer wird die Wertung, umso größer sind hier aber auch die Chancen, im definierten Mittelmaß zu liegen. Gerade zu dritt sind diese Chancen deutlich geringer, da es pro Frage nur einen Platz für diese Rolle gibt. Und wer welchen Platz einnimmt, ist letztlich eben doch ein Glücksspiel, umso mehr, wenn man bei den Fragen mit seinen Lösungsversuchen auch noch völlig im Dunkeln tappt. Für Aha-Momente kann das Spiel aber sorgen, ebenso für kleine Emotionen. 

Insgesamt vergebe ich daher 5 Kultpunkte, was ja letztlich auch wieder zum Schachtel-Aufruf passt, Champion des Mittelmaßes zu werden.

KULTFAKTOR: 5/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 5/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 18.06.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Piatnik
Weitere Fotos: Spielkultisten