REZENSION

NUNATAK: TEMPEL AUS EIS

  • Genre: Familien-/ Taktikspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: KOSMOS
  • Autor: Kane Klenko
  • Illustration: Kwanchai Moriya
  • Spieler: 1 bis 4 
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 45 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 7/10

Heiß auf Eis

Wir befinden uns in der Antarktis. Das, was wie die Spitzen von Eisbergen aussieht, sind die Überreste mächtiger Eistempel, die in der Vergangenheit errichtet wurden. Da reisen wir zurück in diese Zeit, um einen solchen Tempel entstehen zu lassen und am Ende hoffentlich den meisten Einfluss am Bau vorweisen zu können.

REGELN

Mischt die Bodenplatten getrennt nach ihrer Nummerierung und bildet daraus einen Stapel, wobei die Platten mit der 1 ganz oben und die mit der 4 ganz unten liegen. Verfahrt genauso mit den Baukarten. Jeder erhält die Eisblöcke der eigenen Farbe (stapelbare Kunststoff-Steine); spielt ihr zu viert, sortiert ihr Eisblöcke aus.

Puzzelt den Spielplan aus den Rahmenteilen und 25 Bodenplatten in zufälliger Anordnung zusammen. Setzt euch jeweils an eine Seite des Spielplans. Vor euch befindet sich dann eure persönliche Baumeister-Leiste.

Deckt vier Baukarten als offenes Angebot auf. Die Baukarten bestehen aus sechs verschiedenen Kartenarten. Bist du an der Reihe, wählst du eine Baukarte aus und belegst ein freies Feld des Spielplans, das das Symbol der gewählten Karte zeigt, mit einem deiner Eisblöcke. Die Karte legst du dann in deine eigene Auslage. Am Spielende liefern dir die gesammelten Karten auf verschiedene Weise Punkte; bereits im Spiel erhältst du beim Aufnehmen der Karte „Älteste“ eine von zwei ausliegenden Segen-Karten. Diese Karten wiederum liefern dir beim Einsetzen einen einmaligen oder einen Soforteffekt, auch gibt es Karten, die zusätzliche Siegpunkte am Spielende einbringen können, je nach Voraussetzung auf der Karte. Beim Aufnehmen einer „Arbeiter"-Karte darf eine leere Bodenplatte mit Arbeiter-Symbol den Platz mit einer anderen leeren Bodenplatte tauschen, bevor du deinen Eisblock platzierst.

Vervollständigst du mit dem Legen eines Eisblocks eine Reihe (komplett gefüllt mit Eisblöcken beliebiger Farben), erhältst du einen Schritt auf deiner Baumeister-Leiste bzw. gleich zwei Schritte, wenn du zwei Reihen (waagrecht und senkrecht) auf einmal füllst.

Vervollständigst du mit dem Legen eines Eisblocks ein Quadrat aus vier Blöcken, wird dieses gewertet. Wer die Mehrheit an Blöcken im Quadrat besitzt, erhält 5 Punkte, der Zweitplatzierte 2 Punkte, Gleichstände werden zugunsten des aktiven Spielers aufgelöst. So ein Quadrat erhält dann eine neue Bodenplatte in der nächsthöheren Ebene.

Wer einen Eisblock in einer höheren Ebene platziert, erhält Punkte für eigene Unterstützer-Steine im Fundament, also für jeden eigenen Stein in der Ebene darunter, der im Quadrat die Grundlage für die höhere Ebene bildet.

Später gibt es im Spiel auch Bodenplatten und Karten mit zwei Symbolen. Nutzt du eine solche Platte oder Karte, entscheidest du dich dann jeweils für eins der beiden Symbole.

Nach und nach entstehen vier Ebenen, zunächst die Grundfläche aus 25 Feldern, dann die zweite Ebene aus 16, die dritte Ebene aus 9 und schließlich die oberste Ebene aus vier Feldern. Im Spiel zu viert werden die letzten beiden Felder über Zusatzzüge der beiden Spieler belegt, die die vor Spielbeginn zufällig gewählte Abschlusskarte am besten erfüllen.

Nun gibt es eine Schlusswertung:
Wer die meisten Blöcke auf Außenfeldern des Tempels platziert hat, bekommt 7 Extrapunkte und setzt dem Tempel die Kuppe auf. Jede nicht eingesetzte Segenkarte bringt 2 Punkte, Segen-Karten mit einer Schlusswertungsoption können zudem ebenfalls Punkte liefern. Außerdem wird nun die eigene Kartenauslage gewertet. Für jedes Set aus sechs Karten verschiedener Farben gibt es 10 Punkte. Jede Kartenart hat dann auch noch ihre eigene Wertung:

  • Wer die meisten Arbeiter besitzt, erhält 20 Punkte (12 bei Gleichstand), alle anderen bekommen 2 Punkte pro Arbeiter.
  • Der Eisschnitzer bringt umso mehr Punkte, je mehr Karten davon in der eigenen Auslage liegen (3 bis max. 75).
  • Die Handwerker-Wertung funktioniert prinzipiell ähnlich wie die Eisschnitzer-Wertung, allerdings gibt es drei verschiedene Handwerker-Typen. Pro gesammeltem identischen Symbol gibt es zwischen 0 und 24 Punkten, jedes Set aus drei verschiedenen Symbolen bringt zudem 10 Punkte zusätzlich.
  • Bei den Lastentieren werden die Tiersymbole auf den Karten mit der Anzahl der gesammelten Lastentier-Karten multipliziert.
  • Die Baumeisterin multipliziert die Anzahl der gesammelten Karten dieser Art mit dem Wert, der auf der eigenen Baumeister-Leiste erreicht wurde.
  • Die Ältesten liefern jeweils einen Punkt für jede gesammelte Karte in der eigenen Auslage, die einem der beiden vorgegebenen Symbolen entspricht.


Wer die meisten Punkte sammeln konnte, gewinnt.

Im Spiel zu zweit gibt es abweichende Regeln mit einem imaginären Mitspieler. Ihr besitzt dann immer Sets aus drei „aktiven“ Eisblöcken (zwei der eigenen Farbe und einen in neutraler Farbe). Abwechselnd müsst ihr diese drei Eisblöcke auf die gewohnte Art über das Auswählen von Karten ins Spiel bringen. Nach 3 Runden hat also jeder zwei eigene und einen neutralen Block platziert; danach geht es mit einem neuen Dreier-Set weiter. Die neutralen Steine zählen bei Reihen- und Mehrheitenwertungen mit; der imaginäre Spieler wertet aber keine eigene Kartenauslage.

Das Spiel bietet auch eine eigene Solo-Variante, in der dann gegen zwei imaginäre Mitspieler angetreten wird.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • gelungene Mischung aus Bauen und Karten sammeln
  • durchweg taktisch geprägt
  • verschiedene Strategien können zum Sieg führen
  • tolles Spielmaterial


CONTRA

  • viel Zählerei
  • grundlegend bekannte Mechanismen (aber neu verwoben)

MEINUNG

Nunatak ist ein Hingucker, keine Frage. Der immer größer werdende Eistempel erzeugt gerade bei den Wenig- und Gelegenheitsspielern sofort den Wunsch, doch bei der nächsten Partie dabei sein zu können. Das ist auch problemlos möglich, da die Regeln erst einmal sehr simpel daherkommen. Karte wählen, Stein platzieren, weiter geht‘s.

Obwohl durch das zufällige Kartenangebot natürlich auch ein gewisser Glücksfaktor vorhanden ist, so ist das Spiel dann aber schon sehr taktisch geprägt. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Baukarten. Diese liefern nicht nur viele Punkte am Spielende, wenn man die eigene Sammlung entsprechend pusht, sondern bestimmen während des Spiels auch die Bauplätze, und da ist es dann wichtig, Reihen zu schließen bzw. Quadrate mit Mehrheiten entstehen zu lassen, um sich diese Punkte nicht entgehen zu lassen. Diese immer wieder entstehenden Wertungen sind dann auch mit etwas Administrationsarbeit verbunden, ja, insbesondere beim Auflösen von Gleichständen. Auch muss man immer daran denken, die Unterstützer-Eisblöcke beim Belegen von höheren Ebenen direkt mitzuzählen. Das Zählen unterbricht dann das ansonsten flotte Spiel immer etwas, aber mit etwas Übung geht das schon auch flott von der Hand.

Rein spielerisch erfindet Nunatak das Spielgenre jetzt nicht komplett neu. Natürlich kennen wir Bauspiele, auch dreidimensionale, bei denen gewisse Mehrheitenwertungen Punkte liefern. Genauso kennen wir Spiele, bei denen wir Karten sammeln, die dann am Ende ebenfalls Punkte einbringen. So erinnert das Sammeln der verschiedenen Karten bei Nunatak gar ein wenig an 7 Wonders. Dennoch besitzt das Spiel einen eigenen Charakter, und die Verbindung der beiden Spielelemente Bauen und Karten sammeln erzeugt ein rundes Spielgefühl, das oft mit knappen Ergebnissen endet. Somit dürften die verschiedenen Wertungsoptionen gut ausbalanciert sein und es scheint keine übermächtige Strategie zu geben, die zum sicheren Sieg führt.

Als beste Spielerzahl würde ich persönlich die Vollbesetzung ansehen, einfach, weil dann entsprechend mehr Konkurrenz am Tisch vorhanden ist. Im Spiel zu dritt müsst ihr aufpassen, dass ihr keinem lachenden Dritten wertvolle Punkte schenkt, und im Spiel zu zweit gibt es den von mir allgemein eher ungeliebten imaginären Mitspieler, der hier allerdings taktisch ins aktive Spiel der beiden Kontrahenten eingewoben wurde, sodass seine Spielzüge über bloße Administration hinausgehen. Das ist dann versöhnlich. Das Solospiel arbeitet ebenfalls mit imaginären Mitspielern - das funktioniert, dennoch bleibt für mich das Motto „Je mehr Personen mitspielen, umso besser“ die erste Wahl.

Nunatak überzeugt also durch einen stimmigen Spielablauf und durch hochwertiges Spielmaterial. Die Steine lassen sich gut aufeinander stapeln, auch die Bodenplatten sind robust, sodass das Ganze nicht zum Geschicklichkeitsspiel wird, wenn der Tempel empor wächst. Etwas schade ist es, dass der Platz auf den Karten nicht direkt für eine Erklärung der Wertung genutzt wurde. So müssen anfangs immer die dünnen Spielerhilfen zu Rate gezogen werden, wobei die Wertungen aber auch recht schnell verinnerlicht sind.

Für mich sind das insgesamt gute 7 Kultpunkte, unsere Wenig- bis Gelegenheitsspieler vergaben sogar einen Punkt mehr. Da zeigt sich bereits, dass Nunatak sehr gut als Gateway-Spiel taugt, mit dem weniger erfahrende Spieler an komplexere Area-Control- und Set-Collecting-Spiele herangeführt werden können.


VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/R2T0dpLhMf4

KULTFAKTOR: 7-8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 14.01.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: KOSMOS
Weitere Fotos: Spielkultisten