REZENSION
NATURE
- Genre: Taktikspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: HABA
- Autor: Dominic Crapuchettes
- Grafik: Catherine Hamilton, Alyssa McCarthy, Nina Pommelin
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 30 bis 45 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
- Taktiklevel: 6/10
Der Kreislauf des Lebens
An einer kleinen Wasserstelle entsteht ein eigenes Ökosystem, in dem wir neue Spezies ansiedeln, ihre Population vergrößern, sie aber auch ernähren müssen. Am Ende bringt alles, was vertilgt wurde, Punkte, genau wie das nackte Überleben, und das ist gar nicht so easy, denn es lauern Gefahren.
REGELN
Legt die Wasserstelle in die Mitte. Bestückt sie zu Beginn jeder der vier Runden mit Pflanzen-Nahrung, indem ihr zur Bestimmung der Anzahl eine zufällige Nature-Karte zieht und ihren Kartenwert mit der Personenanzahl multipliziert.
Nehmt euch am Beginn jeder Runde eine neue Spezies in Form eines Größenrades (Papp-Counter, mit der grünen Sammler-Seite nach oben), das ihr auf Größe 1 stellt, zudem ein Populationsplättchen, das ihr dieser Spezies zuordnet. Eventuell verstorbene Population aus der vorherigen Runde wird der neuen Spezies hinzugefügt, ausgestorbene Spezies vergrößern die neue Spezies auf einen höheren Wert auf dem Größenrad (maximal 4).
Jeder zieht fünf Nature-Karten vom Stapel, ein Handkarten-Limit gibt es nicht.
Dann folgt die Anpassungsphase. Im eigenen Zug können mehrere Aktionen ausgeführt werden:
- Durch das Abwerfen einer Karte kann einer Spezies eine Population hinzugefügt werden, durch Abgabe mehrerer Karten auch mehrfach.
- Die Größe der Spezies kann um einen Schritt auf dem entsprechenden Größenrad erhöht werden, durch Abgabe mehrerer Karten auch mehrfach.
- Es kann auch eine Karte offen zu einer Spezies gespielt werden, um von ihrem Merkmal zu profitieren. Maximal drei Merkmale können einer Spezies zugeordnet werden.
Die Merkmale bestehen teilweise aus einem zusätzlichen Jagd- und Verteidigungswert, zudem aus einer Fähigkeit.
Jederzeit können auch freie Aktionen ausgeführt werden:
- Eine Spezies kann vom Sammler zum Jäger werden, indem das Größenrad auf die rote Rückseite gedreht werden. Dazu muss eine jederzeit erhältliche Jägerkarte als Merkmal ergänzt werden.
- Es dürfen Merkmale entfernt werden.
- Auch dürfen Karten für die nächste Runde auf der Hand behalten werden.
In der anschließenden Ernährungsphase ernährt ihr abwechselnd reihum immer eine eigene Spezies. Jede Population gilt zunächst als hungrig. Eine Sammler-Spezies sammelt Pflanzen in der Anzahl ihrer Größe von der Wasserstelle, solange der Vorrat reicht. Sie kann nicht mehr Pflanzen sammeln, als sie Population besitzt. Jedes zugeordnete Nahrungsplättchen sättigt eine Population. Um eine Spezies mit größerer Population (höher als die Größe der Spezies) komplett zu ernähren, sind ggf. mehrere Spielzüge nötig.
Eine Jäger-Spezies greift eine andere Spezies an und tötet eine Population dieser Spezies. Der Jäger frisst Fleisch in Höhe der Größe der angegriffenen Spezies, wobei das auch eine eigene Spezies sein kann.
Die Merkmale der Spezies beeinflussen dabei die Ernährung bzw. das Jagd- und Verteidigungsverhalten. So kann es sein, dass eine Spezies zusätzliche Nahrung frisst, einem Jäger schadet bzw. sich vor ihm schützt, indem sie wegrennt, falls der Jäger keine ausreichende Schnelligkeit besitzt etc.
Jederzeit dürfen Karten abgeworfen werden, um weitere Pflanzen zur Wasserstelle zu legen.
Populationen, die nicht ernährt werden können, verhungern (und werden auf die Rückseite gedreht). Sollte die letzte Population einer Spezies verhungern, stirbt diese Spezies aus.
Wer keine Ernährungsaktion mehr durchführen kann, passt. Haben alle gepasst, endet die Runde. Sammelt die Nahrung eurer überlebenden Populationen ein und legt sie hinter euren Sichtschirm. Da ihr in jeder Runde eine neue Spezies zu eurer Auslage hinzufügt, könnt ihr auf diese Weise dann auch mehrere Spezies gleichzeitig besitzen.
Nach der vierten Runde endet das Spiel und ihr erhaltet 1 Punkt für jede Nahrung (Pflanzen oder Fleisch) hinter eurem Sichtschirm, zudem 2 Punkte pro eigener Spezies, die überlebt hat. Wer die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
Das Spiel bietet auch einen Solo-Modus.
Durch zusätzlich erhältliche Erweiterungen lassen sich neue Merkmale ins Spiel integrieren.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Erneut auf Darwins Spuren unterwegs
- Entschlacktes Evolution
- Zusatzmodule für mehr Abwechslung
- Schöne Illustrationen
CONTRA
- Fühlt sich eher technisch an, keine wirklichen Emotionen
- Nur wenige verschiedene Nature-Karten im Grundspiel
- Nicht jeder mag es, dass Aufgebautes zerstört wird
MEINUNG
Bei Evolution konnten wir bereits auf Darwins Spuren wandeln, später folgte Ozeane, das die Thematik rund um Spezies, ihre Merkmale und ums Fressen und gefressen werden auf den Spieltisch brachte. Gerade Ozeane gefiel mir damals richtig gut, auch optisch, wenngleich man immer damit klarkommen musste, dass erschaffene Spezies wieder verschwinden, wenn sie Teil der Nahrungskette werden.
Nature verschlankt die bekannten Vorgänger und bricht das Konzept auf ein gehobenes Familienspiel bzw. einfacheres Kennerspiel herunter.
Die Karten sind schön illustriert. Das restliche Material ist dann eher zweckmäßig. Papp-Marker, einfache Counter-Scheiben als Spezies – das war bei Ozeane opulenter. Der Spielablauf ist dann auch recht simpel. Werte steigern oder Merkmale ausspielen, das war es auch schon. Die Endwertung ist ebenfalls reduziert, und verrät sofort, auf was es ankommt: Fressen und Überleben. Kenne ich irgendwie von mir, aber das ist ein anderes Thema ...
Mit einer kleinen Spezies und nur wenig Population wird die Nahrungsmenge eher klein ausfallen, also gilt es, Größe und Population zu steigern. Setzt man jedoch alleine darauf, kann die Nahrung knapp werden – oder man wird Opfer von Jagd-Spezies.
Herzstück des Spiels ist es also, den Spezies Merkmale zuzuweisen, deren Kombinationen und Synergien einem Vorteile gegenüber der Konkurrenz einbringen. Diese Fähigkeiten auszuloten, eine gute Balance zu finden, das ist interessant. Auch wenn verstorbene Spezies direkt nachfolgende größer machen, ist es natürlich eher das Ziel, so viele Spezies wie möglich in die Endwertung zu bringen.
Nun enthält das Grundspiel allerdings nur acht verschiedene Merkmalskarten, diese dafür in mehrfacher Ausführung. Einerseits kommt man dadurch leichter ins Spiel, andererseits fehlt es dann doch auch recht schnell an Abwechslung. Da wünscht man sich einfach mehr Optionen, mehr Kombinationen. Die gibt es dann über die Erweiterungen, die man separat kaufen muss.
Mit den Erweiterungen wird Nature interessanter für mich, da sich mehr Spieltiefe ergibt. Dennoch bleibt der Charakter des Spiels für mich eher auf einer abstrakten Ebene. Einen emotionalen Bezug konnte ich zu keiner Spezies aufbauen, wenn sie nur durch eine Pappscheibe symbolisiert wird. Dass es hier um Tiere geht, die verhungern können, die vielleicht sogar aussterben, habe ich beim Spielen so nicht empfunden, was das Spiel für mich dann etwas zu technisch macht. Und das, was im Spiel an Dynamik entsteht, mag halt auch nicht jeder. Da baue ich mir mühsam eine Spezies auf, und plötzlich werde ich von verschiedenen Seiten angegriffen und muss damit klarkommen, dass meine Mühe umsonst war, wenn die ganze Spezies ausstirbt. Ja, das war auch Teil von Evolution und Ozeane, gerade bei letzterem in meinen Augen aber mit mehr Spielwitz unterlegt.
Nature ist ein Spiel, das funktioniert. Es reduziert das Konzept dabei allerdings so, dass nicht allzu viel Fleisch am Knochen bleibt. Im Grundspiel hat man gefühlt schnell alles gesehen, sodass ich dafür nur einen durchschnittlichen Kultfaktor vergebe, mit den Add-Ons wird es für mich besser – sofern man mit dem Ego-Konzept etwas anfangen kann. Als Mischwertung sind das für mich dann insgesamt 6 Kultpunkte.
KULTFAKTOR: 6/10
Spielidee: 6/10
Ausstattung: 6/10
Spielablauf: 6/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 07.05.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: HABA
Weitere Fotos: Spielkultisten