REZENSION
MY SEVEN
- Genre: Familienspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Schmidt Spiele
- Autor: Michael Schacht
- Grafik: Christine Alcouffe
- Personen: 2 bis 4
- Alter: ab 8 Jahren
- Dauer: ca. 15 bis 30 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 6/10
Schieben bis zur Sieben
In diesem Legespiel im Rummy-Stil bildet ihr Tierfamilien aus Steinen derselben Art, erweitert sie oder tauscht sie mit anderen Personen am Tisch. Wer sieben Tiere vereint, erhält einen Bonus.
REGELN
Mischt die 91 Spielsteine (je 11 in 8 Farben bzw. Tierarten plus 3 Kleeblätter als Joker) und legt sie verdeckt in die Tischmitte. Nehmt euch jeweils eine Bank und zieht drei zufällige Steine, die ihr darauf stellt. Schützt eure Steine vor den Blicken der Konkurrenz.
Gespielt wird reihum. Bist du am Zug, schaust du zunächst auf die Steine in der Mitte. Liegt dort kein offener Stein aus, drehe einen beliebigen auf die Vorderseite.
Nimm nun zwei Steine aus der Mitte (offen oder verdeckt) und stelle sie auf deine Bank. Ist deine Bank leer, ziehst du stattdessen drei Steine. Solltest du nach dem Ziehen Steine in 5 verschiedenen Farben (Tierarten) auf deiner Bank besitzen, darfst du "Regenbogen" sagen, deine Bank kurz vorzeigen und dafür noch einen weiteren Stein ziehen.
Nun kannst du im Abschluss mit deinen Steinen beliebig viele Aktionen durchführen. Zur Auswahl stehen mehrere Optionen:
- Familie auslegen: Lege zwei oder mehr Steine derselben Tierart (Farbe) als Reihe vor dir aus. Du darfst solche Reihen mit Kleeblättern (als Joker) ergänzen.
- Anlegen: Lege eine neuen Stein von deiner Bank an einer passenden eigenen Reihe vor dir an (immer gleichfarbig).
- Tauschen: Tausche eine vor dir liegenden Reihe mit der Reihe einer anderen Person aus. Wichtig: Die Anzahl der Steine müssen dabei identisch sein, d.h. du kannst eine 3er-Reihe nur gegen eine andere 3er-Reihe tauschen. Ertauschte Steine dürfen keine vor dir liegenden Reihen ergänzen, sie bilden dann jeweils neue Reihen. An die ertauschten Reihen darfst du aber wie gewohnt Steine von deiner Bank anlegen.
- Kleeblatt schnappen: Nimm ein Kleeblatt aus einer ausliegenden Reihe und tausche es gegen einen farblich passenden Stein von deiner Bank aus. Das Kleeblatt darf dabei aus der eigenen Auslage oder der Auslage eines Konkurrenten stammen.
- Spezialaktion "Zwei für einen" (nur 1x pro Spielzug): Lege zwei beliebige Steine von deiner Bank offen in die Mitte und nimm dafür einen anderen Stein von dort.
Kannst oder möchtest du keine Aktionen mehr machen, endet dein Zug. Solltest du nun noch 6 oder mehr Steine auf deiner Bank besitzen, musst du einen Stein offen in die Mitte legen.
Bonus / Spielende: Ergänzt du eine vor dir liegende Tierfamilie (Reihe) auf eine Anzahl von 7 oder mehr Steinen, erhältst du einen Sieben-Marker. Schaffst du das ein zweites Mal, erhältst du als Erster den Doppel-Sieben-Marker. Alle anderen Personen sind nun noch genau einmal am Zug, dann endet das Spiel (alternativ, wenn der letzte Stein aus der Mitte genommen wird).
Zählt nun eure Punkte:
- Jeder eigener Stein, der in einer Reihe vor dir liegt, bringt dir 1 Punkt. Eventuell noch vorhandene Steine auf der Bank bringen dir keine Punkte.
- Jeder Sieben-Marker bringt dir 1 Punkt, der Doppel-Sieben-Marker bringt dir 2 Punkte.
Wer nun die meisten Punkte besitzt, gewinnt.
CHECKPOINT
PRO
- interessante Rummy-Variante
- Mix aus Glück und Taktik
- interaktives Wettrennen
CONTRA
- Verschieben der Steinreihen kann mitunter etwas lästig werden
MEINUNG
Plastiksteine auf Bänken, Reihen, die ausgelegt werden – wer da sofort an Rummikub denken muss, liegt bei My Seven sicher nicht so verkehrt, denn in der Tat ist das Spiel ein Rummy-ähnliches Spiel, aber mit neuen Kniffen.
My Seven sieht sehr simpel aus, die Steine zeigen nur Farben, die ich in Reihen auslegen muss, es gibt da keine zweite Ebene in Form von Zahlen. Und doch bietet einem das Spiel schöne kleine taktische Elemente.
Alles beginnt einfach. Habe ich zwei oder mehr Steine derselben Farbe, thematisch derselben Tierart, auf meiner Bank, kann ich diese im eigenen Zug ausspielen. Soweit, so einfach. Letztlich geht es aber darum, in Form eines Wettrennens, möglichst viele Steine in meine Auslage zu bekommen. Dafür werden mir dann auch recht viele Freiheiten gegeben. Ich kann Joker eintauschen, ich kann an eigenen Reihen anlegen, ich kann einmal pro Zug zwei Steine offen in die Mitte legen und ich kann mir jederzeit auch fremde Reihen ertauschen, sofern sie die gleiche Länge haben wie die Reihe, die ich eintausche.
Gerade das Tauschen ist ein schönes interaktives Element, das mich häufiger vor die Entscheidung stellt, überhaupt eine eigene Reihe in diesem Moment ergänzen zu wollen, wenn ich bereits sehe, dass mehrere gleichlange Reihen bei der Konkurrenz zu finden sind, die mir gerade vielleicht nicht weiterhelfen. Schaffe ich durchs Anlegen dann sogar Vorteile für meine Mitspielenden?
Umgekehrt können die Aktionen in meinem Zug auch zu wundervollen Ketten führen. Ein Beispiel: Zwei Steine liegen da auf meiner Bank, die ich nicht gebrauchen kann. Ab damit in die Mitte! So kann ich mir einen dort liegenden grünen Stein nehmen, den ich direkt an meine grüne 3er-Reihe anlege. Nun liegen also vier grüne Steine vor mir, mein Nachbar hat vier rote Steine vor sich liegen. Und schaue ich noch einmal auf meine Bank, sind da weitere zwei rote Steine zu sehen. Die könnte ich als Duo ausspielen, sie danach aber nur noch mit weiteren roten Steinen von meiner Bank ergänzen. Viel sinnvoller ist es da, zunächst meine grüne 4er-Reihe mit der roten 4er-Reihe meines Nachbarn zu tauschen. So liegt dann nämlich plötzlich eine rote 4er-Reihe vor mir, die ich nun wie gewohnt mit Steinen von meiner Bank erweitern kann. Die beiden roten Steine, die ich noch besitze, machen aus der 4er- nun eine 6er-Reihe. Und Moment, kann ich an anderer Stelle nicht gerade auch noch einen Joker eintauschen, weil ich einen farblich passenden Stein auf meiner Bank besitze? Mache ich. Mit dem Kleeblatt-Joker erhöhe ich die rote Reihe auf 7 Steine, und schon kralle ich mir ein 7-Bonus-Plättchen.
My Seven verlangt, auf einfachem Niveau, also eine taktische Spielzug-Optimierung, bei der Timing gefragt ist. Das gefällt mir gut.
Ein wenig schade finde ich es, dass die 7er-Boni zwar das Wettrennen vorantreiben, sie aber am Ende nicht allzu stark in die Wertung eingehen. Ein einfacher Zusatzpunkt (beim Doppel-Bonus zwei) ist jetzt nicht viel. Ich glaube, ich hätte diese Plättchen noch attraktiver gefunden, wenn sie mir beispielsweise direkt 3 Zusatzpunkte eingebracht hätten. Nun ist My Seven als Familienspiel konzipiert, und da scheint man es sich zum Ziel gemacht zu haben, das Spiel eng zu halten. Wer also keine 7er-Kombination im Spiel erzielt, sondern immer nur stetig kleinere Reihen vor sich auslegt, könnte theoretisch genauso gewinnen wie die Person, die zwei 7er-Boni abgegriffen hat. So relativiert sich das Wettrennen dann wieder etwas und niemand wird uneinholbar vorn liegen.
Je mehr Personen mitspielen (maximal 4), umso stärker kommen die Tauscheffekte zur Geltung. Heißt aber auch: Umso häufiger schiebt ihr die Steinreihen von einer Person zur anderen, und das funktioniert auf einer glatten Tischoberfläche deutlich besser als auf einem Tisch mit Tischdecke. Das Hin- und Hertauschen ist dennoch mit etwas zusätzlichem Aufwand verbunden, je länger die getauschten Reihen werden.
Als abstraktes Lege- und Tauschspiel im Rummy-Stil gefällt mir My Seven dann aber insgesamt gut. Vom Spielgefühl gibt es da grundsätzlich ähnliche Spiele, dennoch hat es Autor Michael Schacht geschafft, einer klassischen Idee neue Impulse zu verleihen. Für mich sind das, bis auf die beschriebenen kleinen Einschränkungen, gute 7 Punkte – ja, die passen dann ja auch wieder gut zum Spieltitel.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 6/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 7/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 18.11.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Schmidt Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten