REZENSION
MOVIE TRICKS
- Genre: Kartenspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Chilifox Games
- Autoren: Vegard Eliassen Stillerud, Eilif Svensson, Åsmund Svensson
- Grafik: Eirik Belaska
- Personen: 2 bis 5
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 20 bis 30 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Taktiklevel: 6/10
Stechen am Set für Sets
CGI, Requisiten, Schauspieler und Soundtrack zusammenschustern, und schon hast du einen Film. Leider bestimmt deine Position im Stich, welche der ausliegenden Karten du dir nehmen darfst.
REGELN
In diesem Stichspiel bestimmt, wie stark unsere Karte im Stich ist, wann wir eine Karte aus der Auslage nehmen dürfen. Diese Auslage wird mit dem gespielten Stich wieder aufgefüllt. Die gesammelten Karten werden am Ende von Movie Tricks in verschiedenen Konstellationen gewertet.
Vor dem Spielen kommt das Mischen. Mischt die Spielkarten und teilt diese komplett aus. Legt so viele zufällige Startkarten in den Markt, wie Leute mitspielen. Mischt die Bonuskarten und legt 14 zufällige als Stapel bereit (oder 12 zufällige, wenn ihr 5 Personen seid). Deckt 2 Bonuskarten auf. Legt die Requisitenziele aus und legt die Trumpfkarte mit dem Marker bereit.
Du bekommst, wie die anderen, ein Set aus vier Kategoriekarten (CGI, Requisiten, Rollen und Soundtrack). Darauf sind die Wertungen für jede Kategorie vermerkt. Jeder würfelt, und wenn du die höchste Zahl gewürfelt hast, bekommst du die Regie-Figur.
Hast du die Regie-Figur, beginnst du den ersten Stich. Du spielst eine beliebige Karte. Die Karten zeigen eine von vier Farben und einen Wert zwischen 1 und 10. Im Uhrzeigersinn spielt ihr je eine Karte. Du musst die angespielte Farbe bedienen, d.h. wenn die erste Karte gelb war, musst du eine gelbe Karte spielen, wenn du kannst. Hast du die angespielte Farbe nicht, darfst du spielen, was du magst. Dann wird gewertet.
Ab dem zweiten Stich gibt es eine Trumpffarbe. Hast du die höchste Trumpfkarte gespielt, darfst du dir als erstes eine Karte vom Markt nehmen. Dann folgt die Person mit der zweithöchsten Trumpfkarte etc. Sind alle Trumpfkarten abgehandelt, darfst du dir eine Karte nehmen, wenn du die höchste Karte in der angespielten Farbe gespielt hast, dann folgt die Person mit der zweithöchsten Karte der angespielten Farbe. Danach werden ggf. alle übrigen Farben mit absteigenden Werten abgehandelt.
Während beim Ausspielen der Karten nur die Farbe und der Wert interessant sind, so sind beim Auswählen aus dem Markt die Kategorie, die Symbole darauf und der Wert der Karte interessant. Nimmst du dir eine Karte vom Markt, sortierst du diese in die passende Spalte deiner Auslage, also eine Soundtrack-Karte in die Soundtrack-Spalte. Dies machst du Dachziegel-artig, sodass neue Karten immer in der nächsten Reihe liegen.
Nimmst du dir die letzte Karte aus dem Markt, weil deine Karte die allerschwächste im Stich war, so erhältst du eine der beiden ausliegenden Bonuskarten. Die darfst du in deine Auslage legen oder auf deine Hand nehmen. Die Karte bestimmt dann die Trumpffarbe des nächsten Stichs. Bonuskarten sind Karten mit niedrigem Wert und wenigen Symbolen, sie funktionieren ansonsten aber wie reguläre Karten. Es gibt eine Bonuskarten-Art, die auf die Hand genommen werden muss und dann zusammen mit einer Spielkarte gespielt werden kann, um deren Wert um drei zu steigern.
Ist der Markt leer, legt ihr eure Stichkarten in den Markt und zieht eine neue Bonuskarte. Wer die höchste Karte hatte, beginnt die nächste Stichrunde.
Auf diese Weise spielt ihr immer wieder einen Stich und nehmt euch eine Karte aus der Mitte, bis die Bonuskarten nicht mehr aufgefüllt werden können, also 13 bzw. 10 Stiche gespielt wurden.
Jetzt wird gewertet. Zunächst schaut ihr nach der Reihe eurer Auslage, in welcher die Zahlenwerte die höchste Summe bilden. Die Summe bekommt ihr als Punkte. Dies geht nur, wenn die Reihe vollständig ist, also eine CGI, eine Requisitenkarte, eine Rollenkarte und eine Soundtrack-Karte in der Reihe liegen. Diese Karten bilden dann auch einen dramatischen Filmtitel.
Dann sucht ihr die Kategorie, in der eure Karten die niedrigste Summe haben. Das sind eure nächsten Punkte.
Zudem gibt es Punkte für die verschiedenen Karten-Kategorien:
- Bei CGI gibt es 2 Punkte für jedes BANG!-Symbol auf den CGI-Karten plus den Wert der letzten Karte in der CGI-Spalte.
- Bei den Requisiten könnt ihr einmalig im Spiel ein Requisitenziel nehmen. Ihr müsst mindestens so viele unterschiedliche Requisitensymbole besitzen, wie darauf verlangt wird. Die darauf stehenden Punkte gibt es am Ende.
- Bei den Rollen gibt es Punkte für viele Rollen und Extrapunkte, wenn Helden und Schurken im Gleichgewicht sind.
- Beim Soundtrack zählt ihr, wer die meisten und wenigsten Soundtrack-Symbole besitzt. Hast du die meisten, gibt es 18 Punkte, besitzt du am wenigsten, sind es 0 Punkte, ansonsten 12 Punkte.
Hast du nun die meisten Punkte, solltest du vielleicht doch die teure Kamera kaufen.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Stichspiel mit neuen Ideen
- spannende Entscheidungen, wann Stiche gewonnen werden sollten
CONTRA
- sollte flott gespielt werden
- nur eine Kartenhand
MEINUNG
Wir scheinen die Blütezeit der Stichspiele zu erleben, denn während ich dachte, im Jahr 2024 wären viele Stichspiele auf den Markt gekommen, so gibt es 2025 gefühlt noch mehr. Stichspiele sind diese Kartenspiele, bei denen meist jede Person eine Karte spielt und die höchste Karte alle ausgespielten Karten kassiert; dazu müsst ihr bestimmte Karten sammeln oder ansagen, wie viele Stiche ihr macht.
Bei Movie Tricks werden einige Sachen anders gemacht. Es werden im ganzen Spiel nur einmalig Karten ausgeteilt. Die Trumpffarbe hingegen wechselt jede Runde. Und der Stich entscheidet zum einen, in welcher Reihenfolge ihr Karten nehmen dürft und zum anderen sind die Karten des Stichs der Markt für den nächsten Stich. Das ist schon etwas anderes. Gerade, wenn ich den Stich eröffne, versuche ich einzuschätzen, ob die anderen die Farbe noch bedienen können oder ob sie Trumpf spielen werden, und dann stellt sich erstmal die Frage, wie wichtig die Karten in der Mitte für mich sind.
Genau diese Fragen bilden die Kernherausforderung. Ich sehe die Kartenauslage und muss mich fragen, wie viele Karten ich davon gebrauchen kann und wie viele davon die totale Katastrophe wären. Wenn mir zwei von vier Karten einen hochkarätigen Film vermasseln, z.B. zu meiner 9, 9 und 8 eine 2 hinzufügen würden, dann sollte ich dringend eine gute Karte spielen. Wer ständig abstinkt, bekommt zwar viele Bonuskarten, aber diese helfen meist nur bei den Wertungen der einzelnen Kategorien und der Reihen. Habe ich schon meinen wertvollen Film (also ein Set aus CGI, Requisite, Rollen und Soundtrack) zusammen, dann kann ich auch meine Punkte durch Bonuskarten holen. Das ist eine spannende Aufgabe, und die Kartengestaltung sorgt dafür, dass ich bei dieser nicht den Überblick verliere. Die Wertungen der einzelnen Kategorien sind deutlich auf den entsprechenden Karten sichtbar.
Leider habe ich nicht immer ganz den Einfluss auf das Spielgeschehen, welches ich mir wünschen würde. Das hängt von der einen, zufälligen Kartenhand ab, die ich ausgeteilt bekomme. Zufällige Kartenhände sind jetzt nichts Neues, aber da es eben sein kann, dass ich nur Luschen bekomme oder eben alle hohen Karten, haben andere Spiele dafür einen integrierten Ausgleich. Da gibt es Spiele, bei denen man auch punkten kann, indem man keine Stiche macht, oder es werden einfach mehrere Male Karten ausgeteilt. Bei Movie Tricks muss man mit der ausgeteilten Kartenhand leben. Ich hätte mir vielleicht gewünscht, am Anfang Karten mit den anderen Leuten am Tisch auszutauschen („schupfen“), um zum Beispiel eine Farbe gezielt zu reduzieren. Dann könnte ich öfter Trumpf reinwerfen, da ich ja als der Verlierer des vorherigen Stichs Einfluss auf die Trumpffarbe habe. Ich hatte eine Runde, in der ich nicht einmal Trumpf spielen konnte, weil ich immer bedienen konnte. Das war etwas mau, weil auch die meisten meiner Karten im Mittelfeld lagen.
Hast du schon viel Erfahrung mit Stichspielen? Dann musst du dich vielleicht auch etwas umstellen. Strategische Pläne zur eigenen Kartenhand sind nicht so einfach, da die Trumpffarbe jede Runde wechselt. So ist es also nicht selbstverständlich, dass du mit den letzten drei Trumpfkarten alle Stiche gewinnst bzw. immer die erste Wahl hast – vielleicht sind die Karten nämlich schon in der nächsten Runde kein Trumpf mehr. Allerdings musst du dir keine Karten merken, denn alle ausgespielten Karten sind ja immer sichtbar – entweder in der Auslage vor den anderen oder in der Marktauslage.
Movie Tricks nutzt also das Stichspiel-Genre nicht so, wie Puristen es sich vermutlich wünschen. Im Genre der Deckbauspiele hört man ab und an diesen Aufschrei: „Das ist ja gar kein Deckbau“, wenn es nicht die altbewährte Methode ist. So ähnlich ist dies bei Movie Tricks im Stichspiel-Genre. Ein paar Dinge müssen neu bedacht werden, wenn du an die strategischen Standards anderer Stichspiele gewöhnt bist. Movie Tricks ist auch etwas verzeihender als Spiele wie Wizard, Fischen oder Bottle Imp. Schließlich bekommst du immer eine Karte, und die niedrigen Karten zeigen viele Symbole. Vielleicht hast du dann auch einfach Glück, weil die anderen gerade nicht brauchen, was du brauchst … oder hast du das vielleicht sogar alles so eingeplant, weil du voll den Überblick hast?
Meine Bitte an alle Mitspielenden: Plant nicht so lange! Movie Tricks sollte in den angegeben 20 bis 30 Minuten gespielt werden. Wenn ihr echt alles plant, weil ihr diese Karte spielen wollt, um diese zu holen oder vielleicht diese Symbole, und dies bei jedem Zug neu durchdenkt, dann kann Movie Tricks das nicht tragen. Ihr spielt einmal ca. 13 Stiche. Das sollte doch machbar sein.
Ein Vorteil der ungewöhnlichen Mechanik für ein Stichspiel ist, dass das Spiel auch ohne große Änderungen gut mit zwei Leuten gespielt werden kann.
Fazit: Movie Tricks hat Stichspiel quasi mit Bietspiel kombiniert und hat so eine nette Kombo geschaffen, die aber insgesamt nicht so strategisch ist, wie sie sein könnte. Eine interessante Kombination, die erfahrene Stichspieler vielleicht zunächst enttäuscht, bis sie entdecken, dass die Spielweise und die Ziele anders, aber in sich doch schlüssig sind.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10
EUER REZENSENT
LUTZ
Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast
Eine Rezension vom 04.12.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Chilifox Games
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