REZENSION
MICROMACRO KIDS
- Genre: Kinderspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Edition Spielwiese / im Vertrieb von Hutter Trade
- Autor: Johannes Sich
- Grafik: Daniel Goll, Tobias Jochinke, Johannes Sich
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 6 Jahren
- Dauer: ca. 15 bis 45 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: leicht
- Initiativlevel: 10/10
Wer löst den Fall auf jeden Fall?
Beim Kinderspiel-Ableger zum Spiel des Jahres 2021 ist alles eine Nummer kleiner und beschaulicher: Das gilt zunächst für den Spielplan, der mit 75 × 55 cm im Vergleich zu den 75 × 110 cm wie beim großen Bruder nur noch halb so groß ausgefallen ist. Auch die Verbrecher haben einen Gang zurückgeschaltet und so erwarten euch statt Mord und Totschlag deutlich banalere Delikte. Hobbydetektive, los geht‘s!
REGELN
Willkommen zurück in Crime City, der vielleicht gefährlichsten Stadt der Welt. Dort wimmelt es an allen Ecken vor Straßengaunern, Dieben, Einbrechern und Schuften aller Art, und kaum ein Straßenzug bleibt von den verbrecherischen Machenschaften seiner kriminellen Bürgerschaft verschont. Das mitgelieferte Ringbuch enthält 22 Fälle mit steigendem Schwierigkeitsgrad von einem bis fünf Sterne.
Das Besondere (wie auch bei den übrigen Teilen): Auf dem zusammenhängenden Stadtplan seht ihr das Geschehen an den verschiedenen Schauplätzen (Schule, Spielplatz, Hafen, etc.) immer zu verschiedenen Zeitpunkten. Ein und derselbe Graffitisprayer, der in Crime City sein Unwesen treibt, kann also nacheinander an verschiedenen Orten zu sehen sein, sodass ihr seine Spur aufnehmen könnt und somit seinen Laufweg entdeckt. Zur Markierung bestimmter Orte gibt es grün-transparente Detektivmarker, die nach Belieben auf den Plan gelegt werden können. Die gab es bislang noch nicht.
Anstatt eine Karte nach der anderen zu ziehen, schlagt ihr neuerdings das Fallkapitel im 220-seitigen Ringbuch auf, lest die dort genannte Frage und sucht den Stadtplan so lange ab, bis ihr die Antwort herausgefunden habt. Seid ihr euch sicher, wird umgeblättert, bis die nächste Frage erscheint. Das geht so lange, bis der vergleichsweise sehr kurze Fall mit der Beantwortung der letzten Frage gelöst ist. Ob dies alleine oder im Team geschieht, spielt dabei keine Rolle.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Ringbuch statt Karten – eine tolle Idee!
- Auch die grünen Detektivmarker sind klasse
- Alle Fälle sind garantiert kindertauglich
CONTRA
- Relativ schmale Zielgruppe
- Manche Fälle sind schon sehr kurz
MEINUNG
Kaum einen Stadtplan habe ich in den letzten Jahren so intensiv unter die Lupe genommen wie den von Crime City. Das ist kein Wunder, denn wer die vier Einzelpläne aller bislang erschienenen MicroMacro-Spiele aneinander legt, erhält ein zusammenhängendes Wimmelbild auf einer stattlichen Gesamtgröße von 150 x 220 cm. Was auf den ersten Blick wie ein Kinderspiel aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen als zugängliches, aber durchaus anspruchsvolles Rätselspiel mit teilweise beachtlichem Anspruch in den höheren Schwierigkeitsgraden. Man muss daher den Autoren zugutehalten, dass jedes Rätsel eine Kennzeichnung trägt, die Aufschluss darüber gibt, ob der jeweilige Fall auch für Kinder geeignet ist. So mancher Fall beginnt recht gemächlich, und plötzlich führt die Fährte zu dubiosen Machenschaften, die nichts für Kinder sind.
Folgerichtig richtet sich MicroMacro Kids nun primär an eine ganz bestimmte Zielgruppe: nämlich an Familien, die ihren Nachwuchs ab 6 Jahren behutsam an die Rätselreihe heranführen möchten. Der Name ist dabei Programm: Im Mittelpunkt stehen einfach gestrickte Fälle völlig ohne Gewalt. Wird eine Bank überfallen, stehen die Täter mit Bananen bewaffnet am Kundenschalter. Ein „Diebstahl“ wird von einer Katze begangen, die sich einen Fisch schnappt. Und sowieso nehmen Humor und Schabernack viel Raum ein, sodass sich viele Fälle schlicht nicht allzu ernst nehmen (was aber nicht als Kritik gemeint ist). Es sind also überwiegend einfache, schlüssig erzählte Geschichten, die Kinder nicht überfordern, aber Eltern doch das Gefühl geben, einen vollwertigen MicroMacro-Ableger zu spielen.
Zur Erinnerung: In den vier vorherigen Teilen gab es zwar auch eine Vielzahl dieser „kleinen“ Fälle, doch teilweise ermittelte man eben auch Fremdgeh-Eskapaden, schnüffelte Geistlichen in bestimmten Etablissements hinterher oder löste Fälle mit verschiedenen Handlungssträngen, deren Protagonisten erst am Schluss zusammenkamen. So etwas überfordert Kinder natürlich schnell, sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich ihrer Fähigkeiten. MicroMacro Kids löst dieses Problem also ganz gekonnt, indem man sich jetzt ausschließlich auf Kinder fokussiert. Da man die Handlung nun in einen Ringbuch statt auf Karten abfragt, lässt sich ein Fall für kleine Hände viel besser ohne Sortieraufwand handhaben. Die beigelegten Marker sind übrigens eine kleine, aber feine Neuerung, die auch gut den Ablegern der „großen“ Reihe zu Gesicht gestanden hätte. Dort habe ich mich häufig mit Utensilien beholfen, die sich zufällig auf dem Tisch befanden: Flaschenkapseln, Gummibärchen und dergleichen. Falls es bald wieder Nachschub für die Serie geben sollte, wäre es begrüßenswert, der Schachtel ebenfalls Detektivmarker zu spendieren.
Für die liebevolle Gestaltung zücke ich gerne 8 Kultpunkte, vorausgesetzt ihr spielt mit Kindern in der Altersspanne zwischen 5 und 8 Jahren. Doch schon einem Neunjährigen würde ich dann doch eher das Original empfehlen und hier die „harten“ Fälle (gekennzeichnet mit der Piratenklappe) einfach aussortieren. Insofern geht es wirklich in erster Linie um eine recht schmale Zielgruppe, die mit diesem Ableger aber perfekt bedient wird.
KULTFAKTOR: 8/10
Spielidee: 8/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 8/10
EUER REZENSENT
CHRISTOPH
Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer
Eine Rezension vom 20.01.2026
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Edition Spielwiese / Hutter Trade
Weitere Fotos: Spielkultisten