REZENSION

MEN NEFER

  • Genre: Strategiespiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor: Germán P. Millán
  • Grafik: Laura Bevon
  • Personen: 1 bis 4
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 60 bis 120 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: hoch
  • Taktiklevel: 8/10

Working in Memphis

Bereits 3100 Jahre vor Christus wurde im südlichen Nildelta die Stadt Men-Nefer (Memphis) gegründet. In diesem Expertenspiel nehmen wir am Leben im alten Ägypten teil: Wir erlangen Wissen in den Lebenshäusern, wir treiben Handel, schippern über den Nil, bringen Opfergaben dar, bestatten die Verstorbenen in der Nekropole und bauen an den Pyramiden.

REGELN

Bereitet den großen Spielplan entsprechend der Spielanleitung vor, indem ihr ihn mit diversen Plättchen und Markern belegt. Nehmt euch ein eigenes Spieltableau samt Figuren (Lehrlinge, Sphinxe, Mumien) und weiteren Markern, zudem drei erste Aktionsplättchen.


Gespielt werden 3 Zeitalter (Durchgänge), jeweils unterteilt in 9 Spielzüge, die ihr immer abwechselnd reihum durchführt. 


Jeder Durchgang besteht aus 3 Phasen:


Phase 1: Überschwemmung (ab Durchgang 2)

Erhaltet Nahrung (je nach Position eurer Schiffe auf dem Nil), Heka (je nach Position eurer Sonnenscheibe), holt eure eingesetzten Lehrlinge zurück, bewegt ggf. neutrale Lehrlinge, füllt Handelsabkommen auf und bestimmt die neue Spielreihenfolge.


Phase 2: Aussaat

Das ist die eigentliche Aktionsphase. Wähle, wenn du am Zug bist, eine der drei möglichen Optionen. Jede der drei Optionen wählst du pro Zeitalter insgesamt dreimal.


(a) Lebenshaus besuchen: Nimm einen Lehrling samt zugeordnetem Aktionsplättchen von deinem Tableau. Stelle den Lehrling auf ein Sonnenfeld der Lebenshäuser. Eventuell bereits belegte Felder (auch durch neutrale Figuren) müssen mit Nahrung bezahlt werden. Führe die Aktionen des gewählten Aktionsplättchen aus.


(b) Spezialisierung steigern: Bewege einen bereits eingesetzten Lehrling vom Sonnen- auf das Mondfeld des entsprechenden Lebenshauses (auch hier ist ggf. wieder eine Zahlung von Nahrung fällig). Bewege dann deinen Skarabäus-Marker auf der verbundenen Lebenshaus-Leiste ein Feld nach rechts. Führe die Aktionen des Feldes (oder eines Feldes weiter links) aus. 


(c) Aktionsplättchen nehmen 

Wähle ein neues Aktionsplättchen aus der Auslage, erhalte oder zahle ggf. dafür Nahrung, erhalte einen Bonus, wenn die Hieroglyphe auf dem Plättchen mit der nächsten angezeigten Hieroglyphe auf deinem Tableau übereinstimmt.


Aktionen, die du über Plättchen bzw. die Lebenshausleisten erhältst, beziehen sich auf die verschiedenen Schauplätze des Spielplans:


Pyramiden: Du kannst, je nach Aktionssymbol, Heka / Nahrung / Schritte auf den gegenläufigen Herz- und  Federleisten erhalten, Horausaugen freischalten oder mit Bausteinen auf den beiden Pyramidenleisten voranschreiten. Du kannst zudem an der großen Pyramide (für Boni) oder den kleinen Pyramiden (mit Horausaugen als Multiplikator) bauen.


Nekropole: Du kannst Mumien aktivieren, indem du sie auf die Sarkophag-Seite drehst. Mit einem entsprechenden Aktionssymbol kannst du einen Sarkophag in der Nekropole bestatten. Wie in einem Koordinatensystem erhältst du verbundene Boni. Auch kannst du Papyrus kaufen, dessen Plättchen aufs eigene Tableau gelegt werden und die idealerweise passende Symbolhälften ergänzen. 


Tempel und Obelisk: Hier kannst du Waren erwerben und sie pyramidenförmig auf einem freien Feld deines Tableaus platzieren. Stelle den Korb-Marker des Feldes auf die Ware. Über Aktionssymbole kannst du die Priesterinnen im Tempel bewegen und Opfergaben darbringen, indem du den Korb einer gekauften Ware auf ein neben der Priesterin vorhandenes Bonusfeld des Tempels stellst. Erhalte die Aktionsboni der Ware und des Tempels. Je weiter sich eine Priesterin in den Tempel hinein bewegt, umso größer die Belohnung im Tempel. Je höher eine Ware auf dem eigenen Tableau platziert wurde (die Ebenen müssen pyramidenförmig gefüllt werden), umso mehr Aktionen liefert die Ware. Über Boni kannst du mit deiner Sonnenscheibe auf dem Obelisken weitere Boni einsammeln.


Nil und Städte: Bewege deine Boote über den Nil bzw. in Häfen, wobei sich die eigenen Boote in verschiedenen Abschnitten befinden müssen. Du kannst mit dem entsprechenden Symbol auch Boote aktivieren. Auf dem Nil gibt es Nahrung, in den Häfen der Städte gibt es, neben einem Stadtbonus, Handelsabkommen (Aufträge), die du auf dein Tableau legst.


Sphinxe: Du kannst Sphinxe freischalten, indem du sie mit einem entsprechenden Symbol meißelst. Freigeschaltete Sphinxe können mit einer entsprechenden Aktion auf dem Spielplan errichtet werden, das Aktionssymbol bestimmt mit seiner Zahl einen möglichen Standort. Erhalte dann alle verbundenen Boni.


Phase 3: Ernte
Jetzt wird gewertet:

  • Rollt eure eventuell erhaltenen Papyrusrollen auf, erhalte einen Schritt auf der Federleiste für jedes Plättchen und jedes vervollständigte Symbol-Duo.
  • Schaue auf die gegenläufige Herz- und Federleiste. Sind sich die Marker noch nicht begegnet, gibt es, in Abhängigkeit ihres Abstandes, Minuspunkte, nach ihrer Begegnung entsprechend Pluspunkte.
  • Drehe erfüllte Handelsabkommen auf deinem Tableau auf die Rückseite und erhalte die entsprechenden Punkte. Lass die Plättchen dort liegen; bei den Wertungen der späteren Durchgänge erhältst du alle bereits freigeschalteten Punkte erneut!
  • Erhalte die Punkte für deine platzierten Sarkophage, je nach Reihe und Spalte in der Nekropole. 
  • Erhalte die Punkte, die du mit deiner Sonnenscheibe auf dem Obelisken freigeschaltet hast. 
  • Erhalte die Punkte der großen Pyramidenleiste.
  • Erhalte die Punkte für kleine Pyramiden, indem du die jeweilige erfüllte Voraussetzung mit der Anzahl deiner platzierten Horusaugen multiplizierst. 


Spielt auf diese Weise drei Durchgänge. Wer nach dem dritten Zeitalter die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt. 


Das Spiel bietet zudem eine eigene Solo-Variante.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • taktisch verzahntes Expertenspiel
  • Planung und Timing 
  • Viele Aktionsoptionen
  • Schöne Interaktion 
  • Tolle Optik und sehr gute Materialqualität


CONTRA

  • Die Möglichkeiten können anfangs überfordern 
  • Viele Symbole zu beachten

MEINUNG

Wow, was für ein Brett. Das meine ich wortwörtlich. Der Spielplan von Men Nefer ist riesig und bietet viele Aktionsorte und noch mehr Symbole. Ich kann gut nachvollziehen, dass man sich da anfangs überfordert fühlen kann, nach einer guten Erklärung der einzelnen Schauplätze kommt man über die Thematik aber gut ins Spiel. 


Men Nefer ist ganz eindeutig ein Expertenspiel. Das steht auch bereits auf dem Cover. Von daher ist die Zielgruppe definiert. Das ist kein Spiel für Personen ohne entsprechende Spielerfahrung, die umfangreiche, teils auch kleinteilige Symbolik kann einen anfangs erschlagen. Wer solche komplexen Strategiespiele öfter spielt, wird glücklicherweise spätestens nach einer Partie, meistens schon nach spätestens zwei Runden die Abläufe verinnerlicht haben.


Men Nefer erinnert mich da an Spiele von Vital Lacerda. Die eigentlichen Aktionsoptionen sind auf drei Möglichkeiten beschränkt (Einsetzen / Verschieben / Nehmen), da müssen anfangs auch automatisch gewisse Abfolgen eingehalten werden, danach aber zählt dann Timing und Planung. Ich kann erst alle drei Lehrlinge einsetzen oder lieber schnell einen Lehrling auf die Mondseite des Lebenshauses verschieben. Ich kann mir schnell passende neue Plättchen nehmen oder auch mal aus taktischen Gründen etwas warten mit einer Option, vielleicht in der Hoffnung, dass die Konkurrenz verschwindet, um eine Aktion nicht teuer bezahlen zu müssen, denn man wird nicht stets den Vorteil haben, alle anderen Personen kostengünstig abzuhängen. Da entsteht eine schöne Interaktion, die sich sowohl um ökonomische Effizienz als auch ums Wegschnappen von Optionen dreht. Dieser über mehrere Ebenen taktische Aktionsmechanismus gefällt mir ausgesprochen gut.


Sämtliche Aktionsorte werden über die passenden Symbole angesteuert, und diese findet man an verschiedenen Stellen – auf Leisten, auf Plättchen, als Boni. Das Kernprinzip des Spiels liegt da in der Optimierung und Kombination der eigenen Möglichkeiten. So etwas reizt mich in Strategiespielen immer sehr. Es gilt, das Spiel zu knacken bzw. die Synergien zu erkennen. 


Die einzelnen Aktionsorte wiederum bieten erprobte Eurogame-Kost, clever umgesetzt. Besonders wichtig ist es, Fortschritte für bessere Erträge zu forcieren. Wer Men Nefer zum ersten Mal spielt, kann sich gut an den Wertungsschritten der Phase 3 orientieren. Schnell wird man da feststellen, dass es gewisse Engine Builder-Effekte gibt. Einmal platzierte Sarkophage werden halt in den späteren Runden erneut gewertet, gleiches gilt für erfüllte Handelsabkommen. Da ist es schon wichtig, möglichst schnell ein gewisses Punktepolster aufzubauen.


Men Nefer gehört mit seinen vielen Aktionsoptionen zu den Spielen, bei denen man am liebsten alles auf einmal machen möchte, dabei dann aber an seine Grenzen stößt. Ohne zuviel zu verraten, kann ich sagen und aus Erfahrung bestätigen, dass hier verschiedene Wege zum Ziel führen können. So habe ich beispielsweise eine Partie mit einer geringen Warenausbeute und ohne Priesterinnen im Tempel gewonnen, was dafür spricht, dass sich gewisse Spezialisierungen anbieten. 


Für mich ist Men Nefer ein wirklich überaus gelungenes Expertenspiel, dem ich sehr gute 8, und wenn erst einmal die komplette Symbolik verinnerlicht ist, auch bis zu 9 Kultpunkte attestiere. Wem eine sehr dekadent wirkende Symbolvielfalt und nötiges Multitasking bereits als Arbeit vorkommt, der wird nicht zur bevorzugten Zielgruppe des Spiels gehören; wer sich aber genau auf so etwas einlassen mag, dem kann ich dieses auch optisch tolle Spiel wirklich wärmstens empfehlen.

KULTFAKTOR: 8-9/10

Spielidee: 8/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini


Eine Rezension vom 25.01.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Pegasus Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten