REZENSION

LLAMALAND

  • Genre: Familien-/ Taktikspiel
  • Jahr: 2021
  • Verlag: Lookout Spiele
  • Autor: Phil Walker-Harding
  • Grafik: Klemens Franz
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 30 - 60 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Puzzeln auf mehreren Ebenen

Wir befinden uns irgendwo in den Anden. Terrassenförmig legen wir als Bauern unsere Felder an, um Kartoffeln, Mais und Kakao zu ernten. Nebenbei verdienen wir Geld und heuern Dorfbewohner als Helfer an, denn unsere Aufgabe ist es, mit Futter Lamas in unser Anbaugebiet zu holen und diese taktisch klug zu positionieren, und das auf mehreren Etagen!

REGELN

Jeder Spieler erhält eine Starttafel, vier Marker und drei Fundamente. Der Startspieler erhält den Hirtenstab, der zweite Spieler eine Münze, der ggf. dritte Spieler zwei Münzen, der ggf. vierte Spieler drei Münzen. Die Lama-Karten werden nach Sorte (Kartoffeln, Mais, Kakao) gemischt, eine bestimmte Anzahl an Karten abgezählt (je nach Spielerzahl) und absteigend sortiert. Drei rosafarbene und vier blaue Wertungskarten werden ausgelegt, außerdem werden fünf erste Dorfbewohner aufgedeckt. Die Landschaftsplättchen werden nach Formen sortiert und dann in zufälliger Anordnung gestapelt.   

Nun geht es los. Wer am Zug ist, hat stets zwei Möglichkeiten zur Auswahl, von denen er eine wählt:
(1) Der Spieler nimmt ein Plättchen von einem Stapel und legt es an ein bereits vorhandenes Plättchen seines Anbaugebietes an (anfangs an die Starttafel). Einzige Regel: Mindestens eine Kante muss an das vorhandene Plättchen angrenzen, die Symbole müssen nicht übereinstimmen. Nach so einer Vergrößerung des eigenen Gebietes darf der Spieler einen seiner vier Marker auf das noch wertvollste freie Feld einer Wertungskarte legen oder, später, auch bereits platzierte Marker auf andere Karten umpositionieren bzw. auf höherwertige Plätze verschieben, falls ein Platz frei geworden ist. Die Spieler wetten also quasi schon auf Wertungen, deren Bedingungen am Spielende überprüft werden (z.B. „Besitze 5 Münzen“, „Besitze 4 Kartoffel-Lamas“, „bringe 4 Lamas in eine zusammenhängende Gruppe“ etc.).

(2) Der Spieler baut in die Höhe. Dazu wählt er ein Plättchen aus und legt es auf bereits vorhandene Plättchen seiner Auslage. Plättchen identischer Form dürfen dabei nie direkt aufeinander liegen! Alles, was der Spieler mit dem neuen Plättchen abdeckt, erhält er. Jede Ware (Kartoffel, Mais, Kakao) erhält der Spieler als Plättchen (maximal 10 Waren darf ein Spieler besitzen), jeder überdeckter Tempel liefert eine Münze und jedes Dorf einen Dorfbewohner, den sich der Spieler aus der offen liegenden Auswahl aussucht. Neue Ebenen müssen immer vollständig auf anderen Plättchen aufliegen, notfalls muss mit einem Fundament ein Ebenenausgleich geschaffen werden. 


Die Dorfbewohner bieten einen dauerhaften Tausch- oder Bonus-Vorteil, den der Spieler dann pro Karte einmal pro Spielzug einsetzen darf, z.B. eine Kartoffel in Mais verwandeln oder umgekehrt, eine zusätzliche Ware beim Überdecken zwei gleicher Waren erhalten etc.

Nachdem (1) oder (2) durchgeführt wurde, darf der Spieler ein Lama füttern. Dazu zahlt er vier gleiche Ressourcen (wieder Kartoffeln, Mais oder Kakao) und erhält dafür die wertvollste noch ausliegende Lama-Karte dieser Sorte. Zwei Münzen können jederzeit als Joker für eine fehlende Ressource eingesetzt werden. Mit einer Lama-Karte erhält der Spieler auch eine Lama-Figur, die er direkt auf ein freies Wiesenfeld seines Anbaugebietes stellt. Lamas dürfen nicht mehr verschoben und auch nicht mehr überbaut werden! 


Das Spiel setzt sich fort, bis entweder nur noch eine Lama-Sorte ausliegt oder nur noch vier Landschaftsteile im Vorrat liegen. Die Runde wird dann noch zu Ende gespielt; es folgt die Schlusswertung:

  • Jede Lama-Karte bringt die aufgedruckte Punktezahl.
  • Jede übrige Ware / je 2 Münzen bringen jeweils einen Punkt.
  • Jeder eingesetzte Wertungsmarker bringt so viele Punkte wie die Position auf der Karte, an der er sich befindet. Voraussetzung: Die Vorgabe der Karte wurde erfüllt. 


Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Varianten: Wer das Spiel noch schwieriger gestalten möchte, kann die Lama-Variante spielen. Dann muss ein Lama immer auf das zuletzt gelegte Plättchen gestellt werden. Auch kann mit den goldenen Wertungskarten gespielt werden. In diesem Fall wird bei der Wertung ein Ranking unter den Spielern erstellt. Der Spieler, der die Aufgabe am besten erfüllt hat, erhält dann die meisten Punkte.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • trickreiches Puzzle-/ Legespiel
  • schöner 3D-Mechanismus
  • Balance im Spiel als herausforderndes Element
  • schöne Optik 


CONTRA

  • ähnliche Spielideen gibt es bereits
  • Spielerzahl entscheidet über das Spielgefühl

MEINUNG

Phil Walker-Harding ist kein unbeschriebenes Autoren-Blatt, wenn es um Puzzlespiele bei Lookout geht. Mit Bärenpark und Hexenhaus lieferte er schon zwei schöne Spielideen, jetzt folgt also quasi Teil 3, Llamaland. Was auf dem Cover so aussieht wie ein Kinderspiel, ist in Wahrheit ein gehobenes Familienspiel. Die Tischpräsenz ist auf jeden Fall gut, wenngleich die Illustrationen der Karten eher gewöhnlich wirken. Aber allein die kleinen Lama-Figuren lösen direkt einen „Will-ich-spielen"-Impuls aus.  


Spielerisch orientiert sich Llamaland mehr an Hexenhaus als an Bärenpark. Das entscheidende Kriterium ist dabei das Legen von Plättchen über mehrere Ebenen.
Llamaland  ist da besonders trickreich, denn hier gilt es, eine gute Balance zu finden. Das liegt daran, dass beide schnell verständlichen Aktionen immer noch eine Begleiterscheinung nach sich ziehen. Baue ich in die Breite, kann ich einen Wertungschip platzieren bzw. umplatzieren. Diese Chips benötige ich also, um am Ende über die Karten Punkte zu machen. Umgekehrt benötige ich zur Erfüllung der Aufgaben aber Ressourcen und Lamas - und die erhalte ich nun mal nur durch ein Legen in die Höhe. So muss ich also schon gut planen, wie ich die Puzzleteile stapele, damit ich effiziente Ebenen schaffe.


Die Generierung von Ressourcen bzw. Helferkarten (die übrigens sehr wichtig sind, um schneller an Lama-Karten zu gelangen) ist mit dem Stapeln der Plättchen verbunden. Was ich überdecke, erhalte ich. Da muss ich dann oftmals zweimal hinschauen und mir die Ressourcen merken, die ich erhalte. Sind die Symbole einmal verdeckt, kann ich halt nicht mehr erkennen, was ich in diesem Spielzug bekomme. Das ist etwas unpraktisch, aber mit entsprechender Konzentration auch kein großes Problem, zumal ich Llamaland  auch wirklich erst ab einem Alter von 10 bis 12 Jahren empfehlen würde.


Was auf den ersten Blick so einfach aussieht, ist echt eine Herausforderung, die noch gesteigert wird, wenn man mit den Expertenregeln spielt. Zudem ist die Spielerzahl auch entscheidend, wie das Spiel verläuft. Zu zweit hat man genügend Plättchen zur Auswahl und kann Aufgaben leichter erfüllen. Zu viert wird der Konkurrenzdruck höher. Da es dann nur drei Wertungsfelder pro Karte und verhältnismäßig wenige Landschaftsteile pro Spieler gibt, ist hier noch mehr Effizienz gefragt. Häufig lassen sich da dann gar nicht alle Aufgaben erfüllen.

In meinen Testrunden kam Llamaland bei meinen Mitspielern eigentlich immer wirklich gut an; ich selber fühlte mich jedoch an ähnliche Spiele erinnert. Einen wirklichen Innovationsbonus erhält das Spiel von mir daher nur bedingt. Der Spielablauf ist aber sehr eingängig, wenn auch eher solitär geprägt. Richtig Spannung kommt meistens zum Schluss auf, wenn es darum geht, ob man bestimmte Aufgaben noch rechtzeitig erfüllt bekommt. Das 3D-Puzzeln macht aber auf jeden Fall Spaß. So vergebe ich insgesamt dann wirklich sympathische 7 Kultpunkte ans Land der Lamas, ja, sogar mit Tendenz zur 8, wenn man Fan von Puzzlespielen ist und idealerweise sogar nur zu zweit spielt.


VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/D5zT4Juase0 

KULTFAKTOR: 7-8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7-8/10

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