REZENSION
LIFE OF THE AMAZONIA
- Genre: Taktikspiel
- Jahr: 2025
- Verlag: Strohmann Games / Bad Comet
- Autor: Jamie Bloom
- Grafik: Sophia Kang
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 12 Jahren
- Dauer: ca. 60 bis 150 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Taktiklevel: 7/10
Per Bag-Building zum Regenwald
Mehr als die Hälfte des heute noch vorhandenen Regenwaldes befindet sich im Amazonas-Gebiet. In diesem Kennerspiel bauen wir unser eigenes Stück Regenwald auf. Wir ziehen Ressourcen aus unserem Beutel, wir pflanzen Bäume sowie Wasserpflanzen, siedeln Tiere an und achten auf ein harmonisches Zusammenspiel der Natur.
REGELN
Sortiert die Ressourcenplättchen nach Farbe und Wert und legt sie in die Sortierkästen. Baut den dreidimensionalen Wasserfall auf. Legt 8 Tierkarten aus und stellt die entsprechenden Tierfiguren bereit. Mischt die Dschungeltafeln und deckt drei offen als Angebot auf. Bildet zwei Stapel aus Insekten- und Landschaftskarten, deckt auch davon jeweils drei zufällige Karten auf.
Nehmt euch jeweils ein Start-Dschungelteil, einen Beutel mit ersten Ressourcenplättchen, ein Boot sowie das Material der eigenen Farbe. Wählt aus zwei zufälligen Spezial-Tierkarten eine aus und nehmt euch die damit verbundene Tierfigur. Im Spiel zu dritt / viert erhalten die dritte und vierte Person in der Spielreihenfolge zusätzlich einen ersten Samen.
Zentrales Element des Spiels ist das Bag Building. Am Anfang befinden sich 10 erste Ressourcen in eurem Beutel (Geld / Blätter / Wasser / Obst im Wert von 1 bis 2), weitere und höherwertige Plättchen (bis zum Wert 4) befinden sich in den Sortierkästen und können später hinzugekauft werden. Zieht jeweils 5 zufällige Plättchen aus eurem Beutel.
Der eigene Spielzug besteht aus Aktions- und Aufräumphase. Bist du am Zug, darfst du deine gezogenen Plättchen für Aktionen nutzen. Verbrauchte bzw. nicht genutzte Plättchen kommen danach ins eigene Boot. Im Lager kannst du ggf. Plättchen für den nächsten Spielzug aufbewahren. Ziehe in der anschließenden Aufräumphase fünf neue Plättchen aus dem Beutel. Ist der Beutel leer, füllst du die Plättchen aus dem Boot zurück in den Beutel.
Um Aktionen zu nutzen, musst du sie jeweils mit passenden Ressourcen bezahlen. Du darfst mehrere Plättchen für eine Aktion kombinieren, die Werte der Plättchen allerdings nicht auf mehrere verschiedene Aktionen verteilen. Für jede gewählte Aktionsart muss eine abgeschlossene Bezahlung aus einem oder mehreren Plättchen erfolgen.
Folgende Aktionen stehen zur Auswahl:
- Ressource kaufen: Zahle die Kosten für ein neues Ressourcen-Plättchen aus den Sortierkästen und lege es in dein Boot.
- Dschungelteil platzieren: Rücke auf der entsprechenden Leiste des Wasserfalls voran, zahle die Kosten, nimm ein Dschungelteil aus dem Angebot und lege es an deine eigene Auslage an. Die Dschungelteile bestehen aus mehreren Landschaftsfeldern (Wald / Fluss / Sumpf), teilweise mit Bonus-Symbolen.
- Baum oder Wasserpflanze platzieren: Rücke auf der entsprechenden Leiste des Wasserfalls voran, zahle die Kosten und platziere den Baum auf einem freien Waldfeld bzw. die Wasserpflanze auf einem freien Wasserfeld deiner Auslage.
- Tier platzieren: Zahle die individuellen Kosten für ein Tier und platziere die Figur entsprechend der Lebensraumvorgabe der Tierkarte in deinem Dschungel. Beachte dabei bereits die unterschiedlichen Wertungsbedingungen der Tiere. Auch dein Spezialtier kannst du auf diese Weise platzieren. Belegst du ein Feld mit Bonussymbol, erhältst du den entsprechenden Bonus (z.B. Samen, ein Gebietsplättchen oder die Möglichkeit, eine Ressource aus deinem Besitz zu entfernen oder ein Tier umzusiedeln).
- Naturkarten kaufen: Zahle die Kosten für eine Insektenkarte (für einen einmaligen Effekt) bzw. für eine Landschaftskarte (für eine individuelle Siegpunkte-Option am Spielende), wobei du maximal vier Landschaftskarten gleichzeitig besitzen darfst.
- Lager erweitern: Zahle die Kosten, um die Lagerkapazität für übrige Ressourcen auf 2 oder 3 zu erhöhen.
- Bonus kaufen: Zahle die Kosten für einen Bonus (siehe oben).
Beim Bezahlen der Aktionen zählen Samen als beliebige 1er-Ressource. Du darfst maximal vier davon besitzen. Sie zählen nicht zum Limit der gezogenen Ressourcen hinzu. Auch kannst du zwei beliebige Ressourcen als Ersatz für eine 1er-Ressource deiner Wahl nutzen.
Die Figuren jeder Tierart sind abgezählt und an die Personenanzahl angepasst. Wird das letzte Tier einer Art platziert, wird ein Spielende-Plättchen auf der Tierkarte platziert.
Sobald fünf der acht ausliegenden Tierkarten mit Spielende-Plättchen belegt sind, wird das Splelende eingeleitet.
Die Person, die das Spielende ausgelöst hat, erhält dafür 5 Siegpunkte, alle anderen einen letzten Zug. Dann folgt die Schlusswertung. Punkte gibt es für:
- Jede platzierte Tierfigur, die die Wertungsbedingung dieser Tierart erfüllt (z.B. bestimmte Formationen / Gruppen / angrenzende Tiere oder Pflanzen ...).
- Jede individuelle Vorgabe eventuell gekaufter Landschaftskarten.
- Fortschritte auf der Dschungel-, Baum- und Wasserpflanzen-Leiste.
- Jeden Samen.
- Den Spielende-Bonus.
Wer die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
Das Spiel enthält mehrere Sets an Tierkarten, sodass die Wertungsbedingungen der Tiere immer neu kombiniert werden können.
Das Spiel bietet zudem eine Solo-Variante sowie eine gekürzte Version für ein schnelleres Spiel.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- Sehr gelungene Mischung aus Bag Building und taktischem Legespiel
- Spannendes Ressourcenmanagement
- Wettlauf-Charakter
- Optischer Hingucker
CONTRA
- Kann sich mitunter etwas in die Länge ziehen
- Wasserfall-Taktik bleibt oft dieselbe
MEINUNG
Wie wichtig es ist, den Regenwald zu schützen, dürfte wohl jedem bewusst sein, und dieses Kennerspiel unterstreicht das bereits allein mit der echt wunderschönen optischen Belohnung, die da am Spielende vor uns liegt. Die Landschaften voller Pflanzen und Tiere sehen grandios aus, die niedlichen Tierfiguren sind hochwertig. Auch mit dem restlichen Material setzt man voll auf Optik. Die Leisten des Wasserfalls hätten ebenso gut als einfacher Spielplan funktioniert, die 3D-Optik macht aber mehr her, wobei man da, genau wie beim Zusammenbau der praktischen Sortierkästen, ein wenig Fingerspitzengefühl beweisen sollte, da die verwendete Pappe vergleichsweise weich wirkt und sich bei zu viel Druck verbiegen kann.
Wer bei Tierfiguren und bunten Landschaften an ein Kinder- oder einfaches Familienspiel denkt, wird von Life of the Amazonia eines besseren belehrt. Das ist auf jeden Fall ein Kennerspiel, schon ein gehobenes, und das braucht auch seine Zeit. Gerade Erstpartien in Vollbesetzung knacken da schnell die 2,5-Stunden-Grenze, werden nur langsam Tiere angesiedelt, können das auch mal drei Stunden oder mehr werden. Das ist dann schon sehr lang, weswegen man wohl eine optionale kürzere Variante ins Regelheft aufgenommen hat, dennoch: Das Spiel ist auch in der längeren Standard-Version interessant und durch den Wettlauf-Charakter (Tiere und manche Boni sind begrenzt) spannend.
Zwei Spielkonzepte stehen da im Mittelpunkt: zum einen gibt es da ein Legespiel-Konzept, wie wir es auch von anderen Spielen kennen. Da geht es um den Ausbau der eigenen Auslage, ums geschickte Aneinanderpuzzeln von Landschaften, so, dass die angelockten Tiere und angesiedelten Pflanzen ihre verschiedenen Wertungsbedingungen erfüllen, und das mit bestmöglichen Kombinationen, Boni und Synergien. Das ist hier durchaus anspruchsvoll und tricky! Gewisse Aktionsabläufe, insbesondere die Fortschritte auf dem Wasserfall, wiederholen sich, wechselnde Tier-Sets und Landschaftskarten sorgen dann aber doch für viel Varianz in jeder weiteren Partie.
Das Besondere am Spiel ist die Verknüpfung mit dem Bag-Building-Konzept, das hier für ein sehr interessantes Ressourcenmanagement sorgt, das auf Optimierung beruht. Ziel sollte es sein, den eigenen Beutelinhalt nach und nach zu verbessern, um sich punkteträchtigere Optionen zu verschaffen. Damit man nicht allein dem Glück beim Ziehen ausgeliefert ist, lässt sich aber auch hier taktieren dank Samen-Joker und Tauschoption.
Wie es bei Bag-Building-Spielen charakteristisch ist, ist der Spielverlauf anfangs gefühlt noch ein wenig zäh, nimmt dann aber zunehmend an Fahrt auf.
Auch wenn das Standardspiel für mich, je nach Spielwiese, manchmal etwas kürzer hätte sein dürfen, so gefällt mir, wenn ich die Spieldauer entsprechend einplane, wirklich sehr gut. Ich mag die planerischen Überlegungen, ich mag den Thrill beim Ziehen der Ressourcen und ihre Optimierung beim Ausführen der Aktionen, ich mag das taktische Legepuzzle mit schon erhöhtem Denkanspruch. Ja, und die Optik ist eh grandios. Alles in allem sind das für mich, mit den beschriebenen kleinen Abzügen in der B-Note, auf jeden Fall sehr gute 8 Kultpunkte für Life of the Amazonia, Empfehlung!
KULTFAKTOR: 8/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 9/10
Spielablauf: 8/10
EUER REZENSENT
INGO
Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini
Eine Rezension vom 01.02.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Bad Comet / Strohmann Games
Weitere Fotos: Spielkultisten