REZENSION

LECKER LAVA

  • Genre: Kinderspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Drei Magier
  • Autorin: Sophia Wagner
  • Grafik: Rolf (ARVi) Vogt
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 5 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 5/10

Wettessen am Vulkan

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. So ist es in manchen Breitengraden durchaus üblich, frittierte Knorpel auf den Tellern serviert zu bekommen, während anderswo die Innereien von Gürteltieren als Delikatesse gelten. Da verwundert es nicht, dass die Titelhelden von Lecker Lava – kleine, süße Drachen – am liebsten Lavabrocken mit ihrem Schlund vertilgen. Doch wer sichert sich den besten Platz, um sich die appetitlichsten und punkteträchtigsten Happen zu schnappen? Wohl bekomms!

REGELN

Der Vulkan, der sich in der Tischmitte befindet, macht optisch definitiv was her! An jeder Seite befinden sich zwei Öffnungen, in die im weiteren Spielverlauf mehrere Vulkanchips hineingeschoben werden. Davon gibt es 86 Stück in vier unterschiedlichen Farben – je wertiger, desto seltener. Geschluckt werden die Vulkanchips von vier Drachen, die zunächst als Papp-Bausatz vorsichtig zusammengesteckt werden. Ihr Maul ist so konstruiert, dass es sich exakt an die Öffnungen schmiegt. Oberhalb des Vulkans befindet sich, etwas versetzt, der Lavakrater. Dieser dient als Würfelfläche, schließlich beginnt jeder Spielzug mit Würfeln.

Je nach Augenzahl zieht ihr die entsprechende Anzahl an Vulkanchips aus dem schwarzen Stoffbeutel und legt sie vor euch ab. Befüllt zudem den Vulkan mit Chips. Beginnend mit dem Startspieler, und dann im Uhrzeigersinn, darf nun jeder Teilnehmer seinen Drachen an einer freien Öffnung ausrichten. Anschließend schiebt ihr die vor euch liegenden Vulkanchips in eine oder mehrere beliebige Öffnungen. So setzt sich im Inneren der Schachtel ein Lavastrom in Gang, der sofort zum Brodeln kommt. Denn sobald ein Lavastein in einer anderen Öffnung – was nicht unbedingt die gegenüberliegende sein muss – wieder herauskommt und sich dort ein Drache befindet, vertilgt dieser den Brocken. Der entsprechende Spieler schüttelt seinen Drachen einmal kräftig durch, damit die Lavachips gut verteilt werden, und schon ist der nächste Spieler an der Reihe. Heruntergefallene Chips werden aus dem Spiel genommen (bei 2 Spielern) bzw. zurück in den Beutel gelegt (bei 3 oder 4 Spielern). Das geht so lange, bis alle Chips verteilt sind. Sobald keine mehr aus dem Säckchen gezogen werden können, endet das Spiel abrupt. 

Beim Zusammenzählen der Punkte am Spielende geben gelbe Chips drei Punkte, orangefarbene zwei Punkte und rote Chips einen Punkt. Doch Vorsicht: Für jeden grauen Chips muss jeweils der wertvollste farbige Chip abgegeben werden. Wer nach Punkten vorn liegt, gewinnt das Spiel.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • sehr gelungene Gestaltung
  • spielt sich sehr flott
  • hochwertige Holzchips
  • genau die richtige Spieldauer


CONTRA

  • hoher Glücksfaktor, da die Chips manchmal überraschende Wege nehmen
  • ab und zu können sich Chips etwas verhaken

MEINUNG

Oh, wie süß! Die Aufmachung von Lecker Lava ist wirklich klasse. Der Vulkan mit seinem Lavastrom weckt, insbesondere bei Kindern, sofort die Lust zum Mitmachen. Wer kann angesichts der putzigen Drachen schon widerstehen, sofort „Ich bin dabei!“ zu rufen? Dank des sehr schnellen Aufbaus, der dem platzsparenden Schachteleinsatz zu verdanken ist, ist das Spiel sofort vorbereitet. Glücklicherweise sind kleine Lavaschlucker auch sofort im Spielablauf drin, denn der Rundenablauf ist simpel und erklärt sich wie von selbst, sodass schon Vierjährige locker mitspielen können.

In der unserer ersten Partie kam Lava Lecker nur zögerlich in Fahrt, denn es vergingen zehn oder elf Runden, bis die ersten Lavachips an den Öffnungen der Spielschachtel zum Vorschein kamen. Das fühlte sich komisch an, und tatsächlich war es unser Fehler. Da hatten wir doch tatsächlich ein wichtiges Detail der Anleitung übersehen: Der Vulkan muss vor Spielbeginn zufällig mit Chips befüllt werden, dann spuckt er auch schon beim ersten Einschieben entsprechend einen Chip aus und niemand muss warten. Das Einschieben ist dabei jetzt nicht großartig planbar, entfaltet bei Kindern aber eine große Spannung auf das, was gleich bevorsteht, denn die knuffige Gestaltung der Drachen mit ihren überdimensionalen Mäulern sorgt für gebannte Faszination, ob der eigene Drache dann tatsächlich seine erste Lava einsammelt.

Kleine Öffnungen in der Spielfläche sorgen dafür, dass man ein bisschen im Voraus erahnen kann, wo man seine Drachen besser nicht positionieren sollte, um bloß keine grauen Chips abzubekommen – denn für jeweils einen davon muss man am Ende den wertvollsten Chip abgeben. Letztlich ist der Glücksfaktor sehr hoch, da man nie sicher sein kann, an welcher Öffnung ein Lavachip auftaucht. Bestenfalls ragt irgendwo einer hervor, sodass man nur hoffen kann, ihn zu erwischen. In vielen Fällen ist die Konstruktion im Inneren aber recht undurchschaubar und es kommt auf eine nicht unerhebliche Hilfe Fortunas an. Das ist aber für diese Art von Spiel vollkommen in Ordnung.

Die angegebene Spieldauer von ca. 20 Minuten wird sogar meistens unterschritten und so endet die Partie oft schon nach gut zehn Minuten. Spielen kleinere Geschwisterkinder mit, ist es ratsam, vielleicht alle Chips gleich zu werten oder die grauen Chips wegzulassen, da es für Kinder durchaus frustrierend sein kann, dass gesammelte Chips nicht nur keinen Punkt ergeben, sondern dass sie dem Pechvogel auch noch den wertvollsten Chip wegnehmen. Umgekehrt finden ältere Kinder großen Gefallen an dieser Regel, denn so kommt der kleine Faktor Schadenfreude kindgerecht ins Spiel. In jedem Fall ist Lecker Lava ein schönes Kinderspiel mit toller Illustration, wie man es von Drei Magier gewohnt ist, und mit einem zwar sehr glücksbetonten, sich langfristig auch wiederholenden, aber aktionsreichen Spielablauf, der tatsächlich die ganze Familie an einen Tisch zusammenbringen kann. Da verzeiht man es dem Spiel auch, dass sich der eine oder andere Chip auch mal ein wenig verhaken kann. Macht gute 7 Kultpunkte!

KULTFAKTOR: 7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 8/10
Spielablauf: 7/10

EUER REZENSENT

CHRISTOPH

Kinder- und Kennerspiel-Spieler, Stefan-Feld-Fan, Im-Sommer-in-jeden-See-Springer

Eine Rezension vom 20.12.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Drei Magier
Weitere Fotos: Spielkultisten