REZENSION

LADYBUGS

  • Genre: Taktikspiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Queen Games
  • Autor: Jakob Andrusch
  • Grafik: Klemens Franz
  • Personen: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 30 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 6–7/10

Wenn Marienkäfer um Blumen kämpfen

Auch wenn Bienen und Hummeln die Hauptakteure sein mögen, so bestäuben Marienkäfer ebenfalls Blumen. Und was in der Natur recht romantisch klingt, wird bei Ladybugs zu einem knallharten Wettkampf um Mehrheiten in Blumenfeldern.

REGELN

Nachdem der Spielplan zusammengelegt worden ist, wählen wir jeweils eine Farbe und nehmen uns in eben jener 24 Käferplättchen, welche wir mischen und verdeckt vor uns legen. Dann zieht jede Person zwei dieser Plättchen und entscheidet sich für eines davon, dass sie offen auf den eigenen Startmarker auf dem Spielfeld legt. Zuletzt wird wieder ein Plättchen nachgezogen. Und dann kann das Hauen und Stechen um die wertvollsten Blumenfelder beginnen.
 
Vom Bestäuben, Besteigen und Besiegen
Gleichwohl Ladybugs optisch recht harmlos daherkommt, geht es im Prinzip um knallharte taktische Auseinandersetzungen um die lukrativsten Blumenbeete, die am Ende des Spiels satte Siegpunkte bringen. Denn je mehr Punkte meine Marienkäfer in den einzelnen Beeten generieren, desto größer ist die Chance auf den Sieg. Dabei fliegen die Käfer nicht nur wild durch die Gegend, nein, sie überdecken sich gegenseitig und nehmen dadurch den anderen die Chance auf Einfluss auf der Wiese. Der Spielablauf ist dabei recht simpel: Immer, wenn ich am Zug bin, decke ich eines meiner beiden Plättchen auf, die ich verdeckt in der Hand halte, führe die dadurch bedingte Bewegung aus und ziehe anschließend ein Käferplättchen nach.
 
Marienkäfer flieg – flieg bitte so, dass es mir hilft
Wie bewegen sich meine Marienkäfer aber nun? Der Clou bei Ladybugs ist, dass ich jeden weiteren Käfer sich immer von einem bereits ausliegenden Käfer bewegen bzw. fliegen lasse, denn jedes Plättchen hat auf seiner offenen Seite Punkte – hallo, wir reden hier schließlich von Marienkäfern. Diese Punkte gehen von 1 bis 6 und sind jeweils viermal in meinem Vorrat vorhanden. Entscheide ich mich also einen Marienkäfer zu bewegen, starte ich diesen bei einem bereits ausliegenden. Hat der ausliegende dabei beispielsweise 4 Punkte, so gehe ich von diesem aus in gerader Linie 4 Schritte weiter.    
 
Der Luftraum unterliegt gewissen Regeln
Wenn ich meine Marienkäfer fliegen lasse, kann ich grundsätzlich von jedem eigenen ausliegenden Plättchen weiterfliegen, dabei darf ich mich jedoch nur waagerecht oder senkrecht, nicht aber diagonal bewegen. Zudem blockieren eigene oder fremde Marienkäfer auf dem Weg mein Weiterkommen. Sollte jedoch auf meinem Zielfeld ein einzelnes Plättchen (ein eigenes oder gegnerisches) liegen, so darf ich dieses einmalig „bedecken“ und es letztlich negieren, da es dann nicht mehr sichtbar ist. Sollten bereits zwei Käfer übereinander liegen, darf ich dies nicht mehr tun. Ebenso darf ich zu keinem Zeitpunkt ein fremdes Startplättchen überdecken. Sollten sich meine Optionen im Laufe des Spiels eklatant verringern, darf ich einmalig auf mein eigenes Startplättchen ein neues legen – ohne dass ich hierfür von einem bereits ausliegenden ausgehen muss. 

Das Spielt endet, sobald niemand mehr Käferplättchen nachziehen oder keines mehr regelkonform angelegt werden kann. Danach kommt es zur Schlusswertung. Hier werden in jedem Beet die Punkte bzw. Augenzahlen der vorhandenen Käfer pro Person zusammengezählt. Siegpunkte gibt es dann in Höhe der Felder, aus dem das jeweilige Beet besteht. Platz 2 erhält abgerundet die Hälfte dieser Punkte, der Rest geht leer aus. Wer nach der Auswertung aller Beete die meisten Punkte besitzt, gewinnt das Spiel, bei Gleichstand gewinnt die Person, die im größten Beet (in der Mitte) die meisten Punkte gesammelt hat. Sollte noch immer Gleichstand herrschen, so teilen sich die beteiligten Personen den Sieg – es soll auch friedliche Marienkäfer geben.

GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht

CHECKPOINT

PRO

  • (Bei gerader Spieleranzahl) ein taktischer Leckerbissen
  • Die Spezialaktionsplättchen bringen noch mehr taktische Tiefe
  • Ein leichter Einstieg in Mehrheitenspiele bzw. „Area Control“


CONTRA

  • Zu dritt gefühlt etwas ungerecht
  • Glück kann Taktik torpedieren
  • Optik und Kategorie „Family & Friends“ könnte falsche Erwartungen wecken

MEINUNG

Als ich Ladybugs zum ersten Mal gespielt habe, war ich begeistert: Es war schnell, knallhart und verzieh keine Spielfehler. Und wenn ich nicht im Blick hatte, was meine Gegner so anstellen konnten, war ich schnell im Abseits. Dabei ist das Spiel im eigentlichen Sinne nie unfair, es gibt keine wirklichen „Take That“-Momente, einfach weil ich zumeist selbst zu verantworten habe, wo sich meine Marienkäfer so herumtreiben.

Die Vorzüge des Rundflugs
Ladybugs ist stets ein zeitlich übersichtlicher Kurzflug, der zu immer neuen Duellen einlädt. Ich würde empfehlen, das eigentliche Erweiterungsmodul „Spezialaktionsplättchen“ in jeder Partie zu nutzen (gerne auch schon in der ersten), da dieses taktische Tiefe bietet, folglich meiner Erfahrung nach als unerlässliche Essenz des Spiels angesehen werden darf. Jedes dieser Plättchen darf ich einmal pro Partie nutzen, was meinen Marienkäfern ermöglicht, entweder von anderen Käfern blockierte Felder zu überfliegen („Grashüpfer“), als drittes Plättchen auf zwei übereinander liegenden zu landen („Hirschkäfer“)  oder ein Feld mehr oder weniger als erlaubt zu fliegen („Kugelkäfer“). Aus diesen zusätzlichen Möglichkeiten der Bewegung ergeben sich immer wieder Denkmomente, die zum Grübeln anregen, ohne jedoch generelle Analyse-Paralyse hervorzurufen (zumindest bei den meisten Personen, mit denen ich gespielt habe…), sodass Taktikfans ganz auf ihre Kosten kommen. Gepaart mit der insgesamt übersichtlichen Spielzeit hat man so immer wieder Lust auf eine Revanchepartie, was vor allem zu zweit zu mehreren Partien am Abend einlädt.
 
Die Nachteile des konfrontativen Blindflugs
In jeder Runde stehen mir zwei Plättchen zur Verfügung, was meine Bewegungsmöglichkeiten gerade zu Beginn einer Partie enorm einschränken kann. So kann ich theoretisch allein dadurch ins Hintertreffen geraten, dass ich am Anfang beispielsweise nur hohe oder niedrige Augenzahlen ziehe. Sobald ich genügend Marienkäfer auf dem Spielfeld platziert habe, fällt dieser Umstand nicht mehr so stark ins Gewicht, ich kann besser antizipieren, wo ich überall bestimmte Felder sinnvoll nutzen kann – nur muss ich bis dahin eben auf das eher ausgeglichene Ziehen von Plättchen hoffen. Vielleicht hätte man der  (im schlechtesten Fall auch mal etwas unfair empfundenen) Wahrscheinlichkeit hier mit drei zu ziehenden Plättchen entgegenwirken können. Was in meinen Runden grundsätzlich zu Unmut geführt hat, war das Spiel zu dritt. Der Spielaufbau scheint hier nicht ausgeglichen gelöst worden zu sein, weil eine Person nicht in einer der Ecken startet und so von Beginn an drei Richtungen der Ausbreitung hat, während die anderen beiden sich sehr schnell in die Haare bekommen können. Infolgedessen waren die Partien zu dritt auch die gefühlt am wenigsten gelungenen und das Spiel blieb für uns in dieser Besetzung unter seinen Möglichkeiten.

Dass man sich früher oder später über den Weg läuft bzw. fliegt, liegt in der Natur des Spiels, hier kann es immer wieder mal zu Ärger- oder kleinen Frustmomenten kommen, wenn man den einen oder anderen gegnerischen Käfer übersehen hat, der den eigenen 6er-Käfer dann kurzerhand überdeckt. Und auch wenn man selten das Gefühl hat, dass das jetzt ein unfairer Moment war, muss man bedenken, dass es bei Ladybugs am Ende des Tages um knallharte Area Control geht, was Optik und die Angabe „Familienspiel“ für mich erst einmal so gar nicht suggerieren. Sicher, ich kann das mit meinem 8jährigen Kind spielen, die taktische Tiefe macht es Personen in diesem Alter jedoch nicht leicht, gewinnen zu können, was letztlich zu den oben bereits erwähnten Frustrationen führen kann. Ob man die Glückskleeplättchen benutzen mag, sollte man davon abhängig machen, ob man eine weitere Glücksmomente (z.B. im Spiel mit Jüngeren) einfügen möchte. Immer wenn einer meiner Käfer auf einem solchen Plättchen (die verdeckt liegen) landet, darf ich mir dieses nehmen, die aufgedruckte Zahl (1–3) entspricht den zusätzlichen Siegpunkten, die ich am Ende des Spiels erhalte. In unseren Erwachsenenrunden war der Glücksklee ein weniger gern gesehener Gast, wenn die hierdurch erhaltenen Siegpunkte nämlich am Ende dazu führten, dass jemand knapp gewann.

Fazit:
Die erste Partie Ladybugs hat mich begeistert: Es war schnell, wir saßen zu viert am Tisch und man merkte schnell, dass sich ein taktisches Scharmützel an allen Ecken und Enden ergab. Und so schnell man in die Partie gekommen war, so schnell war diese auch schon vorbei. Die Pluspunkte liegen klar auf der Hand, Ladybugs liefert einen leichten Spieleinstieg und weiß dennoch schnell herauszufordern. Wer Area Control mag oder sich dem Genre annähern will, darf bei diesem abstrakten Ableger gerne zugreifen. Man sollte allerdings beachten, dass das Spiel zum Teil nicht unerhebliche Glückskomponenten bereithalten kann; ob Glücksklee oder das (eingeschränkte) Nachziehen der Plättchen – das kann die eine oder andere Partie auch mal schnell unerwartet kippen. Diese Optionen sprechen dann eventuell eher Personengruppen an, die weniger aktiv und konfrontativ vorgehen wollen. Aber Vorsicht, das Artwork und die Angabe „Family & Friends“ auf der Spielschachtel könnten falsche Erwartungen wecken. Ladybugs ist und bleibt ein zumeist enges und rasantes Duell um Blumenbeete.

Bei gerader Personenanzahl gebe ich Ladybugs 8 Kultpunkte, zu dritt kann mich das Spiel aus den oben genannten Gründen nicht restlos überzeugen, daher hierfür 6 Punkte.


Hinweis: Bei Ladybugs handelt es sich um eine Neubearbeitung des Spiels Glüx, das im Jahr 2016 bei Queen Games erschien.

KULTFAKTOR: 6-8/10*

Spielidee: 7/10

Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6–8/10

* Hinweis zum Kultfaktor:
8/10
im Spiel zu zweit oder viert, 6/10 im Spiel zu dritt

EUER REZENSENT

DÄN

Gelegentlicher Vielspieler, Sportfan, Straßenphilosoph, Leseratte
 

Eine Rezension vom 22.03.2026

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Queen Games
Weitere Fotos: Spielkultisten