REZENSION

KUHFSTEIN

  • Genre: Familienspiel
  • Jahr: 2023
  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Autorin: Rita Modl
  • Illustration: Stefan Sonnberger
  • Spieler: 2 bis 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: ca. 45 Min.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Taktiklevel: 7/10

Gegen Einzelhaltung!

In diesem fast schon idyllischen Spiel legen wir Landschaften, um Kühe unterzubringen, mit denen wir Aufträge erfüllen. Dabei ist es nicht klug, einzelne Wiederkäuer auf den Weiden zu verstreuen, denn schließlich müssen die Tiere ja auch wieder nach Hause gelangen ...

REGELN

Legt den Spielplan aus und befüllt die Ausstanzungen beliebig mit den Bonusplättchen, einzig für die Erstpartie werden die Plättchen vorgegeben. Jeder erhält sechs Kühe in der eigenen Spielerfarbe, wobei - je nach gewählten Bonusplättchen - ein oder zwei Kühe zunächst auf dem Spielplan darauf warten, eingesammelt zu werden. Stellt außerdem pro Person zwei Bäume in den allgemeinen Vorrat.

Mischt die Karten mit den Aufträgen und bildet daraus einen verdeckten Nachziehstapel. Deckt vier Karten als offenes Angebot auf. Mischt die Landschaftsplättchen, legt sie verdeckt bereit und deckt fünf zufällige Plättchen als offenes Angebot auf. Im Spiel zu dritt sortiert ihr je ein Plättchen jeder Art aus, im Spiel zu zweit je zwei Plättchen jeder Art. An Landschaftsarten gibt es Wiese, Wald, Getreidefeld, Dorf und See.

Nun erhält jeder noch einen ersten zufälligen Auftrag vom Stapel auf die Hand, in späteren Spielen auch bewusst gewählt aus der Auslage. Zudem erhält jeder zwei zufällige Wertungsplättchen, die vor den anderen Personen geheim gehalten werden.

Los geht‘s! Gespielt wird reihum. Bist du am Zug, führst du stets 2 Aktionen aus. Dabei hast du die Wahl aus vier Optionen. Du kannst zwei verschiedene Aktionen ausführen oder auch zweimal die selbe Aktion.

(A) Ein Landschaftsplättchen in die eigene Auslage legen
Nimm ein Plättchen aus der Auslage und lege es vor dir ab. Ab dem zweiten Plättchen musst du neu genommene Plättchen immer waagrecht oder senkrecht an bereits liegende Plättchen anlegen.

Sollte das Plättchen-Angebot aus vier oder fünf identischen Landschaften bestehen, darfst du die komplette Auslage vorher austauschen.

Hast du vier verschiedene oder vier identische Landschaftsplättchen zu einem Quadrat zusammengelegt, stellst du, sofern noch vorhanden, einen Baum in die Mitte dieses Quadrats. Der liefert dir sofort 5 Siegpunkte. Jedes Plättchen darf dabei nur für ein Quadrat aus vier Plättchen gewertet werden. Um mehrere Bäume zu erhalten, benötigst du also weitere 4er-Kombinationen an Plättchen im Quadrat.

(B) Eine neue Karte nehmen
Nimm eine neue Auftragskarte auf die Hand. Die Aufträge zeigen Formationen von Plättchen mit bestimmten Landschaftsarten an bestimmten Stellen in dieser Formation. Der Wert einer solchen Karte richtet sich nach ihrem Schwierigkeitsgrad.

Sollte auf allen vier Karten im Angebot mindestens eine identische Landschafts zu finden sein, darfst du die Auslage vorher austauschen.

(C) Eine Karte werten
Spiele eine Karte aus, deren Anforderungen du erfüllst, heißt: Du musst eine entsprechende Plättchenformation in deiner Auslage besitzen. Bei jedem Auftrag gibt es Felder, die mit beliebigen Plättchen belegt sein dürfen und Felder, die bestimmte Landschaften an dieser Stelle erfordern. Diese Landschaftsfelder müssen zum Zeitpunkt der Wertung frei sein, denn sie werden jetzt mit Kühen aus dem eigenen Vorrat belegt - pro Feld eine Kuh. Solltest du nicht genügend Kühe in deinem Vorrat besitzen, darfst du den Auftrag nicht werten. Besetzte Felder dürfen bei weiteren Aufträgen durchaus zur Erfüllung verwendet werden, sofern sie als Felder fungieren, deren Landschaft nicht explizit vorgegeben ist. Wir merken uns: Vorgegebene Landschaftsfelder müssen beim Erfüllen frei sein, und wir benötigen die entsprechende Anzahl an Kühen. Beim Erfüllen eines Auftrages darf die Karte beliebig gedreht, die Felder darauf aber nicht gespiegelt werden!

Die Punkte für einen erfüllten Auftrag werden auf der Punkteleiste abgetragen. Erreichst oder überschreitest du ein Bonusfeld, erhältst du sofort den Bonus (eine weitere Kuh oder eine Bonus-Aktion).

(D) Kühe zurückholen
Um wieder Kühe in deinen Vorrat zu bekommen, kannst du sie von deinen Landschaftsplättchen zurückholen. Um eine einzelne Kuh zurückzuholen, benötigst du eine Aktion. Damit du bei vier eingesetzen Kühen nicht vier Aktionen aufwenden musst, gibt es eine sehr praktische Regel: Befinden sich mehrere Kühe auf waagrecht und / oder senkrecht angrenzenden Feldern deiner Auslage, so darfst du eine solche Herde mit nur einer Aktion zurück in deinen Vorrat holen.

Durch das Zurückholen hast du nicht nur wieder Kühe zur Verfügung, die du zum Belegen neuer Auftragsfelder benötigst, sondern auch direkt wieder freie Landschaftsfelder, die erneut zum Erfüllen von Aufträgen belegt werden dürfen.

Spielende: Erreicht eine Person die 65-Punkte-Marke oder überschreitet sie, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt. Nun darf jeder noch eines seiner beiden Wertungsplättchen werten, d.h. die Punkte erhalten, falls die Vorgabe erfüllt wurde (beispielsweise die meisten Getreide-Plättchen in der eigenen Auslage oder mindestens 3 Bäume in der eigenen Auslage besitzen, ein Dorf komplett mit Plättchen umbaut haben etc.). Wer nun die meisten Punkte besitzt, gewinnt.

GALERIE

Anklicken / Antippen für Komplettansicht

CHECKPOINT

PRO

  • trickreiches Lege-/ Puzzlespiel
  • taktische Vorausplanung
  • Wettlauf-Charakter


CONTRA

  • Wertungsplättchen meistens nicht so bedeutend oder eher beliebig

MEINUNG

Ich verkneife mir an dieser Stelle mal die kuhlen Wortspiele, da hat man sich ja schon im Titel des Spiels entsprechend verausgabt, der einem auf einem Schachtel-Cover entgegenstrahlt, das auch gut als Werbeprospekt für ein Alpendorf in den 70er-Jahren funktioniert hätte - oder als Kinoplakat für einen Heimatfilm. Bei unserem Spieletreff war es tatsächlich dieses Cover, das direkt die Gemüter spaltete. Von ansprechend bis Kitsch war da so ziemlich alles an Assoziationen vertreten. Nun gut, eines kann man dem Verlag nicht vorwerfen: keine Aufmerksamkeit mit der Schachtel zu erzeugen. Also hat man wohl in der Hinsicht alles richtig gemacht.

Kuhfstein siedelt sich im Bereich der Familienspiele an, ganz klar. Das Material ist angesichts des vergleichsweise niedrigen Preises hochwertig. Da störte es uns nicht mal, dass in unserem Exemplar eine der Holzkühe keine Beine hat; dann relaxt die halt liegend auf den Weiden, die da entstehen ... Thematisch sollten wir da jetzt nicht alles hinterfragen: Warum Kühe einen Wald oder einen Teich oder Ackerland als Weideplatz gegenüber der Wiese bevorzugen, beantwortet uns da eh keiner. Aber: Auf dem Tisch sieht das Spiel dann schon recht hübsch aus, auch wenn die Farben der Plättchen ein wenig dunkel geraten sind und die eigenwillige Form dazu führt, dass man immer gegen seinen eigenen inneren Monk ankämpft, doch bitte alles ohne Spalt in die Auslage zu bringen, was sich beim Anlegen als nicht ganz so intuitiv gestaltet.

Das alles ist natürlich nur Beiwerk fürs Spielerische, und da hat sich Rita Modl tatsächlich ein trickreiches Legespiel ausgedacht. Nun klingt es ja erst einmal nicht so herausfordernd, Legeplättchen in bestimmte Formationen zu legen und dabei vorgegebene Positionen mit vorgegebenen Landschaften zu füllen. Klar, da ist natürlich auch immer etwas Glück im Spiel, welche Landschaften gerade in der Auslage liegen, aber das gleicht sich dann doch meistens gut über das Spiel hinweg aus. Auch ist es nicht allzu aufregend, Spielzüge dafür auszugeben, um Kühe wieder von den belegten Feldern zurückzuholen, gäbe es da nicht zwei Kniffe, die Kuhfstein dann anspruchsvoller werden lassen, als man es vielleicht zunächst denkt.

Kuhfstein ist ein Punkte-Wettrennen. Und wie es bei einem Wettrennen üblich ist, sollte man da effizient spielen. Das kann man dann schon beim Auswählen der Aufträge. Die zeigen offene Landschaftsfelder und beliebige, und wenn ich da bereits klug plane, welche Karten ich zu mir hole, kann ich von anderen Aufträgen besetzte Felder gut zum Erfüllen weiterer Aufträge nutzen, wenn diese Felder dort eben nicht mit einer bestimmten Landschaft belegt sind. So verschachtele ich die Aufträge im besten Fall ineinander. Und das hat noch einen zweiten Grund: Einzelhaltung wird bei Kühen nicht gern gesehen! Wer einzelne Kühe von den Weiden nach Hause holen möchte, verbraucht dafür einfach viel Zeit, hier in Form von Aktionspunkten, von denen man ja immer nur zwei pro Spielzug hat. Wer die Aufträge so geschickt verbindet und wertet, dass sich die Kühe zu einer Herde zusammengeschlossen haben, der kann im Idealfall alle Figuren mit nur einer Aktion wieder befreien - und zudem die jetzt wieder frei gewordenen Felder für neue Aufträge nutzen. Die Auswahl zueinander passender Karten ist also ein Knackpunkt des Spiels, was durchaus auch räumliche Vorstellungskraft einfordert, denn ich kann die Kartenformationen ja auch noch beliebig drehen.

So gestaltet sich Kuhfstein dann schon als Puzzle-Legespiel - eigentlich mit simplen Regeln, die niemanden überfordern, bei denen auch jeder mitspielen kann; das Zusammenspiel der einzelnen Aktionen fordert dann aber schon taktische Entscheidungen ein, die mir gut gefallen. Auch das Platzieren von Bäumen kann da ein lukrativer Nebenerwerb sein. Einzig die Wertungsplättchen fürs Spielende sind für mich leider etwas zu unbedeutend. In unseren Runden konnten diese eigentlich nie das Spielergebnis noch groß beeinflussen. Sie bieten ein Anhaltspunkt, auf was man spielen kann, und wer das einigermaßen gut verfolgt, dem sind diese Punkte dann auch sicher. Dass es da unterschiedliche Wertigkeiten dieser Plättchen gibt, liegt im Schwierigkeitsgrad begründet. Das kann bei zufälligem Ziehen aber auch etwas beliebig wirken. Bekomme ich zwei Plättchen mit niedrigeren Punktezahlen auf die Hand, habe ich halt das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz, die eine höhere Punktezahl auch ohne Probleme ins Ziel bringt. Nun gut, wie gesagt: Meistens machen diese Punkte aber nicht so viel aus, dass dadurch der Sieg entschieden wird bzw. eine Aufholdjagd möglich ist.

Alles in allem empfinde ich Kuhfstein als gelungenes neues Legespiel, das erst einmal sehr klassich wirkt, aber dann doch raffinierte Entscheidungen von allen Mitspielenden verlangt. Durch den Wettlauf-Charakter und die Verzahnung aus Legen, Werten und Zurücknehmen entsteht ein kurzweiliger, gerade zum Ende hin auch spannender Ablauf um den Zieleinlauf. Kuhfstein funktioniert dabei sowohl zu zweit als auch in Vollbesetzung gut, wobei die Planbarkeit der Plättchen- und Kartenauswahl mit steigender Personenzahl abnimmt. Die Wartezeiten sind auch in Vollbesetzung gering. Insgesamt gibt es von mir dafür gute 7 bis 8 Punkte.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/tCaIErQXnkA

KULTFAKTOR: 7-8/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 12.11.2023

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Schmidt Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten