REZENSION
KRONOLOGIC: PARIS 1920
- Genre: Denkspiel
- Jahr: 2024
- Verlag: Pegasus Spiele
- Autoren: Fabien Gridel, Yoann Levet
- Grafik: Arch Apolar, Yann Valéani
- Personen: 1 bis 4
- Alter: ab 10 Jahren
- Dauer: ca. 30 bis 45 Minuten
- Schwierigkeitsgrad: mittel
- Initiativlevel: 6/10
Klug und Glück(lich)
Es gab ein Verbrechen, und jeder von euch möchte gern als Erster den Fall aufklären. In diesem Spiel, dessen Szenarien an klassische Detektivgeschichten erinnern, sammelt ihr in jedem eurer Züge und in denen der anderen Informationen, die ihr geschickt kombinieren müsst.
REGELN
Für den Aufbau legt ihr den Oper-Plan in die Mitte, sodass ihr alle die Räume, deren Symbole und Zugänge gut sehen könnt. Legt um die Oper die sechs Lochkarten von 1 Uhr bis 6 Uhr und die sechs Lochkarten, die die Personen zeigen, welche sich in der Oper befanden.
Nehmt euch je einen Notizbogen, Stift und Schirm.
Wählt eines der drei Szenarien, die jeweils unterschiedliche Dinge von euch wissen möchten. Im ersten Szenario geht es darum, die eine Person zu finden, die alleine mit dem Detektiv in einem Raum war. Diese Person vergiftete den Detektiv. Jedes der drei Szenarien ist fünfmal vorhanden, aber jede Version eines Szenarios könnt ihr nur einmal spielen, d.h. das Grundspiel bietet maximal 15 Partien.
Legt die sechs Raumkarten des gewählten Szenarios aus und notiert euch die Ausgangssituation.
Jetzt kann es losgehen. Reihum seid ihr am Zug. In deinem Zug nimmst du eine Raumkarte, z.B. die Galerie, und entweder eine Person oder eine Uhrzeit. Jede dieser Kombinationen liefert eine öffentliche Information, die alle hören, sowie eine Information nur für dich. Kombinierst du z.B. die Abenteurerin mit dem Tanzsaal erfahren alle, wie oft die Abenteurerin im Tanzsaal war, aber nur du erfährst auch eine der Uhrzeiten, zu denen sie sich dort befand. Wählst du einen Raum und eine Uhrzeit, so erfahren alle, wie viele Menschen in dem Raum waren, und du erfährst, welche Person dazu gehörte.
Jetzt versuchen alle Schlüsse aus dem gerade Gelernten zu ziehen, denn wir wissen: Es sind immer alle sechs Leute irgendwo in der Oper. Von einer Stunde zur nächsten bewegt sich jede Person in einen angrenzenden Raum.
Weißt du nach dem Verarbeiten einer Information, was in diesem Szenario gefragt war, z.B. wer war wann und wo mit dem Detektiv allein, dann schreibst du deine Lösung auf und kontrollierst diese im Szenario-Heft. Hast du Recht, gewinnst du, und wenn nicht, bist du leider für den Rest des Spiels zum Zuschauen verdammt.
GALERIE
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CHECKPOINT
PRO
- interessantes Puzzle
- alle Fragen möglich
CONTRA
- Glück kann das Spiel schnell beenden
MEINUNG
Kronologic bietet uns ein Logikrätsel an, das ich vor allen anderen Personen am Tisch lösen möchte. Dabei wird meine Ungeduld bis zum meinem nächsten Zug dadurch aufgefangen, dass ich in jedem Zug der anderen auch eine Information erhalte. Auf diese Weise wächst mein Wissen und ich kann mir fehlende Information erschließen. Wir haben es also mit reiner Deduktion zu tun, denn mechanisch gibt es nicht mehr als das vor uns liegende Rätsel.
Fans solcher Puzzles sind hier sehr gut bedient, und das Spiel funktioniert mit jeder Personenzahl gut. Leider ist Kronologic irgendwann ausgespielt, da die Szenarien fest vorgegeben sind und es genau 15 Fälle (3 verschiedene Szenarien je fünfmal) gibt. Aber dafür gibt es ja schon eine angekündigte Erweiterung für Paris 1920 und zwei weitere eigenständige Spiele.
Auch wenn die Szenarien einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad haben sollen, ist es eigentlich kein Problem, einfach mit neuen Leuten am Tisch direkt höhere Schwierigkeitsgrade zu spielen. Die drei Szenarien fühlten sich auch recht unterschiedlich an, sodass ich vielleicht lieber fünf Szenarien je dreimal gehabt hätte als drei Szenarien fünfmal.
Während viele Partien bei uns recht knapp ausgingen, kann es aber auch immer mal passieren, dass jemand auf dem Schlauch steht oder jemand durch Glück wichtige Informationen bekommt. So hatte ich einmal recht schnell den Weg des Detektivs erkannt und wusste, dass es zwei Möglichkeiten gab, wo der Detektiv mit jemandem alleine war. Ich wählte eine Möglichkeit zur genaueren Untersuchung und bekam nicht nur die Aussage, dass es zwei Leute in diesem Raum gab, sondern auch gleich noch die Identität des Nicht-Detektivs. Diese glücklichen Auflösungen fühlten sich vielleicht weniger schlimm an, wenn Kronologic nicht nach 15 Spielen ausgespielt wäre.
Ich hatte mir auch etwas mehr von der Variante erhofft, bei der wir, nachdem eine Person die Lösung gefunden hat, einfach weiterspielen. Dann gibt es einfach Punkte, je nachdem, als wievielte Person ich das Rätsel gelöst habe. Aber nachdem jemand das Rätsel gelöst hatte, war es eigentlich die beste Vorgehensweise, einfach die letzten Karteninformationen des Gewinners zu wiederholen. Hat jemand gelöst, nachdem er die Serviererin zur Galerie befragt hat, dann sollte ich wohl auch einfach die Serviererin zur Galerie befragen.
Vergleiche ich Kronologic mit anderen Deduktionsspielen, dann finde ich schon, dass Kronologic etwas Eigenes macht. Die Logikaufgaben von Turing Machine beispielsweise waren weniger thematisch, aber hatten auch weniger Einfluss durch glückliches Raten, dafür dauerte der Aufbau ewig. Die Suche nach Planet X ist wiederum wahnsinnig komplex im Vergleich zu Kronologic. Von der Komplexität ist vielleicht Cryptid noch am besten mit Kronologic zu vergleichen, aber Cryptid ist interaktiver, weil wir gezielt versuchen, anderen Personen bestimmte Informationen zu entlocken. Aber dadurch, dass ich nichts notieren darf, ist Cryptid anstrengender.
Fazit: Kronologic bietet ein Logikrätsel, bei dem ich auch in den Zügen meiner Mitspielenden Informationen bekomme. Leider kann es passieren, dass ich nicht durch Genialität, sondern durch einen Glücksgriff den Fall schnell aufkläre.
KULTFAKTOR: 7/10
Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6/10
EUER REZENSENT
LUTZ
Wahl-Niederländer, Elektrochemiker, Zuvielspieler, Rätselenthusiast
Eine Rezension vom 23.04.2025
Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.
Bildnachweis:
Coverfoto: Pegasus Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten