REZENSION

KNOWLEDGE?

  • Genre: Wissensspiel
  • Jahr: 2024
  • Verlag: Edition Spielwiese / Pegasus Spiele
  • Autor: Peer Sylvester
  • Grafik: Vernessa Himmler
  • Spieler: 2 bis 6
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 45 bis 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Initiativlevel: 5/10

Wissen von A bis E

In diesem Quizspiel treten wir kooperativ an, um die imaginären Gegner zu besiegen. Dazu müssen wir die Antworten richtig einschätzen, um den Teammarker in Führung zu bringen, während die fünf Gegnermarker überholt werden müssen.

REGELN

Der Spielplan zeigt eine Art Buchstabenrad mit einem Start-/ Zielfeld. Stellt den Teammarker auf dieses Feld. Legt die Gegnermarker in zufälliger Anordnung auf ihre variablen Startfelder. Die Felder und Gegnermarker bestehen aus fünf verschiedenen Farben und den Buchstaben von A bis E.

Bildet aus sechs Karten einen kleinen Stapel. Lest dann die erste Karte laut vor. Es gibt drei verschiedene Kartenarten:

  • Buchstaben: Die Lösung ist ein Buchstabe (A, B, C, D oder E). Sucht euch den Marker aus, der zum nächsten Buchstaben der vermeintlichen Lösung gezogen werden soll.
  • Farben: Die Lösung ist eine Farbe (rot, grün, gelb, blau, weiß). Sucht euch den Marker aus, der zum nächsten Farbfeld der vermeintlichen Lösung gezogen werden soll.
  • Zahlen: Die Lösung ist eine Zahl. Sucht euch den Marker aus, der um so viele Felder nach vorn gezogen werden soll, wie es der vermeintlichen Lösung entspricht.


Grundsätzlich gilt: Die Gegnermarker sollten möglichst kleine Distanzen zurücklegen, während der Teammarker möglichst viel Strecke machen sollte. Sichtbare Gegnermarker zählen auch immer als Feld der entsprechenden Farbe / des entsprechenden Buchstaben, sodass ein nachkommender Marker auf einen anderen Marker gezogen werden kann. Der oberste Marker in einem Stapel bestimmt dann den aktuellen Buchstaben / die aktuelle Farbe des Feldes.

Habt ihr euch für einen Marker entschieden, wird die Rückseite der Karte mit der Lösung offenbart und der gewählte Marker zur tatsächlichen Lösung gezogen, egal, ob ihr dabei die richtige Lösung gefunden habt oder nicht. Danach geht's weiter mit der nächsten Karte.

Jeder Marker muss bewegt werden. Legt die Karte immer zu der Farbe, deren Marker ihr gerade gezogen habt. Erst wenn alle fünf Gegner- und der Teammarker einmal bewegt wurden, stehen wieder alle Marker zur Auswahl. Zieht dann wieder sechs neue Karten vom Stapel.

Überquert ein Gegnermarker zum ersten Mal das Ziel, wird er auf die Rückseite gedreht. Überquert ein Marker zum zweiten Mal das Ziel, ist das Spiel nach der laufenden Runde, heißt, wenn alle Marker bewegt, also alle sechs abgezählten Karten gespielt wurden, beendet. Befindet sich der Teammarker nun vor dem vordersten Gegnermarker, habt ihr das Spiel gewonnen. Legt ein Gegnermarker vorn, habt ihr gemeinsam verloren.

Experten-Variante: Lest zunächst die gezogenen sechs Karten vor und entscheidet euch erst danach, welche Karte ihr welchem Marker zuordnet. So habt ihr mehr Kontrolle darüber, wie sich die Marker bewegen. 

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • interessanter Kniff
  • knifflige Fragen


CONTRA

  • richtige Antworten belohnen einen nur teilweise
  • eingeschränkte Kontrolle im Standardspiel 
  • zu umständliche Berechnung der Bewegungen in der Variante

MEINUNG

Knowledge? bezeichnet sich selbst als „Quiz ohne Fragen“. Als Quiz-Fan werde ich sofort neugierig, um dann etwas ernüchtert festzustellen, dass die Kartentexte im Grunde sehrwohl hätten Fragen sein können, wenn man sie anders formuliert hätte. Beispiel: „Die Anzahl der Personen in einem Skiff“. Jetzt mal unabhängig davon, ob man weiß, was ein Skiff ist, so hätte der Text ebenso gut lauten können: „Wie viele Personen befinden sich in einem Skiff?“. Kurz und knapp: Der Untertitel ist kein wirklicher spielerischer Kniff, sondern nur ein sprachlicher.

Okay, dann wird mich vielleicht die kooperative Spielweise mehr begeistern. Kneipenquiz - das Original (erschienen beim moses. Verlag) sehe ich noch immer als ein Referenzspiel für moderne Quizspiele an. Auch beim Kneipenquiz treten wir gegen imaginäre Gegner (die Flaschen) an und müssen ihnen Antworten zuordnen. Leider wartet an dieser Stelle schon der nächste große Unterschied. Bei Knowledge? müssen wir uns im Standardspiel immer direkt entscheiden, welchen Marker wir vorwärts ziehen.

Beim Kneipenquiz geht es da dann um eine Risiko-Abwägung. Wie sicher sind wir uns bei einer Antwort? Dementsprechend ordnen wir der jeweiligen Flasche Schrittzahlen zu, die bei einer richtigen Antwort gnädiger ausfallen als bei einer falschen. Das ist echt spannend und klug gemacht. Bei Knowledge? ist es im Prinzip egal, was wir antworten. Die richtige Lösung bestimmt am Ende, wohin ein Marker gezogen wird. Ebenso gut könnte man das Spiel also mit sich selbst spielen lassen können. Richtige Antworten ohne eine echte Belohnung gegenüber einer falschen Lösung? Hmm, als Quizfan irritiert mich das.

Nun liegt der eigentliche Kniff ja darin, einen Gegnermarker zu bestimmen, der am besten vielleicht nur ein Feld nach vorn zieht, weil auf dem nächsten Feld ein „B“ zu sehen ist und die richtige Lösung der Karte mit „B“ beginnt. Am Anfang jeder Runde lässt sich da in der Tat noch gut taktieren, doch zum Ende, wenn vielleicht nur noch zwei Marker zur Auswahl stehen, ist man dann auch einfach dem Zufall ausgeliefert. Vielleicht weiß ich beim letzten Gegnermarker, dass die Lösung der Karte „grün“ lautet. Das kann sogar echtes Nischenwissen sein, auf das ich stolz bin, denn der Fragenkatalog ist umfangreich, breitgefächert und mitunter alles andere als einfach. Dumm nur, wenn das nächste grüne Feld zu diesem Zeitpunkt eine halbe Kreislänge voraus liegt. Das ist dann schon ärgerlich, dass mich mein Wissen dann dennoch in den Hintern tritt.

Nun empfiehlt die Anleitung als Variante, alle sechs Fragen vorab zu lesen, sie dann den Markern zuzuordnen und erst dann in einer Reihenfolge der eigenen Wahl aufzulösen. Ja, dann wird das Geschehen grundsätzlich kontrollierbarer, aber auch dann kann es noch passieren, dass man einem Gegnermarker eine Antwort zuordnen muss, die ihn weit nach vorn treibt. Zudem wird Knowledge? dann echt grübellastig. Die Reihenfolge der Bewegungen bestimmt letztlich, wie weit die Marker gezogen werden. Das von Anfang an zu überblicken, ist echt nicht leicht, und lässt den eigentlichen Quizgedanken zunehmend in den Hintergrund rücken.

Tja, ganz ehrlich? Knowledge? lässt mich ein wenig ratlos zurück, was extrem schade ist, denn ich bin wirklich stets offen für neue Quiz-Ideen. Der Grundgedanke gefällt mir, die Fragen in ihrem Anspruch ebenso, die spielerischen Konsequenzen jedoch wollten in unseren Runden jedoch nicht so richtig zünden. Das Nachdenken über die taktischen Bewegungen im strategischen Modus empfanden alle als eher anstrengend, im Standardmodus wiederum gab es viele Zufallsfaktoren, die einem irgendwie nur bedingt das gute Gefühl gaben, durch eigenes Wissen ins Ziel zu gelangen. So bekam das Spiel von allen Teilnehmern nur Durchschnittsbewertungen, mit kleinen Abweichungen nach oben, aber auch nach unten.

Ich selber bin da auch hin- und hergerissen. Ich finde die Idee grundsätzlich interessant, ertappe mich aber auch in jeder neuen Partie immer wieder dabei, gar nicht groß über die tatsächlichen Antworten nachzudenken, da sich oftmals einfach die Situation ergibt, in der es egal scheint, welcher Marker jetzt wirklich nach vorn gezogen wird und wie weit. So gibt es von mir insgesamt dann auch nur durchschnittliche 5 Kultpunkte. Wenn ich kooperativ quizzen möchte, dann bleibe ich auch in der Zukunft lieber beim Kneipenquiz

KULTFAKTOR: 5/10

Spielidee: 6/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 5/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 16.04.2024

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Edition Spielwiese / Pegasus Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten