REZENSION

KAVANGO

  • Genre: Taktikspiel
  • Jahr: 2025
  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Autoren: Matt Brown, Zara Reid
  • Grafik: Matt Brown
  • Personen: 1 bis 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 60 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
  • Taktiklevel: 7/10

Schutz und Schönheit

Als Experten für Naturschutz zieht es uns in die afrikanische Kavango-Zambesi-Region. Wir erschaffen Ökosysteme, stellen uns Forschungsaufgaben und investieren in den Tier- und Klimaschutz.

REGELN

Nehmt euch jeweils ein eigenes Tableau und einen Reservat-Plan in euer Farbe. Wählt einen aus jeweils zwei zur Auswahl stehenden Spezialisten, welcher euch im Spiel eine asymmetrische Fähigkeit verleiht.

Sortiert die Karten nach Ihren Rückseiten (Aktion, A, B, C) und mischt sie. Erhaltet bereits vor Spielbeginn zwei Karten vom C-Deck und legt sie in eure Auffangstation neben euer Tableau.

Stellt für jede Person ein Handkartenset zusammen, das sich in jeder der drei Runden neu aus den verschiedenen Decks zusammensetzt. Legt eine Spielreihenfolge fest und nehmt euch die entsprechende Zahlenkarte.

Vor jeder der drei Runden legt ihr vier zufällige Forschungsaufgaben aus, die für alle Personen gelten.

Los geht's. Die Spielzüge werden gleichzeitig durchgeführt, die Reihenfolgekarten sind nur dann von Bedeutung, wenn die Abfolge der Aktionen einen Relevanz aufs Spielgeschehen hat.

Jeder Spielzug besteht aus vier Phasen:

(1) Karte auswählen. Sucht euch eine Karte von eurer Hand aus.

(2) Karte spielen: Legt ihr die Karte ungenutzt ab, gibt es dafür einen Geldmarker eurer Farbe. Spielt ihr sie vor euch aus, entscheidet die Kartenart, was passiert:

  • Aktionskarten bringen einmalige Effekte, z.B. Geld.
  • Produzenten (aus Deck A) werden ans eigene Tableau angelegt. So erhöht sich die Anzahl an verfügbaren Symbolen für Gräser, Bäume, Wirbellose und Fische. Diese Symbole sind Voraussetzungen, um Tiere ins Reservat spielen zu können.
  • Tierkarten (Deck B und Deck C) werden ins eigene Reservat gelegt, wenn die Voraussetzung einer gewählten Karte erfüllt ist (Symbole, Schutzstufen). Maximal drei Karten können in der Auffangstation reserviert werden, wenn ihre Bedingungen noch nicht gegeben sind. Sie werden ins Reservat verschoben, sobald ihre Voraussetzungen erfüllt sind. Nur Karten im Reservat sorgen mit ihren Symbolen dann dafür, dass andere Karten diese Symbole als Voraussetzung für sich nutzen. So könnte ein Tier beispielsweise zwei Bäume, zwei Gräser, Klimaschutzstufe 2 und bestimmte Tierarten im Reservat einfordern.


(3) Forschungsaufgabe werten und Geld investieren. Erfüllt ihr mit dem eigenen Reservat eine Forschungsaufgabe (bestimmte Anzahl an Produzenten, Tieren, bestimmte Tiermerkmale etc.), legt einen Checkmarker eurer Farbe darauf und erhaltet Geld und Punkte; je besser die Aufgabe erfüllt würde, umso größer ist die Belohnung. Jede Person kann jede der vier Forschungsaufgaben nur jeweils einmal erfüllen. 

Geldmarker können investiert werden, um ...

  • neue Stufen des Habitat- und Wildtierschutzes auf dem eigenen Tableau freizuschalten.
  • den Klimaschutz voranzutreiben, und das gemeinsam. Habt ihr eine bestimmte Menge an Geld investiert, wird die entsprechende Klimaschutzstufe für alle Personen aktiviert, unabhängig von der eigenen Beteiligung daran. 
  • eine Renaturierungskarte zu kaufen, die als beliebiger Produzent ans eigene Tableau angelegt wird. 


(4) Karten weitergeben. Gebt eure übrigen Handkarten an die nächste Person und erhaltet ebenso weitergegebene Karten.

Wiederholt diese Schritte, bis ihr 10 Karten ausgewählt habt. Legt die übrigen Karten ab. Spielt im Anschluss eine zweite und eine dritte Runde mit neuen Hand- und Forschungskarten.

Spielende und Schlusswertung: Nach der dritten Runde liefern alle Tiere im eigenen Reservat ihre aufgedruckten Punkte, Tiere in der Auffangstation werden nicht beachtet. Darüber hinaus werden drei Umweltschutz-Preise vergeben:

  • 10 Punkte, wenn jedes der elf Tier- und Produzentensymbole mindestens einmal im eigenen Reservat vertreten ist, 5 weitere Punkte, falls alle Symbole mindestens doppelt vorhanden sind.
  • 10 Punkte, wenn mindestens acht eigene Geldmarker in den Klimaschutz investiert wurden.
  • 10 Punkte, wenn sowohl Habitat- als auch Wildtierschutz auf dem eigenen Tableau bis auf Stufe 4 ausgebaut wurden.


Wer die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.

Optional kann zusätzlich mit persönlichen Zielen gespielt werden, von denen am Ende je ein Ziel individuell gewertet wird.

Das Spiel enthält zudem einen Solo-Modus.

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • interessanter Mix aus Draften und Set-Collecting
  • gute thematische Einbindung 
  • schöne taktische Kombinationen möglich
  • ungewöhnlicher Grafikstil


CONTRA 

  • wirkt etwas technisch und teilweise auch eindimensional 
  • nicht zu unterschätzender Zufallsfaktor
  • ungewöhnlicher Grafikstil

MEINUNG

Wenn mich jemand fragt, worum es in Kavango spielerisch geht, dann ist die Antwort "das ist so ein Mix aus 7 Wonders und Flügelschlag" eine ganz gute Charakterisierung. Das Draften der Karten (aussuchen, weiterreichen) ist vielen einfach aus 7 Wonders bekannt – nichts Neues mehr, aber erprobt. Das funktioniert, wenngleich natürlich auch immer etwas Glück vorhanden ist, wann ich welche Karte auf die Hand bekomme. Durch die nach ihren Rückseiten sortierten Decks und die in jeder Runde klar definierte Anzahl verschiedener Kartentypen ist es aber zumindest ausgeschlossen, dass jemand beispielsweise keine einzigen Produzentenkarte erhalten würde.

Das Erschaffen einer punkteträchtigen Kartenauslage ist dann an viele Symbole geknüpft. Die Produzenten dienen quasi als Grundressourcen, ausgespielte Tiere liefern neue Symbole für noch stärkere Karten, und zudem gilt es auch noch, verdientes Geld klug einzusetzen, um Schutzstufen freizuschalten.

So jonglieren wir also die Karten, um Synergien auszuloten und tolle Kombinationen zu erschaffen, immer mit dem Auffangnetz, Karten auch einfach zu Geld machen zu können oder sie in der Auffangstation zwischenzuparken.

Ein wichtiges Element sind dabei die Forschungsaufgaben, die an Flügelschlag erinnern. Mal geht es um eine bestimmte Anzahl an Bäumen, mal um Tiere, die kleiner als 50cm sind. Wie gut so eine Aufgabe zu erfüllen ist, ist, neben der taktischen Planung, dann jedoch auch wieder etwas vom Zufall abhängig. Daraus ergibt sich bei Kavango dann mitunter eine Situation, die dazu führen kann, dass bei einem Glückspilz sämtliche Zahnräder wie von selbst ineinandergreifen, während bei Pechvögeln nichts so richtig passen will. Da ich fürs Erfüllen der Aufgaben nicht nur Punkte, sondern auch Geld erhalte, kann einen das tatsächlich stark ausbremsen, wenn man solche Aufgaben nicht erfüllt bekommt. Mehr Geld bedeutet schnellerer Ausbau der Schutzstufen, und dieser Ausbau erlaubt es einem wiederum, schneller höherwertigere Karten ausspielen zu können.

Nun wirkt Kavango mit seinen asymmetrischen Startvoraussetzungen, den verschiedenen Spezialisten-Fähigkeiten (die auf mich z.T. unterschiedlich stark wirken), vor allem mit seiner Vielzahl an Tierkarten sehr abwechslungsreich – zumindest auf den ersten Blick. Spielt man Kavango häufiger, stellt man eine gewisse Eindimensionalität fest, die schon allein durch ihre immer gleichen Schluss-Belohnungen definiert ist. Ich muss bis aufs Maximum in den Schutz investieren, damit mir keine Punkte entgehen, überhaupt brauche ich den Schutz ja, um bestimmte Karten ausspielen zu können. So werde ich also in jeder Partie an dieser Stelle immer dasselbe Ziel vor Augen haben, was langfristig für ein Wiederholungsgefühl sorgen kann.

Das Thema wurde in Kavango stimmig, für mich aber auch etwas technisch umgesetzt. Letztlich sammele, zähle und vergleiche ich immer wieder Symbole oder Statistiken, was ich persönlich auch bereits bei Flügelschlag etwas anstrengend fand. Im direkten Vergleich bietet mir Flügelschlag dann aber das raffiniertere Spielkonzept, da es dort zusätzliche wichtige Timing-Entscheidungen gibt. Die Positionen der Karten auf den eigentlich überflüssigen und platzraubenden Tableaus sind in Kavango ohne Belang – ja, die belegten Spieltafeln sind dann in gewisser Hinsicht Augenschmeichler, aber spielerisch sind sie nicht wichtig, schade!

Die Gestaltung des Spiels ist insgesamt eher nüchtern ausgefallen, die Wildniskarten sind aber künstlerisch illustriert. Ob man den bewusst farbreduzierten Grafikstil nun mag oder nicht, ist persönlicher Geschmack. Ich persönlich hätte mir da eine farbenfrohere Gestaltung gewünscht.

Insgesamt ist Kavango ein rundes Spiel mit funktionierenden Mechanismen und verschiedenen taktischen Optionen, thematisch gut eingebettet. Dafür 7 Kultpunkte, auf lange Sicht sind es letztlich bei mir dann aber doch nur 6 Punkte, einfach, weil einerseits vieles vom Zufall abhängt, sich andererseits auch vieles wiederholt und mir das Spiel jetzt nicht die große Innovation liefert, die meinen Spielspaß dauerhaft auf ein absolutes Spitzenniveau treibt. Für mich ist das Spiel grundsolide mit Schwankungen, was das Spielgefühl angeht. Einige meiner Mitspieler finden Kavango richtig gut, andere sehen das so wie ich. Von daher: Am besten mal ausprobieren, besonders, wenn euch eher solitär geprägte Optimierungsaufgaben und ein Ressourcen- (bzw. hier Symbol-)Management gefallen. Die Tiere Afrikas zu entdecken spielt Tier- und Naturfreunden dabei natürlich auf jeden Fall wortwörtlich in die Karten, das ist nochmal ein klarer Pluspunkt.

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/RTUAiu9XJdQ

KULTFAKTOR: 6-7/10

Spielidee: 7/10
Ausstattung: 7/10
Spielablauf: 6-7/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 24.11.2025

Dieser Spieletest wurde unterstützt durch ein Rezensionsexemplar.

Bildnachweis:
Coverfoto: Schmidt Spiele
Weitere Fotos: Spielkultisten