REZENSION

HOT STREAK

  • Genre: Familien-/ Partyspiel
  • Jahr: 2026
  • Verlag: Strohmann Games
  • Autor: Jon Perry
  • Grafik: Cécile Gariépy
  • Personen: 2 bis 8 (auch 9+)
  • Alter: ab 6 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Minuten
  • Schwierigkeitsgrad: leicht 
  • Taktiklevel: 3/10

Rennen, Rempeln, Risiko

Im verrückten Rennen der Maskottchen wetten wir darauf, wer wohl als erstes die Ziellinie überquert. Doch die überdimensionierten Kostüme haben so ihre Tücken – da gibt es atemberaubende Sprints und grandiose Aufholjagden, aber auch wilde Zusammenstöße und völlige Orientierungslosigkeit. Wer einen guten Riecher hat, wird reich!

REGELN

Rollt die Rennstrecke aus der Spielschachtel (sie befindet sich auf einer drehbaren Rolle), stellt die vier Maskottchen auf ihre Startfelder und legt zu jedem Maskottchen die umrandete Startkarte. Mischt die weiteren Karten verdeckt und legt eine bestimmte Anzahl, angepasst an die Personenzahl, offen aus. Teilt nun jeder Person drei Handkarten vom Stapel aus. Die restlichen Karten werden in dieser Partie nicht mehr benötigt.

Legt die Wettscheine aus (die jeweils wertvollsten für jedes Maskotten nach oben), zudem die Nebenwetten. Die Wettkarte der Nebenwette wechselt in jeder Runde. Außerdem erhält jeder noch 10 Dollar Startkapital.

Beginnend bei der Startperson sucht ihr euch reihum jeweils einen Wettschein aus und legt ihn vor euch, entweder mit der Standard- oder mit der Risikoseite nach oben. Hat jeder einen Wettschein genommen, erfolgt eine zweite Auswahl, diesmal rückwärts, sodass die Startperson die letzte Wahl hat. Die Wettscheine beziehen sich jeweils auf die Platzierung eines Maskottchens oder auf die Nebenwette (z.B. wird hier gefragt, ob wohl ein Maskottchen disqualifiziert wird oder zwei gleichzeitig auf allen Vieren liegen etc.). Ihr könnt auch zweimal auf dasselbe Maskottchen wetten.

Wählt nun jeweils eine Handkarte aus und legt sie verdeckt in die Tischmitte. Mischt die verdeckt ausgespielten Handkarten mit den zuvor offen ausgelegten Karten zu einem verdeckten Stapel, von dem ihr vor Beginn des Rennens drei zufällige Karten ungesehen zur Seite legt. Jetzt kann das Rennen beginnen!

Deckt nun nacheinander die Karten des Stapels auf und macht immer das, was die Karte vorgibt. Die grünen Karten beziehen sich auf alle Maskottchen, die anderen Karten sind immer einem Maskottchen zugeordnet. Folgende Aktionen sind auf den Karten zu finden:

  • Nach vorn (oder auch rückwärts) laufen um die angegebene Schrittzahl
  • Bis zum nächsten Sternfeld laufen
  • Ausscheren (d.h. die Bahn wechseln)
  • Hinfallen (das Maskottchen wird hingelegt und kann sich jetzt immer nur noch exakt 1 Schritt nach vorn robben, wenn es bewegt wird, egal, was die Karte sagt)
  • Umdrehen (das Maskottchen dreht sich um 180 Grad und läuft bei Bewegungen nun in die andere Richtung)
  • Sich erholen (ein liegendes oder falsch herum laufenes Maskottchen wird wieder aufgestellt bzw. in die richtige Richtung gedreht).


Läuft ein Maskottchen in ein anderes, fällt das getroffene Maskottchen hin.  

  • Sollte ein Maskottchen von der Rennstrecke abkommen, wird es disqualifiziert und auf dem letzten freien Platz der Wertung einsortiert.
  • Gelangt ein Maskottchen über die Ziellinie, wird es auf dem ersten freien Platz der Wertung einsortiert.


Sollten sich noch Maskottchen auf der Rennstrecke befinden, sobald der Kartenstapel leer ist, wird die Rennstrecke verkürzt (zu langsame Maskottchen können so aus dem Rennen aussscheiden). Die Karten werden neu gemischt (zusammen mit den drei aussortierten) und wieder werden drei zufällige zur Seite gelegt; dann wird das Rennen fortgesetzt.

Sobald alle Maskottchen einen Platz auf dem Wertungspodium erlangt haben, wird verglichen. Wer auf ein bestimmtes Maskottchen gewettet hat, schaut, welchen Platz es gemacht hat, und erhält, entsprechend der Vorgabe auf dem Wettschein, das angegebene Geld für die Platzierung (Geld wird nur für die Plätze 1 bis 3 verteilt). Wer sich beim Wetten für die Rückseite des Wettscheins (Risiko) entschieden hat, kann hier entsprechend mehr Geld verdienen, aber auch verlieren, wenn eine Nebenwette schief gegangen ist. Die Wettscheine der Nebenwetten werden dazu einfach auf ihre Richtigkeit überprüft. 

Es folgen zwei weitere komplette Rennen nach dem gleichen Spielprinzip, wobei jeder zunächst aus allen Karten wieder eine dritte Handkarte erhält und dann erneut entscheidet, welche Karte ins Rennen geschickt wird. Bei kleinerer Personenzahl werden da auch direkt zwei Karten gespielt. 

In der letzten Runde wird der Geldgewinn eines zuvor ausgewählten Wettscheins jeder Person am Ende verdoppelt. Bei einer falschen Risiko-Nebenwette muss dann auch der doppelt hohe Betrag abgegeben werden.

Wer nach drei Runden das meiste Geld gesammelt hat, gewinnt. Jeder erhält zudem für seine Geldsumme einen kleinen Lebenslauf, der aus der Anleitung vorgelesen wird.

Das Spiel kann auch mit 9 oder mehr Personen gespielt werden. In diesem Fall werden  Wetten dann notiert. 

GALERIE

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CHECKPOINT

PRO

  • chaotisches Wettrennen
  • tolles Spielmaterial
  • witziger Mix aus Glück und kleinen taktischen Entscheidungen
  • in der richtigen Runde ein großer Spaß
  • viele Emotionen


CONTRA 

  • wenig „echte“ Spielentscheidungen
  • floppt, wenn es rein technisch gespielt wird

MEINUNG

Hurley, der Hot Dog, prescht nach vorn, Gobbler ist ihm dicht auf den Fersen. Der Bär ist mir sympathisch. Auf den habe ich große Wetten abgeschlossen. Go, Gobbler, go, notfalls rennst du Hurley über den Haufen! Doch was passiert da plötzlich? Der Fisch holt auf, immer mehr! Er wird doch nicht Gobbler den Sieg streitig machen? Nein, er fällt hin! Genau zum richtigen Zeitpunkt! Schadenfreude! Und was ist überhaupt mit Mum los? Auf die habe ich ebenfalls gewettet, aber irgendwie scheint sie völlig orientierungslos zu sein! Sie läuft ja plötzlich rückwärts, und jetzt dreht sie sich auch noch um! Der nächste Sprint geht zurück hinter die Startlinie, das darf doch alles nicht wahr sein! Vielleicht hätte ich doch lieber auf die Nebenwette setzen und mit Risiko vorhersagen sollen, dass ein Maskottchen disqualifiziert wird? Ach, das Blatt kann sich ja noch wieder wenden ...

So oder ähnlich laufen in Hot Streak die drei Wettrennen ab. Das passiert tatsächlich alles in Autobattler-Manier, d.h. wir decken einfach nur Karten vom gemischten Stapel auf und machen das, was drauf steht. Die Kartenreihenfolge kann nicht programmiert werden, und überhaupt wissen wir auch nie sicher, welche Karten überhaupt am Rennen teilnehmen. Wir können die Kartenauswahl aber zumindest ein klein wenig beeinflussen. Wenn ich auf Hurley wette und eine Sternfeld-Sprintkarte auf der Hand habe, werfe ich sie wohl mit in den Pool. Das kann Hurley schnell nach vorn befördern. Natürlich kann eine Person aber auch destruktiv spielen. Dann legt sie die „Hurley dreht sich um"-Karte mit in die Kartenmenge. Das Spiel ist also ein Zockerspiel. Ich habe gewisse Informationen, vor allem durch die anfangs offen liegenden Karten, aber auch nicht genug Klarheit, um Entscheidungen komplett abzusichern. Da bleiben immer Risiken. Hurley steht nur noch ein Feld vorm Ziel? Ich zittere. Mit meiner Risko-Wette kann ich gleich ordentlich Cash abräumen. Und dann kommt ernsthaft die „Dreht sich"-Karte? Großes Gelächter am Tisch.

Wer Hot Streak nur rein technisch spielt, die Karten wortlos aufdeckt, wird den Reiz des Spiels nie erfahren. Rein spielerisch passiert da ja auch nicht viel. Was ich aktiv mache? Eine Handkarte auswählen und zwei Wetten abschließen. Der Rest ist Zuschauen! An so etwas muss man Spaß haben, um Hot Streak gut zu finden. Mit der richtigen Einstellung zum Spiel entfaltet sich dann eine grandiose Berg- und Talfahrt der Emotionen. Und wenn ihr das Wettrennen lauthals am Tisch kommentiert, jede Bewegung feiert oder euch mal so richtig ärgert, dann liefert Hot Streak eine echt starke Dynamik, der sich niemand entziehen kann, wenn er oder sie auch nur einen Hauch von Zocker-Gen in sich hat.

Hot Streak lebt von seiner Glücksabhängkeit, von den überraschenden Wendungen. Das ist kein Strategiespiel, bei dem man aus eigener Kraft gewinnt, durchaus aber ein Spiel, bei dem man etwas taktieren kann. Man kann die Mitspielenden „lesen“, wenn sie Wetten abschließen und daran vielleicht erkennen, welche Karte sie gleich in den Stapel spielen werden. Dementsprechend kann man selbst agieren, die richtigen Wetten aussuchen, Risiko-Entscheidungen treffen, vielleicht auch mal eine Karte als Ärgerfaktor ins Spiel bringen.

Wer mit diesem Konzept des völlig chaotischen Wettrennens etwas anfangen kann, wird allein schon durchs tolle Spielmaterial angesprochen. Die Maskottchen-Figuren sind überaus herzig, die ganze Schachtel mit der ausrollbaren Rennstrecke ist clever designt. Und das Beste: Hot Streak kann jede Personengruppe abholen: Kinder, Erwachsene, Wenig- und Vielspieler. So kann das flott gespielte Fun-Spiel als Familienspiel genauso punkten wie als Absacker an einem längeren Spieleabend - vielleicht auch als feucht-fröhliche Party-Einlage.

Nicht jeder wird Hot Streak mögen. Wenn ihr es in kleinerer Runde spielt, ist der Spaßfaktor auch geringer als in großer Runde. Ganz klar: Das Spiel steht und fällt mit der gelebten Stimmung am Tisch. Wenn die passt, dann ist Hot Streak für mich ein heißer Titel für echt spaßige Momente, die gekrönt werden von den absurden Lebensverläufen, die wir am Ende des Spiels für unseren Geldgewinn erhalten. Tja, Carsten, gut gezockt, wie geht es eigentlich der Rotkehlchen-Familie? Meinen Nerv hat Hot Streak da absolut getroffen, und auch wenn es Partien gibt, in denen die Karten vielleicht mal etwas vorhersehbarere Ergebnisse als in anderen Runden liefern, so bekommt das Spiel für das, was es ist, von mir nahezu perfekte 9 Kultpunkte - wie gesagt: die richtige Anzahl und Auswahl an Mitspielenden vorausgesetzt. Großes Kino!

VIDEO

Unser Video zum Spiel findet ihr auf YouTube:  https://youtu.be/6JwiOuP200M

KULTFAKTOR: 9/10

Spielidee: 9/10
Ausstattung: 10/10
Spielablauf: 8/10

EUER REZENSENT

INGO

Vielspieler, Skifahrer, Italien-Fan, Medienheini

Eine Rezension vom 17.05.2026

Bildnachweis:
Coverfoto: Strohmann Games
Weitere Fotos: Spielkultisten